Kaskadenfiasko: Ein Pflaster aus Beton, das keine Wunden heilt

rd | 24. April 2019, 14:31 | 25 Kommentare
Spundwände mit zusätzlicher Betonsicherung: Kaskade am Kermisdahl (Tolles Drohnenfoto: Torsten Barthel)

(Gastbeitrag von Wiltrud Schnütgen, erschienen in der aktuellen Ausgabe des Magazins Der KLEVER)

Was für ein trostloser Anblick in der idyllischen Kermisdahllandschaft! Wo einst das Regenwasser der Oberstadt mal mehr oder weniger brausend die Kaskade runterrauschte und sich von dort unter dem Weg, bei Starkregen auch mal darüber, in den Kermisdahl ergoss, brach sich im Mai 2017 das Wasser rechts und links vom Kaskadenbauwerk Bahn und ließ den Hang abrutschen. Die Ursache ist nicht ganz klar. Die Stadtverwaltung spricht von zunehmenden Regenfällen aufgrund der Klimaveränderung und von der eiszeitlichen Endmoräne als „einkörnigem“ und damit rutschigem, instabilen Untergrund. Hört sich an, als müsse man sich auch Sorgen um die Burg machen! Andere meinen, dass man die Regenabwasserkanäle vielleicht länger nicht gründlich überprüft habe. Allerdings prüft die Stadt regelmäßig ihren Kanalbestand und lässt sich das mehrere Millionen Euro im Jahr kosten.

Im Jahre 1900 begann man in Kleve mit dem Bau einer Kanalisation, damit stinkende Abwässer nicht mehr offen abgeleitet werden mussten. Seitdem werden Regenwässer und Abwässer der Oberstadt Richtung Kermisdahl abgeführt, letztere landen natürlich nicht im Fluss, sondern werden darunter her Richtung Salmorther Klärwerk geleitet. Zwischen 1911 und 1913 erhielt die Nassauer Allee zwischen Krohnestraße und Kolpingstraße ihren Kanal, außerdem wurden ein „Absturzbauwerk“ und Kanaltunnel bis zum Kermisdahl gebaut. Im Krieg haben zwischen Maywald und Bellevue zehn Jugendliche in solchen Schächten den Angriff am 7.2.1945 überstanden. 1952 war die 20 Meter Höhenunterschied überwindende Kaskade fertig sowie ein 76 Meter langer unterirdischer Gang Richtung Nassauer Allee, in den so mancher Klever in jugendlichem Leichtsinn reingeklettert ist.

Der Erdrutsch 2017 war nicht der erste, schon 1763 rutschte nach starken Regenfällen der Hang ab und verschmälerte den Kermisdahl um die Hälfte. Der „enge Hals“ entstand, heute führt hier die Luisenbrücke auf die andere Uferseite. So idyllisch wie hier sieht es an der Kaskade leider nicht aus. Im Januar gab es eine Begehung des Klevischen Vereins mit der Stadtverwaltung und interessierten Lokalpolitikern. Der Klevische Verein setzt sich mit seinem Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering seit langem dafür ein, soweit wie möglich wieder Elemente des Alten Parks wiederherzustellen, immerhin von Johann Moritz von Nassau im 17. Jahrhundert angelegt. Dazu passt die brachiale Vorgehensweise, die vormals idyllische Kaskadenumgebung mit Betonmassen und offen sichtbaren Spundwänden zu verunzieren, natürlich überhaupt nicht. Dazu kommt eine quietschgelbe Treppe, die aus „Sicherheitsgründen unumgänglich“ sei, aber wohl manche Jugendliche eher dazu verleiten wird, ins Auslaufbecken einzusteigen statt sich daraus zu retten. Riesige Schilder mit Warnhinweisen vor gelegentlich überquellenden Wassermassen passen natürlich auch nicht in einen Park, der kurz vor der Eintragung als Denkmal steht. Der technische Beigeordnete Rauer sowie der Leiter des Tiefbauamtes Klockhaus standen vor geschockten Klever Bürgern und fragten: „Hätten Sie die Verantwortung übernommen?“ Vorsichtige Fragen, ob das denn nun Endzustand sein solle, wurden beantwortet: „Das rutscht hier ja so runter, da bildet sich bald wieder eine Humusschicht, dann sieht man das gar nicht mehr so.“ Verein und Politik wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und so soll in einem ersten Schritt der Beton dort, wo man geht, geglättet werden und dort, wo er an die Spundwände geworfen wurde, mit einer Humusspritzschicht versehen werden. Das reicht natürlich auch nicht, die Politik muss nun Dampf machen, dass das Betonmassaker – übrigens ein städtischer Auftrag, den die ausführende Baufirma nur mit Bauchschmerzen ausgeführt haben soll – geheilt wird. Ideen gibt es schon: Überpflasterung der Betonteile (wobei man sich besser nicht am neuen Bahnhofspflaster orientieren sollte), Verdeckung der Spundwände mit organischem Material, z.B. Rietmatten. Ohne Begleitung durch den LVR – Amt für Denkmalpflege im Rheinland wird es nicht gehen.

