Haus Royen: Niederlande – Italien 3:0

rd | 09. Juni 2008, 23:22 | 3 Kommentare

Haus Royen

Haus Royen ist eine der letzten Traditionsgaststätten in der Klever Innenstadt, und sie war sogar vor einigen Jahren Schauplatz einer Reportage in der FAZ, als über ein TV-Duell berichtet wurde, das einige SPD-Mitglieder in ihrer Stammkneipe verfolgten. Fußball ist aber ganz was anderes – wie beim Spiel Niederlande – Italien (3:0) deutlich wurde:

Bild & Ton ++ Loewe Concept L 32, 80 cm Diagonale, LCD, Auflösung: 1366×768 (WXGA), • Format: 16:9, Helligkeit: 450cd/m², Kontrast: 800:1 •– oder kurz: Bild & Ton gut
Bier ++ 1,30 Euro, 0,2 l gezapft, König Pilsener
Fans +- 7 Besucher, Klever 50+-Chic (Hemd, Baumwollstretchhosen)
Eintritt ++ frei
Fachkenntnis im Publikum ++ Extrem: “Dat gibt nix mehr” (52. Min.), “Da fällt eher das 3:0 als das 2:1” (79.)
Ambiente +- Frugale Eleganz, die Deutschlandfahne auf dem Billardtisch wirkt ein bisschen lustlos hingestellt
Promis 0 Von der SPD ist jedenfalls keiner da
Gesamturteil +- Fußball pur. Die Gäste haben schon alles gesehen und reden nur noch das Nötigste. Eine dritte Halbzeit mit eloquentem Fachgesimpel sucht man hier vergebens. Wer drei Minuten nach dem Schlusspfiff noch ein Pils möchte, dem sagt Wirt Manni Royen einfach: “Ich hab’ keine Lust mehr”


Vorglühen vorm Radhaus

rd | 09. Juni 2008, 14:47 | 1 Kommentar

Altglas

Ein Bild und seine Geschichte: Wir sehen eine überquellende Mülltonne für Weißglas, und davor ein Ensemble geleerter Flaschen, die einmal mehr oder minder alkoholhaltige Getränke enthielten. Zu erkennen sind “Saurer Apfel” (5), Ananasbowle, Bessengenever, Asti Cinzano und einiges andere mehr.

Standort: Eingangsbereich des Jugendzentrums Radhaus.

Erklärung der Fachleute: Die Besucher besorgen sich diese Getränke z. B. im benachbarten Kaufland-Supermarkt (bis 22 Uhr geöffnet) oder bringen sie von zu Hause mit, konsumieren diese auf dem öffentlichen Parkplatz vor dem Jugendzentrum (ohne Eingriffsmöglichkeiten der Mitarbeiter des Klever Jugendwerks), bevor sie anschließend das Radhaus betreten, dort nett tanzen, in lauen Sommernächten auf der Wiese davor ein Lagerfeuerchen entfachen und vielleicht irgendwann im Laufe des Abends auch noch ordnungsgemäß ein Beck’s für zwei Euro (inkl. 50 Cent Pfand) kaufen.

Meinung des Autors: Solange der Nachwuchs sich marktwirtschaftlich so korrekt verhält, braucht uns um Deutschland nicht bange zu werden (wird den Kids denn wirklich etwas anderes beigebracht, bzw. genauer gesagt: vorgelebt??)



Apo’s Welt: Österreich – Kroatien 0:1

rd | 08. Juni 2008, 23:04 | keine Kommentare

Apos Welt

Bei der WM vor zwei Jahren war Apo’s Welt (“Kiosk & more”) an der Römerstraße noch der Geheimtipp fürs Semipublic Viewing. In diesem Jahr ist alles anders – aber auch besser? Der Panasonic-72-Zoll-Bildschirmdiagonale-Fernseher im Gastrobereich ist verschwunden, statt dessen wurde im Nordflügel des Anwesens eine Garage ausgebaut (auch im Vorgriff auf das Nichtraucher-Gesetz, das gerade unter Apos Kundschaft für Verheerungen sorgt). Das neue Apo-Gefühl – hier der Überblick anhand des Spiels Österreich – Kroation (0:1)

Bild & Ton ++ Große weiße Wand, Bild ohne Diagonalausgleich, minimale Abstriche für zwei Lichtschalter im Bild, guter Sound (2 Boxen)
Bier ++ 1,30 Euro, 0,5-Liter-Flaschen, verschiedene Marken
Fans + 1 bis 3 Besucher, Sportdress schwer angesagt, am besten Deutschland-Trikot, sonst geht aber auch alles jenseits von Naturstoffen
Eintritt ++ immer frei, Apo hat ein großes Herz
Fachkenntnis im Publikum ++ “DDR hat heute spielfrei” bzw. “Manmanman, den musser machen!!” zeigen, das sowohl Sachverstand wie auch historische Fachkenntnisse vorliegen
Ambiente +- Nicht ganz die Atmo wie früher im Gastrobereich, aber die Deutschlandfahne an der linken Wand macht einiges wieder wett
Promis 0 Warum auch?
Gesamturteil + Wer Fußball gewissermaßen an der Basis erleben möchte und nicht auf Schickimickigedöns steht, sollte Apo’s Welt einen Besuch abstatten

Höhepunkte des Lokaljournalismus

rd | 08. Juni 2008, 15:02 | keine Kommentare

… und am Ende fliegen einem auch noch die gebratenen Tauben in den Mund. Doch lassen wir erst einmal den Kurier am Sonntag säuseln:

Ausriss

Zweifelsohne ein neuer Höhepunkt des Lokaljournalismus. Es ginge auch durch als “Zitat der Woche” von Andreas Janssen, beginnend mit “Unsere Kunden freuen sich über die Großzügigkeit…”, zwischendurch ein bisschen Gerassel mit “Ein- und Auszahlungen” sowie dem wunderhübsch geblähten Wortmonstrum “Beratungsräumlichkeiten”, um dann mit dem finalen Rettungsrumms “Und für diese Beratung haben wir jetzt noch mehr Platz und Zeit” nach tatsächlichen 87 Wörtern und gefühlten drei Stunden zum Abschuss zu kommen.

Mehr zum Thema: