Am Nebentisch belauscht (611)

rd | 12. März 2007, 17:02 | keine Kommentare

Café Heicks, früher Nachmittag, draußen sitzt ein Pärchen ca. Mitte 30, das dem Arbeitsmarkt vermutlich nicht mehr zur Verfügung steht: „46 Euro haben wir heute ausgegeben. 2 Boonekamp, und die Flasche… Heute morgen war ich schon bei Siebrecht, da kann man auch gut sitzen… Drei Kinder hat der, da kümmert der sich gar nicht drum, so was verwantwortungsloses… Das ist vielleicht ’ne Pute – aber eine mit Füllung, hähä… Heute morgen habe ich einen Mann mit sooo ’nem Bart gesehen, das sah aus wie ein aufgeplatztes Sofakissen… Ich habe nur eine Waschmaschine und keine drei. Gleich gehen wir noch zum Aldi und zum Penny-Markt… Nimm den Rucksack mit, oder zwei Stoffbeutel…“ Ein Tisch weiter, Vater und Tochter. Tochter: „… da gab es Schweinemedaillons mit Champignonrahmsauce, und die Champignons kamen aus der Dose, und ich mag ja keine Champignons aus der Dose, das war so was von eklig…“ Vater: „… der hat ja ’nen Sohn, der hat beide Beine ab. Und jetzt hatte er was an einem Stumpen, da mussten sie noch ein Stück vom Knochen absägen…“
Und da soll sich noch einer auf den Frühling konzentrieren!



Wohlfühlschlagzeile

rd | 11. März 2007, 01:53 | keine Kommentare

Die Niederrhein Nachrichten überraschten heute mit einer echten Wohlfühlschlagzeile zum Wochenende:
Zeitungsausriss
Erinnert mich an meine journalistischen Anfängerfehler (mit denen ich vermutlich auch ein Buch füllen könnte). Hund beißt Mann, Mann beißt Hund. Genau betrachtet, handelt es sich ja auch um eine Top-Nachricht, so im Angesicht von Afghanistan, Airbus, Irak, Klima einen Ort paradiesischer Unschuld entdeckt zu haben. Leider geht es jedoch nur um den aktuellen Kriminalitätsbericht für den Kreis Kleve. „Das Risiko, bei uns Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, ist um ein Drittel geringer als im Landesdurchschnitt“, verkündet der Polizeidirektor.

Das erinnert mich daran, wie ich mal vor meiner eigenen Haustüre von zwei Ganoven ausgeraubt wurde. Leicht geschockt rief ich die Polizei an, die dann auch in Gestalt von zwei Beamten anrückte, die mich allerdings erst einmal mit Vorwürfen überhäuften und dann mit ganz schön scharfsinnigen Fragen löcherten (die Beiden witterten wohl zuallererst Betrug, oder sie waren angezickt, weil sie frühmorgens raus mussten). Das Verfahren wurde später irgendwann eingestellt – und ich wusste, dass zumindest ich weitere Überfälle nicht melden würde. Dass die Übeltäter nicht gefasst werden, mag vorkommen. Dann auch noch angepampt zu werden, darauf wollte ich fortan gerne verzichten. So sinkt die Kriminalität natürlich auch.

Sehr schön noch folgendes Detail:
Rätsel
Ist Hausbesitz neuerdings strafbar? Aber warum dann Aufatmen? Oder sind die Hausbesitzer und Mieter so erleichtert, weil die Polizei nur jeden vierten von ihnen ertappte – und somit 75 Prozent ihr ruchloses Treiben fortsetzen können (was auch immer es sein mag), ohne ernsthaft von der Polizei behelligt zu werden. Ja, am Niederrhein ist die Welt eben noch in Ordnung. Ich fühle es.



Beitrag zum Klimaschutz

rd | 11. März 2007, 01:04 | keine Kommentare

It’s getting hot here… und nun gibt es auch in Kleve ernstzunehmende Bemühungen, die Aufheizung des Weltklimas zu verhindern. Allerdings bin ich wohl der erste Bürger dieser Stadt, der die entsprechenden Maßnahmen zu würdigen weiß. Doch als was sonst sollte der konsequente Versuch, durch immer neue ewige Straßenbaustellen und durch die konsequente Bestückung jeder Kreuzung mit Ampeln das Autofahren im Stadtgebiet dauerhaft zu verhindern, gewertet werden?

Auch ich werde die dringend nötige Rettung des Weltklimas (uns bleiben nur noch 13 Jahre!!) ab sofort in mein Repertoire der politisch korrekten Verhaltensweisen aufnehmen. Wenn ich die erlaubte Parkzeit mal wieder überschreite, oder wenn ich an der Stelle mit der unsäglichsten aller Verkehrsführungen (Opschlag) wie üblich einfach nicht links abbiege (wozu man gezwungen wird), sondern quer über die verwaiste Kreuzung fahre, um einen nervigen Umweg inklusive zweier Kreisverkehre zu sparen – dann mache ich das doch nur, um Kohlendioxidemmissionen zu minimieren. Ehrlich!


Kein Anschluss unter diesem Brötchen

rd | 08. März 2007, 13:25 | 4 Kommentare

Wer am Elsabrunnen startet und dann die Stadt hinunterläuft, findet auf ca. 200 Metern, von einigen Bäckereicafés unterbrochen, die folgenden Konsummöglichkeiten vor: O2-Shop, Mobilcom-Shop, No-Name-Handy-Shops (2), Vodafone-Shops (2), E-Plus-Shop und den notorischen T-Punkt, in den ich mich manchmal flüchte, wenn ich ganz verzweifelt bin (nach ein oder zwei abgelauschten Kundengesprächen weiß ich: Es geht immer noch etwas schlimmer). Da fügt es sich gut, dass jetzt ein Aushang in der ehemaligen Mexx-Filiale die Eröffnung eines weiteren Handy-Geschäfts ankündigt. Was habe ich doch kürzlich auf einem Kongress aufgeschnappt: Es ist hier ein bisschen wie in der DDR – nur in bunt. Und mit Latte macchiato.