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25 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 25. Seebär

    Ergänzung zur Wiederherstellung der Kaskadenästhetik:
    Da der Betonsockel vor dem Überlaufbecken der Kaskade der höchste Bereich entlang der Wasserlinie ist, könnte – wie einige Kommentatoren bereits angemerkt haben – bei sehr starken Regenfällen das Wasser auch seitlich vom Betonsockel fließen, so dass eine Begrünung bis zur Wasserlinie hinunter links und rechts des Betonsockels möglicherweise nicht funktionieren würde. Vor dem Erdrutsch war meiner Erinnerung nach die tiefste Stelle in der Uferlinie direkt vor dem Überlaufbecken der Kaskade, so dass das überlaufende Wasser den Uferbereich nicht erodierte, sondern über die Betonkante direkt vor dem Überlaufbecken in den Kermisdahl floss. Ein Fußgänger-freundlicherer Weg zum Betonsockel auf beiden Seiten wäre auch nötig.

     
  2. 24. Seebär

    Vielleicht ließe sich die Ästhetik der Kaskade folgendermaßen zumindest zum Teil wiederherstellen:
    Den Damm vom gegenüberliegenden Ufer bis zur unten in der Mitte liegenden Spundwand, die direkt an das Wasser des Kermisdahls reicht, und sonstigen Kies, der im Flussbett des Kermisdahls vor der Kaskade herumliegt, entfernen. Die untere mittig liegende Spundwand passend zur Kaskade rot verklinkern; die Bereiche rechts und links dieser Spundwand, die derzeit bis zur Wasserlinie mit Spritzbeton bedeckt sind, renaturieren indem Mutterboden davor geschüttet, mit stützenden Gewebematten vor dem erodieren bewahrt werden und zur Wasserlinie hin dezent abgestützt und bepflanzt werden. Das äußere Geländer (an der wasserseitigen Kante) des Betonsockels durch ein filigranes Geländer (ähnlich dem Original) ersetzen; Den Spritzbeton vor der rechten Spundwand begrünen. Ob es sinnvoll wäre in dem zur Zeit mit Gräsern und Ähnlichem bewachsenen Hängen links und rechts der Kaskade Bäume zu pflanzen, hängt davon ab ob die Bäume mit ihrem Wurzelwerk den Hang eher stützen würden oder eher eine zusätzliche Belastung wären.

    Vorher:
    https://www.klevischer-verein.de/2019/01/05/kleve-hatte-eine-kaskade/

     
  3. 23. Seebär

    Also Frau Schnütgen, vorhin ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Die Kafkade ist ein Ort der Begegnung! Erst habe ich Franz getroffen, der hat mir von seinem neuen Bau im Hang erzählt. Dann kam eine Joggerin des Wegs und stakste vorsichtig über die Spritzbetondecke, um am Überlaufbecken Dehnübungen zu machen (die gelbe Leiter macht sich übrigens hervorragend als Turngerät) und schließlich habe ich noch einen Zweibeiner getroffen mit dem ich mich angeregt über die Kafkade unterhalten konnte. Und das alles innerhalb von fünf Minuten! Wenn das nicht ein Treffpunkt ist, der zum Verweilen einlädt. Sogar ein Vorratsbecken für Fische ist schon da! Da kann der Fisch-Kiosk direkt am Fuß der Kafkade aufgestellt werden. Und für die Zweibeiner gibt es soviel zu entdecken und zu überlegen: Wozu sind wohl die Schlitze in der rechten Spundwand (vom Wasser aus gesehen)? Soll da Wasser durchsickern? Sind die Spundwände wohl tief genug ins Erdreich gerammt worden? Warum sind Teile der rechtsseitigen Spundwand schief? Was machen die Kaninchen am Hang bzw. im Hang? Der Tiefbauingenieur, der den Hang an der Kafkade betreut, ist ganz begeistert von seinem neuen Arbeitsplatz und Wohnort. Er meint als Kaninchen kriegt man selten einen so interessanten Job. Also Frau Schnütgen, könnten Sie bitte dafür sorgen, dass die Kafkade so bleibt wie sie jetzt ist? Das wäre super! Viele Grüße vom Seebären

     
  4. 22. Stefan Schuster

    Wird gemacht. Kamera ist wasserdicht, jetzt muss es nur noch ordentlich plästern. Bin ja selbst gespannt was sich dann zeigt. Spätestens beim nächsten Sommergewitter wissen wir mehr.

     
  5. 21. Niederrheinstier

    @ 20
    Mmuuuuh, Herr Schuster, mmuuuh!
    Bitte nach dem Starkregen nicht vergessen, Ihre Kaskadenbilder an RD zu senden, damit der die hier einstellt und ich die auch sehen kann, mmuuuuh! Genau deshalb hatte ich ja in Blog 13 danach gemmmuuuuht, mmuuuuuh!

     
  6. 20. Stefan Schuster

    Auch von mir besten Dank an #16, Günter Ververs.

    Das Video hat mich stutzig gemacht. Es ist leider nur undeutlich zu sehen, aber ab 0:26 sieht es so aus, als ob aus dem neuen, vorderen Tosbecken das Wasser nicht nur durch den schräg betonierten Auslass geradeaus Richtung Kermisdahl läuft, sondern dass zusätzlich auch über die Seitenwände des neuen Beckens Wasser (ungewollt?) auf den neuen Fussweg stürzt.

    In diesem Fall müsste ich meine vorherigen Aussagen über Senkungsbewegungen unter der Schotterschüttung korrigieren, dann läge tatsächlich eine seitliche Auskolkung vor. Ich möchte an dieser Stelle keine vorzeitigen Schlüsse ziehen, aber dass an irgendeiner Stelle ungenau geplant wurde ist klar.

    Ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Starkregen kamerabewaffnet die Kaskade zu besuchen. Stay tuned.

