Auf den Strich gehen

rd | 29. Juni 2007, 14:55 | keine Kommentare

Unsere schöne 49.207-Einwohner-Stadt im Spiegel nackter Zahlen – da wird einem bang ums Herz:

  • Aufgetragene Fahrbahnmarkierungen (in Metern): 39.140
  • Altpapier je Einwohner (kg): 81,33
  • Gepflanzte Blumen und Blumenzwiebeln: 51.930
  • Beschäftigte im Gastgewerbe: 364
  • Gefegte Strecke der drei Kehrmaschinen (km): 39.140
  • Ersatzkehrmaschinen: 1 (man weiß ja nie)
  • Einnahmen aus Straßenreinigungsgebühr (€): 449.678,44
  • Einnahmen umgelegt auf Straßenreinigung (€ pro km): 11
  • Parkscheinautomaten: 23
  • Unterhaltungsaufwand für diese 23 Automaten (Stunden): 428

Der letzte Punkt verdient eine kleine Würdigung: Pro Automat ergibt sich ein Aufwand von rund 19 Stunden. Anders ausgdrückt: Ein städtischer Angestellter ist zwölf Wochen pro Jahr damit beschäftigt, die Dinger zu leeren und Papier nachzufüllen. Ob die Automaten wenigstens seinen Arbeitslohn einspielen? (Anschaffungskosten für die Kisten mal gar nicht eingerechnet.)



Der Messias kam um 9 Uhr

rd | 28. Juni 2007, 13:15 | keine Kommentare

Zwei Tage vom Internet abgeschnitten. Irgendwie der übliche Telekomwahnsinn mit fortwährenden Demütigungen durch Computersprachmenüs („Hm, Sie möchten also eine Beschwerde aufgeben…“) und Warteschleifenswing. In der größten Verzweiflung ein Gang zum Telekomladen. Ein freundlicher Mitarbeiter nimmt sich der Sache an – und schreibt mir die Handynummer eines Technikers auf die Bestätigung des Auftrags, der wegen irgendwelcher unvorhergesehenen Hardwarekonflikte zum Destaster geführt hatte. Ein Techniker! Und dann gleich die Handynummer!!

Fröhlich verließ ich das Ladenlokal, und als nach der vereinbarten Stunde immer noch keine Besserung eingetreten war, wählte ich die Handynummer des Technikers. Leider teilte er mir allerdings mit, dass der Änderungsauftrag, der den alten Zustand wiederherstelle, schon „im System“ sei, und wenn er nun versuche, in diesen Prozess per Hand einzugreifen, dies zu noch größerer Verwirrung führe. Bis Mitternacht sei die Umstellung erfolgt, eine Zeit die ich nutzte, um Rasen zu mähen, zu staubsaugen, zu spülen. Um Mitternacht hatte ich dann auch Schreibtisch und Desktop aufgeräumt. Und nichts tat sich. Leichte Wut – und der feste Vorsatz, morgen den Techniker zu quälen.

Aber dann! Am nächsten Morgen um 9 Uhr, noch bevor ich zum Telefon greifen konnte, klingelt es an der Haustür. Ein freundlicher, bärtiger Mann in Motorraduniform stellt sich vor: „Guten Tag, ich bin XY, der Techniker von der Telekom. Ich habe heute morgen gesehen, dass Ihr Internet immer noch nicht geht, deshalb habe ich Ihnen jetzt die Hardware mitgebracht, mit der es auf jeden Fall läuft.“ Ich bitte den guten Mann in die Wohnung, erfahre so nebenbei, dass dies eigentlich sein freier Tag sei, lasse ihn fünf Minuten stöpseln – und alles läuft wieder.

Beschwingt ging ich in den Tag, mit dem Gefühl, Zeuge einer messianischen Erscheinung gewesen zu sein – und mit der Erkenntnis, dass solche Leute für den Laden mehr wert sind als alle gelackten Werbekampagnen mit zwangsentspannten Menschen in schicken Wohnungen mit dunklen Hölzern und cremefarbenen Sitzlandschaften. Die Handynummer gebe ich nie wieder her.



