Alcatraz wird ja auch besucht

rd | 17. Juni 2008, 13:00 | keine Kommentare

Wer den Kreis Kleve mit Google Earth anfliegt, könnte meinen, es handelt sich um einen Einheitsbrei aus 16 Städten zwischen 6713 und 49.124 Einwohnern, die sich allenfalls in der Farbe unterscheiden, in der die Fußgängerzonen gepflastert sind. So was macht Marketingstrategen natürlich Angst. Und in ihrer Panik suchen sie hektisch nach so genannten Alleinstellungsmerkmalen, mit denen sie ihre Haufensiedlung von den nächsten fünf in der Nachbarschaft abgrenzen können. Da kann man als Einwohner schnell den Überblick verlieren, deshalb hier wie immer in der praktischen Tabellenform die Übersicht über das, was Kleve, Goch u. a. m. an sich sexy finden:

Stadt Alleinstellungsmerkmal Expertenwertung
Goch Wallfahrtsort Billiges Kevelaer-Imitat, nützt gar nichts, die Stadt ist einfach nur eine Autobahnabfahrt gleichen Namens; konsequenterweise wird das Stadtzentrum jetzt direkt dorthin verlegt (RP)
Kleve Luftkurort (in spe) Nichts gegen frischen Wind, aber mit einer offenen Tuberkulose gehe ich immer noch nach Davos (privat versichert)
Weeze Fliegerhorst Wer nach New York fliegt, sagt gerne “JFK” – schon mal jemanden von “NRN” reden gehört? Aber abwarten und beten, dass die Kerosinpreise wieder sinken
Issum Altbierstadt Diebels, es war einmal. In der Welt von Inbev/Anheuser-Busch dürfte das dunkelbraune Obergärige tatsächlich als old beer gelten
Kevelaer Maria, Maria, Maria Starke Positionierung – vielleicht könnten es andere Städte mal mit Ingrid Steeger versuchen
Emmerich “Stadt am Rhein” Warum nicht gleich “im Rhein”? Das wäre auch näher an Atlantis
Rees “Staatlich anerkannter Erholungsort” Klingt ein wenig nach Gewerkschaftsferienheim, ist ohnehin nur ein Trick, um an 40 Sonntagen p. a. verkaufen zu dürfen
Bedburg-Hau Forensik Leben am Hochsicherheitstrakt, Nervenkitzel pur: Großes Potenzial, kaum genutzt – die Leute fahren ja auch nach Alcatraz


Strandbar (2): Österreich – Deutschland 0:1

rd | 17. Juni 2008, 12:46 | keine Kommentare

Zelt

Wie geht es in der Strandbar zu, wenn Deutschland spielt? Diese Frage musste unbedingt noch geklärt werden, und so betrat ich, getarnt mit schwarz-rot-goldner Afro-Deluxe-Fanperücke, erneut das Beduinenzelt am Spoykanal…

Bild & Ton + Vorne gut, weiter hinten der Bildeindruck zwiespältig – sofern man überhaupt über die Vorderleute hinwegsehen kann. Bei zu großer Ekstase (49. Minute) gerät der Beamter in Schwingungen
Bier + 2,50 Euro, 0,3 Liter, Plastikbecher (anderes ist nicht erlaubt), Verzehrmarken
Fans +- 1300 (gut für Partypeople, schlecht für Heimtrainer)
Eintritt + zwei Euro
Fachkenntnis im Publikum +- Schwarmintelligenz. Party steht im Vordergrund, konsequenterweise null Netzerdelling
Ambiente + Das Publikum – viele um die 20, gerade mit Abi in der Tasche – partyhungrig, aber das Spiel, naja, bis auf die 49. Minute…
Promis 50 Die werden im abgetrennten “Sponsorenbereich” untergebracht. Sponsoren sind vermutlich die, die in der Halbzeitpause mit dem Beamer an die Wand geworfen werden, also Deutmeyer (dicke Autos), Norbert Boesten (fette Farben), Bergmann (weite Reisen)
Gesamturteil + Immer noch gelungene Gradwanderung zwischen Massenauflauf und Sommerparty; nur der “Sponsorenbereich” wirkt ein bisschen albern


Überraschende Etagenwohnungsfrage

rd | 16. Juni 2008, 12:14 | keine Kommentare

HausDie Verkaufsprofis der LBS Immobilien GmbH haben offenbar eine neue Lieblingstugend entdeckt – nennen wir sie mal Understatement. Aber Bescheidenheit in allen Ehren, es gibt sicherlich auch Kollegen, die das fragliche Objekt nicht als “Etagenwohnung” in Kleve-Materborn anpreisen würden, sondern als freistehendes Einfamilienhaus – mindestens.


Monte Christo: Tschechien – Türkei 2:3

rd | 15. Juni 2008, 22:46 | keine Kommentare

Döner

Groß war die Überraschung beim Eintreten ins Monte Christo, dem führenden Döner im Bahnhofsviertel (wenn wir die Herzogstraße als Viertel durchgehen lassen): Es lief der Nutella-Werbespot mit den deutschen Nationalspielern. Fünf Minuten nach Spielbeginn! “Kein Fußball hier?” – “Weiß nicht, vielleicht Pause?”, so die Antwort des Mannes am Spieß. Es gab aber auch schwere logistische Probleme, die vom Fußball ablenkten: Der Mercedes fahrende Pizzabote hatte bei der Bestellung aus Warbeyen die Cola-Flasche vergessen, und nun rief der Kunde an und verlangte sofortige Nachlieferung. “Für eine Colaflasche nach Warbeyen!” Auf meinen Vorschlag hin wurde immerhin aufs Zweite umgeschaltet – es konnte also weitergehen:

Bild & Ton Orion-Röhrengerät, gefühlte 25 Zentimeter Bildschirmdiagonale, leider wegen schlechter Satelliteneinstellung manchmal mit sekundenlangen Graupausen und zusätzlichem Flackern, wenn die Kühlung anspringt
Bier + Krombacher, Diebels, Selbstbedienung, eiskalte 0,5-Liter-Flaschen für moderate 1,50 Euro
Fans 1-2 (Mitarbeiterinnen des Monte Christo)
Eintritt ++ frei
Fachkenntnis im Publikum + Schwer einzuschätzen, es gibt Hintergrundwissen, das aber überlagert wird vom generellen Interesse am anderen Geschlecht. Typischer Dialog: “Mann, der ist schon 35, der ist voll alt.” – “Da spielt sogar einer mit, der ist 38, und der hat ein Tor geschossen.”
Ambiente +- Aber auch nur, wenn man den Dönerspieß als Türkeideko durchgehen lässt
Promis 0 Aber auch nicht ernsthaft erwartet
Gesamturteil Persönlicher Spielabbruch in der Halbzeitpause. So verpasse ich zwar osmanischen Freudentaumel, kann allerdings wenigstens sehen, was der Auslöser dafür ist. Habe noch kein Auto hupen gehört