Moyland (2): Rüttgers sauer, ja ja ja

rd | 10. September 2007, 17:13 | keine Kommentare

Eigentlich hätte Minsterpräsident Jürgen Rüttgers gestern auf Schloss Moyland sein sollen – zum Festakt “700 Jahre S. M.” sollte er dem Museum eine 250.000 Euro teure Skulptur von Antoni Tapies als Dauerleihgabe übergeben. Doch der besuchte statt dessen lieber die Moslemfenster im Kölner Dom, so vergrätzt war er über die Informationsoffensive der Stifter Marcella und Franz-Joseph van der Grinten. Laut Klever Wochenblatt gaben Sie dem Land den Tipp, “doch einfach keine Steuergelder mehr nach Moyland zu überweisen”. In den letzten elf Jahren waren es übrigens rund 50 Millionen Euro. Dann muss man es ja dicke haben.

Zum Glück für uns Niederrheiner gibt es ja Joseph Beuys, der diesen Streit wohl irgendwie antizipiert hat und auf einer legendären Pressekonferenz schon mit einem ultimativen Kommentar versehen hat. Hier klicken, und die legendäre Pressekonferenz aus dem Jahre 1970 beginnt.

(Es waren übrigens Gesprächseindrücke eines kurz zuvor besuchten niederrheinischen Beerdigungskaffees, die der gute Mann hier etwas verdichtet wiedergegeben hat und die zugleich eindrucksvoll belegen, dass ein echter Niederrheiner nicht viele Wörter braucht, um viel zu sagen.)



Moyland: “Absolutistischer Familienbetrieb”

rd | 07. September 2007, 13:05 | keine Kommentare

Badewanne

Zurzeit wird im Museum Schloss Moyland die Ausstellung “Zeichen und Materie” des katalanischen Künstlers Antoni Tapies gezeigt. “Er vollzieht in seinen Werken ein freies, undogamtisches Denken über die metaphysischen Dimensionen des menschlichen Lebens”, heißt es in der dazu veröffentlichten Pressemitteilung des Museum. Seine Werke seien “Sinnbild für die Momentaufnahmen dieses Denkens”. Eines der gezeigten Werke heißt Baignnoire noire, was – wenn mich mein Französisch nicht vollends im Stich lässt und ich das leicht abstrahierte Werk richtig deute – mit “schwarze Badewanne” übersetzt werden kann.

Nun ist das Museum ja eigentlich bekannt für tonnenweise Beuys, der an allen Wänden, die nicht schnell genug davonlaufen konnten, festgetackert wurde. Von Beuys wiederum kennen wir den “erweiterten Kunstbegriff”, und wenn man in diesem Sinne alles fein püriert, erhalten wir heute in der Rheinischen Post eine ganze Wanne voll metaphysischen Denkens über das Museum an sich. Dafür zu danken haben Dr. Peter Dering, der nach nur einem Jahr die Leitung des Ladens wieder abgegeben hat und nun – nach einer Attacke aus dem Hause van der Grinten – den Gegenangriff einleitet. Die schönsten Stellen:

Ich wurde angewiesen, Gespräche mit Pressevertretern nur in Anwesenheit des Verwaltungsdirektors zu führen. Anweisungen des Stiftungsvorstands hatte ich schweigend entgegenzunehmen. Als ich im Gespräch mit einem Stifter und dem Verwaltungsdirektor einen Besuch bei der Landesregierung erwähnte, wurde mir mit einer Abmahnung gedroht… Moyland ist ein absolutistisch geführter Familienbetrieb, der vornehmlich als Veranstalter von Rockkonzerten und Weihnachtsmärkten in Erscheinung tritt.

IMHO handelt es sich hier um die Kunstform des Happenings. Sie könnte verfeinert werden, wenn sich alle Beteiligten auf einer Filzmatte versammelten und mit Honig und Fett einschmierten. Die drei Millionen Euro öffentlicher Gelder, die das Museum laut Dering (pro Jahr?) erhält, bekäme der Sieger. Die Verlierer würden im Turmhelm eingesperrt – und dort an schwarzen Fettbadewannen angekettet, wo sie undogmatisch über die metaphysischen Dimensionen des menschlichen Lebens nachdenken dürften.



