Buchladen – the day after

rd | 20. November 2007, 18:03 | keine Kommentare

Buchladen'

Der Tag nach dem Start des finalen Schlussverkaufs im Buchladen an der Herzogbrücke: Nachdem ca. 300 Kunden das Geschäft bereits in den Vormittagsstunden gestürmt hatten, um ihrer berechtigten Trauer über die bevorstehende Schließung (Deadline: 15. 12.) auch durch den Kauf reduzierter Ware angemessen Ausdruck zu verleihen, bleiben verwaiste Regale zurück, auf denen quergestellte Bücher nur mühsam den Eindruck von Leere zu vertuschen suchen. Nur bei den Themen “Theologie” und “Sterben/Tod” gibt’s noch echte Schnäppchen. Josef Spengler: Zeit mit Gott. Opa kommt nicht mehr. Aber – umsonst ist nur der Tod, heißt es ja auch. Und da sind 50 Prozent Rabatt noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Der offzielle Nachruf übrigens hier.



114 Quadratzentimeter Barbara Hendricks

rd | 20. November 2007, 17:49 | keine Kommentare

Das Medienbarometer tickt aus wie die Seismographen beim Erdbeben in San Francisco 1906. Auf Ronald Pofallas publizistischen Mehrfachsprengkopf, dem Besuch des HeiBo-Möbelmarkts in Bedburg-Hau-Louisendorf, folgte nun der machtvolle Gegenschlag der frisch gekürten SPD-Schatzmeisterin.

In der Rheinischen Post schilderte sie ihren ersten Arbeitstag in neuer Position, bei dem es unter anderem “um die Einstellung von Personal und das Abzeichnen von Geldausgaben” geht, im Wesentlichen jedoch um die Frage: “Wie gelingt es uns auch in Zukunft, die soziale Demokratie zu organisieren? Das kostet Geld.”

Sätze, die einen zusammenzucken lassen. Doch der Blick ins asketisch furnierte Bürointerieur, das vermutlich beim HeiBo-Möbelmarkt in Bedburg-Hau-Louisendorf geordert wurde, lässt erleichtert aufatmen – hier wird der Parteimammon zumindest nicht für repräsentativen Pomp herausgehauen.

Bürofrugal

Doch es geht noch weiter. Auch in der NRZ erobert die gute Frau 114 Quadratzentimeter redaktionellen Raum.

Austausch

Das Bild im Hintergrund hängt zwar bedrohlich schief, und am Text könnte man noch etwas feilen, aber ich sage immer: Hauptsache, dass Hausbankprinzip bleibt erhalten:

Zum Gedankenaustausch hatte die Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete Barabara Hendricks, noch in ihrer Rolle als Staatssekretärin, die Vorstände von Sparkassen und Volksbanken aus dem Kreis Kleve zum Thema ‘Abgeltungssteuer’ eingeladen. Barbara Hendricks betonte, dass das Hausbankprinzip dabei erhalten bleibe.



Hoffmanns Erzählungen

rd | 20. November 2007, 11:51 | 3 Kommentare

“Die Klever Stadtwerke werden zum 1. Oktober ihre Tarife für Gas und Strom nicht erhöhen. Das teilte gestern Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Hoffmann gegenüber der RP mit”, berichtete die Rheinische Post am 14. August. Acht Wochen später musste der gute Mann dann vermelden: “Zum 1. Januar können die Stadtwerke eine Strompreiserhöhung leider nicht vermeiden” (RP, 19. Oktober).

Preisfrage: Welchen Fehler hat der Mann gemacht? Antwort: Er hat die Möglichkeit zu ca. 15 weiteren Wir-sind-so-lieb-Interviews ausgelassen. Zum Beispiel, um mitzuteilen, dass die Stadtwerke zum 1. November ihre Preise nicht erhöhen. Oder, dass die Stadtwerke auch in den Vormittagsstunden des 12. Dezember keine weiteren Preissteigerungen vornehmen.

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Vergleicht man den neuen Preis mit dem von vor einem Jahr, kommt man auf eine hübsche Preissteigerung von 23 Prozent (eine Erhöhung im Februar, eine jetzt). Da wird der im beiliegenden Flyer gegebene Ratschlag, Wasser, das man zum Kochen verwendet, doch erst im Wasserkocher zu erhitzen und dann in den Topf zu gießen, wahre Wunder wirken. Dagegen gibt es unter www.verivox.de noch ein paar andere, effektivere Spartipps.


Testgrabungen im Altenheim

rd | 18. November 2007, 20:24 | keine Kommentare

Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle mal geschrieben, dass ich als junger Lokalreporter erleben durfte, wie ein Pfarrer zur Einweihung eines Altenheims dieses als “Wartesaal zum ewigen Leben” bezeichnete, was einerseits, Glauben vorausgesetzt, sehr realistisch war, andererseits jedoch vielleicht auch als Wortwahl nicht ganz angemessen. Zumindest wirkten die zukünftigen Bewohner des Wartesaals so, als ob sie sehr auf einen kosmischen Lokführerstreik hofften.

Nun, wo die Klever Innenstadt peu à peu komplett zu einer Altenwohnanlage umgebaut wird, taucht das Thema prompt wieder auf – diesmal in einer leichten Variation auf der neuen Seite www.derwesten.de, unter der die WAZ-Gruppe ihre kompletten Webangebote gebündelt hat. Hier der neue Versuch, bei dem um ihr Leben besorgte, mögliche zukünftige Bewohner angesichts einer stattlichen Anzahl verräterischer Worte in einem erstaunlich kurzen Text (“aufopfern”, “Schulungsbedarf”, “kein zusätzliches Personal”, “Testgrabungen”) nicht nur lauterste Absichten vermuten dürften:

Elektronischer Ausriss