     
  7. 19. Niederrheinstier

    @16 (Herrn Ververs)
    Mmuuuuh, mmuuuh, Herr Ververs, mmuuuh und vielen Dank für den Link, mmuuuuh!
    Sie sind ein Niederrheinstierversteher, mmuuujuhhh!
    Jetzt habe ich einen Eindruck davon, welch gewaltigen, überbordenen Wasserkräfte da mitunter wirken, mmuuuuh. Viele Grüsse vom Niederrheinstier, mmuuuh!

    @14 und 15:
    Im Gegensatz zu Herrn Ververs haben Sie mich nicht ganz richtig verstanden, mmuuubuuuh.
    Die geologische und bauingenieurtechnische Analyse von Herrn Schuster ist völlig ok, mmuuuh!
    Da habe ich weder etwas Schlechtes drüber gemmuuuuht, noch zu irgendetwas darin Enthaltenem etwas hinzugemmuuuuht. Aber vor der kaskadstrophal reparierten Kaskade im Kermisdahl sieht es nun einmal so aus, als hätte sich da ein Gebirgssturzbach rein ergossen, mmuuuh. Und so einen Sturzbach wollte ich nur einfach mal im Bild sehen, mmuuuuuhhh. Deshalb wollte ich RD motivieren, da mal bei Starkregen hinzugehen und sich uneigennützig für alle Kleveblogger nassduschen zu lassen, mmuuuh. Aber Herr Ververs hat ihn nun gleich mit rausgehauen, mmuuuh. Sonst hätte sich der Kleveblog-Chef-Influenzer vermmuuuuhtlich noch eine Influenza gefangen, mmuuuh.

     
  8. 18. Chewgum

    Auch zu bedenken: https://www.klevischer-verein.de/2019/03/28/wie-stabil-ist-der-hang-auf-dem-die-schwanenburg-steht/

     
  9. 17. Martin Fingerhut

    @ 5., 15. Stefan Schuster :
    Habe ich das richtig verstanden ? :

    Es bildet sich eine Zone zwischen den obersten ErdSchichten und dem UnterGrund,
    entlang welcher der ZusammenHalt schwächer wird.
    IrgendWann wird der Boden oberhalb dieser Zone zu schwer
    und kann nicht gehalten werden
    sondern gleitet hinab.
    Diese GleitZone hat – im Profil gesehen – eine Form wie etwa ein SprungSchanze für SkiFlieger :
    Von oben aus verläuft sie erst steil herab.
    Sogar steiler als die HangOberFläche,
    weshalb die darauf liegende BodenSchicht
    im Profil immer breiter und breiter wird
    ( Wie ein Keil, dessen Spitze nach oben zeigt. )
    Unten jedoch kehrt sich die Linie um.
    Wie bei einer SkiSprungSchanze steigt sie wieder an.
    Bis sie schließlich irgendWo im Bett des KermisDahls endet.
    Der tiefste Punkt der Kurve liegt deutlich unter dem Niveau des KermisDahls.

    Wenn die obere, keilförmige Schicht den Halt verliert
    und nach unten rutscht,
    verdrängt sie die BodenMassen im unteren Bogen der Zone
    und schiebt sie vor sich her,
    soDaß diese – wie bei einer Wippe – aus dem UnterGrund des KermisDahls nach oben gedrückt werden.

    Damit SpundWände das verhindern können,
    müssen sie nicht nur durch die obere, potentiell rutschende Schicht hindurch getrieben werden,
    sondern darüber hinaus noch so weit tiefer gerammt,
    daß sie weit unterhalb der GleitZone im stabilen UnterGrund genug Halt finden,
    die rutschenWollenden obersten Massen aufzuhalten.

    InSoFern erscheinen mir auf den Hängen links und rechts der Kaskade
    die MaßNahmen bis auf den SpritzBeton sämtlich plausibel und angemessen.

    Die Kaskade selber halte ich jedoch für einen ganz anderen Fall.
    Sie bildet von oben bis unten durchGehend ein starres Element,
    das sich folglich deutlich anders verhalten dürfte als die lockeren ErdMassen.

    AußerDem muß sie viel intensiver stabilisiert werden.
    Wenn vom Hang die oberste Schicht Jahr für Jahr um 1cm abrutscht,
    dann richtet das lange Zeit keinen Schaden an.
    Wenn jedoch das untere Ende der Kaskade auch nur um 1cm absackt,
    dann bereits entsteht irgendWo ein Spalt von 1cm zum oberen Abschnitt der Kaskade.
    Einiges der WasserMassen,
    die bei starkem Regen die Kaskaden hinunterStürzen,
    wird durch diesen Spalt dringen
    und die Kaskaden unterspülen.
    Schon ist das gesamte BauWerk gefährdet.
    Darum halte ich es für wesentlich,
    die Kaskaden extrem stabil abzustützen.
    Deshalb bin ich überzeugt,
    daß der massive BetonKlotz am Ufer unbedingt erforderlich ist.
    häßlich aber notwendig.

    Der SpritzBeton auf dem Schotter könnte sicherlich nicht verhindern,
    wenn Schotter in den UnterGrund absackte.
    Doch darum geht es hier gar nicht.
    Bei richtig starkem Regen läuft ein ( großer ) Anteil des Wassers
    offen über die BetonEbene am Fuß der Kaskade.
    nicht nur direkt geradeAus in den KermisDahl,
    sondern auch seitlich über die Kanten der BetonFläche.
    Binnen weniger Monate waren dort tiefe Schluchten in den Schotter gewaschen worden.
    So breit, daß sich kaum noch darüber steigen ließ.
    DAGEGEN dürfte der SpritzBeton sicher helfen.
    Darüber muß allerdings noch ein vernünftiger Weg angelegt werden.
    Bisher läuft es sich dort wie auf zementenen EierKartons.

