Wechsel auf der Burg, vollzogen im Schloss

Andreas Vitek, Katrin Jungclaus (Foto: Ludger Giebels)

Die guten Stuben der Stadt Kleve standen nicht zur Verfügung, Renovierungen kurz vor dem Abschluss stehend im Haus Koekkoek und gerade in vollem Gange im Museum Kurhaus führten dazu, dass der Wechsel an der Spitze des Landgerichts nicht in Kleve selbst, sondern in der Nachbargemeinde Bedburg-Hau vollzogen werden musste. Vor 300 Gästen aus dem öffentlichen Leben, von Landrat Christoph Gerwers über Hochschulpräsident Prof. Oliver Locker-Grütjen bis hin zu Rainer Hoymann vom Klevischen Verein fand sich am vergangenen Freitag vieles, was im Kreis Rang und Namen hat, im Café des Museums Schloss Moyland ein, um der Verabschiedung von Katrin Jungclaus als Präsidentin des Landgerichts und der Einführung von Andreas Vitek als deren Nachfolger beizuwohnen.

Kleine Zwischenspiele klassischer Musik durchbrachen den Reigen der Grußworte, den der Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Dr. Werner Richter, eröffnete. Er fasste die Zeit von Jungclaus in Kleve fast schon salopp zusammen: „Es waren verdammt gute dreieinhalb Jahre!“ Nun leitet sie das Landgericht in Köln, dem ein riesiger Umzug bevorsteht, der so lange dauern wird, dass die aktuelle Behördenchefin selbst den Einzug in die neuen Räume nicht mehr im Amt erleben wird.

Das Landgericht in Köln befindet sich in einem monumentalen 70er-Jahre-Hochhaus, das heute als Bausünde ersten Ranges gilt. Richter konnte sich denn auch eine spitze Bemerkung nicht verkneifen: „So viel Identifikation wie die Schwanenburg kann das doch eher profane Justizgebäude an der Luxemburger Straße nicht bieten.“ Aber Köln ist die Heimatstadt von Jungclaus, schon in ihrer Klever Zeit pendelte sie zwischen den beiden Städten, da ihr Mann in Köln lebt. Man darf also annehmen, dass der Verlustschmerz sich in Grenzen hält. Der neue Mann, Andreas Vitek, sei nun „ein guter Import aus Hessen“.

Etwas mehr über den Import aus Hessen wusste Justizminster Benjamin Limbach (CDU), der eigens für den Festakt aus Düsseldorf angereist war, zu erzählen. Vitek habe nun „ein eigenes Kommando“, in dem der wortgewandte Jurist wirken könne. Er weise eine „legendäre Vergleichsquote“ auf, woraus der Minister schloss, dass Vitek wohl einen kooperativen Führungsstil pflege. Limbach zum neuen Mann an der Spitze der Burg: „Ich wünsche Ihnen nie versiegende Tatkraft und die Portion Fortune, die auch der Tüchtigste braucht!“

Landrat Gerwers attestierte der scheidenden Präsidentin, sie habe die Behörde mit großer Ruhe und viel Sachverstand geführt und zeigte sich überzeugt, dass der Nachfolger das Gericht klug und souverän leiten werde. Gerwers: „Wir brauchen Menschen, die Haltung zeigen, und Sie alle tun das!“ Lobende Worte hatte auch der Klever Bürgermeister Wolfgang Gebing parat, allerdings musste er natürlich erst einmal seinem Bedburg-Hauer Kollegen Stefan Reinders dafür danken, dass in dessen Gemeinde der Ausweichstandort für die Feier gefunden werden konnte.

Nach so viel Lob kam die scheidende Präsidentin selbst zu Wort, die sich für die „wundervolle und intensive Zeit auf der Burg“ bedankte. „Wir haben aufgeräumt, was während der Pandemie liegen geblieben ist“, so Jungclaus. Und mit der Veranstaltungsreihe „Recht auf der Burg“ sorgte sie dafür, dass die Hemmschwellen vor der Justiz ein wenig abgebaut werden konnten. Mit Blick auf ihren neuen Dienstsitz zitierte sie schließlich den Bildhauer Michelangelo, der anlässlich seines Wegzugs aus Florenz gesagt haben soll: „Es kann nur größer werden, aber niemals schöner.“ Kleve in einem Atemzug mit Florenz, was will man mehr?

Das letzte Wort hatte schließlich der neue Burgherr, der den Ratschlag einer Freundin beherzte und sich angesichts eines wartenden Büffets in aller Kürze bei den wichtigsten Personen in seinem Leben bedankte (darunter seine Mutter und sein Mann) und schließlich – auch eingedenk der gesellschaftlichen Rollback-Tendenzen – sagte, er sei „dankbar für unseren Rechtsstaat“, der helfe, die Vielfalt der Gesellschaft zu schützen.

Andreas Vitek (54) begann nach einer mehrjährigen Anwaltstätigkeit seine richterliche Laufbahn im Jahr 2004 im Dienst des Landes Hessen und wurde im März 2008 zum Richter am Landgericht in Frankfurt am Main ernannt. Von 2008 bis 2010 war er zunächst als Leiter des Strategiereferats, später des Baureferats im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa tätig. Im Anschluss wechselte er an das Landgericht Düsseldorf, wo er im Dezember 2011 zum Richter am Landgericht ernannt wurde. Dort war er neben seinen Aufgaben in der Rechtsprechung auch in der Verwaltung des Landgerichts unter anderem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Nach seiner Erprobung im 1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf wurde er im Dezember 2013 zum Richter am Oberlandesgericht in Düsseldorf ernannt. Dort war er mit dem überwiegenden Teil seiner Arbeitskraft mit Verwaltungsaufgaben betraut, zunächst als Leiter des Presse- und Öffentlichkeitsdezernats, später als Leiter des Dezernats für richterliche Personalangelegenheiten. Im November 2019 erfolgte seine Ernennung zum Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht, bevor er im März 2024 zum Vizepräsidenten des Landgerichts Düsseldorf ernannt wurde. Neben seinen Aufgaben in der dortigen Gerichtsverwaltung war er Vorsitzender einer erstinstanzlichen Zivilkammer. Mit Wirkung zum 31.03.2025 ist er zum Präsidenten des Landgerichts Kleve ernannt worden und übernahm den Vorsitz einer Berufungszivilkammer.

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2 Kommentare

  1. 2

    Wetten, dass Kleve für Andreas Vitek ebenso eine Zwischenstation ist wie für Katrin Jungclaus… ?!

    Ein schnellerer Aufstieg zum Präsidenten eines Landgerichts als es in Düsseldorf möglich gewesen wäre, um sich dann aus dieser Position für ein größeres Landgericht zu bewerben?

    Das wäre natürlich legitim, denn eine Stadt wie Kleve muss bei Zugereisten wohl damit rechnen.

    Wie auch immer, jetzt erstmal viel Erfolg für Andreas Vitek

  2. 1

    ☝🏼…war Nancy ..“Pretty Woman“😳 der „Best Ever“ ⚖ auch da ! 🙄 … 🍻 🥳