Offene Klever fast zu: 2 Austritte & 1 Schlaganfall

rd | 16. Mai 2008, 14:15 | 20 Kommentare
Vignette

Bei der Kommunalwahl 2004 holten sie noch 6,43 Prozent der Stimmen und zogen mit drei Abgeordneten in den Klever Stadtrat ein. Doch heute, knapp vier Jahre danach, stehen die Offenen Klever vor einem Scherbenhaufen erster Güte – und sogar Bischöfe werden schon bemüht, um zu retten, was zu retten ist.

Doch der Reihe nach: Schon wenige Tage nach der Wahl erklärte der Abgeordnete Nr. 1, Friedhelm Szubries, seinen Austritt aus der Fraktion – vielleicht auch die bessere Idee, wenn man seine jüngsten Äußerungen in Rechnung stellt, in denen er die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde Adolf Hitlers vehement kritisierte.

Blieben noch zwei, bis im Dezember 2006 der umtriebige ehemalige Zeitschriftenhändler Guido Barozzi dem offenbar unwiderstehlichen Werben Theo Brauers erlag und zur CDU überwechselte, um Kleve nach eigenen Worten “kulturell und wirtschaftlich voranzubringen”. Damit waren die Offenen Klever ihren Fraktionsstatus los, und einzig Jeanette Schneeberger vertrat noch OK-Politik im Rat.

Doch seit dem 11. 11. 2007 ist auch sie dazu nicht mehr in der Lage. Ein Schlaganfall streckte die Frau nieder. Seitdem verbrachte sie viele Monate in der Reha und wird nun von ihrem Sohn betreut. Ihr Ratsmandat kann sie offenbar nicht mehr ausüben. Dennoch gelingt es den Offenen Klevern nicht, das zumindest physisch vakante Ratsmandat neu zu besetzen. Dazu müsste nämlich der Sohn, der sich nach einer juristischen Kurzkarriere der Kirche zugewandt hat, als zuständiger Betreuer den Verzicht seiner Mutter bekunden, doch soweit geht die Liebe zur Partei dann wohl doch nicht (Aufwandsentschädigung für Ratsmitglieder Fraktionsvorsitzende pro Monat: 465 Euro).

Anne Fuchs, Ex-Fraktionssekretärin, schrieb angesichts dieser parteipolitischen Notlage sogar an den Bischof von Trier, damit dieser dem Sohn ins Gewissen rede: “Jegliche Besprechung uns drängender Fragen wird von Herrn Schneeberger blockiert, Telefonate, sofern diese zustande kommen, werden grußlos sofort beendet… Sollte die Aufwandsentschädigung, die seine Mutter monatlich weiterhin bezieht, für die Fragestellung von Bedeutung sein, sind wir zu Komporomissen gern bereit”, heißt es in dem Brief. “Ihr Schreiben wurde zuständigkeitshalber an den Regens des Bischöflichen Priesterseminars weitergeleitet”, antwortete der Bischöfliche Kaplan. Mehr ist aber noch nicht geschehen.

Letzter möglicher Ausweg: die Wohnortfrage. Klever Ratsmitglieder müssen ihren Hauptwohnsitz in Kleve haben. Für die Vormundschaftssache Schneeberger sind aber mittlerweile laut Vormundschaftsgericht beim Amtsgericht Kleve die Kollegen in München zuständig…



Nasse Tatsachen

rd | 15. Mai 2008, 15:19 | keine Kommentare

Postkarte

Es gab so einige Nachfragen zum Beitrag Freibadkritik, und da hier der Leser noch mit handgeschöpften Informationen versorgt wird, einige ergänzende Fakten, die deutlich machen, dass Heuschrecken Freibäder am besten weiträumig umfliegen:

