Kermisdahl: Langsam wird’s kaskaesk

rd | 18. Juli 2019, 17:04 | 20 Kommentare
Mal ein wenig Erde drüberkippen

Aus dem Erdreich ragende Spundwände und reichlich aufgespritzter Beton prägten in den vergangenen Monaten den Anblick der Kaskade am Kermisdahl. Um zu verhindern, dass der Hang erneut abrutscht und möglicherweise die Häuser oben an der Kante, am Eisernen Mann, mit in die Tiefe reißt, schienen die Verantwortlichen auch nicht das geringste Risiko eingegangen zu sein. Viel hilft viel, so wirkten die Maßnahmen auf die Spaziergänger, die sich an der idyllischen Wanderstrecke verwundert die Augen rieben. Auch der Klevische Verein war not amused ob der brachialen Ästhetik, die sich dort Bahn brach. Die Stadtverwaltung wies stets darauf hin, dass es sich noch nicht um das endgültige Erscheinungsbild des Ensembles handele.

Nun können die Spaziergänger erste kosmetische Veränderungen bewundern. „Die angekündigten Verschönerungsarbeiten sind (noch?) kaum wahrnehmbar“, berichtet der Klevische Verein. „Lediglich die Spundwände wurden mit Erdaufschüttungen zur Hälfte abgedeckt.“ Ob die nun erfolgten Arbeiten zudem die Gnade der Experten unter den kleveblog-Lesern finden, ist noch eine ganz andere Frage – schauen wir, mal, was die Kommentare so ergeben…

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  1. 20. Stefan Schuster

    Hihi, selbst zum Werkzeug greifen… Die Idee hat was, aber ich werde nicht selbst aktiv werden und auch nicht dazu aufrufen. Trotzdem: Einige Aktivisten haben meine offene Sympathie – Google/Youtube Suchbegriff „Guerilla Gardening“.

    Die Auseinandersetzung um die Klever Kaskade ist aus meiner Sicht ein Kampf um Köpfe, um Meinungen. Es wäre wünschenswert, wenn in der Klever Lokalpolitik generell ein stärkerer Wille entsteht, die Verwaltung anzuleiten. Häufig ist hier das Umgekehrte der Fall. Teilen der Klever Verwaltung fehlt das Bewußtsein, dass Sie Beschlüsse umzusetzen haben, (natürlich im Rahmen von Vorschriften und Gesetzen), also sich im Grunde mit der Rolle eines Befehlsempfängers zufrieden geben sollten. Steile These, ich weiß.

    Dazu führe ich Daten und Fakten in die Debatte ein, das ist meiner Ansicht nach wirksamer als mit einer Schüppe in der Hand die Arbeit des Tiefbauamtes zu übernehmen. Erste Erfolge zeigen sich jetzt schon. Ich werde von Verwaltungsmitarbeitern neuerdings mit Adjektiven belegt, immerhin. Keine meiner Argumentationsketten ist bisher widerlegt worden.

    Die Kaskade ist nur *ein* Beispiel. Mir fallen noch etliche weitere Themen ein, zu denen der Stadtrat mehr Informationen bräuchte, als lediglich jene, welche ihm von der Verwaltung zur Verfügung gestellt werden. Seebär, eine Handwerksgruppe verbessert zwar die Welt, aber nicht die Lokalpolitik.
    Bleiben Sie aktiv….

     
  2. 19. Seebär

    @18. Stefan Schuster
    Danke für die sachkundige Auskunft. Es hatte mir nämlich schon in den Flossen gejuckt zum Baumarkt zu schwimmen und die Dichtmasse zu besorgen. Das lasse ich dann aber lieber, weil die Dichtmasse nicht die erforderlichen nachkriechenden Eigenschaften hat. Übrigens wie wäre es mit der Gründung eines Vereins zur Pflege der Kaskade unter Ihrer fachkundigen Leitung? Ich wäre beim Durchführen von kleineren Reparaturarbeiten und Schutzmaßnahmen, die Laien unter Ihrer fachkundigen Anleitung ausführen können, dabei.

