Projekt gerettet! Bernd Zevens steht vor Übernahme des Hoffmann-Carrees

Noch ruht die Baustelle

Es ist – einmal mehr – das typische Ende einer Klever Geschichte, die mit hochfliegenden Plänen beginnt, in eine Krise schlittert und schließlich vor dem Scheitern steht, bis aus dem Hintergrund plötzlich eine rettende Hand auftaucht. Diese rettende Hand gehört in Kleve dem Unternehmer Bernd Zevens, genannt Mom.

Was hat er nicht schon alles gerettet, vom Kaufhof in Kleve (er erwarb die Immobilie) bis hin zum Ratskrug in Materborn (er erwarb die Immobilie)! Nun kommt in das Portfolio seiner Rettungsaktionen offenbar auch noch das derzeit größte Bauprojekt der Stadt – der Bau von 81 Wohnungen für 23,5 Millionen Euro auf dem Gelände der ehemaligen AOK-Verwaltung an der Hoffmannallee. Wie aus verschiedenen Quellen zu hören ist, konnten sich der Düssledorfer Insolvenzverwalter Dr. Markus Kier (Kanzlei Piepenburg) und die Zevens Grundbesitz GmbH auf einen Übergang einigen. Nur Details sind offenbar noch zu klären. Für Kleve, ohnehin von Wohnungsnot gebeutelt, ist das eine gute Nachricht!

Offiziell bestätigt wurde die Nachricht indes noch nicht: „Bitte lassen Sie uns Anfang nächster Woche sprechen“, so der Sprecher der Kanzlei. Jochen Koenen (Zevens Grundbesitz) sagte bisher nur: „Wir befinden uns in Gesprächen.“

Wenn alles kommt wie nun geplant, soll der Bauunternehmer van Bebber (Kalkar) nach Ostern die Arbeiten wieder aufnehmen und den Gebäudekomplex fertigstellen. Die Fertigstellung war ursprünglich für das erste Quartal 2027 geplant. Dieser Termin wird sich aufgrund des mehrmonatigen Baustopps, der die finanziellen Probleme des ersten Investors offenbar werden ließ, wohl nicht mehr halten lassen.

Um die Karnevalstage herum hatten die zahlreichen Pleiten der nach griechischen Buchstaben benannten Gesellschaften des Emmerich Investors Florian Heuvelmann die Klever Wirtschaftswelt in Atem gehalten. Wie Dominosteine kippte eine GmbH nach der anderen. Am spektakulärsten war die Insolvenz, die das Bauvorhaben an der Hoffmannallee betraf. Als Bauherr firmierte dort die Beta Grundbesitz GmbH. Die Vermietung sollte über die Alpha Asset Management GmbH erfolgen. Als Generalunternehmer fungierte die Omega Wohnbau GmbH. Alle diese Unternehmen gingen binnen weniger Tage in die Insolvenz.

Schon im November hatte der ausführende Unternehmer van Bebber die Arbeiten eingestellt. Der Investor wiederum ließ noch im Dezember eine Geschichte verbreiten, nach der der Baustopp mit Problemen bei der Statik zu tun habe. In Wahrheit fehlte es wohl an Geld, was bei dem „Hoffmann-Carree“ getauften Projekt insofern eine außergewöhnliche Dimension hatte, weil es sich größtenteils um mit öffentlichen Geldern geförderten Wohnungsbau handelte und zum ersten Spatenstich die nordrhein-westfälische Wohnungsbauministerin Ina Scharrenbach (CDU) persönlich nach Kleve gekommen war.

Nach der Pleite des Investors war in Kleve sofort der Name des bekannten Retters im Gespräch. Bernd Zevens verbringt seinen Lebensabend allerdings mittlerweile am Stadtrand von Berlin und zeigte, so war zu hören, zunächst wenig Neigung, sich mit seinem Unternehmen noch einmal ins operative Geschäft zu stürzen. Seinen letzten öffentlichen Auftritt in Kleve hatte Zevens am 5. November 2024, als die SPD im Kaufhaus Galeria zu einer Diskussionsveranstaltung über die Rettung der Innenstadt eingeladen hatte. Doch dann gab es offenbar einen Stimmungsumschwung. Der Retter wollte nochmal retten, für seine Heimatstadt.

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