Turnhallenblues

rd | 02. Mai 2007, 19:16 | keine Kommentare

Schon als Redakteur der legendären Schülerzeitung Pegasus veröffentlichte ich ca. 1978 einen Beitrag über die Turnhalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. Eine der wichtigsten Erkenntnisse damals (wohlgemerkt in einer Zeit, als es noch keine Mobiltelefone gab): Es ist nicht sehr clever, ein Notruftelefon mit Wählscheibe mittels eines Bügelschlosses so abzuschließen, dass die Ziffer 2 nicht mehr gewählt werden kann. Schon damals hatte der Notruf nämlich die Nummer 112.

Seitdem ist man immer wieder aufs Neue erstaunt, welche hanebüchenen Dinge sich in einer Turnhalle (es ist nur eine Turnhalle, nichts Kompliziertes!) abspielen können.

  • Der Hausmeister schließt Toiletten ab, damit die Kinder nicht immer alles dreckig machen. Angesichts des einzigen möglichen Auswegs fühlte sich der Trainer der Volleyballmannschaft des VfL Merkur Kleve schon an seine rumänische Heimat erinnert…
  • Zur Jahreswende durften sich Aushilfsputzkräfte am Boden versuchen. Offenbar bar jeder Sachkenntnis machten sie den Boden „mal so richtig blitzblank sauber“ – mit der Folge, dass Sportler sich einen Monat lang wie auf einer Eisfläche bewegten.
  • Die Wassertemperatur der Duschen wird offenbar von einem Zufallsgenerator gesteuert, der alle Werte zwischen vier und 70 Grad Celsius annehmen kann. Es ist nicht möglich, selbst die Temperatur einzustellen. Die Verwaltung weiß besser, was für Sportler gut ist.
  • Eine Korbanlage hängt schief, weil das Aufhängungsgestänge gebrochen war. Die Lösung: An den kritischen Stellen wurden Dreiecksbleche eingeschweißt. Bleche! Basketballer sollten künftig lieber ganz sanft dunken.
  • Schüsse gegen die Hallendecke sind ebenfalls besser zu vermeiden – es sei denn, man möchte Gegenspieler ausschalten, indem man sie von herabfallenden Faserplatten treffen lässt.
  • Der vorläufiger Höhepunkt stammt indes aus dem Bereich der Logistik: Während in der ganzen Welt Turnhallen in den Ferien repariert werden, legten die Handwerker in Kleve pünktlich nach dem Ende der Osterferien los. Eine Woche war die Halle vom gemütsaufhellenden Dämpfen irgendwelcher Lösungsmittel erfüllt, in der nächsten hatte der Schuldirektor in einem unnachahmlichen Akt der Fürsorge einen schlichten DIN-a-4-Zettel „Benutzung nur noch auf eigene Gefahr“ an der Hallentür anbringen lassen – weil die Halle auch in der dritten Woche nach dem Ende der Osterferien eine einzige Baustelle ist.

Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Der Erste-Hilfe-Kasten ist beispielsweise immer noch genauso ausgeräumt wie 1978, und nun erzählte mir ein Schüler, dass es im Lehrerbereich sogar einen Kühlschrank mit Kühlakkus gebe (wir wissen: Kühlen! Kühlen! Kühlen!), der allerdings verschlossen sei (und nicht einmal alle Sportlehrer verfügten über einen Schlüssel).
Und und und. Irgendwie ein bisschen wie Deutschland, oder? (Trotz der guten Zahlen vom Arbeitsmarkt.)
Da passt natürlich auch, dass der Notausgang abgeschlossen ist. Wenn schon, denn schon.



Adieu, Sperrmüll

rd | 01. Mai 2007, 19:46 | 1 Kommentar

Wahre Größe zeigt sich dann, wenn man Anderen nicht einmal mehr den eigenen Abfall gönnt. Und so hat die Stadt Kleve kurzerhand den Sperrmüll abgeschafft. Der Grund: Der so genannte Mülltourismus. Damit ist jetzt mal nicht der Wahnsinn gemeint, dass z. B. Müll aus Italien an den Niederrhein gekarrt und dort verbrannt wird, um überdimensionierte Müllverbrennungsanlagen auszulasten. Diesmal geht es gewissermaßen um die Individualtouristen, deren Reisepläne bisher von den „Entsorgungsterminen“ in städtischen Müllkalendern bestimmt wurden.