    Allerdings weiß ich nicht,
    warum der Beton bis hoch an die SpundWände gespritzt wurde.

     
  10. 16. Günter Ververs

    @13
    Starkregen über Kleve am 29.05.2018, ab Sekunde 26 Kaskade. Aufgenommen von Tim Tripp:
    https://youtu.be/aOk2RyJRaJo

     
  11. 15. Stefan Schuster

    @12, Hackebreit:
    I like your kind of humour. Ymmd 🙂

    @13, Stier:
    Was soll denn ein Photo zeigen, ausser dass da ne Menge Wasser runterkommt? Die wichtige Frage ist doch: Wo ist der Engpass bei einem Starkregen?

    Ich kenne die Kaskade sehr genau. Als ca. 12jährige Bengels sind wir da reingestiegen und (laut Schrittzählung) waren wir im Kanalrohr weit jenseits der Querallee, bis es uns zu langweilung und unbequem wurde und wir umkehrten. Wir haben die Kanäle nicht komplett erforscht. Auf unserem Weg gab es zwei Y-förmige Zuflüsse, an denen wir uns jeweils links gehalten hatten.

    Vom Mundloch der Kaskade aus führt ein geräumiger Kanal etwa 100m im rechten Winkel Richtung Nassauer Allee, rechts unten mit gemauerter Kante damit man sich keine nassen Füsse holt. Wir konnten aufrecht laufen. Dann verengt sich der Kanal zur ovalen Betonröhre, wir mussten gebückt laufen.

    Schlussfolgerung: Wegen der Querschnittserweiterung kann ein möglicher Flaschenhals nicht auf den letzten 100 Metern liegen.

    Falls also ein Starkregen das Fassungsvermögen des Gesamtkonstrukts Oberstadtentwässerung übersteigt und sich kleine Seen bilden, dann muss der Engpass in der Nähe der Sternbuschklinik oder weiter stadteinwärts liegen. An den Y-Einmündungen liegt dann mit Sicherheit keine laminare Strömung vor, und turbulente Strömungen bedeuten eine hohe Belastung der Kanalwände.

    Es ist für mich jetzt schwierig, nach Jahrzehnten aus der Erinnerung schätzen zu können, welchen Querschnitt das zuführende Rohr auf Höhe der Sternbuschklinik hat. Aber nehmen wir mal an, es seien 1,5 m². Der Querschnitt der gestuften Kaskadenrinne bis Oberkante Aufmauerung ist deutlich höher, da wäre also selbst bei maximalem Zufluss noch Reserve drin. Vorsicht, das ist nur eine Schätzung, hier fehlen mir noch Zahlenwerte zu den tatsächlichen Querschnitten.

    Tut mir leid, Herr Stier, dass ich Ihren Beitrag ernst genommen habe.

    @14, otto:
    Sehr feines Beispiel für die Nutzung des rhetorischen Floretts, es muss nicht immer der von mir bevorzugte Säbel sein…

     
  12. 14. otto

    @13 NdrH-Stier,

    Die Stellungnahme von Stefan Schuster ist in allen Punkten zutreffend und detailliert ausgearbeitet.

    Nur möchte ich doch eine kleine Lanze für den Planungschef brechen, denn wir dürfen nicht vergessen,
    dass er nach bestem Wissen, Gewissen und Verstand handelte.

    Er hat wesentlich zur Aufmerksamkeit und Verschönerung dieses Parkteils beigetragen, wir sollten
    dankbar sein.

    Vielleicht gelingt es ihm, seine Schönheitsvorstellungen mit der Minoritenplatz-Bebauung erneut
    einzubringen, ein Platz in der Klever Geschichtsschreibung wird ihm gewiss sicher sein.

     
  13. 13. Niederrheinstier

    @ RD
    Mmmuuuh, RD, nicht nur Herr Schuster, sondern auch andere Blogger haben hier jetzt schon mehrfach nach Bildern der Kaskade bei Starkregen gerufen, mmuuuuh. Dummerweise können Sie bei Starkregen jedoch nicht so richtig Fotos machen, auf denen etwas zu sehen ist, mmuuuubuuuh. Auch können viele Drohnen bei Starkregen nicht fliegen, mmuuuh. Im Moment haben wir jedoch die seltene Wetterlage mit Starkregenfällen, die genau aus Rchtung Süden kommen, mmuujuuh! Warum haben Sie sich noch nicht Ihre Kamera, Ihre Gummistiefel und Ihr Ölzeug geschnappt und sich vom Klever Ring aus über meine grüne Wiese zum Ufer gegenüber der Kaskade aufgemacht, um dort gegen Ende einer Schauer ein kontratsreches Bild mit der Sonne im Rücken von der Kaskade zu machen, entlang der dann noch das Wasser herunterschießt, das zuvor und noch während Ihres Fotos auf die Oberstadt herunterprasselt, mmuuuuh? Dann könnten alle sehen, wie voll die Kaskade bei so Starkregenfällen tatsächlich wird und wieviel zusätzliches Wasser eventuell rechts und links davon gen Kermisdahl schießt, mmuuuuh. Laut dem Foto scheinen da schon gewaltige Wasserkräfte zu wirken, ohne das ich hier den Hydrologen mit einem hydrologischem Gutachten mimen möchte, mmuuuuh. Aber ein solcher Wasserabgang hat ja wohl offensichtlich weiter unten einen großen Teil der für die Reparatur aufgeschütteten Furt weg und einen Sedimentkegel in den Kermisdahl gespült, mmuuuuh. Also, RD, nur zu, mmuuuuh! Einer muss sich leider für ein gutes Fotos für alle Klevebloggern duschen lassen, mmuuuuh. Ich gewähre Ihnen auch ausnahmsweise freies Geleit über meine grüne Wiese und lasse Sie in Ruhe fotografieren, mmuuuuh (bei dem Regen bleibe ich sowieso lieber im Stall und beobachte von dort das Grswachstum, mmuuuh)!

