Wunderschönes Kleve (52)

rd | 17. Juni 2007, 22:18 | keine Kommentare

Kürzlich traf mich die Kritik einer Leserin wie ein Faustschlag: Immer nur die miesen Ecken der Stadt zeigen etc. pp. Doch jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein Lokalpatriot reinsten Wassers bin. Sonst wäre ich ja auch nicht hier, sondern zum Beispiel in Goch. Aber Goch, das war ja am Wochenende in der Lokalpresse zu lesen, wird demnächst völlig abgesperrt. Es ist unschwer vorherzusehen, dass diese Siedlung damit über kurz oder lang dem Vergessen anheimfallen wird und vielleicht später für Archäologen noch von Interesse sein (etwa so wie Pompeii, nur nicht ganz so hübsch). Also, bevor die Paläontologen der Zukunft einem die versteinerten Knochen auseianderkratzen, lieber schön in Kleve bleiben – und zum Beispiel eine Landpartie machen. Keeken ist ein lohnendes Ziel. (Vorausgesetzt, man gelangt dorthin, denn auch in dieser Richtung machen sich hermetische Tendenzen infolge groß angelegter Straßenbaumaßnahmen bemerkbar). Heute ging’s noch so gerade, und ich lenkte meinen Wagen über die Düffelgaustraße, ließ meinen Blick von der Kirche zum Feuerwehrgerätehaus schweifen und dachte so für mich, diese ganzen Preziosen verdienten es, einer breiten Öffentlichkeit gezeigt zu werden. Und wie immer: Gibt’s schon! In meinem Stammcafé entdeckte ich die folgende Postkarte unbekannter Herkunft, die in acht Kapiteln eindrucksvoll zeigt, warum das Leben in Keeken so lebenswert ist:
Postkarte

Dazu folgende Fakten aus Keeken (aus dem berühmten Jahrbuch 2005):

  • Straßennetz (Gesamtlänge): 26,311 km
  • Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner/km2
  • Geschiedene Frauen: 20
  • Menschen mit mehreren Wohnsitzen innerhalb des Ortes: 1 (weibl.)
  • Feuerwehreinsätze: 3
  • Straßenbeleuchtungsmasten: 105
  • Straßenleuchten: 115

Frei nach dm möchte man da doch beglückt ausrufen: “Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!”



Wunderschönes Kleve (51)

rd | 29. Mai 2007, 15:00 | 1 Kommentar

Kleve, Pfingstmontag, eine überraschende Erkenntnis stellt sich ein:

Wer solche Blumenkübel aufstellt, …

Floralbeton

braucht sich über solche Sitzgruppen nicht zu wundern:

Sitzgruppe



Kleve in Zahlen: 238.500,00

rd | 28. Mai 2007, 14:44 | keine Kommentare

TüreDurch Zufall ist mir der Verwaltungsbericht der Stadt Kleve (Statistisches Jahrbuch) 2005 in die Hände gefallen. Es entfaltet sich die volle Magie der Zahlen. So gab es im in diesem Jahr 287.275,48 Euro Investitionszuschüsse für Klever Sportvereine, davon 238.500,00 Euro für den 1. FC Kleve (“2. Rate Zuschuss”). Also 83 Prozent der Kohle für einen Verein. Interessant auch, was unter dem Haushaltposten 5.992.5010 präsentiert wird: Die Erneuerung einer Eingangstür zur Turnhalle der Sonderschule Ringstraße kostete imposante 4000 Euro. Und gleich die zehnfache Summe, 40.000 Euro, verschlang ein fulminantes Projekt im Freiherr-vom-Stein-Gymnnasium mit der folgenden kryptischen Beschreibung: “Anstelle der offenen Bücherei im Haupttreppenhaus wurde ein transparenter, multifunktional nutzbarer Unterrichtsraum geschaffen” (werde ich mir in den nächsten Tagen mal anschauen). Und übrigens: Im Klever Stadtgebiet gibt es 5599 Straßenleuchten – aber nur 5236 Masten. Und in Brienen leben zwei geschiedene Frauen. Geschiedene Männer: null. Wird fortgesetzt.


Im Zen-Express – mit 16 km/h

rd | 07. Mai 2007, 14:35 | 1 Kommentar

Dunkel erinnere ich mich an Berichte, dass die ersten Eisenbahnen eine Geschwindigkeit von etwa fünf Stundenkilometern erreichten. Vor ca. 150 Jahren. Letztens musste ich wieder daran denken – als ich die verrückte Idee hatte, mit dem so genannten Niers-Express nach Köln zu fahren. Von der Abfahrt am Bahnhof Kleve bis zur Weiterfahrt nach dem nächsten Halt (Bedburg-Hau) vergingen exakt 16 Minuten.

Nach der Rückkehr wollte ich es dann genauer wissen. Also Google Earth gestartet, mit Hilfe der schicken Linealfunktion die Strecke Kleve-Bedburg-Hau vermessen (4,16 km) und dann ein bisschen Dreisatz gerechnet. Das Ergebnis: Der Niers-“Express” erreicht auf den ersten Kilometern seiner Strecke die erstaunliche Geschwindigkeit von 15,6 km/h. Das ist etwas schneller als selbst rennen, aber deutlich langsamer als Rad fahren.

Zwei Theorien:

  • Die Geschwindigkeit ist deshalb so gering, weil nichts unversucht gelassen werden soll, die Menschen in Kleve zu halten. Der nächsten Schritte wären dann die Sperrung der Autobahnzufahrten und Anketten.
  • Die Bahn hat ihre eigene Zeit. Stichwort Entschleunigung. Muss es denn wirklich immer so schnell gehen? Dieser philosophische Ansatz gefällt mir eigentlich sehr gut. Man sollte den Zug dann aber lieber Zen-Express nennen.

p.s. Für Alle, die mit den logistischen Gegebenheiten nicht so vertraut sind: Der Zug wartet in Bedburg-Hau stets auf den entgegen kommenden Niersexpress. Allerdings hat auch noch kein Bahnplaner die Idee gehabt, den Zug einfach zehn Minuten später in Kleve losfahren zu lassen.

Youtube: 201 mal Kleve | kleveblog (28.07. 00:17): [...] Meine zwei Lieblingsvideos: Einmal dieses hier, mit dem vermutlich ei...