Brückentage in Brienen

rd | 01. Mai 2007, 19:14 | 2 Kommentare

Da dürfte sich der Bund der Steuerzahler schon die Hände reiben: Wer derzeit die üblichen Radtouren (Altrhein usw.) macht, wird hinter Brienen am Spoykanal auf eine fulminante Baustelle stoßen – dort soll die neue Umgehungsstraße mit einer Brücke den Spoykanal queren. So weit, so unvermeidbar. Nun hörte ich aber, dass diese Brücke wird in ihren Ausmaßen an andere grandiose Zeugnisse der Ingenieurskunst erinnern wird. Das muss auch so sein, weil der Kanal eine Wasserstraße der Kategorie XYZ ist, und bei Verkehrswegen mit dieser Klassifikation müssen eben bestimmte Durchfahrtshöhen gewährleistet sein. Nun weiß aber jeder, der in den vergangenen Jahren mal einen Blick in den Klever Hafen (“Klever was?”) geworfen hat, dass die Zeiten, in denen dort Hochseecontainerschiffe sich ihrer Ladung entledigten, eher der Vergangenheit angehören. Genauer gesagt, dort machen überhaupt keine Frachtschiffe mehr fest, weil es dort nichts mehr zu be- oder entladen gibt. Logische Folge: Es ist längst dafür gesorgt, dass der Kanal heruntergestuft wird. Doch das dauert. Und der Brückenbau kann (darf?) das nicht antizipieren. So wird also eine Brücke gebaut, deren Unnutzen schon jetzt feststeht. So weit ich das überblicke, regt sich aber niemand drüber auf. Gab es früher nicht mal so etwas wie Opposition. Interessant wird die Sache spätestens dann, wenn mal wieder etwas anderes gestrichen werden muss – weil das Geld angeblich fehlt.





Ochsen, Mäuse, Engel

rd | 12. April 2007, 18:04 | 1 Kommentar

Nach Kleves schönstem Spielplatz nun gleich der nächste Superlativ. Diesmal Kleves schönste Bauruine. Am Fuße der Schwanenburg planten der Klever Zahnarzt G. und seine Frau eine “Praxis für ganzheitliche Zahnmedizin”, wohl irgendwas, das Feng Shui und Keramikkronen vereinen sollte. Doch rien ne va plus, Zahlungsunfähigkeit und (wieder mal) Handwerker, die auf ihren Rechnungen sitzen bleiben. Das Haus sieht bis auf weiteres so kariös aus wie meine Backenzähne vor ca. 25 Jahren.

Vor allem die NRZ macht sich seitdem darum verdient, Kurioses bis Krudes ans Tageslicht zu befördern. Sehr schön zum Beispiel die überlieferte Anekdote, wie die Zahnarztfrau in einer Gläubigerversammlung Engel ins Spiel brachte, die dem Projekt zugetan seien. Man stelle sich einen erdverbundenen niederrheinischen Handwerker vor, der auf ein paar tausend Euro wartet und (gefühlt) kurz vor der Insolvenz steht, und dann erzählt ihm jemand was von Engeln! Naja, wie dem auch sei: Hätte man das Desaster nicht ahnen können – angesichts eines zu der ganzheitlichen Praxis gehörenden “Fortbildungszentrums”, das sinnigerweise “Zum Ochsenstall” genannt wurde???Bauruine

Klever Zahnarztwelten | kleveblog (08.12. 17:55): [...] Nur einer hatte übrigens Pech: Der hier war mit seinen Geschäftsid...




Lästig wie Mücken in der Nacht

rd | 11. April 2007, 17:19 | 3 Kommentare

Es gibt Dinge, die sind so lästig wie Mücken in der Nacht. Man versucht sie zu ignorieren, aber scheitert damit. Von irgendwo her kommen sie wieder angeflogen. Für mich zählt dazu die “Zeitschrift” mit dem Titel Kleve live, die sich selbst als “Das unäbhängige Stadtmagazin für Bürger/innen und Gäste” bezeichnet. Zartes Grün dominiert das Cover der aktuellen Ausgabe, dazu die Schlagzeile “Garten, Lust, Leben und Besinnung”, was übersetzt – glaube ich – Humba, Humba, Tätärää heißt. Der dazu gehörige Text im Heft stellt fünf Gärten “im Kleverland” vor – von denen dann auch vier folgerichtig in Bedburg-Hau liegen.

