Eine fünfte Kolonne in Kleve (Vortrag)

rd | 27. November 2019, 16:19 | 9 Kommentare

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Ab dem 17. September 1944 wurde der nördliche Teil des unteren Niederrheins für längere Zeit zur Frontzone, die Bevölkerung war von da an der Kriegsgewalt ausgesetzt. Angriffe von Jagdbombern waren im Herbst 1944 an der Tagesordnung, die Städte Emmerich und Kleve wurden bei großen Luftangriffen weitgehend zerstört.

Ab Februar 1945 startete eine Reihe von Offensiven, mit denen die Alliierten bei Wesel und Rees den Rhein überqueren wollten. Dabei wurde das Klever Land zum Schauplatz von heftigen Kampfhandlungen. Die noch verbliebene Zivilbevölkerung wurde von den Alliierten auf dem Gelände der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau interniert. Die letzten Personen verließen das Gelände erst am 21. April 1945.

Das Kriegsgeschehen im Zeitraum Herbst 1944/Frühjahr 1945 war indes keine Naturkatastrophe, die urplötzlich über die Region hereinbrach. Es hatte eine Vorgeschichte und auch Folgen, die sich bis heute auswirken. Damit beschäftigt sich eine Vortragsreihe des Klevischen Vereins, die um zwei Führungen ergänzt wird. Die Veranstaltungen dienen dazu, den historischen Kontext der Ereignisse zu schildern und zu verstehen. Wie hat es soweit kommen können? Welche Rolle spielte bei der Invasion in die westlichen Nachbarländer das Klever Land als Grenzzone? Wie wurde die Zeit von Krieg und Diktatur nachher verarbeitet? Und welche Spuren sind bis heute vorhanden?

Die Reihe startet mit dem Vortrag „Eine fünfte Kolonne in Kleve, Frühling 1940“. Referent ist Drs. Jan Brauer (Nimwegen), ein Historiker aus den Niederlanden, der an einer Dissertation zur deutsch-niederländischen Grenzregion während der NS-Zeit arbeitet. In seinem Vortrag geht es um die Invasion des Deutschen Reichs in in die westlichen Nachbarländer Niederlande, Belgien und Luxemburg. Es ist eine bekannte Tatsache, dass in der Klever Grenzregion am Vorabend der Invasion eine große deutsche Truppenmacht zusammengezogen worden war. Weniger bekannt ist hingegen, dass Kleve damals auch die Basis für Dutzende von niederländischen NS-Sympathisanten, Verschwörern und Spionen war. Der Vortrag bietet einen Einblick in die Vernetzungen dieser Leute seit 1933 und rekonstruiert ihre Rolle als Kollaborateure bei der Invasion der deutschen Wehrmacht in die Niederlande.

Termin: Freitag, 29. November 2019, 18.00 Uhr Ort: Hochschule Rhein-Waal, Campus Kleve, Hörsaal 2 (01 01 002). Der Eintritt zu diesem und den weiteren Vorträgen ist kostenlos. Gleiches gilt für die Teilnahme an den beiden Führungen, mit Ausnahme eventueller Bewirtungskosten.

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9 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. Guenther Hoffmann

    Mir bekannte Niederländer damals in Kleve , (nicht wenige ) so genannte NSB ers , NAZIS die ausgebürgert und denen die Niederländische Staatsangehörigkeit genommen wurde ,Wehrmacht oder SS Angehörige u.ä., waren dann lange Staatenlos wie auch ihre Kinder ( grausames Spiel für die Kinder ) mit denen wir i.d. Schule waren die erst i.d. 60 ziger Jahren “Deutsch” wurden.🤔 Über ” fette” Klever Nazis von denen evtl. heute noch Nachkommen gut leben 🤫 liegt der Mantel des Schweigens ,es gab ja plötzlich keine 🙄 😂 🍻

     
  2. 2. jean baptiste

    @1. Guenther Hoffmann
    meine Meinung zu dem Thema ist recht deutlich, der NSB hat viele Leben auf dem Gewissen, war vergleichbar mit der Stasi, aber wahrscheinlich noch weit schlimmer.
    Die, die den Niederlanden entflohen waren waren bestimmt nicht die Harmlosesten, viele waren zu hohen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt und versuchten so ihrem Schicksal zu entfliehen.
    Auf jedenfall waren sie Kollaborateure und wären in anderen Ländern standrechtlich erschossen worden.

