Den Deutschen wird vielfach ein fast erotisches Verhältnis zu Zäunen nachgesagt, vielleicht legt der Begriff Lattenzaun Zeugnis davon ab, vielleicht lässt sich dadurch auch der Erfolg der AfD erklären, deren Parteiprogramm im Grunde nichts anderes ist als ein in Worte gegossener Zaun. Auf jeden Fall kennen unsere Landsleute eine Vielzahl von Zäunen, der sogenannte Jägerzaun gilt als der Inbegriff von Spießigkeit, der Maschendrahtzaun brachte es dank Stefan Raab sogar in die nationalen Charts.
Wer nicht ganz bei Trost ist, hat dem Volksmund zufolge „nicht alle Latten am Zaun“, und wenn unsere Landsleute einen Vogel entdecken, der sich bevorzugt auf den Abgrenzungsbauwerken niederlässt, wird er gleich in den Rang eines Monarchen erhoben – Zaunkönig. Zum Vergleich: Im englischen heißt der Vogel schlicht wren, im Französischen troglodyte, von Zäunen also weit und breit keine Spur.
All dieses Wissen sollte ein Ethnologe der Zukunft im Hinterkopf haben, wenn er dereinst auf der anderthalb Kilometer langen Radvorrangroute zwischen Wardhausen und der Klever Innenstadt unterwegs ist – an der Rückseite des Klever Industriegebiets und entlang des (darüber kann man geteilter Meinung sein) idyllischen Spoykanals. Dieser Radweg wird ältere Zeitgenossen vielleicht an das Zonenrandgebiet erinnern, andere an die alten Bauten der Forensik in der LVR-Klinik. Bedient wird jedenfalls der Anhänger eines hermetischen Lebensprinzips: Links und rechts des Weges ziehen sich Zäune, nichts als Zäune. Über Hunderte von Metern, in diversen Variationen.
Stadtauswärts zur linken Seite liegt das Gewerbegebiet. Die Stadt führt an, dass die Unternehmen vor unbefugtem Zutritt geschützt sein müssten. Somit wurde auf einer Länge von 925 m ein Doppelstabmattenzaun (ein Wort, das auch nur in der deutschen Sprache geben kann) errichtet. Kosten: 42.500 Euro. An einer Stelle wurde zudem noch ein besonderer Sichtschutz installiert, offenbar, damit einer Privatperson im Garten nichts weggeguckt werden kann. Auf der anderen Seite beglückt die Radler auf einer Länge von 1,42 km ein Weidezaun. Kosten 47.500 Euro. Der wiederum sei erforderlich geworden, nachdem die Stadt Kleve Hinweise bekommen habe, dass der Artenschutz beachtet werden müsse. Es gehe darum, brütende Ufervögel zu schützen.
Insgesamt soll der Radweg rund drei Millionen Euro kosten, für Radfahrer auf jeden Fall sinnvoll investiertes Geld, denn die Anbindung der Innenstadt an das Industriegebiet ist eine einzige Katastrophe. Zu der Baumaßnahme gehört auch eine Brücke über den Tweestrom. Am nördlichen Ende mündet der neue Radweg war in die Straße Spyckscher Baum (genau an der Kurve), am südlichen Ende geht es Richtung Hochschule Rhein-Waal weiter.

