Klever Unternehmerpreis (neu verliehen)

rd | 18. Januar 2008, 19:53 | 1 Kommentar

Ein Unternehmerpreis erwischt einen heute ja etwa so schnell wie das Norovirus. Ich wage zum Beispiel die Behauptung, dass Uhren Rüger schon dann in die engere Auswahl für den Klever Unternehmerpreis käme, wenn der Inhaber das Geschäft in Rüger clocks & jewels umbenennen würde. Würde er obendrein noch ein paar iPods zu den irgendwie zeitlosen Uhren ins Schaufenster schummeln, wäre der Preis eigentlich so gut wie sicher. Ich kann mir schon vorstellen, wie ein Moderator vom Schlage eines Thomas Helmer von seiner Karteikartensammlung einen Satz abliest, der sich in etwa so anhört: “… hervorragendes Beispiel für die gelungene Transformation eines alteingesessenen Familienbetriebs im Zeitalter des globalisierten Einzelhandels.”

Und wie immer bleiben diejenigen Geschäfte & Unternehmen außen vor, die nun wirklich das gewisse “Etwas” haben (“Etwas” hier allerdings mehr verstanden im Sinne des Romans “Geht in Ordnung – sowieso –– genau –––” von Eckhard Henscheid). Dieser kleine Cyberpreis hier wird verliehen an wirklich visionäre Unternehmen. Für Geschäfte, die etwas haben, das andere nicht haben. Oder, weitaus wahrscheinlicher, für Geschäfte, die etwas nicht haben, das andere haben. So verhält es sich beispielsweise beim Drittplazierten, der heute hier vorgestellt wird. Es handelt sich um das

Elektroeck Heinz Pruys, das uns den
geheimen Zauber des Stabmixers zurückgegeben hat

Geschäft
Begründung der Jury: Wie oft ist man schon im Saturn gewesen und hat sich gefragt, wie sähe das Geschäft wohl aus, wenn alles Nervige verschwunden wäre. Keine Computer, keine Drucker, keine CDs, keine Handys und MP3-Player, und auch keine Digitalkameras mit 5, 7 und 10 Megapixel mehr. Was, wenn sich außerdem noch alle doppelt und dreifach aufgestellten Geräte in Luft auflösen würden und die Verkaufsfläche infolgedessen um 90 Prozent schrumpfen könnte? Dann befindet man sich eigentlich schon im Elektroeck Heinz Pruys (Hoffmannallee/Ecke Brahmsstraße), dessen griffige Erfolgsformel seit vielen Jahren lautet: “Tauchsieder und noch zwei, drei Sachen mehr, schöne Stehlampen zum Beispiel”.

Doch zur Überraschung des übersättigten Kunden stellt sich ein ähnlicher Effekt ein wie im Urlaub, wenn man die ausgemergelten Fischer am Strand um ihr einfaches Leben beneidet. Brauche ich wirklich diesen neuen Plasmafernseher mit 84 Zoll Bilddiagonale? Oder tut’s nicht auch ein Stabmixer? Die Schaufensterdekoration widmet sich Tauchsiedern und Toastern noch mit der Liebe, die diese unentbehrlichen Haushaltshelfer tatsächlich verdienen. Der Knüller in dieser Saison: Kaffeemaschinen für Filter der Größe 4. Mit Tropfenstopp.

(Applaus im Publikum. Thomas Helmer auf der Bühne wirkt unsicher, seine Augen suchen seine Frau Yasmina im Publikum, doch die ist in ein Schwätzchen mit Kleves stellvertretendem Bürgermeister Dr. Artur Leenders (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) vertieft, sodass dem ehemaligen Fußballprofi nichts anderes übrig bleibt, als überzuleiten zum Showteil, in dem reisende Künstler aus der Mongolei irgendwas mit Feuer und Tellern machen und auf diese Weise die Spannung ins Unermessliche steigern, was denn nun noch besser sein könnte als das Elektroeck Heinz Pruys.)

