Holocaust-Gedenktag: AV-Studio Kleve befragt Zeitzeugin Eva Weyl

Eva Weyl (Foto: AV-Studio)

Am 27. Januar 1945 befreite die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin das Vernichtungslager Auschwitz, in dem zwischen 1942 und 1944 schätzungsweise über eine Million Menschen umgebracht, darunter hauptsächlich Juden sowie viele tausend Sinti, Roma,  Polen und Kriegsgefangene, grausam und fabrikmäßig vernichtet durch Arbeit, Hunger, Menschenversuche und vor allem durch das Giftgas Zyklon B. Die Rote Armee fand in dem evakuierten Komplex noch 7.600 Überlebende und 650 Leichen vor. In den Magazinen fanden die Befreier 843.000 Herrenanzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider, 44.000 Paar Schuhe, 14.000 Teppiche und 7,7 Tonnen menschliches Haar.

Es sollte 51 Jahre dauern, bis dieser Tag in Deutschland dem Holocaust als Gedenktag gewidmet wurde, vorher war es gesellschaftlich und politisch unmöglich, sich auf das Gedenken an sich und ein Datum dafür zu verständigen. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog setzte schließlich den 27. Januar durch, der 1996 erstmals als Gedenktag begangen wurde. Herzog: „[Die Erinnerung] soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Insbesondere der letzte Teil des Satzes erscheint heute, gerade einmal 30 Jahre nach dem ersten Holocaustgedenktag, aktueller denn je, und so sei deshalb hier auf die verdienstvolle Arbeit von Manuel Funda hingewiesen, der die Holocaust-Überlebende Eva Weyl (* 1934 in Arnheim) ihre Erinnerungen hat erzählen lassen. Heute ging der erste Teil ihres Berichts online, zu finden auf dem Youtube von AV-Medien (Kisters-Stiftung), hier der Link: Eva Weyl: Werdet Zeitzeugen!

Eva Weyl hat zu Kleve einen besonderen Bezug – sie ist die Enkelin des Kaufmannes, der 1912 in Kleve das „Kaufhaus A. Weyl“ eröffnete. Am 3. August 1929 schloss das Geschäft, um „nach vollständiger Reorganisation“ am 28. August als Filiale der LeonhardTietz AG, als „Warenhaus für alle und für alles“ erneut zu öffnen. Daraus wurde später der Kaufhof und jetzt Galeria.

Ende 1934 zogen Eva Weyls Eltern aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Arnhem, wo sie ein Damentextilgeschäft betrieben. Ende Januar 1942 erfolgte der Zwangsumzug in das „Durchgangslager Westerbork“. Mit Glück entging die Familie mehreren Deportationen und blieb bis zur Befreiung am 12. April 1945 durch kanadische Soldaten im Lager. Auch die Großväter, die elf Monate später verhaftet und in der Folge in das Ghetto Theresienstadt verschleppt wurden, konnten den Holocaust überleben.


Manuel Funda: „In Teil 1 geht es um ihre Familie und die Gründung des Kaufhauses Weyl. Teil 2 wird über den „Umzug“ ins Lager und das Lagerleben in Westerbork gehen. Teil 3 hat zum Inhalt, wie sie dem Tod fünfmal (!!) entgangen ist. In Teil 4 wird sie erzählen, wie es dazu gekommen ist dass sie ihre Geschichte erzählt, warum sie es tut und dass sie einmal per Zufall die Enkelin des Lagerkommandaten kennengelernt hat und mit ihr Vorträge gehalten hat.“ Die Teile 2-4 werden in den kommenden Tagen online gestellt.

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2 Kommentare

  1. 2

    Großartig und wichtig. Man muss das machen, solange es noch Zeitzeugen gibt. Vielleicht kann man die Erzählungen auch schriftlich veröffentlichen.