     
  14. 12. Hackebreit

    Hello from down under, Mr. Schuster!
    Don’t worry! The sheet pile walls at the cascade were deepened enough. I can confirm this because, since last year, a few sheet piles of the same width have suddenly jutted out of the ground, here.
    Kind regards drom down under!

     
  15. 11. Wacker

    @6 Joseph Johann
    Eine freihändige Vergabe der Arbeiten an ein bestimmtes Unternehmen dürfte aus nachvollziehbaren Gründen für einen öffentlichen Auftraggeber nicht möglich sein. Es steht vielmehr jedem Unternehmen frei, sich an entsprechende öffentliche Ausschreibungen zu beteiligen.
    Oder wurde beschränkt ausgeschrieben (möglich, weiß ich aber nicht)?

    Aber gibt es denn überhaupt irgendwelche Anzeichen dafür, dass der derzeitige Zustand dem ausführenden Unternehmen zuzuschreiben ist? Es ist wohl zunächst davon auszugehen, dass genau das gebaut wurde, was der Bauherr geplant und bestellt hat.
    Oder wurde die Planung mit ausgeschrieben (möglich, weiß ich aber nicht)?

    Im übrigen dürften die hier an Land ausgeführten Arbeiten auch eher dem Leistungbereich von Spezialtief- und Erdbauunternehmen entsprechen als einem Wasserbaunternehmen.

     
  16. 10. KLE-Master

    Noch eine Story:

    Manfred Palmen hat seinerzeit als junger Stadtdirektor Aktivitäten am Fuß des Burgberges (bei Wein Peters) stoppen lassen, weil seine Fantasie ihn befürchten ließ, die Burg könne abrutschen! (große Presse)

    Erhebliche Probleme mit Berg und Wasser gab es auch beim Anbau des Museum Kurhauses.

     
  17. 9. KLE-Master

    Merkwürdig auch, dass sich der Deichverband noch nicht ein geschaltet hat. Der ist als Wasserverband zuständig für die Ufergestaltung nach EU-Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) für den Spoykanal, Kermisdahl und Wetering und hat den Fach-verstand für Hanggestaltung und Wasserbau. Ein Mangel an Kommunikation?

     
  18. 8. KLE-Master

    Ich habe bisher nichts von einer Berücksichtigung gehört, dass nach dem Krieg der ganze Bauschutt sowie Trümmer über die Hangkante geschoben wurden und somit den Hang destabilisierten – insbesondere unter Schwemmwasser.

    Übrigens wird die Stadt auf Sicht das Gewässer „Kermisdahl“ wieder in den ehemaligen Zustand versetzen müssen, wie es das „Verschlechterungsverbot“ nach WHG fordert.

     
  19. 7. Klaus

    @5. Stefan Schuster

    Vielen Dank für den hervorragenden und lesbaren Kommentar. Dieser nährt meine laienhafte Befürchtung, dass die obere Spundwand auf der rechten Seite eventuell nicht tief genug ausgeführt wurde und das Widerlager durch Anschüttungen von Schotter keine Wirkung hat. Ich befürchte, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zu einem weiteren Abrutschen des Hanges rechts von der unteren Spundwand kommen wird. Hoffentlich hält dann die obere rechte Spundwand.

     
  20. 6. Joseph Johann

    Der ganze Murks wäre unterblieben, hätte man sofort eine erfahrene Wasserbaufirma mit der Lösung des Problems beauftragt. Es ist nicht zu begreifen, dass der Klever Baubehörde unbekannt zu sein scheint, dass eine solche Firma in Wesel ansässig ist. Hat doch diese Firma sehr erfolgreich die Abwasserdruckleitung von Kellen nach Salmorth unter den Altrhein geführt.

     
  21. 5. Stefan Schuster

    Von der Ortsbegehung der Kaskade im Januar wusste ich nichts, sonst hätte ich als neugieriger Bürger teilgenommen und würde jetzt keinen langen Text schreiben.

    Als Dipl.Ing. der Fachrichtung Bergbau habe ich mich schon früh mit der Standfestigkeit von Böschungen beschäftigen müssen und diese auch berechnet, daher hier eine Betrachtung der Kaskadenrutschung aus bergmännischer Sicht.

    Das Problem bei Erdkörpern wie der Endmoräne: Die Eiszeitgletscher haben wie ein riesiger Caterpillar gigantische Erdmassen vor sich her geschoben, aber nicht völlig homogen durchmischt. Zwar kann die Bodenklasse als ‚überwiegend nicht-bindig‘ bezeichnet werden, es ist aber immer zu berücksichtigen, dass in dieser nicht-bindigen Umgebung kleinräumig bindige Einlagerungen existieren werden – also potentielle Schwächezonen mit erhöhtem Gleitrisiko. Wird eine Bodenprobe im Labor untersucht, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Situation schon einen Meter neben dem Ort der Stichprobenentnahme anders darstellen kann.