Kommt nicht in die Tüte

rd | 21. Juni 2007, 17:53 | 1 Kommentar

Schaukästen waren so etwas wie Homepages, als Telefone noch Wählscheiben hatten und Kreuzungen noch keine Ampeln. Sozusagen die Visitenkarte einer Einrichtung. Und wenn Fußgänger heute an der Stadtbücherei vorbeischlendern, stoßen sie auf dieses eindrucksvolle Objekt, das sicher auf der documenta ebenso gut aufgehoben wäre: Schaukasten

Wir sehen neun Handzettel und zwei Plakate – alle elf Objekte mit der Aufschrift „Schock den Lehrer – lies ein Buch!“. So weit so gut. Aber vollendet wird dieses ästehtisch anspruchsvolle Objekt durch die souveräne zentrale und laterale Platzierung von fünf Brötchentüten. Man könnte lange über diese Komposition sinnieren. Warum die Plakate in unterschiedlichen Größen, die Brötchentüten dagegen in Einheitsgröße, obwohl es nicht nur Tüten für fünf, sondern auch für für zwei und zehn Brötchen gibt? Ist das Ganze nur der dezente Hinweis, dass die Stadtbücherei jetzt auch Bücher von Max Brod im Bestand führt? (O.k., der Kalauer war billig.) Oder sollen uns die Tüten an den uralten Stevie-Wonder-Witz erinnern? (Den ich nicht weiter ausführe, weil noch billiger.) Oder ist hier der Widerspruch gleich mit eingebaut: Bücher lesen – kommt mir nicht in die Tüte!

Links und rechts des Schildes Stadtbücherei wurden übrigens noch zwei gelb-schwarze Aufkleber angebracht: „Wir sehen uns in der Stadtbibliothek.“ Müsste ca. 1980 sein.

Bester Ort im Sektor | kleveblog (20.10. 19:01): [...] … weil hier das Café der Guten Hoffnung steht [...]...

Mein Gott, diese Flusen!

rd | 21. Juni 2007, 17:22 | 1 Kommentar

Bürgermeister Theo Bauer hat für die NRZ sein Büro und sein Herz geöffnet. Demnach hat Kleve zwei große Probleme: die demographische Entwicklung („Bauchschmerzen“) und die Flusen in seinem Büro. Das eine ist hinlänglich bekannt, siehe Donsbrüggen, bleiben wir also bei den bösartigen Flusen: Sie stammen vom cremefarbenen Teppichboden, der im Bürgermeisterbüro verlegt ist. Brauer: „Der flust unheimlich und die Flusen bleiben dann am Anzug hängen.“ Das könne er „überhaupt nicht“ leiden. Unter seinen Schreibtischstuhl habe er bereits eine große Plastikmatte legen lassen, „um den direkten Kontakt mit dem Teppich zu vermeiden“, wie der Berichterstatter mitfühlend schreibt. Was die bei längerem Überlegen zumehmend verstörend stimmendere Frage aufwirft, wie zuvor der direkte Kontakt mit dem Problembodenbelag ausgesehen hat: knieend vor dem PC? Weiter mag man gar nicht denken!

Ebenfalls sehr interessant: Für seine persönliche Referentin Mechtild G.-W. kocht der Chef mit einer neben seinem Schreibtisch postierten kleinen Kaffeemaschine in ruhigen Minuten gerne mal einen Kaffee. Und dann sitzen sie gemeinsam bei einem Tässchen und blicken vom Fenster auf den Koekkoek-Platz. „Dann genießen wir etwas italienisches Flair in Kleve“, wird Brauer zitiert. Hier der Gegenschuss mit Blick aufs Rathaus (links von diesem billigen Schwanenturmimitat):

Koekkok-Platz

Wie gesagt, es ist ein Gegenschuss. Von der anderen Seite muss es wohl südländischer aussehen. Wie handgeschnitzt passt zu diesem Motiv übrigens auch: „Kleve: Tag für Tag gern erlebt“, der Vorschlag des Bürgermeisters für einen Werbeslogan für Kleve

Kleves schönste Leerstände | kleveblog (25.08. 17:48): [...] Platz 2: Ehemals “Post”. Doch seitdem die ihre Mitarbeite...