Diese Holländer aber auch! Krunekroane in Sorge

rd | 19. März 2007, 14:03 | 3 Kommentare

Bittere Karnevalsnachwehen. Offenbar war beim Umzug in Kranenburg ein holländischer Wagen mit folgendem Motto unterwegs: “Erst erobern wir Kranenburg und dann ganz Deutschland!” Fand offenbar nicht jeder lustig. Die Karnevalsgesellschaft Krunekroane ist in großer Sorge. Für weitere entscheidende Minuspunkte in der zweistaatlichen Nachbarschaft in der “Grenzfeste” sorgten zwei niederländische Familien “am Ende der Straße” (steht heute so in der RP). Ihr Vergehen: Sie haben die Silvesterraketen alleine angezündet! Wenn man sich daran noch am 19. März erinnert, muss es lange gebrodelt haben.

Droht ein Bürgerkrieg? Man weiß es nicht, aber aus meinen Recherchen, die ich vor Jahren zum gleichen Thema für die Süddeutsche Zeitung machte, erinnere mich des ungeheuren Zwiespalts in den Herzen vieler Kranenburger: Auf der einen Seite möchte man nicht “zu viele” Holländer im Ort haben, aber auf der anderen zahlen die eben viel mehr für die Grundstücke als die Einheimischen…



Kreisverkehr jetzt auch für Fußgänger

rd | 15. März 2007, 13:26 | 2 Kommentare

Zeit, dass sich was dreht! Kleve immer doller! In meiner Nachbarschaft gibt es jetzt den ersten Kreisverkehr für Fußgänger (nach ca. 700 für den Straßenverkehr):
Kreisverkehr
Ich hatte das prachtvolle Bauwerk bisher noch nicht als solchen identifziert (sondern eher als Mahnmal für die heraufziehende Klimakatastrophe), und ein wenig verstört auch die Tatsache, dass es nur eine Ausfahrt gibt. Aber ist es nicht immer so, dass die Fülle der Möglichkeiten die wahren Probleme verursacht? Der Umweg ist das Ziel, möchten man meinen, und so gesehen liefert das Baudezernat der Stadt mit diesem Ensemble eine beinahe philosophische Lösung dräuender Gegenwartsfragen.
Leider war ich bei der offiziellen Einweihung nicht zugegen, ich erinnere mich aber noch gut an die mehrmonatigen Umbauarbeiten, um diesem innerstädtischen Kleinstbiotop etwas mehr Glanz zu verleihen. Es hat sich gelohnt.



Am Nebentisch belauscht (611)

rd | 12. März 2007, 17:02 | keine Kommentare

Café Heicks, früher Nachmittag, draußen sitzt ein Pärchen ca. Mitte 30, das dem Arbeitsmarkt vermutlich nicht mehr zur Verfügung steht: “46 Euro haben wir heute ausgegeben. 2 Boonekamp, und die Flasche… Heute morgen war ich schon bei Siebrecht, da kann man auch gut sitzen… Drei Kinder hat der, da kümmert der sich gar nicht drum, so was verwantwortungsloses… Das ist vielleicht ‘ne Pute – aber eine mit Füllung, hähä… Heute morgen habe ich einen Mann mit sooo ‘nem Bart gesehen, das sah aus wie ein aufgeplatztes Sofakissen… Ich habe nur eine Waschmaschine und keine drei. Gleich gehen wir noch zum Aldi und zum Penny-Markt… Nimm den Rucksack mit, oder zwei Stoffbeutel…” Ein Tisch weiter, Vater und Tochter. Tochter: “… da gab es Schweinemedaillons mit Champignonrahmsauce, und die Champignons kamen aus der Dose, und ich mag ja keine Champignons aus der Dose, das war so was von eklig…” Vater: “… der hat ja ‘nen Sohn, der hat beide Beine ab. Und jetzt hatte er was an einem Stumpen, da mussten sie noch ein Stück vom Knochen absägen…”
Und da soll sich noch einer auf den Frühling konzentrieren!


Wohlfühlschlagzeile

rd | 11. März 2007, 01:53 | keine Kommentare

Die Niederrhein Nachrichten überraschten heute mit einer echten Wohlfühlschlagzeile zum Wochenende:
Zeitungsausriss
Erinnert mich an meine journalistischen Anfängerfehler (mit denen ich vermutlich auch ein Buch füllen könnte). Hund beißt Mann, Mann beißt Hund. Genau betrachtet, handelt es sich ja auch um eine Top-Nachricht, so im Angesicht von Afghanistan, Airbus, Irak, Klima einen Ort paradiesischer Unschuld entdeckt zu haben. Leider geht es jedoch nur um den aktuellen Kriminalitätsbericht für den Kreis Kleve. “Das Risiko, bei uns Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, ist um ein Drittel geringer als im Landesdurchschnitt”, verkündet der Polizeidirektor.

Das erinnert mich daran, wie ich mal vor meiner eigenen Haustüre von zwei Ganoven ausgeraubt wurde. Leicht geschockt rief ich die Polizei an, die dann auch in Gestalt von zwei Beamten anrückte, die mich allerdings erst einmal mit Vorwürfen überhäuften und dann mit ganz schön scharfsinnigen Fragen löcherten (die Beiden witterten wohl zuallererst Betrug, oder sie waren angezickt, weil sie frühmorgens raus mussten). Das Verfahren wurde später irgendwann eingestellt – und ich wusste, dass zumindest ich weitere Überfälle nicht melden würde. Dass die Übeltäter nicht gefasst werden, mag vorkommen. Dann auch noch angepampt zu werden, darauf wollte ich fortan gerne verzichten. So sinkt die Kriminalität natürlich auch.

Sehr schön noch folgendes Detail:
Rätsel
Ist Hausbesitz neuerdings strafbar? Aber warum dann Aufatmen? Oder sind die Hausbesitzer und Mieter so erleichtert, weil die Polizei nur jeden vierten von ihnen ertappte – und somit 75 Prozent ihr ruchloses Treiben fortsetzen können (was auch immer es sein mag), ohne ernsthaft von der Polizei behelligt zu werden. Ja, am Niederrhein ist die Welt eben noch in Ordnung. Ich fühle es.