114 Quadratzentimeter Barbara Hendricks

rd | 20. November 2007, 17:49 | keine Kommentare

Das Medienbarometer tickt aus wie die Seismographen beim Erdbeben in San Francisco 1906. Auf Ronald Pofallas publizistischen Mehrfachsprengkopf, dem Besuch des HeiBo-Möbelmarkts in Bedburg-Hau-Louisendorf, folgte nun der machtvolle Gegenschlag der frisch gekürten SPD-Schatzmeisterin.

In der Rheinischen Post schilderte sie ihren ersten Arbeitstag in neuer Position, bei dem es unter anderem „um die Einstellung von Personal und das Abzeichnen von Geldausgaben“ geht, im Wesentlichen jedoch um die Frage: „Wie gelingt es uns auch in Zukunft, die soziale Demokratie zu organisieren? Das kostet Geld.“

Sätze, die einen zusammenzucken lassen. Doch der Blick ins asketisch furnierte Bürointerieur, das vermutlich beim HeiBo-Möbelmarkt in Bedburg-Hau-Louisendorf geordert wurde, lässt erleichtert aufatmen – hier wird der Parteimammon zumindest nicht für repräsentativen Pomp herausgehauen.

Bürofrugal

Doch es geht noch weiter. Auch in der NRZ erobert die gute Frau 114 Quadratzentimeter redaktionellen Raum.

Austausch

Das Bild im Hintergrund hängt zwar bedrohlich schief, und am Text könnte man noch etwas feilen, aber ich sage immer: Hauptsache, dass Hausbankprinzip bleibt erhalten:

Zum Gedankenaustausch hatte die Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete Barabara Hendricks, noch in ihrer Rolle als Staatssekretärin, die Vorstände von Sparkassen und Volksbanken aus dem Kreis Kleve zum Thema ‚Abgeltungssteuer‘ eingeladen. Barbara Hendricks betonte, dass das Hausbankprinzip dabei erhalten bleibe.



Hoffmanns Erzählungen

rd | 20. November 2007, 11:51 | 3 Kommentare

„Die Klever Stadtwerke werden zum 1. Oktober ihre Tarife für Gas und Strom nicht erhöhen. Das teilte gestern Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Hoffmann gegenüber der RP mit“, berichtete die Rheinische Post am 14. August. Acht Wochen später musste der gute Mann dann vermelden: „Zum 1. Januar können die Stadtwerke eine Strompreiserhöhung leider nicht vermeiden“ (RP, 19. Oktober).

Preisfrage: Welchen Fehler hat der Mann gemacht? Antwort: Er hat die Möglichkeit zu ca. 15 weiteren Wir-sind-so-lieb-Interviews ausgelassen. Zum Beispiel, um mitzuteilen, dass die Stadtwerke zum 1. November ihre Preise nicht erhöhen. Oder, dass die Stadtwerke auch in den Vormittagsstunden des 12. Dezember keine weiteren Preissteigerungen vornehmen.

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Vergleicht man den neuen Preis mit dem von vor einem Jahr, kommt man auf eine hübsche Preissteigerung von 23 Prozent (eine Erhöhung im Februar, eine jetzt). Da wird der im beiliegenden Flyer gegebene Ratschlag, Wasser, das man zum Kochen verwendet, doch erst im Wasserkocher zu erhitzen und dann in den Topf zu gießen, wahre Wunder wirken. Dagegen gibt es unter www.verivox.de noch ein paar andere, effektivere Spartipps.



Testgrabungen im Altenheim

rd | 18. November 2007, 20:24 | keine Kommentare

Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle mal geschrieben, dass ich als junger Lokalreporter erleben durfte, wie ein Pfarrer zur Einweihung eines Altenheims dieses als „Wartesaal zum ewigen Leben“ bezeichnete, was einerseits, Glauben vorausgesetzt, sehr realistisch war, andererseits jedoch vielleicht auch als Wortwahl nicht ganz angemessen. Zumindest wirkten die zukünftigen Bewohner des Wartesaals so, als ob sie sehr auf einen kosmischen Lokführerstreik hofften.

