Der Garten Eden (Eintritt 3,00 €)

rd | 14. Oktober 2007, 19:16 | keine Kommentare

Schaukasten

Wenn einem der Garten Eden so nahegebracht werden soll – dann vielleicht doch lieber Hölle? (Es handelt sich übrigens um den Schaukasten der Stadtbücherei , der bereits einmal Schauplatz eines Art-Brut-Events war.) Am kommenden Sonntag (21. 10.) wird der 1977 entstandene Film „über Landschaft und Menschen, über Mythos und Wirklichkeit und den Traum von einer besseren Welt“ vom Kulturamt der Stadt Kleve in Zusammenarbeit mit den Tichelpark-Kinos, der Stadtbücherei, dem Antiquariat Zeitzeichen und Hans Uwe Schmidt zum Eintrittspreis von 3 Euro in der Klever Stadthalle gezeigt. Was folgerichtig als Vorhölle zu bezeichnen wäre.

Hier eine Originalpassage aus einer nun 30 Jahre alten Filmkritik der Rheinischen Post zum Thema:

In phantastischen Nebel-Luft-Wasser-Tableaux wird der erste Schöpfungstag gemalt. Die Trennung vom festen Land, Naß und Atmosphäre leuchtet in Farben wie von William Turner – bis eine atemberaubende Gummilinsen-Rückbewegung von sehr weit weg uns aus einem güldenen Wolkenloch zurückzieht, aus der Vision hin auf unsere Füße. Sehr unvermittelt bricht rheinischer Karneval aus, Masken, Fratzen, dazwischen durchs Getümmel irrend der Filmemacher auf Suche.

Dann vielleicht doch lieber Sportschau?



GAU

rd | 13. Oktober 2007, 03:30 | keine Kommentare

Und wo wir gerade von Investitionsruinen sprechen: Warum wünscht man sich eigentlich manchmal die Kernkraft zurück?



Paris grüßt Weeze

rd | 13. Oktober 2007, 03:22 | 1 Kommentar

Noch mal kurz Luft holen, bevor es zu spät ist. Ein Blick in die Wunderwelt der Statistik:

  • Phantasialand, Brühl: Fläche 10 28 Hektar; Besucher p. a. (2006): 2 Millionen
  • Europa-Park, Rust: Fläche 70 Hektar; Besucher p.a. (2006): 4 Millionen
  • Euro-Disney, Paris: Fläche 1943 Hektar; Besucher p.a. (2006): 12,8 Millionen

Demnächst in diesem Theater:

  • Diamonda, Weeze: Fläche 40 Hektar; Besucher p. a. (2012): 7,3 Millionen

Die Schätzung für die größte Volkshochschule der Welt geht aus von 20.000 Besuchern täglich. Die Projektentwickler benutzen diese Zahl als Grundlage der Kalkulation, mit der sie Investoren 750 Mio. € aus dem Kreuz leiern möchten.


Rohdiamonda: Ciao, Mau-Mau!

rd | 12. Oktober 2007, 15:15 | 4 Kommentare

Haus von außen

Man könnte es im Lichte der jüngsten Veröffentlichungen als eine Art Rohdiamonda bezeichnen – allerdings (wahlweise auch: und ebenfalls) dem Untergang geweiht. Die Sozialwohnungssiedlung an der Stadionstraße, weithin unter dem Namen Mau-Mau bekannt, wird abgerissen. Die Häuser stehen leer, Fensterscheiben sind eingeschlagen und Eingänge mit Spanplatten vernagelt. Streunende Katzen sorgten für Aufregung in der Nachbarschaft, bis der böse gute Katzenfänger vom Verein Samtpfote kam (siehe Kommentar!). Was bleibt, sind Erinnerungen an den Weg zum Sportunterricht ins Gustav-Hoffmann-Stadion, der Hunderte von Schülern des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums an diesen Wohnungen vorbeiführte und quasi im Vorübergehen verdeutlichte, wohin es führt, wenn man in der Schule nicht aufpasst.

Andererseits wurde dieser nahe liegende Lerneffekt sehr überlagert durch die unheimliche Tatsache, dass die Bewohner von Mau-Mau meist gute Laune und satte Lebensfreude verströmten, und dass, obwohl sie früher sogar tagtäglich dem Dunst und der Geräuschkulisse des in direkter Nachbarschaft gelegenen Schlachthofs ausgesetzt waren (oder gerade deshalb?).

Jetzt steht schon ein gelber Bagger mit gewaltigem Tieflöffel bereit, in ein paar Stunden den „Schandfleck“ bzw. das „Rattenbiotop“ (beidesRheinische Post) dem Erdboden gleich zu machen und Platz zu schaffen für neue, süße Einfamilienhäuser, in denen einsame, auf ca. 30 Jahre hoch verschuldete Familien abends vor Plasmafernsehern mit gefühlten drei Metern Bildschirmdiagonale sitzen und in den Werbepausen darüber nachdenken, was es ist, das ihnen im Leben fehlt. Ach, hätten sie doch damals auf dem Weg zum Sportunterricht aufgepasst!