Verkehr (2): Fiasko am Opschlag

rd | 06. August 2007, 09:22 | keine Kommentare

Im unermüdlichen Bestreben, die Klever Unterstadt für den Autoverkehr noch unpassierbarer zu machen als im Oktober 1944, können weitere große Fortschritte gemeldet werden:

Auf fulminanten 72 Druckzeilen versuchte die Rheinische Post am Samstag ihren Lesern zu erklären, was die Stadtverwaltung nun am Opschlag plant – da dürften selbst Navigationssysteme kapitulieren. Schon der erste Satz lässt das Unheil erahnen: “Die Ausfahrt auf der unteren Herzogstraße in die Bahnhofstraße ist aufgrund der zum Teil eingeschränkten Sichtverhältnisse nicht unproblematisch.” Übersetzung: Wir haben uns da mal was ausgedacht. Später im Text: “Der Opschlag, der durch eine entsprechende Markierung auf eine Einspurigkeit zurückgeführt wird, lässt künftig den Verkehr nur noch in eine Richtung, nämlich von der Herzogstraße bzw. von den Minoritenparkplätzen in Richtung Brücktor zu.” Übersetzung: Mit reichlich Farbe auf der Fahrbahn sorgen wir dafür, dass die Autofahrerei auf der ursprünglich dreispurigen Straße bald ein Ende hat.”

Besonders freuen dürfte die “Kreisunfallkommission”, die angeblich die ganze Aktion initiiert hat, die folgende Veränderung: “Umgedreht wird auch die Einbahnrichtung in der Bensdorpstraße. Der Verkehr fließt dann in umgekehrter Richtung von der Herzogstraße in Richtung Kreisverkehr.” Für den ortsunkundigen Benutzer des Kreisverkehrs heißt dies, er findet eine Abbiegemöglichkeit vor, die er nicht nutzen darf. (Vorschlag: Die Sache präventiv gleich an alle Fahrschulen nach Holland durchgeben.) Ebenfalls sehr schön: “Die Stadt Kleve erhofft sich durch die neue Verkehrsabwicklung, die auch nach der städtebaulichen Erneuerung des Opschlags nicht mehr geändert wird, zum einen eine höhere Verkehrssicherheit, aber auch eine Stärkung des Einzelhandels in der unteren Herzogstraße.” Folgende Hinweise zum Verständnis: Zahl der mir bekannten Unfälle in dem Bereich: null. Eine Steigerung kann nur bedeuten, dass man sogar gesünder aus der Ecke wieder rauskommt. (Wellnesskreuzung? Anknüpfung ans alte Kurbad Cleve??) Zweitens: In allen Teilen der Welt hat es sich als enorm wirtschaftsfördernd erwiesen, große Bereiche einfach von allen Zugangsmöglichkeiten abzuschneiden (z. B. Nordkorea). Aber die Stadtverwaltung “hofft” ja auch nur, und falls dieses Vorhaben überraschenderweise doch scheitern sollte – geändert wird sowieso nichts mehr.
Karte



Bresserberg im Kommerzrausch

rd | 28. Juli 2007, 17:04 | keine Kommentare

Eine Nachricht lässt aufhorchen: Der gute, alte Bresserberg soll fortan Volksbank-Arena heißen, meldet die Rheinische Post. Das erinnert an den üblichen Wahnsinn aus dem Profisport, wo ja beispielsweise das Nürnberger Frankenstadion plötzlich auch Easy-Credit-Arena hieß, und – auch wenn üblicherweise die Regel gilt, dass, wenn ein Trend Kleve erreicht hat, es höchste Zeit ist, sich davon zu verabschieden – es scheint so, als ob diese jüngste Entwicklung aus dem Bereich des Lalakommerzes noch nicht ganz ausgereizt ist.

Was noch zu erledigen wäre:

Bisherige Bezeichnung Neuer Name
SV Rindern Sportplatz Bäckerei-Mölders-Arena
Siegfried-Kampfbahn Ingenieurbüro-(Hochbau)-Kurt-Evers-Kampfbahn
Museum Kurhaus Museum-Apo’s-Welt/Sammlung Marien-Apotheke
St.-Antonius-Hospital Sanitätshaus-Scheer-Kliniken
Flughafen Düsseldorf (Niederrhein) Theo-Brauer-International-Airport (TIA)


Youtube: 201 mal Kleve

rd | 28. Juli 2007, 00:17 | keine Kommentare

In einem Moment entspannten Surfens auf Youtube gelandet, und auf die Idee gekommen, als Suchbegriff “Kleve” einzugeben. Die große Überraschung: 201 Treffer. Und selbst wenn man ca. 130 Kurzvideos von irgendwelchen Auftritten des 1. FC Kleve abzieht und weitere ca. 20, die ein manischer Gewitterfeund von hiesigen Sommergewittern gemacht hat, bleibt doch eine stattliche Anzahl interessanter Beiträge, die Rückschlüsse auf das Klever Gastronomie- und Kulturleben sowie auf die Infrastruktur erlauben und zudem einige merkwürdiger Hobbys junger Männer verraten.

Meine zwei Lieblingsvideos: Einmal dieses hier, mit dem vermutlich ein niederländischer Trainspotter nachdrücklich dokumentiert, mit welcher Urgewalt sich die “Regionalexpress” genannten Züge am Bahnhof in Kleve in Bewegung setzen (bevor sie dann nach knapp fünf Kilometern wieder längere Zeit zum Stillstand kommen ).


Zweite Perle: Ein talentierter Nachwuchsfilmer hat den Alltag am Sebus in South-Park-Manier nachgebaut. Ich kenne die Lehrer nicht persönlich, trotzdem wirkt alles irgendwie sehr vertraut…


Formkrise im Einbruchsgewerbe

rd | 27. Juli 2007, 20:38 | keine Kommentare

Eine Woche Kriminalität in Kleve – und so viel ist sicher: Das Einbruchsgewerbe hat eine schwere Konjunkturkrise. Hier Auszüge aus dem offiziellen Polizeibericht, die in ihrem jämmerlichen Scheitern fast schon eine Form der Tragik offenbaren:

Nachdem sich Unbekannte in der Nacht Zutritt in eine Arztpraxis auf der Hagschen Straße verschafft hatten, verließen sie das Objekt dann ohne Beute. +++ Unbekannte haben gegen 19.00 Uhr versucht, auf der Borselstege in eine Praxis für Physiotherapie einzudringen. Sie wurden vom Besitzer vertrieben. +++ Ohne Beute haben Unbekannte ein Haus auf der Triftstraße verlassen, in das sie über ein Fenster eingebrochen waren. +++ Unbekannte hatten (vergeblich) versucht, auf der Brüningstraße einen roten Mercedes aufzubrechen. +++ Nur 10 Euro erbeuteten Unbekannte bei einem Einbruch in eine Arztpraxis auf der Hagschen Straße.