Europa-RadBahn fertig: Richtung Westen, und dann (fast immer) geradeaus

rd | 07. Juni 2019, 19:32 | 5 Kommentare
Mit der Beschilderung hat man es manchmal etwas zu gut gemeint, aber grundsätzlich gilt: Die neue Strecke beschert Radfahrern eine weitestgehend störungsfreie Fahrt von Kleve bis kurz vor Nimwegen. Dann wird es etwas kniffliger

(Originaltext der Pressemitteilung der Stadt Kleve) Dass Radfahren in mancherlei Hinsicht die bessere Alternative im alltäglichen Verkehr zur Arbeit, zur Schule und zum Studium oder Einkauf darstellt, ist längst allen klar. Radelnde Zeitgenossen tun etwas für Körper und Seele und jeder Kilometer, den das eigene Auto stehen bleibt, schont Klima und Umwelt sowie das eigene Portemonnaie. „Mit der Idee von einer grenzüberschreitenden schnellen und komfortablen Radverbindung von Kleve über Kranenburg bis ins niederländische Nijmegen wollten die Räte der Stadt Kleve und der Gemeinde Kranenburg vor allem umstiegswilligen Pendlern eine adäquate Trasse bieten“, erklärt Bürgermeister Günter Steins.

„Schnellläufer“ in Bestzeit

Gerademal zweieinhalb Jahre hat es von der Bewilligung der Fördermittel bis zur Eröffnung der Europa-Radbahn am 7. Juni 2019 gedauert. Planungs- und Bauzeit sind damit im Vergleich zu anderen Projekten auch beim Radwegebau bemerkenswert schnell über die Bühne gegangen. Dazu waren engste Absprachen zwischen allen Beteiligten notwendig. Erfolgreich war auch das Baukonzept: „Von beiden Endpunkten auf deutscher Seite haben zwei Tiefbauunternehmen aufeinander zugebaut – diese Planung hat letztendlich die eigentliche Bauzeit halbiert und sicherte so die Eröffnung pünktlich zur laufenden Radsaison“, freut sich Bürgermeisterin Sonja Northing.

Bund und Land übernehmen den Großteil der Finanzierung

Als einer der Gewinner des Wettbewerbs „Klimaschutz durch Radverkehr“, ausgeschrieben durch das damalige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, erhält das Projekt neben der Auszeichnung eine stattliche Förderung. Überzeugt hatten die Juroren des Wettbewerbs vor allem zwei Aspekte des regionalen Radprojektes: Zum einen die Idee, gerade der rasant wachsenden Zahl von elektrisch unterstützten Pedelecs aber auch konventionellen Rädern eine gut ausgebaute und durchgängige Route anzubieten. Dadurch wird der Umstieg auf das Rad befördert und somit ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Die Vorteile neuer Technologie können so auch tatsächlich genutzt werden. Der zweite Aspekt war die grenzüberschreitende Dimension der Trasse. Diese verbindet am Ende zwei Mittelzentren und Hochschulstandorte: die deutsche Kreisstadt Kleve und das niederländische Nijmegen.

Letztendlich überzeugten auch das Land NRW diese Argumente. Von den rund 6,5 Millionen Euro Gesamtkosten übernimmt der Bund 4,3 Millionen Euro (70 Prozent Förderquote). Weitere 921.000 Euro (15 Prozent Förderquote) stammen aus Mitteln des Ministeriums für Verkehr NRW. Die beiden beteiligten Kommunen Kranenburg und Kleve stemmen die restlichen rund 1,3 Millionen Euro.

Beste elf Kilometer RadBahn für alle (Rad-)Typen

Rund 11 Kilometer misst die neue Trasse auf deutscher Seite. 4,67 Kilometer liegen dabei auf Klever Stadtgebiet, 6,45 Kilometer führen durch die Gemeinde Kranenburg. Von Bedeutung ist aber auch noch ein anderes Maß: Mit mindestens drei Metern Breite bietet die Trasse genug Raum für äußerst komfortables Vorankommen – sicheres Überholen inbegriffen.

Auch der Belag auf der Strecke macht Spaß: Ebener Asphalt bedeckt den Radweg über die gesamte Länge und bietet optimale Bedingungen. Die Europa-RadBahn lädt letztendlich alle Typen von Radfahrern zur Nutzung ein. Genehmigt ist dabei alles was auch auf herkömmlichen Radwegen erlaubt ist. E-Pedelecs und E-Bikes mit einer höheren Unterstützungsleistung als bis zu 25 Stundenkilometer und andere motorisierte Gefährte dürfen allerdings nicht auf der Europa-RadBahn fahren – sie müssen die Straßen nutzen.

Optimiertes Licht und optimale Ampelschaltungen

Auch ansonsten gelten auf der Trasse die Bedingungen der Straßenverkehrsordnung. Rechtsfahren beispielsweise ist vorgeschrieben. Dass Verkehrsschilder und Ampeln zu beachten sind, versteht sich von selbst. Allerdings haben die Planer die Ampelschaltungen entlang der Strecke so konzipiert, dass ankommenden Radler früh erkannt werden und in der Regel grünes Licht haben, wenn sie die Lichtzeichenanlage erreichen. Bei einigen Querungen – etwa an der B9 – kann es noch zu kurzen Stopps kommen. Ansonsten geht es durchgängig weiter. Es gilt das Prinzip Vorrangigkeit des Radverkehrs vor dem motorisierten Individualverkehr.

