kleveblog-Leser fragen – Silke Gorißen antwortet

Welche Ihrer persönlichen Eigenschaften wären für das Amt der Landrätin von Vorteil?

Neben meiner langjährigen (kommunal)politischen Erfahrung als CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Vorsitzende und stellvertretende Kreisparteivorsitzende bringe ich die fachliche Qualifikation als Volljuristin mit. Mit mir als Landrätin wäre es nicht notwendig, einen Kreisdirektor einzustellen, wie dies schon von einem Mitbewerber für den Fall seiner Wahl angekündigt wurde. Steuergelder müssten dafür also nicht eingesetzt werden.

Was wäre Ihr Hauptanliegen als Landrätin?

Ich möchte einige meiner wichtigen Ziele herausstellen:

  1. Eine Top-Wirtschaftsregion mit einem starken Mittelstand, Handwerk und einer gut aufgestellten Landwirtschaft
  2. Klimaneutraler Kreis Kleve
  3. sehr gute Bedingungen für Familien im Kreis Kleve, insbesondere durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, beispielsweise durch den Ausbau von Betreuungszeiten für Erziehende im Schichtdienst
  4. Sicherheit der Bevölkerung durch den Einsatz von mehr Polizeibeamten im Kreis Kleve sowie Polizeiassistenten zur Entlastung bei Verwaltungsaufgaben

Wie bewerten Sie die gegenwärtigen Gestaltung der direkten Bürgerbeteiligung, welche Möglichkeiten einer Verbesserung sehen, und was halten Sie in diesem Zusammenhang von sogenannten Bürgerräten (ein Gremium, das aus zufällig ausgelosten Bürgern besteht)?

Als Landrätin wäre mir Bürgernähe wichtig. Diese habe ich in meiner Zeit als Politikerin immer gepflegt. Ich bin erreichbar, ansprechbar und auch vor Ort unterwegs. Das würde ich aus als Landrätin so handhaben. Generell muss es einen guten Austausch geben mit den Bürgermeistern und der Politik in den einzelnen Kommunen. Als Landrätin will ich nicht nur in der Kreisstadt auffindbar sein, sondern aktiv den Kreis im Kreis vertreten – im Süden, im rechtsrheinischen Bereich und im Norden. Von einem Gremium, das aus zufällig ausgelosten Bürgern besteht, halte ich nicht sehr viel. Politik muss für alle Menschen gemacht werden, es müssen alle Gruppierungen angehört werden und es muss verantwortungsvoll gehandelt werden.

Welche konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz könnten Sie sich vorstellen?

Energetische Sanierung von Gebäuden des Kreises Kleve; Aufbringen von Solaranlagen; Ausbau von Fahrradwegen; gemeinsame Konzepte/Programme mit den Kommunen und Organisationen für Insekten- und Vogelschutz in Landwirtschaft und privaten Haushalten; Fahrzeugpark des Kreises Kleve unter Umweltgesichtspunkten optimieren.

Busse und Bahnen – was geht da noch besser? Glauben Sie insbesondere an eine Wiederbelebung der Bahnlinie nach Nimwegen? Und wann sind Sie zuletzt in einem Linienbus gefahren?

Der ÖPNV muss überarbeitet und für die Zukunft aufgestellt werden. Wir brauchen ein (auch finanziell) attraktives, modernes Angebot im Kreis Kleve. Insbesondere eine Entlastung der Innenstädte ist mir ein wichtiges Anliegen. Eine Wiederbelebung der Bahnlinie sollte nicht aus den Augen verloren gehen. Tatsache ist, dass aktuell vor allem auf niederländischer Seite kein tatsächliches Interesse besteht. Hier sollte dennoch weiter versucht werden, Möglichkeiten auszuloten. Vor vier Wochen bin ich zum letzten Mal mit einem Linienbus gefahren – allerdings in Düsseldorf.

Was würden Sie unternehmen, um den Kreis Kleve wirtschaftlich weiterzuentwickeln?

Wir brauchen einen Standort mit hoher Lebensqualität, der Menschen überzeugt, hier zu bleiben oder in den Kreis Kleve zu kommen, um bei uns zu arbeiten. Dazu gehören u. a. gute Schulen, gute, flexible Betreuungsangebote, wohnortnahe ärztliche Versorgung, gute Anbindungen. Auch eine starke Wirtschaftsförderung (ein Beispiel: Gewerbeflächenpool), insbesondere auch durch die Wirtschaftsförderung des Kreises Kleve ist wichtig. Die Kreisverwaltung muss für die Unternehmen serviceorientiert arbeiten und ein lösungsorientierter Ansprechpartner sein. Unternehmen im Kreis Kleve zu halten, auch wenn sie größer werden und weitere Unternehmen in den Kreis zu holen, ist mir ein besonderes Anliegen. Dafür will ich auch aktiv werben außerhalb des Kreises Kleve.