    Für homogene Schüttungen wie z.B. Baugrund oder künstliche Böschungen, Deiche, usw, wird zur Berechnung von Tragfähigkeit und Rutschungsgefahr die DIN 4084 genutzt. Bei inhomogenen Schüttungen wie einer Endmoräne verlieren die Berechnungsverfahren stark an Aussagekraft. Gutachten können aufs Glatteis führen. Hier ist Vorsicht und Erfahrung wichtig.

    Nun zur Kaskade. Ursache der Rutschung: Ein zwar ungewollter, aber trotzdem gezielter Wassereintrag in die Böschung (undichtes Bypass-Abflussrohr neben der gemauerten Kaskade) als Primärursache, Einfluß von Oberflächenwasser nur gering und sekundär. Der entstehende Porenwasserdruck schiebt den Hang nach außen.

    Hangrutschungen besitzen in fast allen Fällen (Ausnahme: Hochgebirge) ein typisches vorher/nachher Geländeprofil. Vorher: Relativ gleichmäßiger natürlicher Böschungswinkel über die gesamte Hanghöhe. Nun erfolgt ein Böschungsbruch, in der Praxis fast immer entlang einer bogenförmigen, nach unten gekrümmten Gleitlinie. Nachher: Im oberen Teil des Gleitbogens ist der Böschungswinkel steiler geworden, im unteren Teil des Gleitbogens flacher als vorher. Dieser Effekt war auch neben der Kaskade zu sehen.

    Nun ist schnelles Handeln gefragt, durch den neuen steileren Böschungswinkel im oberen Teil des Bruchs ist die Gefahr weiterer Rutschungen hoch. In Kleve: Im oberen, steileren Teil des Bruchs wurde sandiges Material aufgefüllt, heute ist der Böschungswinkel wieder relativ gleichmäßig, so wie vorher. Anschließend wurde die neue Böschung mit Geotextil und aufliegendem Maschendraht abgedeckt und mit langen Erdnägeln befestigt. Das ist fachmännisch.

    Die entscheidende Maßnahme sind aber die beiden Spundwände im unteren Teil des Hangs und am Böschungsfuss. Diese KÖNNEN, wenn richtig ausgeführt, größere Rutschungen wirksam verhindern. Auch sind sie kräftig genug, langsames Hangkriechen über die Jahrzehnte aufzuhalten, und sie sind meßtechnisch hervorragend überwachbar, sie versagen nicht urplötzlich.

    Sicherheitsüberlegung: Vielleicht existiert ja eine weitere potentielle Gleitfläche noch etwas tiefer im Untergrund der Kaskade, es könnte erneut zu Rutschungen kommen. Diese bogenförmige Gleitfläche könnte oben an beliebiger Höhe des Hangs anfangen und am anderen Ende bis weit in den Kermisdahl reichen.

    WENN jetzt die Spundbohlen tief genug in den Untergrund gehämmert wurden, durchschneiden diese die hypothetische Gleitfläche und verhindern somit eine Scherbewegung, eine sprunghafte Änderung der inneren Reibung. Somit hätte man eine eventuelle Aktivierung dieser Gleitfläche wirksam unterbunden.

    Ich weiß jetzt nicht wie tief die Spundbohlen tatsächlich nach unten getrieben wurden, aber ich vermute hier einfach mal, dass in der Planungsabteilung der bauausführenden Firma fähige Bodenmechaniker arbeiten, denen diese Zusammenhänge bekannt sind.

    Soweit also alles ok. Das ist fachmännisch, das ist der aktuelle Stand der Technik.

    Nun zum neuen Vorbecken und dem neu betonierten Fussweg davor. Dahinter steht die Überlegung, dass ein neues künstliches Widerlager am Böschungsfuss geschaffen wird, welches durch sein Eigengewicht weitere Rutschungen behindert. Das ist nur eine Vermutung, und im Bergbau hat sich allzu oft gezeigt, dass solche Widerlager gerne versagen. Nutzen der Maßnahme bezüglich Standsicherheit der Gesamtböschung: Gering bis kaum der Rede wert.

    Falls sich eine potentielle Gleitfäche unterhalb des neuen Widerlagers durchzieht bis ins freie Gelände hinein, dann kann sich das Widerlager plötzlich im Zentrum einer erneuten Rutschung befinden und wird problemlos von den abgehenden Erdmassen unterspült, angehoben, und weggedrückt. Solche Widerlager sind daher im Bergbau nur eine Notmaßnahme („vielleicht hilfts ja was“), wenn man nicht mehr an die Problemstellen im Hang herankommt, um dort geeignetere Maßnahmen zu ergreifen.

    Der Nutzen von Widerlagern hohen Eigengewichts am Böschungsfuss reicht bei Weitem nicht an die Wirksamkeit korrekt gesetzter Spundwände heran, und das bei relativ hohen Kosten. Aber nach dem Motto „…wenn wir schon mal mit schwerem Gerät vor Ort sind…“ kann man diese Maßnahme gelten lassen. Jedenfalls ist jetzt ein geordneter Wasserablauf gegeben, und niemand holt sich bei Regen mehr nasse Füße vor der Kaskade.

    Ab jetzt wird es absurd.