In Teilen des Stadtgebiets von Kleve und an neuralgischen Punkten ist die Strecke abends und nachts beleuchtet. Auf eine durchgehende Beleuchtung wurde allerdings bewusst verzichtet. So soll dem Artenschutz Rechnung getragen werden. Artenschutz stand auch bei der Auswahl der verwendeten Leuchten im Vordergrund – sie sind blendfrei und vermeiden weitgehend den Anflug von Insekten und Fledermäusen.

Gute Aussichten über grüne Ränder hinweg

Entlang der Trasse gibt es einiges zu sehen. Einen Höhepunkt bildet dabei sicherlich die Sichtachse auf den Forstgarten in Kleve mit Blick auf die Wasserspiele und den Kupfernen Kopf. Aber auch an anderen Stellen lohnt es sich erhobenen Hauptes zu radeln und ab und an den Blick schweifen zu lassen.

Auch die Ränder der Strecke sind beachtenswert. Sie bieten heimischen Vögeln und Insekten Schutz und Nahrung. Bei der Bepflanzung wurden z. B. durchgängig regionale und krautreiche Mischungen verwendet. Auch da, wo Nutzflächen für Lagerung und Zufahrten eine höhere Bepflanzung verhindern, wurden schmetterlings- und wildbienenfreundliche Samenmischungen aus der Region benutzt.

Draisine im Parallelverkehr

Ab und an wird beim Blick in die Landschaft eine Draisine auf Schienen durch das Bild huschen: Die alte Bahntrasse, auf der jetzt die Europa-RadBahn fertig gestellt wurde, beherbergt auch die Schienen der Draisinen, die in der Saison ein beliebtes Freizeitvergnügen bieten. Der Betrieb der Draisinenbahn parallel zur Europa-Radbahn läuft auch nach Inbetriebnahme der Radstrecke uneingeschränkt weiter.

Die Planungen haben übrigens auch eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs zwischen Kleve und den Niederlanden berücksichtigt. Der Bau der Europa-RadBahn beeinträchtigt solche Überlegungen in keiner Weise.

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5 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 5. Jack_30

    Da wird ein Radschnellweg gebaut für über Sechs Millionen Euro, der dann von schnellen Rädern nicht benutzt werden darf. So wird das nix mit der Mobilitätswende in Deutschland. Die Niederlande sind da, wie immer schon einen Schritt voraus. Dort hat man erkannt, das S-Pedelec, Pedelec und Biobikes sehr wohl zusammen auf einen guten Radweg auskommen und entsprechend eine Vmax von 30km/h für S-Peds auf Radwegen festgelegt. Wer schneller fahren möchte, muss auf die Straße. Ich fahre seit drei Jahren ein S-Pedelec und nutze selbstverständlich außerorts die gesamte Radinfrastruktur. Welche ich außerhalb der normalen Pendlerzeiten übrigens zu 99,9 % alleine benutze.
    Und sollte mir auf dem Radschnellweg mal jemand entgegen kommen, ist es kein Problem, die Geschwindigkeit auf unter 15km/h zu drosseln. Es ist nämlich keineswegs so, das S-Peds sofort und ausschließlich mit 45 Stundenkilometern bewegt werden müssen. Die meisten Modelle erreichen die Geschwindigkeit ja nicht einmal.

     
  2. 4. Joseph Johann

    Hoffen wir mal, dass die Truppen rücksichtsloser, selbsternannter “Rennfahrer” nicht für Unfrieden und Unfälle sorgen.

     
  3. 3. Niederrheinstier

    Mmmuuuh, wie viele Klevende – gendertechnisch korrekte Bezeichnung für der, die, das Klever, mmuuuh??? –
    mögen Verlautbarungen der Stadt Kleve wie der am Ende Glauben schenken, mmuuuuh?
    “Die Planungen haben übrigens auch eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs zwischen Kleve und den Niederlanden berücksichtigt. Der Bau der Europa-RadBahn beeinträchtigt solche Überlegungen in KEINER Weise.”
    50%, 40% oder nur 25% der Klevenden, mmuuuuh? Macht nix, mmuuuuh! Auch mit 25% seligen Einwohnenden wäre Kleve wohl die unangefochte Nummer 1 in der Rangliste der Städte mit Seligen, mmuuuuh!
    Und wie viele EUR werden die Stadt Kleve und die Gemeinde Kranenburg dann dereinst noch zuschiessen können, wenn tatsächlich wieder Züge auf der ihnen gehörenden Infrastruktur verkehren sollten, mmuuuuh. Auch EUR 1,3 Mio, mmuuuuh??? Plus mal eben die EUR 10 Mio von der Stadt Kleve für die verschwundene Brücke, mmuuuuh? Niederrheinstier wird sehen, mmuuuuh!
    PS:
    (Einer) Der nächste(n) Wiederbelebungskurs(e des DRK mit freien Plätzen) findet übrigend schon am 15.06.19 in Geldern statt…, mmuuuuh!

     
  4. 2. Guenther Hoffmann

    Einer dieser Batterie geladenen Kamikaze Senioren knallte mir letzten Sonntag,genau an der Stelle,volles Rohr, ohne das Stopp Schild zu beachten über die Bundesstraße und beinahe ins Auto.

     
  5. 1. MIchael Bay

    wir sind heute vor der eigentlichen Sternfahrt einfachkurz bis G-beek gefahren; sehr gut ausgebauter Weg; tatsächliche Präferenz für die Radfahrer,zumindest bis nach Kranenburg.
    Eine sehr gute Alternative zur Fahrt mit dem Auto.