Margarine, Gleichmut, Fruchtbarkeit

rd | 05. Januar 2008, 17:46 | keine Kommentare

Durch Zufall bin ich auf einen Beitrag von Joseph Roth über unsere kleine Stadt am Rande des Landes gestoßen, veröffentlicht in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Einige interessante Beobachtungen – und manche klingen zeitlos aktuell:

In Kleve am Niederrhein erzeugt man Margarine, ohne damit der Schönheit der Stadt zu schaden. Sie lag einmal am Rhein. Der Fluss hat sich selbst von ihr entfernt, was unrecht von ihm war. (…) Die Einwohner haben runde, blonde stille Gesichter, ich glaube, sie regen sich nicht gern auf, sie könnten ganz gut Holländer sein. (…) Rings um Kleve ist die Natur schon holländisch. Die kleinen Hügel wagen nicht, aufzutreten, die Erde weitet sich flach und grün und fett und speist den wandernden Blick des Betrachters mit reichlicher, endloser Horizont-Nahrung. (…) Wenn es einen landschaftlichen Ausdruck für Pazifismus gäbe – hier ist er. (…) Durch die Mitte der Stadt, an freundlichen Läden vorbei, die immer offen sind, führt eine lange, ein wenig krumme Straße. Sie führt vom Bahnhof in den Tiergarten. Rechts in der Seitenstraße eine Kirche, links ahnt man nur den großen Platz um die große alte Kirche und das Schloss, in dessen Umgebung auch am helllichten Tage ein besonderer Dämmer für Liebende eingerichtet ist. Dort sah ich ein paar Menschen jener Seligkeit frönen, die man Liebe nennt. In den Seitenstraßen spielen unzählige Folgen dieser Seligkeit. Kleve hat mehr als 20.000 Einwohner, davon werden, so scheint es mir, 4.000 Kinder sein. Sie spielen in den kleinen, bergigen Gassen, die hinauf, hinunter, steil, sanft, abschüssig auf Treppen laufen. Es sind verspielte Gassen, und ich wollte, ich wäre in einer dieser Gassen ein Kind gewesen.



Wenig bekannte Fakten über Kleve

rd | 04. Januar 2008, 17:26 | 4 Kommentare

Wussten Sie, dass…

  • die CD 1983 in Kleve im Whisky-Saloon erfunden wurde? (Deshalb – und nicht wegen Beethovens Neunter – die Bierdeckelgröße. Mein Freund Georg hat aber auf die Weiterentwicklung verzichtet. Zu prosaisch.)
  • die meisten Autounfälle in Kleve beim Rückwärtsfahren passieren? (Wegen der raffinierten Straßenführung. Ergebnis einer privaten Umfrage.)
  • die Post in der Innenstadt auch Nachtzustellung anbietet? (Alter Marketing-Trick: Nachteil in Vorteil verwandeln. Der Briefträger ist so langsam.)
  • die Autofahrer in Kleve hoffnungsvoll der Einführung einer Feinstau-Plakette entgegensehen? (Rot = Kreisverkehre tagsüber verboten.)
  • in der City nur noch Apotheken, Bäckereien und Handyläden erlaubt sind? (Die Ausnahmegenehmigungen für die anderen Geschäfte laufen Ende Januar aus.)
  • betaling in hfl mogelijk is?
  • dass die Sitzschwäne in der Fußgängerzone ursprünglich auf eine Idee von Josef Beuys zurückgehen? (Der aber wollte sie als Hasen darstellen und aus Rama modellieren.)
  • Rathaus, Hallenbad, Krankenhaus und Recyclinghof in sechs Wochen in einem Ringtausch ihre Gebäude wechseln? (Später werden im Zuge des Neuen Kommunalen Gebäudemanagements die Gebäude nach und nach abgerissen und mit Reise nach Jerusalem neu ausgespielt.)
  • die meisten Klever „Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht richtig verstanden, können Sie das bitte wiederholen?“ zwar sagen können, aber vokal- und konsonantenärmer aussprechen? (Hä?)


Sitzstreik (6)

rd | 31. Dezember 2007, 19:07 | keine Kommentare

Bank

Die verwaiste Kochlöffel-Tüte zeigt an, dass dieser Ort in der Nähe der Schwanenburg noch vor kurzem der Austragungsort eines vorsilvesterlichen Festschmauses mit Blick auf das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten gewesen sein muss. Doch nun: kein Sitzenbleiber, nirgends. Vielleicht 2008…


(Auch sprachliches) Unglück

rd | 31. Dezember 2007, 13:47 | keine Kommentare

Unterzeile

Sicher, zwischen den Jahren sind in den Redaktionen die Sprachpoliteure grundsätzlich ausgeflogen (oder leicht angeheitert im Dienst), und über Weihnachten kann man sicher auch mal relativ plötzlich Übergewicht bekommen – aber, obwohl die Unterzeile in der NRZ von heute anderes behauptet, ganz bestimmt nicht auf der Altrheinbrücke in Griethausen, während man gerade einen Stock in die Tiefe werfen will. Was dort passierte, ist eher eine Sache des Gleichgewichts – und das hat die 7-Jährige (gute Besserung von dieser Stelle!) wohl leider verloren.

Neujahrsvorsatz: Zumindest einmal pro Woche durch Sag es treffender blättern!