  • Dauer der Saison 2008: 127 Tage
  • Voraussichtliche Betriebskosten 2008: 530.000 Euro
  • Kostendeckende Durchschnittseinnahme pro Tag: 4173 Euro
  • Besucher Pfingstmontag (bisheriger Rekordtag): 4800
  • Einnahmen Pfingstmontag: 8000 Euro
  • Besucher Dienstag (immer noch Top-Wetter): 1500
  • Besucher Mittwoch (“Ging-so”-Wetter): 750
  • Besucher an Schlechtwettertagen: weniger als 100
  • Durchschnittliche Besucherzahl (pro Saison): 100.000
  • Durchschnittliche Einnahmen (pro Saison): 150.000 Euro
  • Deckungslücke: 380.000 Euro

Tja. Wer auf Profitmaximierung aus ist, sollte lieber einen Bogen ums Freizeitbad Sternbusch schlagen. Aber, wie gesagt, für mich ist der Betrieb von Schwimmbädern eine öffentliche Aufgabe ersten Ranges – eine controllerfreie Zone sozusagen.



Erntebusiness Agrodank

rd | 14. Mai 2008, 18:04 | 6 Kommentare

Eben noch ein bisschen über das merkwürdige Wort Agrobusiness gelästert, und schon springt es einen wie ein räudiger Köter aus jeder Ecke an – heute zum Beispiel als kreative Meisterleistung im Zusammenhang mit Justus Frantz und Erntedank (aus einem Interview der NRZ):

Konzerte mit Justus Frantz standen während Ihrer aktiven Zeit als Wirtschaftsförderer in Kevelaer bereits mehrfach auf dem Programm. Gehört ein derartiges Festival (das der Kreis jetzt plant) aus Ihrer Sicht zu den originären Aufgaben einer Kreiswirtschaftsförderung?
Kuypers: Ich finde, dass ein derartiges Festival der mit der Aufgabe des Tourismus betrauten Wirtschaftsförderung gut zu Gesicht steht. Es hat die Nähe zum Tourismus, für den wir seit Januar ebenfalls verantwortlich sind. Und da das Festival in diesem Jahr in terminlicher Nähe zum Erntedankfest stattfindet, sind wir beim dritten Punkt Agrobusiness. Drei gute Gründe, ein derartiges Festival aus Marketinggründen zu organisieren.

Eine kleine Schwäche ist freilich, dass etwas offen bleibt, wo genau die drei guten Gründe zu finden sind. Tourismus und Erntedank und?

Mehr zum Thema:


Freibadkritik

rd | 13. Mai 2008, 21:00 | 3 Kommentare

Schwimmbad

Im Freitzeitbad Sternbusch nehmen viele Klever für immer Abschied (von ihren Fahrrädern) und unterziehen sich rituellen Absturzexperimenten (10-Meter-Turm) – und, auch wenn es unvorstellbar ist, dass so ein Teil selbst in goldenen Sommern Verluste schreibt, sei hier angemerkt, dass (zumindest) ich es für eine öffentliche Aufgabe ersten Ranges halte, Schwimmbäder zu betreiben. Doch wie präsentiert sich das Juwel des Wassersports in diesem Sommer? Hier der Überblick:

Wasserqualität bis 14 Uhr ++ Abends schafft die Anlage die menschlichen Beimischungen leider nicht mehr so ganz
Wassermenge ++ 4674 Kubikmeter, das ist sehr viel
Schwimmen ++ Bis 12 Uhr ziehen Senioren diszipliniert ihre Bahnen, danach Erschwernisse durch Pubertätsanarchie
Rutschen + Wer’s braucht
Friteusenbereich + Gegen Pommes & Preise ist nichts zu sagen, allerdings bei schönem Wetter verschaffen 50-Meter-Schlangen DDR-Gefühle
Café Ohne Latte macchiato lässt sich heute kein Café mehr betreiben
Bademeister ++ Schick in Rot, tolle Mischung aus Sex Appeal & Autorität, bester Spruch: “Bitte nach links rausschwimmen! Nach LINKS!!!”
Preis ++ Einzelkarte 2,80 Euro für Erwachsene, 1,40 Euro ermäßigt – unschlagbar