    Klever Maßnahme: Die schrägen Schotter-Anschüttungen an Spundwand-Riegeln. Diese sind sachlich nicht erforderlich, sie sind überflüssig. Am oberen Riegel sowieso, am unteren Riegel wären sie sinnvoll falls hier Wellenschlag aufträte in Verbindung mit ständigen Veränderungen des Kermisdahlpegels – was nicht der Fall ist. Für mich eine reine Angstmaßnahme, weil man doch nicht so recht den Spundwänden vertraut. Das Geld dafür hätte man sich sparen können. Bodenmechanische Wirksamkeit nahe Null. Hier wurde mit Gürtel plus Hosenträgern geplant.

    Und in der letzten Maßnahme, der dünnen Spitzbetonlage auf dem Schotter, sehe ich sogar ein Gefahrenpotential.

    Zunächst: Ich erkenne keinen Grund für den Spritzbeton. „Die Kaskade wurde bei starkem Regen immer noch seitlich unterspült“, sagte Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer laut RP-Artikel vom 28.12.2018. Eine starke Behauptung. Wo? An welcher Stelle genau? Ist die Kaskade selbst gemeint als gestufte Betonrinne mit Aufmauerung durch Ziegelsteine? In diesem Fall würde eine Schotterversiegelung weit hangabwärts nichts bringen. Gibt es Detailfotos der Unterspülungen? Ich kenne bis jetzt keine.

    Oder ist vielmehr gemeint, dass an den Rändern der Schotteraufschüttungen Material ‚verschwunden‘ ist, und wird wird dieser Schwund als Unterspülung interpretiert? Wahrscheinlich das. Eine Fehlinterpretation. Warum versiegelt z.B. die Deutsche Bundesbahn dann nicht tausende Kilometer Schotterbettungen unter ihren Gleiskörpern mit Spritzbeton, obwohl dort der Schotter direkt neben den Gleisen einen fast gleichen Böschungswinkel aufweist? Weil es nicht nötig ist, weil es sich nicht um Unterspülungen handelt.

    Hier verschwindet ganz einfach Material im weichen Kermisdahlschlamm, es handelt sich um eine Setzungsbewegung, das ist ein völlig anderer Mechanismus. Dagegen hilft keine dünne Betonkruste.

    Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Variante 1: Die Setzungsbewegung ist zum Stillstand gekommen, es sinkt kein weiterer Schotter mehr ein. In diesem Fall ist der Spritzbeton unnötig und es wurde Geld verplempert. Variante 2: Die Setzungsbewegung ist noch nicht abgeschlossen, es versinkt weiterhin Schotter im Schlamm. Die dünne Spritzbetonkruste hält erstmal. Aber darunter entstehen Bereiche ohne Schotter (der ist ja abgesackt), die jetzt nur mit Luft – und, falls unterhalb der Wasserlinie liegend, mit nicht tragfähigem hochgequollenen Schlamm – gefüllt sind. Mini-Kavernen, nur dünn überkrustet. Bei irgendeinem ahnungslosen Spaziergänger kann dann die dünne Kruste versagen und der Fuß des armen Menschen einbrechen.

    Die Spritzbetondecke MUSS daher entfernt werden, und zwar schnell – wegen der Unfallgefahr, wegen der Gefahr eines Oberflächenbruchs, nicht weil sie potthässlich ist. Auch wenn der Spritzbeton nochmals verstärkt werden sollte, selbst wenn die Zusatzschicht noch durch Moniereisen und Baustahlmatten verstärkt wird – solange die natürliche Setzungsbewegung nicht vollständig abgeklungen ist, werden unter der Kruste nicht tragfähige kleine Kavernen entstehen, nur sieht man sie dann nicht mehr.

    Es gibt bereits weiterführende Überlegungen seitens der Stadtverwaltung. Nächstes Zitat aus dem schon erwähnten RP-Artikel vom 28.12.2018: ‚So überlege die Verwaltung, ein Regenrückhaltebecken oben am Berg zu errichten und das Wasser unterirdisch kontrolliert abzulassen. „Vielleicht könnte man auch einen Bypass legen“, sagt Rauer.‘

    Ich bin jetzt schon gespannt auf eine Volumenberechnung zum erforderlichen Fassungsvermögen eines Rückhaltebeckens. Starkregen auf viele Quadratkilometer Oberstadt? Und dann das Becken ‚oben am Berg‘? Die zuführenden Kanalrohre liegen unterhalb des Niveaus der Nassauer Allee. Will man das Regenwasser etwa erst hochpumpen? Man sollte vorher berechnen, ob die Bausumme nicht besser angelegt wäre für Entsiegelungsmaßnahmen im Einzugsgebiet, zur Förderung der natürlichen Versickerung, um die Menge des in den Kermisdahl zu entsorgenden Sturzwassers zu reduzieren.

    Vielleicht ein Bypass? Der existiert doch schon, genau der ist ja vor 2 Jahren undicht geworden als er eine hohe Niederschlagsmenge bewältigen sollte, dadurch ist ja erst die Rutschung verursacht worden. Ist der etwa im Laufe der Hangsanierung nicht ertüchtigt worden? Oder wird hier über eine zweite ‚Zusatzkaskade‘ nachgedacht? Sehr nebulös. Hier fehlen Zahlen, und zwar nicht bezüglich Standsicherheit der Endmoräne, sondern bezüglich belastbarer Prognosen zu künftigen Starkregen, und bezüglich potentieller Schwachstellen in der Oberstadtentwässerung – nicht nur eine isolierte Betrachtung der Kaskade.