     
  3. 18. Stefan Schuster

    @Seebär, #17

    Das Baumarkt-Produkt scheint mir gegenüber Teer unterlegen zu sein. Seine genauen Eigenschaften gehen aus dem Datenblatt nicht hervor, aber es scheint so zu sein, dass es nach relativ schneller Aushärtung einen zwar elastischen Zustand annimmt, jedoch nicht in der Lage ist, in neu entstande Erweiterungen von Rissen hineinzukriechen.

    Teer (volkstümlich, ich hatte korrekterweise von einem ‚bituminösen Baustoff‘ sprechen sollen) hingegen härtet nie vollständig durch, er bleibt physikalisch gesehen eine Flüssigkeit, seine Fließfähigkeit kann durch Erhitzen auch noch nach Jahren kurzzeitig und gezielt erhöht werden. Stichwort: Viskosität.

    Im Fall der Kaskade würde der Teer erhitzt in die Fuge hineingegossen, deren Oberkante vollständig abdichten, und langsam nach unten in tiefere Bereiche der Fuge kriechen. Erweitertert sich der Riss, folgt der Teer und dichtet erneut und selbsttätig. Dadurch verschwindet Material nach unten – an der Oberfläche muß daher, manchmal sogar in Jahresabständen, neuer heißer Teer nachgegossen werden.

    Fazit: Teer wird dem Material aus dem Baumarkt überlegen sein.

    Die Anwendbarkeit von Teer ist aber im Einzelfall zu prüfen, er darf aufgrund neuerer Umweltauflagen nicht mehr uneingeschränkt benutzt werden.

     
  4. 17. Seebär

    @Stefan Schuster
    Könnte diese Dichtmasse zum Abdichten des Risses verwendet werden?

    https://toom.de/p/bitumendichtstoff-dachdicht-schwarz-300-ml/2360200?gclid=EAIaIQobChMI9d_BwvO85AIVGM53Ch19LAnfEAQYByABEgItIvD_BwE

    P.S. Ich will keine Werbung für ein bestimmtes Produkt oder einen Baumarkt machen. Ich will nur wissen ob das Zeug geeignet wäre.

     
  5. 16. Martin Fingerhut

    @ 15. Stefan Schuster :

    Aber nein, Herr Schuster, überhaupt kein Grund zur Sorge.
    Unsere FachLeute, Herr Rauer und Herr Klockhaus,
    haben erst gestern noch äußerst bestimmt bestimmt,
    daß alles bestens ist !
    Bekanntlich hat der BetonKlotz zu Füßen der Kaskade einzig und allein den Zweck,
    das tonnneSchwere BauWerk der Kaskade aufzuhalten,
    nur ja nicht in den KermisDahl zu rutschen.
    Und dabei ist es bekanntlich völlig schnurz,
    ob sich der Beton um 1cm gesetzt hat.

    Im übrigen, so verkündete Herr Rauer,
    werde die Verwaltung keine einzige Sekunde mehr darauf verschwenden,
    sich um ellenLange Anfragen oder Hinweise von irgendWelchen Bürgern zu kümmern.

    Wie es scheint, meinte er damit wohl insbesondere solche lästigen Bürger,
    welche glauben, etwas von der Sache zu verstehen,
    nur weil sie BergBauIngenieure sind oder ähnliches LaienPack.

    Die Verwaltung hat dem Rat und übrigen Ausschüssen stets sofort berichtet
    – und sie wird ab sofort sich auch nur noch mit diesen abgeben.

    Nun, da die Verwaltung sich davon befreit hat, sich um BürgerBedenken zu kümmern,
    kommt sie – trotz PersonalMangels – endlich dazu,
    die beiden Kugeln zu ersetzen !

    Und sogar ein dem alten Gitter nachEmpfundenes neues anbringen zu lassen.
    aber nur auf einem kurzen Stück.
    nicht auf der ganzen Länge.
    Also – damit es symmetrisch wird – wohl links die EdelStahlBügel stehen lassen,
    in der Mitte das nachGebaute historisierende,
    recht wieder die EdelStahlBügel.
    Ein Hoch auf den exquisiten Geschmack unserer Kaskadeure !

