A 57: Mein schönster Stau

rd | 10. November 2007, 01:44 | keine Kommentare

Da will man einmal pünktlich zum Basketball-Training nach Kleve kommen, freut sich, dass der Airbus die Verspätung beim bummeligen Check-in in Berlin in der Luft mit Fast-Überschallgeschwindigkeit wieder aufgeholt hat, flutscht relativ reibunglos durch die ersten Kilometer der A 57, bummelt sich durchs AK Moers, steht wie üblich vor der Entscheidung Ausfahrt Uedem oder Ausfahrt Kleve (Unterschied: bei einem klimakillenden Durchschnittstempo von ca. 180 km/h “gewinnt” man auf der längeren Strecke ca. 45 Sekunden), entscheidet sich im Rausch der Geschwindigkeit für Kleve – und blickt ca. 500 Meter, nachdem man die Ausfahrt Uedem passiert hat, in Warnblinklichter der Autos vor einem. Stau!! Wasndasn??

Der übliche Crash eines berauschten Discobesuchers kann’s nicht sein, zu früh. Und es geht, wenn auch nur langsam, doch voran: 20 Minuten Schritttempo, und es wird nicht ersichtlich, warum es so ist. Noch merkwürdiger wird die Sache, weil bisweilen der Blick nach vorne eine freie Autobahn offenbart, und das allerhöchstens dreihundert Meter vor mir. Und dann sehe ich des Rätsels Lösung: Ein Radfahrer fährt in waghalsigen Schlangenlinien vor den ersten Autos – und die haben (angesichts seines Fahrstils durchaus berechtigt) Angst, ihn zu überholen. Kurz vor der Ausfahrt Goch beendet die Polizei den Spuk, und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Zurück bleibt einmal mehr die Frage aller Fragen: WHY?



Kirchenmusikkritik goes Boulevard

rd | 07. November 2007, 02:39 | 2 Kommentare

Was passiert, wenn ein Musikkritiker Zeuge eines Todesfalls wird? Das:

Zeitungsausriss

Schon früher beim Express hieß es, Kultur ist, wenn im Gürzenich dem Dirigenten der Kronleuchter auf den Kopf fällt. Mit Bach dachte ich also “Gib’ dich zufrieden und sei stille” (BWV 315a), doch eine Ungenauigkeit ist anzumerken: An Allerheiligen wird natürlich der Heiligen gedacht – und nicht der Toten.



Eine Stimme der Vernunft

rd | 06. November 2007, 12:55 | 3 Kommentare

Es gibt den Landesbetrieb Straßen, und der hat eine Niederlassung in Wesel, und dort arbeitet wiederum ein Planungschef namens Horst Bildhauer. Ihn kennen die meisten vermutlich nicht, aber vielleicht sollte man sich den Namen doch merken – als Stimme der Vernunft. Bildhauer war nämlich auf der Zukunftswerkstatt Kleve der Rheinischen Post zugegen, und ihm fiel die undankbare Aufgabe zu, eine Gruppe von schwer euphorisierten Diamonda-Freaks zu erden. Allen voran natürlich Flughafenchef Ludger van Bebber, der den Stadtwerken Kleve entstammt und damit natürlich auf einen reichen Erfahrungsschatz in der grenzwertigen Nutzung öffentlicher Gelder zurückgreifen kann. In der Runde entbrannte ein Streit darüber, wer die Straße zum neuen Freizeitpark (der bisher bekanntlich nur als kümmerliche Animation existiert) finanziert. Die RP schreibt: “‘Wir sollten die Zuständigkeiten da lassen, wo sie hingehören’, sagte van Bebber. Er meinte damit, dass für die Finanzierung der Straße nicht Privatleute, sondern die Öffentliche Hand zuständig ist.”

Und was entgegnete der Planungsexperte aus Wesel? Wer 750 Miilionen Euro für Diamonda ausgebe, für den spiele es wohl keine Rolle, noch einige Millionen für eine Umgehung Weezes auszugeben. Dann bezweifelte er noch die prognostizierten Besucherzahlen von 20.000 pro Tag: “Wo sollen die denn alle herkommen?” Van Bebbers schwache Entgegnung, mit einem Verzweiflungsschlenker in den Klimaschutz: “Wir können doch nicht warten, bis alle im Stau stehen. Staus belasten doch die Umwelt mehr als fließender Verkehr.” Als krönender Abschluss dann noch der Satz: “Mobilität ist das Blut in den Adern der Wirtschaft.”

Sancta Simplicitas! Warum nicht gleich von jedem Bürger des Landes ein paar Euro pro Jahr direkt abkassieren und an die Investoren weiterleiten? Dann könnte man sich den – vermutlich ebenso steinigen wie peinlichen – Umweg über die Supervolkshochschule mit eigenem Flughafen ersparen.

p.s. Die nächste Zukunftswerkstatt Kleve sollte sich vielleicht einmal dem Thema Herrenoberbekleidung widmen. Viele der Anzüge, die auf dem in der RP abgedruckten Gruppenfoto zu bestaunen sind, sehen so aus, als seien sie im Sommerschlussverkauf 1995 gekauft worden. Bei Frank Ruffing, Chef der Volksbank Kleverland, sitzt die grau-braune Hülle so spack, als habe der Mann nach dem Kauf noch mal zwanzig Prozent Muskelmasse zugelegt. Und die Krawatten! Oje!


titanic mobbt Hendricks

rd | 02. November 2007, 17:31 | keine Kommentare

HendricksFast wäre es im Wirbel um die Maddiesatire untergegangen, aber zum Glück wird hier ja nahezu alles ausgewertet. Und so habe ich entdeckt, dass auf der Homepage der titanic auch der frischgewählten SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks, ja, unserer Barbara Hendricks, übel mitgespielt wird – und das nur aufgrund einer vermutlich zufälligen Lautgleichheit der Namen. Und das soll noch Satire sein? Die dürfen wohl alles! Als Ausdruck meiner ungezügelten Empörung hier der Originalbeitrag:

Neue SPD-Schatzmeisterin Hendricks: Sensationelles Liebesgeständnis!

Kaum ist sie gewählt, will sie auch schon reinen Tisch machen: Barbara Hendricks (55), die neue Schatzmeisterin der SPD, bricht ihr jahrelanges Schweigen über eine süße Jugendsünde. In dem Ende des Jahres erscheinenden Erinnerungsband “Hey Jimi” (Suhrkamp) wird die derzeitige parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium die ganze Wahrheit über ihre kurze Ehe mit dem Gitarrengott aus Seattle enthüllen. Hier ein erster Auszug:

“Als ich ihm hinter der Bühne in die Augen sah, dröhnte und fiepte es ohrenbetäubend; es war, als ob elektronische Splitterbomben in nie gehörten Klangkaskaden zwischen uns detonierten, dabei hatte er sich nur kurz ins Waschbecken übergeben. Jimi strich mir mit der Hand das Haar aus dem Gesicht, und ich spürte, wie mich eine gewaltige Hitze duchflutete – er hatte seine Gitarre angezündet und das Feuer griff nun aufs Sofa über. Als wir uns später zwischen den brennenden Trümmern liebten, hatte er sich leider schon in seinem wuscheligen Haar zusammengerollt und war eingeschlafen. Diese verfluchten Drogen! Ich schaffte es aber noch, ihm einen Kugelschreiber zwischen die Finger zu klemmen und ihn den Antrag auf Mitgliedschaft bei den Jusos des Unterbezirks Kleve…”