Jürgen Kalkes, 1966-2026

Jürgen Kalkes

Er war ein begnadeter Geschichtenerzähler mit einem sicheren Gespür für die Pointe, und er war ein mitreißender Karnevalist, der 2020-2023 als erster Prinz in der Nach-Corona-Zeit so begeisterte, dass der aktuelle Prinz Tobi der Träumende ihn als sein Vorbild bezeichnete – Jürgen Kalkes, Jürgen der Glanzvolle: „Der war so authentisch, der war einfach unfassbar gut. Er hat das ehrlich gemacht, er hat keine Rolle gespielt“, so Tobias Budde im Gespräch mit der Zeitschrift Der KLEVER. In der vergangenen Woche wurde Jürgen Kalkes ins Krankenhaus eingeliefert, doch die Erkrankung war schon so weit fortgeschritten, dass die Ärzte nichts mehr für ihn tun konnten. Am Rosenmontag ist Jürgen Kalkes im Alter von 59 Jahren gestorben. Im Wissen um seine schwere Erkrankung hatten die Mitglieder von Kalkes‘ Karnevalsgesellschaft Klever Schildbürger bereits ihre Teilnahme am Rathaussturm abgesagt. Am Montag Abend machte die Nachricht von seinem Tode unter den Klever Karnevalisten die Runde und sorgte für große Bestürzung.

In Würdigung seiner Verdienste um den Klever Karneval hier der Artikel, der über den Prinzen im Wartestand – zwei Jahre musste wegen Corona auf seine Inthronisierung hinausgeschoben werden – in der Zeitschrift Der KLEVER erschienen ist:

Prinz Jürgen der Geduldige

Seit zwei Jahren ist Jürgen Kalkes Narrenoberhaupt im Wartestand. Wie hält er das aus?

Warten. Mit den Fingern auf die Tischplatte trommeln. Blätter vom Kalender abreißen. Und manchmal hochgehen ins Schlafzimmer und das dort an die Tür gehängte Prinzenkostüm, 7000 Euro teuer, betrachten und sich fragen: Wann kann es endlich benutzt werden?

Hausbesuch bei Jürgen Kalkes an der Merowingerstraße. Auf dem Küchentisch liegt die Zeitschrift Deutsche Fastnacht, das Fachmagazin des Bundes Deutscher Karneval. Mehr erinnert nicht an Karneval, und das sollte eigentlich ganz anders sein.

Vier Jahre ist es nun her, dass Kalkes gemeinsam mit seiner Familie den Entschluss fällte, Klever Karnevalsprinz zu werden. Schon seit Jahrzehnten ist die gesamte Sippe im Karneval aktiv, zum Beispiel zogen sie, alle als Teletubbies verkleidet, als Fußgruppe bei den Umzügen mit. Und Günter Kalkes, der verstorbene Bruder von Jürgen, hatte es zu Lebzeiten bereits prophezeit: „Wenn einer von uns Prinz wird, dann du, Jürgen!“

Es wurde sein Lebenstraum. Wenn auf der Prinzenvorstellung in der Materborner Mehrzweckhalle das Lied „Ach wär ich nur ein schmucker Prinz“ erklang, hatte Jürgen Kalkes regelmäßig das Wasser in den Augen stehen. Doch als er im Kreise der Familie die Pläne bekannt gab, waren seine Söhne Dominik und Dennis zunächst dagegen, anders als Tochter Kimberly, die selbst im Karneval aktiv ist. Kalkes musste Überzeugungsarbeit leisten, mit Erfolg. „Heute freuen sie sich“, sagt er.

Für die Session 2020/21 erhielt er den Zuschlag. Damals gab es Corona noch nicht. Dann kam die Pandemie, dann die Absage der kompletten Session, und alles, was Jürgen Kalkes von seinem Lebenstraum zu bleiben schien, war ein schön produziertes Video, in dem er einen Tanzmariechen die Absage erklärte.

„Jürgen, wo hast du dein Kostüm gelassen?“

Am 11. November des vergangenen Jahres veröffentlichte das Klever Rosenmontags-Komitee das  Video, in dem das enttäuschte Mädchen am Narrenbrunnen den lediglich mit einem roten Blouson bekleideten designierten Karnevalsprinzen Jürgen Kalkes fragt: „Aber Jürgen, wo hast du denn dein Kostüm gelassen?“

Der so angesprochene Mann antwortet traurigen Blicks: „Leider können wir den Karneval in diesem Jahr nicht so feiern, wie wir es alle gewohnt sind. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Vielleicht können wir im nächsten Jahr am elften Elften unseren gemeinsamen Karneval wieder zusammen feiern.“

Ende August zerplatzte dieser Wunsch wie eine Seifenblase. Schon frühzeitig entschied sich das Klever Rosenmontags-Komitee, alle Veranstaltungen für die zweite Session in Folge abzusagen. Damals fanden viele, diese Entscheidung sei zu früh gefällt worden. Heute wirkt es wie weise Voraussicht.

„Ich war der Erste, der dafür war“, sagt Jürgen Kalkes. Die Entscheidung fiel im Wohnzimmer des KRK-Vorsitzenden Frank Konen, und sie fiel einmütig. Kalkes: „Irgendwann siegt der Verstand.“

Wenn er Prinz ist, dann möchte er es auch krachen lassen. „Meine Garde ist eine tolle Truppe, das sind alles Malocher, und es sind viele neue Leute dabei, die hätten keinen halben Kram verdient.“ Ein Besuch im Altenheim, mit FFP2-Maske, mit Sicherheitsabstand und ohne Bützchen – so kann sich Kalkes Karneval beim besten Willen nicht vorstellen.

Also lieber auf die Session 22/23 warten. Und als Prinz Jürgen der Geduldige in die Klever Geschichte eingehen. „Heiraten kannst du zehnmal“, sagt Kalkes. „Aber Karnevalsprinz, das bist du nur einmal im Leben.“

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3 Kommentare

  1. 2

    Am gestrigen Rosenmontag hat der ehemalige Prinz unserer Stadt, Jürgen Kalkes, seinen letzten Weg in den Narrenhimmel angetreten. Es ist ein Moment des Innehaltens, wenn ein Leben, das so eng mit der Freude und dem Brauchtum verbunden war, ausgerechnet an diesem Tag seine Vollendung findet.
    In stiller Ehrfurcht bewahren wir sein Andenken in würdevoller Erinnerung.