Genussverstärker

rd | 09. Januar 2008, 13:17 | keine Kommentare

BrokDieser Beitrag hat mit Kleve nur insofern etwas zu tun, als dass ich das Gratismagazin Genussverstärker auf dem Tresen der Zeitschriftenhändlerin meines Vertrauens entdeckte. Doch ich halte die Titelbildkomposition für so gelungen, dass ich dem “Pfeifenraucher des Jahres 2007”, der ein CDU-Europapolitiker ist und sich auch schon mal mit Hillary Clinton und Kofi Annan getroffen hat, gerne 250 mal 333 Pixel Platz frei räume (was Friedbert Pflüger nicht gelungen ist, obwohl mir auch ein interessantes Dokument von ihm in die Hände gefallen ist). Das Bild beweist immerhin, dass Politik unter Umständen doch nicht ganz so ein trostloses Geschäft ist, wie ich mal vermutete hatte. Die Serie der “Pfeifenraucher des Jahres” wurde übrigens 1969 mit Herbert Wehner begründet. Die offizielle Berufsbezeichnung von Elmar Brok lautet: Senior Vice President Media Development Bertelsmann AG. Seine prägnanteste politische Aussage ist diese: “Wir Genießer wollen und können Rücksicht nehmen auf andere, doch man muss uns auch dürfen lassen.” Darauf einen Dujardin.



Sandornamente im Grünstreifen

rd | 08. Januar 2008, 14:22 | 1 Kommentar

RauteWer sich auf der Emmericher Straße unserer kleinen Stadt nähert, findet seit gestern nach dem ersten Kreisverkehr rätselhafte Zeichen im mit Gras bewachsenen Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Radweg. An die berühmten Kornfeldkreise in England erinnernd, die vor Jahren Außerirdischen zugeschrieben wurden, sind dort jeweils mit einigen Metern Abstand Dreiecke, Rauten, Rechtecke, Kreise und viele andere hübsche Formen, deren geometrische Bezeichnung mir entfallen ist, mit Sand ausgelegt.

Leider muss ich jedoch sagen: Es handelt sich auch diesmal nicht um Botschaften extraterrestrischer Kulturen, die mit der Klever Bevölkerung Kontakt aufnehmen wollen. Die zweidimensionalen Sandornamente sind vielmehr eine noch nicht restlos entschlüsselte Botschaft einer extrem intrastädtischen Kultur. Zeugen berichteten, dass ein Arbeitertrupp der Stadt Kleve stundenlang damit beschäftigt war, die Formen zu applizieren.Parallelogramm

Einer kippte den Sand vom Kleinlaster, der nächste harkte ihn in die gewünschte Form und ein dritter Mann fegte dann noch ein bisschen drüber weg. Nur wenig Phantasie ist nötig, um dazu noch einen Vorarbeiter zu imaginieren, der mit einer Art Schnittmusterbogen Anweisungen erteilt und die Linienführung begutachtet.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, habe aber so eine Ahnung. Es könnte sich um das Aufklärungsbatallion der städtischen Blumendivision gehandelt haben. Will sagen: In vier Wochen kommt ein neuer Trupp: Einer hebt in der vorgezeichneten Form ein Blumenbeet aus, der nächste füllt es mit Blumenerde auf, der dritte pflanzt Tulpen und Narzissen, der vierte gießt noch ein wenig – was dann insgesamt an den (betagten) Witz erinnert, wie viele Blondinen nötig sind, um eine Glühbirne zu wechseln: 5. Die erste steigt auf den Tisch und greift die Glühbirne, die restlichen vier heben dann den Tisch an und drehen ihn.



BWL für Anfänger: Start frei!

rd | 05. Januar 2008, 17:57 | 1 Kommentar

Wieder mal beim Airport Niederrhein im beschaulichen Weeze gelandet, diesmal aber mit Fakten vom Flughafen “Frankfurt”-Hahn, bekanntlich das Vorbild für die hiesige Asphaltpiste mit angegliederter Parkraumbewirtschaftung. “Frankfurt”-Hahn zog am Jahresende Bilanz. Zusammengefasst: Alles super, 4,2 Millionen Passagiere im vergangenen Jahr, 2008 soll die 5-Millionen-Marke geknackt werden.

Dann kamen die interessanteren Zahlen: 2006 verbuchte das Unternehmen Verluste in Höhe von 15,75 Millionen Euro, etwas weniger als im Vorjahr. Schwarze Zahlen werden nun erstmals 2010 angepeilt – 17 Jahre nach Betriebsbeginn. Und dies auch nur, weil der Flughafen nun beabsichtigt, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen – etwa durch Immobiliengeschäfte. “Unser noch recht junges Geschäft ist Unwägbarkeiten ausgeliefert”, so der Kommentar der Geschäftsführung dazu. Da drücken wir dem Flughafen Niederrhein mal ganz feste die Daumen, aber der Einzug einer niederländische Zeitarbeitsfirma, die die Royal-Air-Force-Baracken für ihre polnischen Vertragsarbeiter angemietet hat, weist den Weg. Ein Bekannter erzählte mir, ergänzende Dienstleistungen hätten sich ebenfalls schon angesiedelt. Merke: Nicht überall, wo Flughafen draufsteht, muss am Ende auch Flughafen drin sein.


Margarine, Gleichmut, Fruchtbarkeit

rd | 05. Januar 2008, 17:46 | keine Kommentare

Durch Zufall bin ich auf einen Beitrag von Joseph Roth über unsere kleine Stadt am Rande des Landes gestoßen, veröffentlicht in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Einige interessante Beobachtungen – und manche klingen zeitlos aktuell:

In Kleve am Niederrhein erzeugt man Margarine, ohne damit der Schönheit der Stadt zu schaden. Sie lag einmal am Rhein. Der Fluss hat sich selbst von ihr entfernt, was unrecht von ihm war. (…) Die Einwohner haben runde, blonde stille Gesichter, ich glaube, sie regen sich nicht gern auf, sie könnten ganz gut Holländer sein. (…) Rings um Kleve ist die Natur schon holländisch. Die kleinen Hügel wagen nicht, aufzutreten, die Erde weitet sich flach und grün und fett und speist den wandernden Blick des Betrachters mit reichlicher, endloser Horizont-Nahrung. (…) Wenn es einen landschaftlichen Ausdruck für Pazifismus gäbe – hier ist er. (…) Durch die Mitte der Stadt, an freundlichen Läden vorbei, die immer offen sind, führt eine lange, ein wenig krumme Straße. Sie führt vom Bahnhof in den Tiergarten. Rechts in der Seitenstraße eine Kirche, links ahnt man nur den großen Platz um die große alte Kirche und das Schloss, in dessen Umgebung auch am helllichten Tage ein besonderer Dämmer für Liebende eingerichtet ist. Dort sah ich ein paar Menschen jener Seligkeit frönen, die man Liebe nennt. In den Seitenstraßen spielen unzählige Folgen dieser Seligkeit. Kleve hat mehr als 20.000 Einwohner, davon werden, so scheint es mir, 4.000 Kinder sein. Sie spielen in den kleinen, bergigen Gassen, die hinauf, hinunter, steil, sanft, abschüssig auf Treppen laufen. Es sind verspielte Gassen, und ich wollte, ich wäre in einer dieser Gassen ein Kind gewesen.