Die Einsamkeit des Klever Bergläufers

rd | 02. September 2007, 19:11 | keine Kommentare

So viele Zuschauer waren es ja nicht, die sich vom Spektakel des 1. Klever Berglaufs anlocken ließen. Beim bescheidenen Versuch eines Public-Viewing-Events, den die Handelsgruppe Metro zwischen Schwanenburg und Synaogenplatz aufzog, war jedenfalls deutlich zu sehen, warum Fernsehen immer mehr Menschen als selbstrefrentielles Medium gilt, das eine Wirklichkeit schafft, die ohne eine Entsprechung außerhalb auskommt, darauf aber auch nicht mehr angewiesen ist.

Public Viewing

Wenige Meter entfernt, am kleinen Markt, bot sich bei ehemals Elektro van Leewen das folgende Bild. Die Fans in der Sitzgruppe inkl. Designertisch ließen die ermatteten Läufer an sich vorbeihecheln, während sie sich stilecht Weißwein aus dem Kühler einschenkten und ab und zu an den Gläsern nippten. Sind es nicht solche Momente, an denen sich Läufer vielleicht doch mal die Sinnfrage stellen (sollten)?

Publikum

Unterdessen irrte unten in der Stadt weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit eine pinkfarbene Musikantentruppe durch die Gegend, bei der man unwillkürlich an Karneval denken musste und an die Meldungen aus den 70-er Jahren, als in asiatischen Dschungeln immer mal wieder japanische Einzelkämpfer entdeckt wurden, die noch nicht mitbekommen hatten, dass der Zweite Weltkrieg seit mehreren Jahrzehnten vorbei war. Nun gut, aber die Combo war eine Attraktion, wie ich inzwischen durch einen Besuch der Homepage der Stadt Kleve herausgefunden habe:
“Eine zweite Band konnte jetzt für den 1. Klever Berglauf gewonnen werden! Die holländische Kombination „Femmes Kabaal“ wird an der Ecke Große Str. / Wasserstraße für Stimmung sorgen. Unser Dank gilt den Vereinigten Klever Straßengemeinschaften, durch deren Einsatz das Engagement möglich wurde.” Danke! DANKE!! Auch von dieser Stelle.

Femmes Kabaal


Volksbank-Arena

rd | 02. September 2007, 18:20 | keine Kommentare

So schnell schießen die Preußen nicht. Hier die aktuelle Pressemitteilung der Stadt Kleve zur Umbenennung der “Fußballsportanlage Welbershöhe” in das fantastisch klingende “Volksbank-Arena”:

Wie der örtlichen Presse bereits zu entnehmen war, hat der 1. FC Kleve 63/03 e.V. der Volksbank Kleverland eG das Namensrecht an der Fußballsportanlage Welbershöhe eingeräumt. Hiernach soll die Sportanlage „Volksbank Arena“ genannt werden. Da vertraglich sichergestellt wird, dass die Flächen des Gustav-Hoffmann-Stadions von der neuen Namensgebung nicht betroffen sind und andere Sponsoren nicht unzumutbar beeinträchtigt werden, sind die Interessen der Stadt Kleve als Grundstückseigentümerin gewahrt.

Eine mögliche Deutung dieser rätselhaften Zeilen geht so: Die Führung des 1. FC Kleve beschließt unter dem verwirrenden Eindruck eines monetären Schwalls mehr oder minder eigenmächtig die Umbenennung städtischen Grundeigentums, irgendwie gelangt diese Meldung nach einigen Wochen bis in die Büros der Stadtverwaltung (möglicherweise, nachdem ein aufmerksamer Bürger das nagelneue Online-Beschwerdeformular genutzt hat). Dort will aber niemand Spielverderber sein. Deshalb wird einen Monat nach der Umbenennung eine Pressemitteilung veröffentlicht, die man nur als öffentliches Ausleben von Servilitätsfantasien interpretieren kann. Vor allem das “andere Sponsoren nicht unzumutbar beeinträchtigt” deutet auf Ärger hinter den Kulissen hin. Denn wer könnte da “zumutbar beeinträchtigt” sein? Wenn’s um Geld geht, hört der Spaß eben auf.