    Meiner Ansicht nach ist die Kaskade ausreichend dimensioniert für Starkregenereignisse. Klar, das ist eine Schätzung. Aber auch die Behauptung des Gegenteils wäre ohne Zahlen und Messungen nur eine Schätzung – mit dem Unterschied, dass diese Schätzung erhebliche Investitionen begründen soll. Wieviel m³/s kann die Klever Kanalisation maximal ableiten ohne dass in der Oberstadt Seen entstehen? Ist die Kaskade der Engpass oder die davor liegende Kanalisation? Die Hänge links und rechts der Kaskade jedenfalls waren bei bisherigen Starkregen immer standfest, solange wie auch der Bypass dicht war.

    Das Problem ist nicht der Regen direkt von oben auf die Endmoräne, dieser führt lediglich zu einem sehr langsamen Hangkriechen über die Jahrzehnte, und das nicht nur im Bereich der Kaskade, sondern über gesamte Länge des Höhenzugs. Das letzte Großereignis (ohne Bypass-Bruch) war ja 1763 auf Höhe der Luisenbrücke laut Artikel hier im Blog. Unter der Voraussetzung, dass die zuführenden Kanalrohre und der Bypass sorgfältig und regelmäßig überwacht werden, ist ein weiteres Großereignis im Bereich der Kaskade sehr unwahrscheinlich, dafür sorgen die Spundwände.

    Außerdem ist der Kaskadenbereich der meßtechnisch am besten vorbereitete Bereich der gesamten Endmoräne zwischen Donsbrüggen und Kalkar. Ich habe rund um die Kaskade nach Vermessungspunkten gesucht und eine erstaunliche Anzahl davon gefunden, von Kermisdahlhöhe bis zur Oberkante der Böschung. Früherkennung von Hangkriechen und der Kriechgeschwindigkeit ist hervorragend möglich, wenn man sich Mühe gibt. (Fun Fact: Rund um die Schwanenburg habe ich nur einen einzigen Vermessungspunkt entdeckt, und den noch nicht mal Richtung Moränenhang, sondern Richtung Marstall).

    Zum Schluß noch eine Bemerkung zur Pflasterung des Fußwegs. Das ist nur sinnvoll für die paar Meter Betonplattform. Direkt über dem Schotter wäre das keine gute Idee, egal ob mit oder ohne Spritzbetonschicht. Falls die Setzungsbewegung des Schotters noch nicht zum Stillstand gekommen sein sollte, dann wird das schöne neue Pflaster in Mitleidenschaft gezogen und wellig werden. Geeigneter wäre eine Balken- und Bretterkonstruktion über dem Schotter mit einer trittsicheren Oberfläche wie auf der Luisenbrücke, nur konstruktiv viel einfacher und billiger. Vorteil: Entkoppelung von Fußweg und Schotter, man muss nicht gegen die Natur und ihre Setzungsbewegungen ankämpfen.

    Noch mehr Gelder zu versenken für eine Beherrschung von Wetterereignissen, gegen die man gerade eben erst frisch aufgerüstet hat, halte ich für unnötig, da hat die Kommune andere Sorgen. Noch ein bisschen Aufhübschung und Kosmetik rund um die Kaskade, dann kann Ruhe einkehren.

     
  22. 4. Klaus

    @rd+schnütgen

    „– übrigens ein städtischer Auftrag, den die ausführende Baufirma nur mit Bauchschmerzen ausgeführt haben soll –“

    Die Bauchschmerzen kann man gut verstehen. Sieht es doch so aus als ob die Baufirma nicht wußte was sie dort tut. Für mich hat das den Anschein als ob die Spundwand auf der rechten Seite nicht tief genug gespundet wurde und deswegen zur Absicherung einfach noch Beton davor gekippt wurde. Auf der linken Seite hat die Spundwand ja auch ohne diese „Betonplombe“ gehalten, oder muss man sich da Sorgen für die Zukunft machen? Sind das Geröll und die Betonmengen im Kermisdahl denn jetzt endlich weggeräumt?

     
  23. 3. Dietmar Shields

    Von wann ist diese Luftaufnahme?
    Ist der Kermisdahl immer noch so abgeschnitten wie auf dem Foto oder wurde der Damm im Wasser schon wieder zurückgebaut?

     
  24. 2. Der Laie

    Die Schöpfer dieses „ästhetischen Bauwerks“ sind die gleichen, die dem Privatmann vorschreiben wollen, ob er sein Grundstück mit einem Gitterzaun mit Kunststoffgeflecht als Sichtschutz ausstatten darf.
    Wie haben es die Baumeister des Mittelalters ohne Computer geschafft ansehnliche Gebäude und Viadukte zu errichten,wo die Statik kein Hinderungsgrund für eine schöne Optik war.
    Oder liegt es daran, das die Baumeister zu ihrer Zeit noch Meister ihres Faches waren.
    Vielleicht hilft ja auch ein Gespräch mit dem Planer einer Landesgartenschau,bis jetzt dient es nur als Muster für angehende Architekten wie man es nicht machen sollte.

     
  25. 1. Niederrheinstier

    Mmuuuuuh, da ist er ja, mmmuuuh! Der Bericht über die kaskadstrophale Kaskadenreparatur, nach dem ich schon zu Jahresanfang unter der Nummer 886 im Kleveblog-Kontaktportal lautstark gemmuuuuht hatte, mmuuuuh. Danke, Frau Schnütgen, mmuuuuh!