Seit Monaten verbringt eine etwa 40 Jahre alte Frau ihre Nächte auf einer Bank vor dem Parkplatz der Stadthalle. Auch tagsüber sind dort ihre Habseligkeiten, zu denen ein Schlafsack, Schirm und einige Taschen zählen, gelagert. Sie bewegt sich im Rollstuhl fort, führt ihr Leben mit einer bemerkenswerten Disziplin, achtet sorgfältig auf ihr Äußeres und verbringt die Tage und Abende zumeist in umliegenden Cafés und Gaststätten. Nachts kehrt sie zu ihrem Schlafplatz zurück und schläft dort unter freiem Himmel. Das mag zumindest rein witterungstechnisch im Sommer noch ganz angenehm gewesen sein – aber jetzt? Hinzu kommt, dass die Frau dort auch Gefahren ausgesetzt ist.
Die Frau stammt eigenen Angaben zufolge aus Solingen. Infolge einer Erkrankung habe sie ihre Wohnung verloren. Eine ihr dort von der Stadt zur Verfügung gestellte Unterkunft habe sie wegen unzumutbarer Zustände verlassen. Seitdem lebe sie auf der Straße. Sie habe eine Tochter, doch zu der habe sie seit Jahren keinen Kontakt mehr. Die Frage ist: Kann man ihr helfen, und, wenn ja, wie? Damit wird sich nun auch der Rat der Stadt Kleve beschäftigen, denn ein Bürgerantrag fordert die Politik auf, sich des Falls anzunehmen.
Der Grund: Die Stadt hatte der Frau, so berichtete sie es dem Antragsteller, ein Zimmer in einer Obdachlosenunterkunft angeboten. Doch wegen der dort herrschenden Gewalt schlafe sie lieber auf der Bank. Dem Antragsteller sagte sie, dass sie Frührentnerin sei und keine Wohnung finde. Daraufhin wandte sich der Antragsteller an den Sozialdienst katholischer Frauen. Dort erhielt er die Auskunft, dass es für alleinstehende Frauen in ihrer Situation fast unmöglich sei, in Kleve Wohnraum zu finden.
Im Antrag heißt es: „Umso dringlicher deshalb, in den Obdachlosenunterkünften vulnerable (verletztliche, Anm. der Red.) Personen vor Übergriffen zu schützen. Ich beantrage, dass der Rat Maßnahmen ergreift, um vulnerable Frauen in den Unterkünften besser zu schützen.“


Sind nicht alle Menschen, die auf der Straße leben müssen vulnerabel?
Schulterzucken.