Das waren in der Regel Männer mittleren Alters aus dem osteuropäischen Ausland, die in 24-Stunden-Schichten mit Kennerblick Dinge mit Wert (z. B. Metall) von absolutem Müll unterschieden. Mit der erfreulichen Folge, dass sich das tatsächliche Müllaufkommen einen Tag nach Ablage der Reste an den Straßenrand in der Regel um ca. 80 Prozent reduziert hatte (man war ja fast schon etwas vergrätzt, wenn die eigenen Dinge noch liegen blieben, während der Nachbar seinen Schrott schon losgeworden war). Interessanterweise sahen die Männer, die sich um unsere Wohlstandshinterlassenschaften kümmerten, auch immer so aus, als ob sie tatsächlich noch für ihr Geld arbeiten würden.

So geht’s natürlich nicht! Und so wird in Kleve allgemein bejubelt die Eröffnung eines „Wertstoffhofs“, zu dem der wackere Klever Bürger seinen Sperrmüll künftig persönlich hinbringen darf. Na, das ist aber auch eine Verbesserung: Die Gegenstände werden nicht mehr vor der eigenen Haustür abgeholt, und vermutlich sind bei der Ablieferung irgendwelche kuriosen Gebühren zu entrichten. Aber immerhin: Man darf sich freuen, dass wenigstens die Polen kein Geld mehr damit verdienen. Fortschritt, dein Name sei Kleve!

Restmülllotto auf dem Wertstoffhof | kleveblog (30.06. 15:58): [...] Es muss wohl noch skurriler zugehen als man es sich ausmalen kann, da...


Brückentage in Brienen

rd | 01. Mai 2007, 19:14 | 2 Kommentare

Da dürfte sich der Bund der Steuerzahler schon die Hände reiben: Wer derzeit die üblichen Radtouren (Altrhein usw.) macht, wird hinter Brienen am Spoykanal auf eine fulminante Baustelle stoßen – dort soll die neue Umgehungsstraße mit einer Brücke den Spoykanal queren. So weit, so unvermeidbar. Nun hörte ich aber, dass diese Brücke wird in ihren Ausmaßen an andere grandiose Zeugnisse der Ingenieurskunst erinnern wird. Das muss auch so sein, weil der Kanal eine Wasserstraße der Kategorie XYZ ist, und bei Verkehrswegen mit dieser Klassifikation müssen eben bestimmte Durchfahrtshöhen gewährleistet sein. Nun weiß aber jeder, der in den vergangenen Jahren mal einen Blick in den Klever Hafen („Klever was?“) geworfen hat, dass die Zeiten, in denen dort Hochseecontainerschiffe sich ihrer Ladung entledigten, eher der Vergangenheit angehören. Genauer gesagt, dort machen überhaupt keine Frachtschiffe mehr fest, weil es dort nichts mehr zu be- oder entladen gibt. Logische Folge: Es ist längst dafür gesorgt, dass der Kanal heruntergestuft wird. Doch das dauert. Und der Brückenbau kann (darf?) das nicht antizipieren. So wird also eine Brücke gebaut, deren Unnutzen schon jetzt feststeht. So weit ich das überblicke, regt sich aber niemand drüber auf. Gab es früher nicht mal so etwas wie Opposition. Interessant wird die Sache spätestens dann, wenn mal wieder etwas anderes gestrichen werden muss – weil das Geld angeblich fehlt.


Ochsen, Mäuse, Engel

rd | 12. April 2007, 18:04 | 1 Kommentar

Nach Kleves schönstem Spielplatz nun gleich der nächste Superlativ. Diesmal Kleves schönste Bauruine. Am Fuße der Schwanenburg planten der Klever Zahnarzt G. und seine Frau eine „Praxis für ganzheitliche Zahnmedizin“, wohl irgendwas, das Feng Shui und Keramikkronen vereinen sollte. Doch rien ne va plus, Zahlungsunfähigkeit und (wieder mal) Handwerker, die auf ihren Rechnungen sitzen bleiben. Das Haus sieht bis auf weiteres so kariös aus wie meine Backenzähne vor ca. 25 Jahren.

Vor allem die NRZ macht sich seitdem darum verdient, Kurioses bis Krudes ans Tageslicht zu befördern. Sehr schön zum Beispiel die überlieferte Anekdote, wie die Zahnarztfrau in einer Gläubigerversammlung Engel ins Spiel brachte, die dem Projekt zugetan seien. Man stelle sich einen erdverbundenen niederrheinischen Handwerker vor, der auf ein paar tausend Euro wartet und (gefühlt) kurz vor der Insolvenz steht, und dann erzählt ihm jemand was von Engeln! Naja, wie dem auch sei: Hätte man das Desaster nicht ahnen können – angesichts eines zu der ganzheitlichen Praxis gehörenden „Fortbildungszentrums“, das sinnigerweise „Zum Ochsenstall“ genannt wurde???Bauruine

Klever Zahnarztwelten | kleveblog (08.12. 17:55): [...] Nur einer hatte übrigens Pech: Der hier war mit seinen Geschäftsid...