     
  6. 15. Stefan Schuster

    Als dringende Sofortmaßnahme sollte die Nahtstelle zwischen altem Tosbecken und neuem Überlaufbauwerk durch eine Teerfuge abgedichtet werden.

    Das Überlaufbauwerk ist in Bewegung und sackt ab, durch den entstandenen Riss sickern bei jedem Überlauf des Tosbeckens nach Regenfällen mehrere Eimer Wasser (vorsichtig geschätzt) in den Untergrund und breiten sich dann seitlich unter der Böschung aus.

     
  7. 14. Joseph Johann

    „Still ruht der See, der Knabe schlief ein am grünen Gestade.“
    Die Baubehörde pennt immer noch. Der Rat schaut tatenlos zu. Welch ein Gebaren.

     
  8. 13. Joseph Johann

    Wer sich das Gemurkse vor Ort ansieht, verzweifelt am Bauamt der Stadt.

     
  9. 12. Joseph Johann

    Treffend und deutlich der heutige Leserbrief des Herrn Szubries in der RP.

     
  10. 11. Joseph Johann

    Der Bericht des Herrn Schuster in den heutigen Niederrheinnachrichten lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Es müssen wohl erst wieder große Wassermassen durch Starkregen anfallen, bis man bei der Klever Baubehörde wach wird. Nach wie vor ist der Rat einer erfahrenen Wasserbaufirma und deren Wasserbauingenieure unabdingbar. Das ist so einfach, da ein solches traditionsreiches Unternehmen in Wesel ansässig ist.

     
  11. 10. Justin

    @3., Josef Johann

    Scheint so als hätte Herr Schuster seine Wahl für den „verwurmtesten Apfel“ (Preis für das dysfunktionalste und verschandelste Bauwerk Kleves) schon getroffen. Die „Laudatio“ in Form des YouTube-Videos ist sehr fundiert und gut verständlich gemacht. Vielen Dank dafür!

     
  12. 9. Seebär

    @Stefan Schuster
    Vielen Dank für die genaue Dokumentation der Kafkadisierung der Kaskade!

    @Tiefschlafamt
    Falls Ihr Unterstützung braucht, baue ich gerne die Kaskade als Modell nach. Das Kaskadenmodell muss dann nur noch in einem der Blumenbeete in der Nähe des Rathauses eingebuddelt und ein Mini-Kermisdahl gegraben werden. Dann könnt Ihr mit einer Gießkanne verschieden starke Regenfälle simulieren und Baumaßnahmen testen bevor sie realisiert werden.

     
  13. 8. Stefan Schuster

    So langsam bin ich ratlos. Wieso werden meine Links zu einem Youtube Video immer wieder von der Blogsoftware verstümmelt?

    Neuer Versuch:
    [youtube=https://www.youtube.com/watch?v=dnt9HLv2jrc&w=640&h=360]

     
  14. 7. Stefan Schuster

    Entschuldigung, der Link im vorigen Beitrag funktioniert nicht. Hier der korrekte Link:

    [youtube=https://www.youtube.com/watch?v=dnt9HLv2jrc&w=676&h=381]

     
  15. 6. Stefan Schuster

    Pleiten? Pech? Pannen?

    [youtube=https://www.youtube.com/watch?v=dnt9HLv2jrc&w=640&h=360]

     
  16. 5. Jens-Uwe Habedank

    1) Verstehe ich die Mäkelei nicht – es geht doch um ( O-Ton Theo Brauer) „Deutschlands beste Verwaltung“; Wer mag sich da erdreisten zu hinterfragenoder gar in Abrede zu stellen???!!!

    2) Wer an 1) zweifelt – der ist hoffnungslos verloren, darf sich der Scheltung uvm sicher sein…

    3) Welcome in „Klever Landrecht“

     
  17. 4. Stefan Schuster

    ‚Kaskaesk‘ ist sicherlich zutreffend, es gibt aber auch noch eine ganze Reihe anderer Adjektive, um das Handeln der Stadtverwaltung zu charakterisieren.

