Moyland: „Absolutistischer Familienbetrieb“

rd | 07. September 2007, 13:05 | keine Kommentare

Badewanne

Zurzeit wird im Museum Schloss Moyland die Ausstellung „Zeichen und Materie“ des katalanischen Künstlers Antoni Tapies gezeigt. „Er vollzieht in seinen Werken ein freies, undogamtisches Denken über die metaphysischen Dimensionen des menschlichen Lebens“, heißt es in der dazu veröffentlichten Pressemitteilung des Museum. Seine Werke seien „Sinnbild für die Momentaufnahmen dieses Denkens“. Eines der gezeigten Werke heißt Baignnoire noire, was – wenn mich mein Französisch nicht vollends im Stich lässt und ich das leicht abstrahierte Werk richtig deute – mit „schwarze Badewanne“ übersetzt werden kann.

Nun ist das Museum ja eigentlich bekannt für tonnenweise Beuys, der an allen Wänden, die nicht schnell genug davonlaufen konnten, festgetackert wurde. Von Beuys wiederum kennen wir den „erweiterten Kunstbegriff“, und wenn man in diesem Sinne alles fein püriert, erhalten wir heute in der Rheinischen Post eine ganze Wanne voll metaphysischen Denkens über das Museum an sich. Dafür zu danken haben Dr. Peter Dering, der nach nur einem Jahr die Leitung des Ladens wieder abgegeben hat und nun – nach einer Attacke aus dem Hause van der Grinten – den Gegenangriff einleitet. Die schönsten Stellen:

Ich wurde angewiesen, Gespräche mit Pressevertretern nur in Anwesenheit des Verwaltungsdirektors zu führen. Anweisungen des Stiftungsvorstands hatte ich schweigend entgegenzunehmen. Als ich im Gespräch mit einem Stifter und dem Verwaltungsdirektor einen Besuch bei der Landesregierung erwähnte, wurde mir mit einer Abmahnung gedroht… Moyland ist ein absolutistisch geführter Familienbetrieb, der vornehmlich als Veranstalter von Rockkonzerten und Weihnachtsmärkten in Erscheinung tritt.

IMHO handelt es sich hier um die Kunstform des Happenings. Sie könnte verfeinert werden, wenn sich alle Beteiligten auf einer Filzmatte versammelten und mit Honig und Fett einschmierten. Die drei Millionen Euro öffentlicher Gelder, die das Museum laut Dering (pro Jahr?) erhält, bekäme der Sieger. Die Verlierer würden im Turmhelm eingesperrt – und dort an schwarzen Fettbadewannen angekettet, wo sie undogmatisch über die metaphysischen Dimensionen des menschlichen Lebens nachdenken dürften.



Die Einsamkeit des Klever Bergläufers

rd | 02. September 2007, 19:11 | keine Kommentare

So viele Zuschauer waren es ja nicht, die sich vom Spektakel des 1. Klever Berglaufs anlocken ließen. Beim bescheidenen Versuch eines Public-Viewing-Events, den die Handelsgruppe Metro zwischen Schwanenburg und Synaogenplatz aufzog, war jedenfalls deutlich zu sehen, warum Fernsehen immer mehr Menschen als selbstrefrentielles Medium gilt, das eine Wirklichkeit schafft, die ohne eine Entsprechung außerhalb auskommt, darauf aber auch nicht mehr angewiesen ist.

Public Viewing

Wenige Meter entfernt, am kleinen Markt, bot sich bei ehemals Elektro van Leewen das folgende Bild. Die Fans in der Sitzgruppe inkl. Designertisch ließen die ermatteten Läufer an sich vorbeihecheln, während sie sich stilecht Weißwein aus dem Kühler einschenkten und ab und zu an den Gläsern nippten. Sind es nicht solche Momente, an denen sich Läufer vielleicht doch mal die Sinnfrage stellen (sollten)?

Publikum

Unterdessen irrte unten in der Stadt weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit eine pinkfarbene Musikantentruppe durch die Gegend, bei der man unwillkürlich an Karneval denken musste und an die Meldungen aus den 70-er Jahren, als in asiatischen Dschungeln immer mal wieder japanische Einzelkämpfer entdeckt wurden, die noch nicht mitbekommen hatten, dass der Zweite Weltkrieg seit mehreren Jahrzehnten vorbei war. Nun gut, aber die Combo war eine Attraktion, wie ich inzwischen durch einen Besuch der Homepage der Stadt Kleve herausgefunden habe:
„Eine zweite Band konnte jetzt für den 1. Klever Berglauf gewonnen werden! Die holländische Kombination „Femmes Kabaal“ wird an der Ecke Große Str. / Wasserstraße für Stimmung sorgen. Unser Dank gilt den Vereinigten Klever Straßengemeinschaften, durch deren Einsatz das Engagement möglich wurde.“ Danke! DANKE!! Auch von dieser Stelle.

