Der Vergleich: Schweizerhaus vs Radhaus

rd | 12. Januar 2008, 12:16 | 19 Kommentare

Tief durchatmen! Glück gehabt! „Das Schweizerhaus steht mit der Zwangsversteigerung der Immobilie am 12. März nicht vor dem Aus. Das machte gestern Erwin Steinkogler deutlich. Er ist Chef der Steinkogler Unternehmensberatung (Rosenheim), die das Materborner Parkhotel betreibt. ,Die Zwangsversteigerung betrifft die Inhaber der Immobilie, Familie Kalenberg’, so Steinkogler. Sein Unternehmen habe einen Pachtvertrag bis 2009.” So berichtet heute die NRZ. Somit bleibt der Gegenentwurf zum Radhaus, dem zweiten Pol des Klever Disconachtlebens, erhalten. Wie schön, dass man wählen kann – hier die die Übersicht über die wichtigsten Unterschiede.

Schweizerhaus Radhaus
Lage oben unten
Tradition Gegründet 1962 von der Kalenberg-Dynastie Gegründet ca. 1972 von Georg K. (gib’s ruhig zu!)
Übernachtungen (Anteil in Kleve) 50 % 0,5 % (ja, du, Georg!)
Alter des weibl. Stammpublikums runtergemalte 35 hochgemalte 18
Größte Veranstaltung Möhneball Abifete
Typischer Abgang Aufzug NightMover
Dresscode Pimped Vrede Crushed H & M
Bester Flirtspruch “Ich bin vom DGB, willste mit auf mein Zimmer?” “Ich bin vom Sebus, magst du auch einen warmen Kakao mit Sahne?”
Wenn man aufwacht, liegt das am… Defibrillator Entzug


Szene-Schock: Schweizerhaus unterm Hammer

rd | 10. Januar 2008, 15:00 | 1 Kommentar

Das ist ein echter Schock für die Klever Discoszene (und offenbar auch für die Gewerkschaftsbewegung, dazu später): Das Parkhotel Schweizerhaus (SH in Fachkreisen) wird am 12. März zwangsversteigert, berichtet die NRZ. Künftige Eigentümer könnten laut Bebauungsplan aus der ersten Vergnügungsadresse im Lande, die für die Hälfte aller Hotelübernachtungen in Kleve verantwortlich ist, auch ein Seniorenheim machen. Verkehrswert des Gebäude: 5,98 Millionen Euro.

Im Forum auf der Website des Hotels, in dem sich sonst unter anderem hormongesteuerte Damen nach den süßen Türstehern mit den blauen Augen erkundigen (“Ich kann dir sagen, dass er Fabian heißt, aus Köln ist und ich glaube so um die 22 Jahre alt”), grassiert schon die nackte Angst:

Also ich fänds echt schlimm wenn aus dem SH ein Altenheim wird, davon haben wir doch genug. So langsam wird Kleve langweilig was die Ausgehmöglichkeiten anbelangt und das SH gehört nunmal zur Geschichte von Kleve und war immer für Kegelclubs ein Anziehungspunkt weil Partys und feiern da groß geschrieben wurde. Genießen wir die Zeit die wir da noch haben und vielleicht geht ja noch alles gut aus und es bleibt uns erhalten so wie es ist.

Etwas rätselhafter ist dagegen der folgende Kommentar:

Woran frage ich mich liegt es, dass solche Häuser mit TRADITION vor die Wand gefahren werden. Legendär sind die Discobesuche, die Wochenend-Seminare der Gewerkschaften und nicht zu vergessen die 5. Jahreszeit in diesem Haus. Wer soll wenn nicht das Schweizerhaus diese Dinge auffangen?

Legendäre Wochenendseminare der Gewerkschaften? Oder Wochenendinseminare?? Es klingt jedenfalls so, als ob ein eher horizontales, nicht direkt am Klassenkampf orientiertes Verständnis von Gewerkschaftsbewegung geherrscht hat. Naja, ein bisschen Spaß muss sein.

KlePeter (12.01. 11:07):

Genussverstärker

rd | 09. Januar 2008, 13:17 | keine Kommentare

BrokDieser Beitrag hat mit Kleve nur insofern etwas zu tun, als dass ich das Gratismagazin Genussverstärker auf dem Tresen der Zeitschriftenhändlerin meines Vertrauens entdeckte. Doch ich halte die Titelbildkomposition für so gelungen, dass ich dem “Pfeifenraucher des Jahres 2007”, der ein CDU-Europapolitiker ist und sich auch schon mal mit Hillary Clinton und Kofi Annan getroffen hat, gerne 250 mal 333 Pixel Platz frei räume (was Friedbert Pflüger nicht gelungen ist, obwohl mir auch ein interessantes Dokument von ihm in die Hände gefallen ist). Das Bild beweist immerhin, dass Politik unter Umständen doch nicht ganz so ein trostloses Geschäft ist, wie ich mal vermutete hatte. Die Serie der “Pfeifenraucher des Jahres” wurde übrigens 1969 mit Herbert Wehner begründet. Die offizielle Berufsbezeichnung von Elmar Brok lautet: Senior Vice President Media Development Bertelsmann AG. Seine prägnanteste politische Aussage ist diese: “Wir Genießer wollen und können Rücksicht nehmen auf andere, doch man muss uns auch dürfen lassen.” Darauf einen Dujardin.


Sandornamente im Grünstreifen

rd | 08. Januar 2008, 14:22 | 1 Kommentar

RauteWer sich auf der Emmericher Straße unserer kleinen Stadt nähert, findet seit gestern nach dem ersten Kreisverkehr rätselhafte Zeichen im mit Gras bewachsenen Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Radweg. An die berühmten Kornfeldkreise in England erinnernd, die vor Jahren Außerirdischen zugeschrieben wurden, sind dort jeweils mit einigen Metern Abstand Dreiecke, Rauten, Rechtecke, Kreise und viele andere hübsche Formen, deren geometrische Bezeichnung mir entfallen ist, mit Sand ausgelegt.

Leider muss ich jedoch sagen: Es handelt sich auch diesmal nicht um Botschaften extraterrestrischer Kulturen, die mit der Klever Bevölkerung Kontakt aufnehmen wollen. Die zweidimensionalen Sandornamente sind vielmehr eine noch nicht restlos entschlüsselte Botschaft einer extrem intrastädtischen Kultur. Zeugen berichteten, dass ein Arbeitertrupp der Stadt Kleve stundenlang damit beschäftigt war, die Formen zu applizieren.Parallelogramm

Einer kippte den Sand vom Kleinlaster, der nächste harkte ihn in die gewünschte Form und ein dritter Mann fegte dann noch ein bisschen drüber weg. Nur wenig Phantasie ist nötig, um dazu noch einen Vorarbeiter zu imaginieren, der mit einer Art Schnittmusterbogen Anweisungen erteilt und die Linienführung begutachtet.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, habe aber so eine Ahnung. Es könnte sich um das Aufklärungsbatallion der städtischen Blumendivision gehandelt haben. Will sagen: In vier Wochen kommt ein neuer Trupp: Einer hebt in der vorgezeichneten Form ein Blumenbeet aus, der nächste füllt es mit Blumenerde auf, der dritte pflanzt Tulpen und Narzissen, der vierte gießt noch ein wenig – was dann insgesamt an den (betagten) Witz erinnert, wie viele Blondinen nötig sind, um eine Glühbirne zu wechseln: 5. Die erste steigt auf den Tisch und greift die Glühbirne, die restlichen vier heben dann den Tisch an und drehen ihn.