(Wird fortgesetzt.)



Karneval für Anfänger

rd | 14. Januar 2008, 14:04 | 4 Kommentare

Wunderbarer Karneval! Hier wegen des großen Erfolges zur vertiefenden Diskussion der Überblick über weitere Sitzungsmotti hiesiger Karnevalsgesellschaften, die zugleich das kreative Potenzial der heimischen Humorsaisonarbeiter eindrucksvoll untermauern.

Verein Motto Mögl. Bedeutung Verständlichkeit
Brejpott-Quaker Wej sin nit op de Mull gefalle! Wir sind nicht auf den Mund gefallen ****
Flying Famili Hört es effkes Hört mal eben zu ****
Schildbürger Hej all gehört? Hast du schon gehört ****
Germania Det än dat, van alles wat! Dieses und jenes, von allem etwas *****
Fidelitas Paradiesischer Spaß – beij Fidelitas Paradiesischer Spaß – bei Fidelitas ******


Sitzstreik (7)

rd | 13. Januar 2008, 19:52 | 4 Kommentare

Post-Bank

Man ist geneigt zu sagen: Postbank.


Et is den Bölt sin eige Schöld

rd | 12. Januar 2008, 16:09 | 9 Kommentare

Noch ein Rätsel der plattdeutschen Sprache, und diesmal gibt’s die Lösung gleich mit. In diesem Jahr hat die Karnevalsgesellschaft Schwanenfunker ein kryptisches Motto: “Et is den Bölt sin eige Schöld.” Meine Kenntnisse der Mundart scheiterten am Wort Bölt, und so fragte ich zwei gestandene Karnevalisten. Das betrübliche Ergebnis: Sie wussten es auch nicht.

So besteht in dieser kurzen Session durchaus die Möglichkeit, dass die Schwanenfunker mit einem Motto ins Rennen gehen, das keiner versteht.

So weit darf es nicht kommen!

Zum Glück gibt es die Wissenschaft, also mal rasch im Rheinischem Wörterbuch

im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und des Provinzialverbandes der Rheinprovinz auf Grund der von Johannes Franck begonnenen, von allen Kreisen des Rheinischen Volkes unterstützten Sammlung bearbeitet und herausgegeben von Josef Müller, Heinrich Dittmaier, Rudolf Schützeichel und Mattias Zender, 9 Bände, Bonn/Berlin 1928-1971

geblättert. Doch es ist wie immer: 2 Experten, 3 Meinungen. Demnach hat Bölt die Bedeutung Beule, kann aber auch Bretterzelt, altes Haus heißen – und außerdem im abschätzigen Sinne für die weibliche Brust verwendet werden.

Der Reihe nach: Unter dem Stichwort Schmied findet sich folgende, laut Wörterbuch aus Kleve-Warbeyen stammende Redewendung:

Et es de Bölt (elende Hütte) sin eige Schöld, dat hej de Kast mott drage; was hej mar (nur) nor de Schm. gegohn, den hatt öm drafgeschlagen

In Kleve dagegen wird unter dem Stichwort Schuld die folgende Sentenz verortet:

En ander hät alltit de Schöld, gen Mensch sieht sinen eigen Bölt

Emmerich schließlich trägt zur endgültigen Verwirrung bei. Dort werden Frauen mit geringer Oberweite angeblich so beschrieben:

Glatt af, gen Hölt en gen Bölt

Und da denkt man immer, der Karneval ist so oberflächlich. Doch bei den Schwanenfunkern sieht es ja fast so aus, als hätte Heinrich Bölt die Feder geführt. Jedenfalls, um diese etymologische Plattplauderstunde zu beschließen, erbrachte ein Anruf bei meinem Vater Klarheit: Beule. Wenn man eine Beule abkriegt, ist man’s selbst schuld, dass man damit rumlaufen muss. Et is den Bölt sin eige Schöld, das darf man auch gerne mit einem dreifachen Helau z. B. dem Rentner aus der Münchner U-Bahn nachrufen.