Femmes Kabaal



Volksbank-Arena

rd | 02. September 2007, 18:20 | keine Kommentare

So schnell schießen die Preußen nicht. Hier die aktuelle Pressemitteilung der Stadt Kleve zur Umbenennung der „Fußballsportanlage Welbershöhe“ in das fantastisch klingende „Volksbank-Arena“:

Wie der örtlichen Presse bereits zu entnehmen war, hat der 1. FC Kleve 63/03 e.V. der Volksbank Kleverland eG das Namensrecht an der Fußballsportanlage Welbershöhe eingeräumt. Hiernach soll die Sportanlage „Volksbank Arena“ genannt werden. Da vertraglich sichergestellt wird, dass die Flächen des Gustav-Hoffmann-Stadions von der neuen Namensgebung nicht betroffen sind und andere Sponsoren nicht unzumutbar beeinträchtigt werden, sind die Interessen der Stadt Kleve als Grundstückseigentümerin gewahrt.

Eine mögliche Deutung dieser rätselhaften Zeilen geht so: Die Führung des 1. FC Kleve beschließt unter dem verwirrenden Eindruck eines monetären Schwalls mehr oder minder eigenmächtig die Umbenennung städtischen Grundeigentums, irgendwie gelangt diese Meldung nach einigen Wochen bis in die Büros der Stadtverwaltung (möglicherweise, nachdem ein aufmerksamer Bürger das nagelneue Online-Beschwerdeformular genutzt hat). Dort will aber niemand Spielverderber sein. Deshalb wird einen Monat nach der Umbenennung eine Pressemitteilung veröffentlicht, die man nur als öffentliches Ausleben von Servilitätsfantasien interpretieren kann. Vor allem das „andere Sponsoren nicht unzumutbar beeinträchtigt“ deutet auf Ärger hinter den Kulissen hin. Denn wer könnte da „zumutbar beeinträchtigt“ sein? Wenn’s um Geld geht, hört der Spaß eben auf.


Pofalla in der Heimat

rd | 02. September 2007, 11:14 | 2 Kommentare

Dialogtour
Ein BMW mit Berliner Kennzeichen hält vor Strauss Innovation, und ein Daimler mit Schweizer Kennzeichen ist lässig im Parkverbot vor Möbel Craemer abgestellt (natürlich unbehelligt von den sonst sehr aufmerksamen Fachkräften zur Beobachtung des ruhenden Verkehrs), und aus einer üppig ausgelegten Beschallungsanlage dröhnt es näselnd die große Straße hinab: „Bildung ist unser neuer Rohstoff!“ Kein Zweifel, da ist mehr und Anderes im Gange als die Neueröffnung von Bijou Brigitte nach erfolgreichem Hauruckumbau. Es ist die Dialog-Tour der CDU! Zu Gast in Kleve, seiner Heimat, Ronald Pofalla, Merkels rechte Hand. Ein schicker Dialogbus parkt vor der Volksbank Kleverland, eine „CDU-Redaktion“ im eigenen Minivan sorgt für das mediale Hintergrundrauschen, das zu erzeugen die Lokalpresse allein offenbar nicht mehr gut genug ist. Dazu Bier-, Grill-, Kinderbemal- sowie ein Kleinstgeschenkestand (Frisbeescheiben, Straßenmalkreide, Sudoku für die Größeren), so wird heute im Sommer in den Fußgängerzonen von Kleinstädten Politik gemacht. Das CDU-eigene Video vermag nur mühsam zu vertuschen, wie anstrengend eine solche Veranstaltung nicht nur für das Publikum, sondern auch für das beteiligte Personal ist. Staatssekretär Manfred Palmen, nach „irgendeiner Gelenksgeschichte“, wie ein Fotograf berichtet, auf Krücken unterwegs, scheint von Schmerzen gezeichnet und träumt davon, wie ein Oberlehrer anno dunnemals irgendwelche Grundsätze einzubimsen. Ronald Pofalla umarmt alle Bürgermeister, die ihm zu nahe kommen und geht fernsehgerecht in die Hocke, um in den Dialog mit Kindern zu treten. Und er sagt: „Ich habe Klassenkameraden getroffen, die mit mir vor 31 Jahren aus der Schule entlassen worden sind – das ist wie ein Familientreffen.“ Offenbar mangels weiterer Nachrichten darf dann noch ein Eventmanager erzählen, dass diese Tour ein Jahr von zehn Mitarbeitern vorbereitet worden sei – wobei es angesichts dieses Aufwands doch verwundert, dass als Grillmeister ein SPD-Sympathisant durchrutschen kann.

Spreen am Sonntag | kleveblog (02.11. 13:58): [...] Theo Brauer immer noch wohltuend dezent, dafür Barbara Hendricks im ...
Merkels Terminalerfahrung in Weeze | kleveblog (19.09. 21:51): [...] Mir würde das für einen Tag reichen, aber eine echte Regierungschef...