    Welches Adjektiv ist zutreffend für den Zustand, dass 4 Wochen lang sehr schwere, bereits unterspülte und kippelige Stahlplatten von Jedermann frei betreten werden konnten, ohne dass die Stadtverwaltung diesen ihr bekannten Gefahrenpunkt beseitigt hat? Welches Adjektiv ist zutreffend für die donnernde und dröhnende Schweigsamkeit der Stadtverwaltung zur Zukunft der Kaskade und der Oberstadtentwässerung insgesamt?

    Wie lange ist das letzte öffentliche Statement der Stadtverwaltung zum Thema Kaskade her? Ein halbes Jahr! Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind alle dazu bestellten Gutachten bereits eingegangen, gelesen, und Pläne geschmiedet worden. Falls nicht, wäre das ein Armutszeugnis. Aus dieser Überlegung heraus befürchte ich, dass abseits der Öffentlichkeit, vielleicht auch ohne informelle Gespräche mit Fraktionen und Stadträten (und erst recht nicht mit Vereinen, Verbänden und Bürgern), eine ‚Lösung‘ vorbereitet wird, über die nicht mehr debattiert werden kann. Fakten schaffen, dann erst reden!

    Und wer schafft die Fakten? Abteilungen einer Verwaltung, dominiert von Beamten ohne technischem Sachverstand, lediglich mit Verwaltungskarrieren als professionellem Hintergrund.

    (Note to self –> Stefan, halt jetzt lieber das Maul, du machst dich gerade genau so lächerlich wie die Leute, die du kritisierst.)

    Es hat ja in den letzten Monaten einige zarte Versuche des Stadtrates gegeben, nicht mehr von Abteilungen der Verwaltung am Nasenring durch die Manege geführt zu werden. Ob sich dieser Trend fortsetzt wage ich nicht zu prognostizieren. Open Data, in diesem Fall die Veröffentlichung aller Gutachten, würde helfen.

    P.S. Anmerkungen zum neuen Kaskadenprovisorium 2.0:
    Eine Festigung der dünnen Bodenschicht (siehe Bild oben) durch Quecken und andere bodenmechanisch wirksame Nutzwurzeln ist unwahrscheinlich, da der Spritzbeton zwischen schräger Schotterfläche und neuer Bodenschicht nicht entfernt wurde. Von der neu angeschütteten Böschung links des Auslaufbauwerks war am letzten Freitag, als die Bauarbeiten noch nicht beendet waren, bereits ein signifikanter Teil des neuen Materials – inclusive Grassamen – vom Regen auf den Spritzbetonweg heruntergeschwemmt worden.

     
  18. 3. Joseph Johann

    Sollte man nicht Herrn Giesen fragen, ob man den Baukünstlern bei der Stadt Kleve nicht einen Orden verleihen muss, nach dem Muster der gelben Zitrone.

    Aber die Angelegenheit ist zu Ernst, um Scherze zu machen. Die Vielfalt der bisherigen Kommentare, teils umfängliche Ausführungen, lassen die Frage zu, warum allem Anschein nach, die Verantwortlichen der Stadt Kleve es unterlassen, Beratung von Firmen einzuholen, deren tägliches Brot es ist, mit Problemen, die durch Wassermassen gestellt werden, umzugehen.

    Was dort bei zukünftigen Unwettern, die nicht auszuschließen sind, geschehen kann, darf man sich nicht vorstellen.

     
  19. 2. otto

    Einfach wunderbar, man hat sich auf hohem, gestalterischen Niveau Mühe gegeben. Welcher
    Landschaftsarchitekt war hier wohl beratend tätig?

    Hoffentlich lässt die Einsaat von Giersch, Quecken etc. nicht zu lange auf sich warten, damit dieses einmalige
    Park-Ensemble von den Besuchern goutiert werden kann.

     
  20. 1. Ge.Org

    Auf dem Heimweg bin ich vorhin noch dort vorbei gekommen. Die unsäglichen Betonstolperkanten sind immer noch da.