Zerzaust

rd | 13. Juni 2019, 11:19 | 5 Kommentare
Flatterhaft

Ganz Kleve fotografiert zurzeit das wunderbare Mohnfeld an der Emmericher Straße (hier war ja auch bereits eine Aufnahme zu sehen: Mohn ami), aber manchmal muss unsereins nur ein paar Schritte vor die Gartentür laufen, um eine der fragilen Schönheiten zu entdecken. Mal sehen, wie lange die zerzauste Blüte dem Wind noch trotzen kann… 



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  1. 1. Guenther Hoffmann

    Ich hatte etwas Poesie zum Klatschmohn erwartet, sie “verschönten” z.B. die Trümmer in denen wir als Kinder spielten. Als Remembrance Poppy im englisch sprechenden Raum als Symbol des Gedenkens für die Toten der Weltkriege. Für unsere gab es wohl leider keine passende Blume ? 🤔 😢

     
  2. 2. Chewgum

    @GH Das Gedicht “In Flanders Fields” des kanadischen Lieutnants und Arztes John McCrae ist zeitlos und sollte uns immer erinnern, wie sinnlos die Weltkriege waren, wie viele Menschen, Träumen, Wünsche begraben wurden, welche Brüche es in Familien und Biografien gab, wie das nachfolgende Generationen beeinflusst hat …

    In Flanders Fields

    In Flanders fields the poppies blow
    Between the crosses, row on row,
    That mark our place; and in the sky
    The larks, still bravely singing, fly
    Scarce heard amid the guns below.

    We are the dead. Short days ago
    We lived, felt dawn, saw sunset glow,
    Loved, and were loved, and now we lie
    In Flanders fields.

    Take up our quarrel with the foe:
    To you from failing hands we throw
    The torch; be yours to hold it high.
    If ye break faith with us who die
    We shall not sleep, though poppies grow
    In Flanders fields.

    Hintergrund:
    “Am 22. April 1915 greifen die Deutschen zum ersten Mal eine britische Stellung mit dem von Haber entwickelten Chloringas an. Die Briten sind völlig unvorbereitet. 10.000 Soldaten sterben in den Giftgasschwaden. Der entscheidende Durchbruch gelingt den deutschen Truppen dennoch nicht. Als die Ypern-Offensive am 25. Mai 1915 zu Ende geht, sind 35.000 Deutsche gefallen, die alliierten Verluste sind etwa doppelt so hoch. Orte sind ausradiert, Straßen und Brücken zerstört, Bauernhöfe vom Erdboden verschwunden, die Landschaft ist verwüstet. Die Erde von Flandern ist blutdurchtränkt. Nur eine Pflanze überlebt die Verwüstung und blüht sogar noch auf Schlachtfeldern und zwischen den unendlichen Reihen schlichter Holz-Kreuze auf: der Klatschmohn – Poppies. Der kanadische Arzt John Mc Crae verliert bei dem deutschen Angriff seinen besten Freund. Voller Trauer schreibt er sein Gedicht über die Felder von Flandern, wo der Klatschmohn blüht und den Verzweifelten die Hoffnung gibt, dass das Leben dennoch weitergeht.”
    https://web.archive.org/web/20100812021141/http://www.dradio.de/dlr/sendungen/wk1/289703/

     
  3. 3. Wolfgang Look

    Mohnrausch

    Des roten Mohnes Schönheit gleitet wie der Wind
    Von altem Leben, schwindend in Vergänglichkeit…
    In seinem Flattern fliegt die tote Zeit
    Und blüht besamend unser ganzes Land.

    Die Feuerblätter neigen sich, von Auferstehung träumend
    Und unsichtbar des hohen Geistes Atem flammet.
    Sein roter Rausch vernebelt, unser Sein umsäumend
    Mit einem Tanz, der Nüchternheit verdammet!

    Sein schwarzes Auge blicket in des Denkens Niemandsland
    Und Heimat findet unser Herz bei Gott Dionysus,
    Der mit der Mohnsaat packt Apollo Hand
    Und strenger Ratio zerzweifelten Verdruss.

    Wie tausend Augen starrt das Mohnfeld flatternd
    Wie tausend Schmetterlinge trunken, zitternd,
    Im Antlitz von dem Himmelsgarten reinen Traums,
    In einer Rückwärtszeit im Reich des reinen Raums.

    Amsterdam, 17.6.2019

     
  4. 4. Alles auf Anfang

    Klatschmohn
    Tiefrote zarte Blütenblätter flattern seelenvoll im Wind
    Zerbröseln zwischen den Fingern
    Die Narben stempeln Heimatgefühl auf die Haut
    Jedes Jahr neu

     
  5. 5. Kuh sieben

    M ohn

    Em ohn.
    Drohn, mag er nicht.

    Karg, liebt er.
    Auf Baustellen siegt, mehr.

    Dämon.
    Alles Licht frist er, nur das rote nicht.

    Ohne Wasser, siegt er.
    Aufstellen, ohn’ Regen gibt er, dort bleibt er nicht.

    Kla’tsch.