Angesichts der Nachrichten aus den vergangenen Wochen war klar, dass die – verspätete – Vertreterversammlung der Volksbank Kleverland alles andere als ein Schaulaufen im warmen Schein des Erfolgs werden würde. Im vergangenen Jahr hatte sich die Bank von ihrem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Frank Ruffing getrennt, in diesem Jahr war klar geworden, dass das Kreditgeschäft einer massiven Wertberichtigung bedarf, was die Sicherungseinrichtung des Verbands auf den Plan gerufen hatte.
Mehr als hundert Vertreter hatten sich nun am Mittwochabend in der Klever Stadthalle versammelt, um aus erster Hand zu erfahren, wie es um ihre Bank bestellt ist. Die Nachrichten vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Wilhelm Wolters, und von den beiden Vorständen Frank Ripkens und Severin-Peter Seidel waren nicht erfreulich: Aus der normalen Geschäftstätigkeit ergab sich ein Verlust von etwas mehr als 110.000 Euro – und dies, obwohl Zinsergebnis, Provisionsergebnis und Mieterträge gestiegen waren.
Doch da gab es den Punkt „Wertberichtigungen und Abschreibungen im Kreditgeschäft“. Der machte alle anderen Erfolge zunichte: 2,2 Millionen Euro musste die Volksbank Kleverland in diesem Bereich abschreiben – ohne die Unterstützung durch die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken wäre dieser Wert sogar noch höher ausgefallen.
Vor diesem Hintergrund beschloss die Vertreterversammlung, anders als sonst auf die Auszahlung einer Dividende zu verzichten.
Vorstand Severin-Peter Seidel betonte, dass die Volksbank dank der Unterstützung angemessen mit Eigenkapital ausgestattet ist. Seidel: „Insgesamt weisen wir ein bilanzielles Eigenkapital in Höhe von mehr als 79 Millionen Euro aus. Damit ist unsere Bank solide kapitalisiert.“
Thema auf der Versammlung war natürlich auch das Geschehen aus dem vergangenen Jahr – insbesondere auch, weil der Sohn des früheren Vorstandsvorsitzenden, Maurice Ruffing, einen umfangreichen Fragenkatalog eingereicht hatte, in dem nach Rückstellungen, Schäden, Entscheidungsabläufen und Kosten gefragt wurde. Interessant: Der gesamte Komplex hat die Bank bisher 785.000 Euro gekostet.
Die Rechtsstreitigkeit mit einem Bereichsleiter ist inzwischen abgeschlossen. Die Volksbank setzte sich mit ihrer Ansicht dazu durch. Das arbeitsrechtliche Verfahren, das Frank Ruffing wegen seiner Kündigung angestrengt hatte, läuft noch. Ein Rechtsvertreter der Bank äußerte sich zuversichtlich. Der dritte Komplex sind die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die nach der Anzeige der Volksbank Kleverland aufgenommen wurden. Die Anklagebehörde ermittelt noch.
Der Ausblick der beiden Vorstände für das laufende Geschäftsjahr fiel solide aus. „Nach der aktuellen Ergebnisvorschaurechnung erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr ein Wachstum beim Zins- und Provisionsergebnis sowie eine Reduktion unserer Ausgaben“, resümierte Seidel die aktuelle Situation. Die Herausforderungen im vergangenen Jahr hätten nicht dazu geführt, dass vermehrt Einlagen abgezogen oder Genossenschaftsanteile gekündigt worden seien.
„Während wir bei der Anzahl der Mitglieder stabil bei rund 13.500 Mitgliedern liegen, verzeichneten wir bei den Kundenbeziehungen in 2025 sogar ein Wachstum. Und in 2026 konnten bislang weitere Mitglieder gewonnen und die Kundenbeziehungen nahezu stabil gehalten werden“, berichtete Seidels Kollege Frank Ripkens. Beide dankten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr „ungebrochenes Engagement“.
Zur Sprache kamen auch die Fusionsbestrebungen. Ripkens: „Unser Ziel ist es, die Volksbank Kleverland so aufzustellen, dass sie als eigenständiges Kreditinstitut ihren Auftrag erfüllen kann. Dabei sind wir auf einem sehr guten Weg, dank der Treue unserer Mitglieder und Kunden, des loyalen und kompetenten Einsatzes unserer Mitarbeitenden sowie der Hilfe des genossenschaftlichen Verbundes. Aber angesichts der Herausforderungen der Bankenbranche insgesamt macht es Sinn, über eine Fusion nachzudenken.“

