Letzter Versuch! Wie Sebastian Wessels den regionalen Einzelhandel retten will

Große Pläne: Sebastian Wessels bei der Pressekonferenz in seinem Spielwarenladen (links neben ihm Reinhard Berens)

Wenn sich in einer Woche (am 15. April) in Saal 1 des Tichelpark-Kinos rund zweihundert Inhaber von Geschäften aus acht Kommunen versammeln werden, erwarten sie keinen Blockbuster, dafür aber vielleicht eine Revolution.

Sebastian Wessels, vielen noch als Betreiber der Plattform KLE-Point bekannt, möchte ein Projekt starten, das die Einzelhändler auf eine Plattform bringt – und damit Amazon herausfordert. „Das ist mein letzter Versuch“, sagt Wessels.

Und er ist zuversichtlich, dass diesmal das gelingt, was zuvor schon in vielerlei Projekten scheiterte (seit 2008 gab es drei Vorhaben mit kommunalen Plattformen). „Seit 17 Jahren versuche ich, einen Online-Marktplatz zu etablieren“, sagt Wessels. „Ich sitze hier mit dem Beweis, dass man totgeglaubte Warengruppen wieder zum Leben erwecken kann.“

Er startete erst ein Spielwarengeschäft (in Goch), mittlerweile sind es vier (Kevelaer, Emmerich und Kleve kamen hinzu), und er verzahnte das stationäre Geschäft mit dem Online-Business. Seine geschäftliche Erkenntnis fasst er in einem Satz zusammen: „Die Ware muss sichtbar, verfügbar und zu einem marktüblichen Preis erhältlich sein.“

Sichtbar ist sie in den Geschäften und auf der Website. Ist etwas nicht da, wird es sofort bestellt (und zwar so, dass es in allen Läden verfügbar ist). Und bei der Marge ist er bereit, Abstriche hinzunehmen, um mit den Online-Riesen mitzuhalten. Die Einbußen sollen durch die Masse wieder ausgeglichen werden. 

Die Plattform, die dem Geschäftskonzept zugrunde liegt, heißt laden-lokal.shop. Wessels, gelernter Informatik-Kaufmann, hat sie selbst programmiert. Bislang können Kunden dort in 42 Kategorien nach 18.500 verschiedenen Spielwaren suchen. Nun soll dieser Marktplatz regional um viele andere Warengruppen erweitert werden. 

„Es geht um die regionale Sichtbarkeit von Produkten“, so Wessels. „Es wird keine kommunale Lösung geben können – man muss in der Region agieren, nicht nur an einem Standort. Der Kunde muss die passende Ware finden können, nicht die einzelne Ware den vermeintlichen Kunden suchen. Wir möchten Händlerinnen und Händler dort sichtbar machen, wo heute Kaufentscheidungen beginnen – online.“ 

Im idealen Fall macht sich der Kunde dann auf und besorgt sich den Artikel in dem entsprechenden Geschäft, oder er lässt ihn sich noch am selben Tag liefern. Wessels persönlich liefert derzeit zwischen 18 und 21 Uhr aus. Wie das organisiert wird, wenn die Zahl der Händler (und damit der Auslieferungen steigt), ist noch nicht klar. Das Ziel ist für Wessels „eine Innenstadt, die auch online funktioniert“.

Angesprochen hat Wessels Geschäftsinhaber aus Kleve, Kevelaer, Emmerich, Rees, Goch, Kalkar, Bedburg-Hau, Kranenburg, Uedem und Weeze, insgesamt ein Markt mit 210.000 Einwohnern. Der soll nun systematisch erschlossen werden, und nicht, wie zuvor mit Insellösungen, die wenig bis gar keine Ergebnisse zeitigten. „Die meisten Händler haben sich von der Technik knechten lassen und nicht umgekehrt“, so Wessels’ Eindruck. „Zudem fehlte die Kontinuität.“

Dafür hat Wessels nun einen Fünf-Jahres-Plan aufgestellt. Bis dahin will er die regionalen Kunden so weit haben, dass sie wie selbstverständlich in das regionale Ökosystem gehen. „Ich bin davon überzeugt, dass es funktionieren kann“, sagt Reinhard Berens, der den Kinosaal für die Auftaktveranstaltung zur Verfügung stellte. „Wir stehen am Beginn einer neuen Ära.“

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