Kalinka: Russland – Spanien 0:3

rd | 26. Juni 2008, 23:25 | 7 Kommentare

Kneipe

Also nun doch Kalinka, benannt nach der Verniedlichungsform für die russische Beere Kalina, zu deutsch Glasbeere, und in all unseren Hirnen für ewig eingemeißelt in Form des Liedes, das der russische Komponist Iwan Petrowitsch Larionow 1860 für ein Theater in Saratow schrieb. Mein Kalinka befand sich allerdings an der Triftstraße, und schon das polenlastige Dekor hätte mir deutlich machen müssen, dass trotz des Namens die Russen auch dort ein Auswärtsspiel zu bestreiten hatten. Hier die Wertung:

Bild & Ton + Kein schlechtes Wort gegen Tevion-Röhrengeräte mit ca. 55 cm Bildschirmdiagonale
Bier + König Pilsener vom Fass, nichts zu beanstanden, 0,2 Liter für 1,30 Euro
Fans Von den 5 Gästen in der Kneipe interessiert sich nur einer fürs Spiel (die anderen scheinen aus Polen zu stammen)
Eintritt +- frei, allerdings Montag, Dienstag, Mittwoch Ruhetag
Fachkenntnis im Publikum ++ Ferdi sagt: “Ich habe schon vor 14 Tagen gesagt: Finale Deutschland – Spanien. Da haben mich alle für verrückt gehalten.” Wirt Josef bestätigt die Aussage
Ambiente +- Polenfahnen, Deutschlandfahnen. Aber als Josef zu Beginn der zweiten Häfte sagt: “Noch eine Viertelstunde, dann ist Schluss hier!” wird deutlich, dass Fußball in dieser Kneipe nicht im Zentrum der Geschäftstätigkeit steht
Promis 0 Ferdi ist – so glaube ich – kein Promi
Gesamturteil Spielabbruch in der 65. Minute durch den Wirt. Ist zwar verständlich, weil er am nächsten Morgen um 5 wieder rausmuss, aber für einen Fan etwas harte Kost. Ferdi geht nach Hause, ich ins elefantenstübchen, wo ich der einzige Gast bin, vom freundlichen Wirt zwei Biere erhalte (Bitburger, 0,2 l, 1,30 €) und auf einer Großbildleinwand zwei weitere Tore Spaniens bewundere. Das wird nicht einfach am Sonntag

Kneipe



Stadtpark Goch: Deutschland – Türkei 3:2

rd | 25. Juni 2008, 23:58 | 8 Kommentare

Stadtpark

Goch durfte nicht fehlen. Dort dreht die Agentur allsport das große Rad, hat den Stadtpark besetzt und aus den Deutschlandspielen Volksfeste gemacht. Mit allen Nach- und Vorteilen: Die Einlasskontrolle sorgt für zehn bis 15 Minuten Wartezeit, verhindert aber auch, dass im Park wegen Überfüllung ein Chaos ausbricht (hunderte Fans müssen draußen bleiben). An den Getränkeständen ist ebenfalls Geduld gefragt, aber es ist dann doch schlussendlich nicht viel mehr Durchsetzungskraft erforderlich als samstags an der Brötchentheke.

Bild & Ton ++ Auf dem 25-Quadratmeter-“LED-Vidiwall” sind selbst aus 70 Metern Entfernung die Spielszenen noch gut zu erkennen. Der Ton wird mit modernster Beschallungstechnik bis nach Pfalzdorf übertragen
Bier +- Warsteiner im Plastikbecher, 0,25 Liter für zwei Euro. Es dauert 7 Minuten, bis man dran kommt, deshalb leichte Abwertung
Fans ++ ca. 10.000 drinnen im Park, mehrere 100 draußen, die auch nicht mehr reinkommen
Eintritt ++ frei, lediglich Einlasskontrolle (strenger Blick)
Fachkenntnis im Publikum + In der Masse sind prägnante Botschaften gefragt. Und die ist das Publikum in der Lage zu artikulieren: “Fahne weg! Faaahne weg!” – “Eindeutig! Eindeutig!! Eindeutig!!!” – “5 schöne Spielzüge – 3 Tore. Das muss uns erst mal jemand nachmachen.”
Ambiente ++ Party! Mädels, dezent auf Fan geschminkt, erkennbar auf der Pirsch. Männer zu 50 Prozent in Deutschland-Trikots. Viele Ballacks, Schweinsteiger aber auch. Überraschend, dass in der Halbzeitpause und im Vorfeld kernerfrei ist. Statt dessen moderieren Georg van den Höövel (allsport-Chef) und Torsten Matenaars. So verpasst man Klopp und hört statt dessen wunderliche Sätze wie: “We are packed absolutely.” Keine Ahnung, was das soll. In den Schockminuten des Bildausfalls schaltet die Regie blitzschnell auf Party um – Viva Colonia, das Publikum grölt sofort mit
Promis ? So viele Menschen! Aber Gocher, die prominent sind? Da muss ich passen. Es sind allerdings auch Klever da – trotz Strandbar
Gesamturteil ++ In Sachen Massenveranstaltung kaum zu übertreffen. Heitere Atmosphäre. Gut organisiert, inkl. Rettungsdienstbetreuung für komatöse Fans. Preise ohne Abzocke, was sonst bei solchen Events ja gerne mal passiert


Optische Katastrophen (5)

rd | 25. Juni 2008, 18:18 | 4 Kommentare

Rollfeld

Think big!, dachten sich die Marketing-Abteilungen des Flughafens Niederrhein (Weeze) und der Fluglinie Hamburg international und engagierten für das offizielle Pressefoto zum Jungfernflug Weeze-Mallorca zwei fesche Flamenco-Tänzerinnen sowie einen Gitarrenhalter, der zwar irgendwie Costa Cordalis ähnelt, aber auch als Iberer durchgehen könnte. Dahinter dann die üblichen Verdächtigen mit Blumensträußen in Rot-Gelb, u. a. mit Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber (direkt vor der Turbine), von denen einer sich via Pressemitteilung mit folgendem Satz ins Gedächtnis der Nachwelt eingegraben hat: “Seit exakt einem Jahr fliegt Hamburg international bereits im so genannten ethnischen Verkehr ab Weeze und hat in dieser Zeit bereits rund 6000 Fluggäste befördert.” – “Ethnischer Verkehr”, das ist die nette Umschreibung für einen wöchentlichen Flug in die nordirakische Stadt Erbil. Scheint aber nicht sexy genug zu sein, um das Kind beim Namen zu nennen…


Neue Moritaten

rd | 25. Juni 2008, 09:40 | 3 Kommentare

Zeter & Moredio! Eben noch hatte ich mich gewundert, warum die ca. 98-teilige Agrobusiness für Kinderkartenkinder-Serie der Rheinischen Post “Muh & mehr” getauft wurde und nicht niederrheinisch folgerichtig “moo & more”, schon verblüfft einen das nächste Gewerbe, …

Ausriss

… was vermutlich bedeuten soll, dass es dort auch Feuerzeuge & Streichhölzer zu kaufen gibt. Hoffentlich gibt das am Ende keine Moreleichen!