     
  3. 3. Chewgum

    @1 GH Danke für Ihr Statement. Damit die Kirche im Dorf bleibt.

    Ergänzung (aus Wikipedia zusammengefasst): Die NSB (Nationaal-Socialistische Beweging) war von 1931-1945 eine faschistische, dann nationalsozialistische Partei in den Niederlanden. Nach der Invasion der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht war sie die einzige noch (von den Deutschen) erlaubte Partei. Zuerst wollte die NSB die Invasoren nicht unterstützen. Dann bildete sich ab 09/1940 innerhalb der NSB die ‘Niederländische SS’ als Teil der ‘Germanischen SS’ ( Sammelbezeichnung für alle SS-Einheiten, die zwischen 1939 und 1945 in den von Deutschland besetzten germanischsprachigen Staaten und Regionen entstanden waren). Mit zunehmend brutalem Treiben der deutschen Besatzungsmacht in Holland verlor die NSB aber an Unterstützung. Die Radikalen der NSB um den ‘Führer’ der ‘Niederländischen SS’ kollaborierten schließlich vollständig mit den Deutschen. Bei Anrücken der Alliierten im September 1944 setzten sich viele von ihnen ins Deutsche Reich ab. NSB-Gründer Mussert wurde 1946 in den Niederlanden hingerichtet.

     
  4. 4. jean baptiste

    in Vorbereitung empfehle ich unbedingt die 3 youtube-Filme
    https://www.youtube.com/watch?v=b-pV4PxTVqs&list=PLOqqnYtG3PI4EzzBITEVyggnPTC0Izrlx&index=2 mit sehr viel Material über Kleve,
    aber auch die Folgen 1 und 3 sind sehr zu empfehlen.

    https://www.youtube.com/watch?v=pn7LHx6fVSA&list=PLOqqnYtG3PI4EzzBITEVyggnPTC0Izrlx&index=1
    https://www.youtube.com/watch?v=S4N48Vyj_0A&list=PLOqqnYtG3PI4EzzBITEVyggnPTC0Izrlx&index=3

     
  5. 5. Guenther Hoffmann

    2.) J.B. Nur mal so, die DDR STASI 🤔 Diese absolut effektivste,erfolgreichste, perverseste, absolut Menschen verachtende politische Verbrecherbande die sich aus allen “Geheimdiensten” Gehlen ,Gestapo ,NS SD und Sovjet
    NKDW das “feinste” einverleibt hatte die sie in dieser “Branche” ganz lange Zeit unerreicht und einmalig machten ,die sicher Wladimir P. vom Lehrling zum Profi machten . Wo sind sie wohl alle geblieben ? 😂 🤔 🍻

     
  6. 6. jean baptiste

    @5. Guenther Hoffmann

    stimme ich ihnen völlig zu, aber wir sind auch 75 Jahre (oder im Fall der damaligen Stasi 30 bis 40 Jahre) weiter, und die Informationsmöglichkeiten haben sich auch drastisch weiterentwickelt.

     
  7. 7. Joseph Johann

    Erlebnis: 1950 musste ich einen Besuch bei einem älteren Herrn machen. Er hatte zur Nazizeit die immer größte Armbinde mit dem Hakenkreuz. Auch wurde er nicht müde, den Anforderungen der damals Mächtigen zu folgen. Das habe ich alles erst später erfahren. Bei meinem Besuch lag auf seinem Schreibtisch eine große Schreibmappe mit sehr großem und deutlichem Zeichen SPD! Er erklärte mir, dass sei jetzt die richtige Partei und die habe das Sagen. So waren auch die Wendehälse in Mitteldeutschland nach dem Fall der Mauer.

     
  8. 8. Schlips

    @jean Baptiste: ich weiß ja nicht, ob’s nur bei mir so ist, aber die youtube- Videos laufen nicht😭

     
  9. 9. jean baptiste

    @8. Schlips
    also, bei mir läufts einwandfrei.
    Aber versuchen Sie sonst einfach mal die Googlesuche “youtube krieg am niederrhein”
    Wenns dann immer noch nicht läuft wird es wohl bei Ihnen liegen.