Stiche vor der City Lounge: Prozess beginnt Montag

Ehemals Regenbogen, Route 66, Nachtschicht, nun: City Lounge

Die City Lounge ist allein schon wegen ihrer weit nach hinten gerückten Öffnungszeiten eine Besonderheit im Klever Nachtleben, die natürlich auch genau deshalb ihre Daseinsberechtigung hat, und gelegentliche Besuche dort – Stichwort: Feierabendbier – zeigen, dass dies ein guter Ort zum Tanzen ist, der zudem umsichtig geführt wird, mit der Folge, dass Gäste, die sich nicht an Regeln halten, schnell nach draußen befördert werden, so, wie sich das gehört. Aber was draußen dann geschieht, hat man natürlich als Gastronom nicht oder nur noch begrenzt im Griff, und so ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 8. März vor der Gaststätte eine Bluttat, die nun von der Justiz aufgearbeitet wird.

Vor der 4. großen Strafkammer – Schwurgericht – muss sich am Montag, 26. Oktober, ab 9 Uhr ein 26 Jahre alter irakischer Staatsangehöriger verantworten, der des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicherKörperverletzung in drei Fällen sowie wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt ist. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte in der Gaststätte mit weiteren Gästen eine Meinungsverschiedenheit gehabt haben. Die Auseinandersetzung der Männer habe sich anschließend nach draußen verlagert. Einer der Gäste habe versucht, den Angeklagten zu beruhigen. In der Annahme, dass die Auseinandersetzung beendet sei, habe sich dieser Gast von dem Angeklagten abgewandt. Der Angeklagte soll diesen Moment ausgenutzt und dem Gast mit einem Messer oder einem spitzen Gegenstand – den Tod billigend in Kauf nehmend – in den Rücken gestochen haben.

In gleicher Weise soll er zwei weiteren Gästen, wobei einer von ihnen an der vorherigen Auseinandersetzung unbeteiligt gewesen sein soll, in den Rücken bzw. in den Brustbereich, gestochen haben. Alle drei Geschädigten mussten im Krankenhaus ärztlich versorgt werden; einer von ihnen erlitt unter anderem einen Anstich des Lungenlappens und musste eine Woche lang stationär behandelt werden.

Auf seiner anschließenden Flucht soll der Angeklagte von einem Zeugen gestellt worden sein, den er in der Folge mit einem Messer angegriffen haben soll. Der Zeuge habe den Angriff abwehren können, wobei er eine Schnittverletzung an der Hand erlitten habe. Der Angeklagte sei anschließend durch den Zeugen überwältigt und mit Hilfe eines weiteren Zeugen festgehalten worden. Einer der beiden war der Wirt der Gaststätte.

Zur Hauptverhandlung am 26.10.2026 sind dreizehn Zeugen und einSachverständiger geladen. Fortsetzungstermine sind am 02.11.2026 und am 05.11.2026.

Die City Lounge ist Klevern auch unter anderen Namen bekannt. Vor dem letzten Betreiberwechsel hieß das Lokal Nachtschicht und davor Route 66. Bekannt wurde die Gaststätte in früheren Jahren als Regenbogen, damals noch von Dieter Gietmann, wegen seiner Wildwest-Leidenschaft allseits „Cowboy“ genannt, geführt. Am 15. April 2007 um 7:40 Uhr, als Gietmann schon lange nicht mehr Wirt des Lokals war, geriet er mit einem anderen Gast in Streit, holte zu Hause eine Sig Sauer P 220 und feuerte – nachdem er zweimal „Peng!“ gesagt hatte – genau einen Schuss auf den Kontrahenten ab, der zum Glück unverletzt blieb. Angeblich nur ein Warnschuss, so Gietmann. Noch im gleichen Jahr begann der Prozess. „Wenn ich ihn hätte treffen wollen, hätte ich ihn getroffen“, sagte der Sportschütze Gietmann zu seiner Verteidigung. Die 4. große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Richter Ulrich Knickrehm, dem späteren Bürgermeister von Goch, verurteilte ihn jedoch wegen versuchten Mordes zu einer Haftstrafe von fünf Jahren. Das Einschussloch war noch Jahre später in der Gaststätte mit einem Goldkreis markiert.

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