Wie stehen Sie zu den wiederholten Zuschüssen in Millionenhöhe vom Kreis Kleve für den Flughafen Weeze?

Diese Zuschüsse sind geflossen. Ich halte es für richtig, dass man Unternehmen nicht an der Corona-Krise scheitern lässt, die nahezu alle schwer getroffen hat und immer noch sehr viele Unternehmen belastet. Der Flughafen darf aber auch kein Fass ohne Boden sein. Es muss nun jedenfalls abgewartet werden, wie sich der Flugverkehr in den nächsten Monaten entwickelt, welche Konzepte erarbeitet werden. Das Land NRW hat den Flughafen im letzten Jahr als landesbedeutsam eingestuft. Auch hier erwarte ich vom Land, dass es unterstützend tätig wird.

Der von der Gemeinde Bedburg-Hau vorgelegte Bebauungsplan für das nördliche Gelände der LVR-Klinik lässt eine Rodung der Bäume zu. Würden Sie als Landrätin im Rahmen der Befugnisse des Kreises der Gemeinde vorschreiben, dass bestehender Wald nur bei sehr guten Gründen (ökonomische Gründe sind damit ausgeschlossen) abgeholzt werden darf? Und welche Meinung haben Sie grundsätzlich zum LVR-Klinikwald in Bedburg-Hau?

Aktuell befasst sich zunächst einmal der Gemeinderat in Bedburg-Hau mit der Thematik. Der Entscheidungsfindungsprozess ist im Gange unter Beteiligung der Bürger und dies muss auch mit größtmöglicher Transparenz erfolgen. Hier muss zunächst einmal abgewartet werden, welche Entscheidungen auf der Gemeindeebene getroffen werden. Dass ökologische Aspekte eine wichtige Rolle spielen müssen, ist für mich selbstverständlich.

Hat der Kreis Kleve die Möglichkeit, die medizinische Versorgung zu verbessern? Und falls ja wie würden Sie das tun?
Der Kreis Kleve muss seine Stipendienprogramme für angehende Mediziner fortsetzen. Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit darüber nachgedacht werden müssen, welche weiteren – auch finanziellen – Anreize für Mediziner geschaffen werden können, um dem Ärztemangel im Kreis Kleve entgegen zu wirken.

Kleve ist für mich ein Kreis, der… (bitte ergänzen)

eine hohe Lebensqualiät bietet, von einer wunderschönen Landschaft geprägt und meine Heimat ist, auf die ich stolz bin und die ich weiterentwickeln und zukunftssicher aufstellen möchte.

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4 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. Chewgum

    Gefällt mir alles in allem gut. Außer: Kein Statement zu den Problemen mit dem R10. Und die Haltung zum Thema LVR-Klinikwald/Wald ist mir zu unbestimmt.

     
  2. 2. Jack Tar

    Vielen Dank für Ihre Antwort zum Thema Bürgerbeteiligung und Bürgerräte.

    Schade, dass Sie nicht viel davon halten. Von den Landratskandidaten traue ich gerade Ihnen zu, dass Sie mit Bürgerinnen und Bürgern nicht nur im persönlichen Gespräch auf Augenhöhe kommunizieren möchten, sondern an einer tatsächlichen Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger interessiert sind.

     
  3. 3. Lohengräm

    >”Tatsache ist, dass aktuell vor allem auf niederländischer Seite kein tatsächliches Interesse besteht. ”

    Auch hier mal wieder das bewährt pseudochristliche Verhalten, auf den Splitter im Auge des Anderen zu zeigen statt den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen.

    Den angeblichen Splitter übrigens: Die Niederlander wollen Kleve Nijmegen nicht? Hä?

    Ist das genauso eine Tatsache (an die man nur fest glauben muss) wie dass der Flughafen ein Jobmotor ist?

     
  4. 4. Schwarzer Kater

    Frau Gorißen, können Sie bitte zweimal blinzeln, wenn Sie den Airport Weeze nicht weiterhin alimentieren wollen wie Herr S. es bisher getan hat?

    Falls Sie für den Erhalt des LVR-Klinikwalds sind (das definiere ich jetzt mal als „90% aller Bäume bleiben stehen“), blinzeln Sie bitte dreimal.

    Aber mal im Ernst, der Balance-Akt, den Frau
    Gorißen vollführen muss und der sich auch in den Antworten zum Airport Weeze und zum Klinikwald widerspiegelt, ist eine Zumutung (vielleicht auch für sie selbst?) und das nur um ihrer Partei nicht in den Rücken zu fallen.
    Man kann Frau Gorißen zu Gute halten, dass sie kaum eine andere Möglichkeit hat. Herr Driessen hatte die Wahl beim Klinikwald, hat sich aber ohne Not gegen den Erhalt des Klinikwalds entschieden (siehe auch seine Chamäleon-Antwort).