Nun, wo die Klever Innenstadt peu à peu komplett zu einer Altenwohnanlage umgebaut wird, taucht das Thema prompt wieder auf – diesmal in einer leichten Variation auf der neuen Seite www.derwesten.de, unter der die WAZ-Gruppe ihre kompletten Webangebote gebündelt hat. Hier der neue Versuch, bei dem um ihr Leben besorgte, mögliche zukünftige Bewohner angesichts einer stattlichen Anzahl verräterischer Worte in einem erstaunlich kurzen Text („aufopfern“, „Schulungsbedarf“, „kein zusätzliches Personal“, „Testgrabungen“) nicht nur lauterste Absichten vermuten dürften:

Elektronischer Ausriss


HeiPo, oder: Glanz & Elend der Polsterdemokratie

rd | 16. November 2007, 15:00 | 9 Kommentare

Wer Ronald Pofalla und seinen durch nichts zu bremsenden Ehrgeiz kennt, weiß wie sehr ihn die lokalmediale Formschwäche des vergangenen Wochenendes getroffen haben muss. Doch wie sonst nur die ganz großen Sportler geht er gestärkt aus dieser Krise hervor: Müntefering-Rücktritt? Thierse-Entgleisung? Ach was, die Wahrheit ist aufm Platz, und der Platz ist für den Generalsekretär der CDU zweifelsohne der gemütlich gestaltete Eingangsbereich des nach dem visionären Firmengründer Heinz Bodden (übrigens der Vater des ehemaligen Bundesligaspielers Olaf Bodden) benannten HeiBo-Möbelhauses an der Hauptstr. 25 im Bedburg-Hauer Ortsteil Louisendorf, ganz in der Nähe des formidablen Autohauses Weber.

WappenDort kaufte ich vor Jahrzehnten für 10.000 Mark in bar einen waldmeistergrünen Lada Samara (ganz in der Familientradition von Autos mit merkwürdigen Grüntönen verhaftet, die mein Vater mit einem lofotengrünen VW Passat eröffnete). Der Lada Samara begleitete mich sogar bis nach Hamburg und gab dort zum Jaguar-E-Type des Zahnarztes, der in dem von mir bewohnten Mietshaus im Erdgeschoss praktizierte, einen hübschen Kontrast ab, vielleicht sogar einen mit sozialkritischem Unterton. Louisendorf wurde von Auswanderern aus der Pfalz gegründet, die ursprünglich nach Amerika wollten, dann aber schon am Niederrhein hängen blieben. Das Wappen der Familie Bodden zieren drei goldene Polsternägel, was nichts mit Vampirbekämpfung zu tun hat, sondern für die lange Tradition des Möbelhauses steht. So viel zum biographischen und historischen Kontext, in dem sich nun Ronald Pofalla bewegte.

Klar ist: Wenn einer der wichtigsten Politiker Deutschlands eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Möbelhaus in Louisendorf besucht, kann die Lokalpresse nicht außen vor bleiben. Ca. vier Bildveröffentlichungen – Chapeau! Nur die Texte waren schwach, da hatte der Wissenschaftliche Mitarbeiter des Polsterdemokratievertreters wohl etwas geschludert. So was wie „Pofalla fordert mehr soziale Polsterung“ oder „Pofalla macht reinen Tisch“ hätte schon drin sein müssen. Die Angebote von HeiBo im Bereich „moderner Polstergarnituren“ sind jedenfalls außerordentlich gut, und – wenn meine Demokratieeuphorie mich nicht in die Irre führt – auf jedes einzelne der bei HeiBo ausgestellten Möbelstücke ist ein wenig vom Glanz des charismatischen Bundespolitikers abgestrahlt.