CoverOhne auf grausam geschriebene Texte und Mülltonnenoptik näher einzugehen, hat mich doch der “Aktivitätenkalender” für die Monate März bis Mai näher interessiert. Demnach gibt es in Kleve innerhalb von drei Monaten ganze 51 Veranstaltungen – darunter beispielsweise eine “Haar- und Nagelanalyse im eoc-Gesundheitszentrum”, vier Forstgartenkonzerte und zwei niederrheinische Kaffeetafeln (bei genauerer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass die in Kranenburg stattfinden).

Verantwortlich für den journalistischen Sondermüll ist übrigens eine Live Magazine Verlagsgesellschaft aus Xanten, in personae Thomas Költgen und Angelika Horlemann. Never heard. Fragt sich, wovon diese Zeitschrift unabhängig sein will. Mit Sicherheit nicht vom Kleve Marketing (gleich drei Artikel nehmen Bezug auf Veranstaltungen des Kleve Marketings…). Mein Tipp: unabhängig von den üblichen Standards der Berichterstattung. Auf einer Doppelseite (“Klever Handwerker zeigen Ihnen, was alles möglich ist…”) stehen Einrichtungstipps – natürlich genau von den Leuten, die unten auf der Seite inseriert haben. Im Inhaltsverzeichnis werden “Firmenporträts” angekündigt. Es handelt sich um Anzeigen – und viel mehr steht dann auch nicht mehr drin. Einfach nur peinlich.


Schönster Spielplatz der Stadt

rd | 09. April 2007, 23:20 | 1 Kommentar

Dieses Foto erklärt wiederum, warum viele Familien der Innenstadt den Rücken kehren, nach Donsbrüggen ziehen, sich dort der schönen Spielplatz-Infrastruktur erfreuen, aber jammern, wenn die Schulen geschlossen werden.
Spielplatz
Zur Erläuterung: Das grüne Schild weist darauf hin, dass es sich um einen Spielplatz handelt. Falls das ungläubiges Staunen hervorruft, hier die Details, die zeigen, mit welcher Liebe und Hingabe den kleinen Rackern hier ein kleines Biotop der kindgerechten Entwicklung geschaffen wurde: Nicht nur, dass ihnen eine Skaterrampe zur Verfügung steht (die vermutlich aus Sicherheitsgründen zu beiden Seiten mit Sand- und Kiesapplikationen versehen wurde). Überdies können sie um mehrere Paletten besten Baumaterials herumtollen und dabei immer den Fahrzeugen der fleißigen Handwerker ausweichen, die die superschöne Altenwohnanlage “Heideberger Tor” im Hintergrund fertigstellen (präventive Verkehrserziehung). Der Bauschutt rechts lädt unsere lieben Kleinen ebenfalls zur kreativen Beschäftigung mit der Umwelt ein (Klimaproblematik oder so).

Bleibt die spannende Frage, wie lange die Kinder dort spielen dürfen, wenn die Bewohner erst mal eingezogen sind. Von 16 Uhr bis 16.30 Uhr? Und bitte nur leise skaten! Und keine Ghettomusik dabei hören!! Es gibt doch auch so schöne andere Musik.

p.s. In Hamburg haben sie mal eine Altenwohnanlage in einem ehemaligen Kühlhaus errichtet. Hat ein Geschmäckle, oder?

p.p.s. Und vor vielen Jahren durfte ich einmal in Uedem der Einweihung eines Altenheims beiwohnen, das der Pfarrer in Gegenwart der Senioren als “Wartesaal zum ewigen Leben” bezeichnete. Immerhin eine ehrliche Haut, der Mann. Die Begeisterung der Bewohner fiel indes moderat aus.