Bürgermeister-Rennen: Gebing tritt gegen Northing an, Rütter ebenfalls

Zweiter Versuch: Wolfgang Gebing (CDU) strebt das höchste Amt der Stadt an (Foto: CDU)
Der Schaum des alkoholfreien Weizenbiers, welches Wolfgang Spreen genoss, war bereits in sich zusammengefallen, als der links von ihm sitzende Udo Janssen die Arme freudestrahlend nach oben riss. Dem Kontrahenten Wolfgang Gebing war das Lachen vergangen: Foto von Olaf Plotke aus dem Jahre 2014

Vor genau 1820 Tagen erlebte Wolfgang Gebing an gleicher Stelle den schwärzesten Tag seiner politischen Laufbahn. Das Foto, das der Journalist Olaf Plotke an diesem Abend nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Kolpinghaus schoss, hat mittlerweile ikonischen Wert: Es zeigt einen Udo Janssen, neben Theo Brauer und Wolfgang Spreen sitzend, wie er freudestrahlend die Arme hochreißt, während auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches ein verdrießlich dreinschauender Wolfgang Gebing den Schmerz der Niederlage durchleidet. Im Handstreich hatte Janssen seine Ansprüche angemeldet und wurde bei der Sitzung mit 78:76 Stimmen zum Spitzenkandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl gekürt.

Wie die Sache ausging, ist bekannt. Und wer ernsthaft Politik betreibt, weiß, dass das Gewerbe zu einem Großteil auch daraus besteht, Kränkungen wegzustecken und unbeirrt weiterzumachen.

Was dem Rechtsanwalt und Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion Wolfgang Gebing nun, fünf Jahre später, die Chance beschert, ein zweites Mal ins Rennen um das Bürgermeisteramt zu gehen und den Versuch zu starten, das Rathaus der Kreisstadt für die Christdemokraten zurückzuerobern.

Daniel Rütter (FDP) tritt ebenfalls zur Bürgermeisterwahl an

Gut achtzig Prozent der anwesenden CDU-Mitglieder stimmten für Gebing, ein Ergebnis, das zutreffenderweise als „ehrlich“ charakterisiert wurde. Er hat nicht nur Anhänger, aber andererseits sind 80 Prozent schon mal eine ganz andere Startbasis als 50 Prozent (zumal, wenn die andere Hälfte vergrätzt ist). So gesehen, also schon einmal eine gute Basis. Günstig für Gebing dürfte auch der Umstand sein, dass die Front aus zwei Parteien (SPD, FDP) und einer Wählervereinigung (Offene Klever), die vor fünf Jahren Sonja Northing aufs Schild gehoben hatte, zerbröselt ist. Nur noch die SPD hält zu Northing, und selbst da muckte zumindest einer (Michael Kumbrink) auf, doch dessen Versuch einer Kandidatur bügelte die Mitgliederversammlung schnell ab.

Andererseits ist Sonja Northing Amtsinhaberin, was ihr im Wahlvolk sicherlich einen Bonus bescheren wird. Tendenziell für Northing spricht auch der Umstand, dass es keine Stichwahl mehr geben wird – je mehr Konkurrenten sich gegenseitig das Wasser abgraben, desto geringer ist die Zahl der Stimmen, die nötig ist, um gewählt zu werden. Und drei Bewerber gibt es mittlerweile schon: Daniel Rütter wurde Anfang der Woche vom Ortsvorstand sder FDP als Bürgermeisterkandidat nominiert. Rütter arbeitet derzeit als Referent des FDP-Landtagsabgeordneten Stephan Haupt in Düsseldorf. Bei drei Kandidaten – so viele sind es zurzeit – reichen theoretisch schon 34 Prozent; Northing zog 2015 mit 64,5 Prozent der Stimmen ins Amt.

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16 Kommentare

  1. 16

    @14. Willi Winzig
    Es geht mir nicht darum, das Geld für ein Abo zu sparen. Bei einer Zeitung kriege ich Informationen zu einem bestimmten Thema dann vorgesetzt, wenn sich etwas ereignet hat oder die Redaktion meint, dass es passend ist über ein bestimmtes Thema zu berichten. Durch das Internet sind die meisten Menschen daran gewöhnt, dass Informationen zu allen möglichen Themen jederzeit verfügbar sind. Und das ist der entscheidende Unterschied zu einer Zeitung. Es kann sein, dass ein Artikel den Leser interessiert, nicht interessiert oder noch nicht interessiert. Die Zeitung (in Papierform) ist längst weg, wenn einem einfällt das da ein bestimmter Artikel war, der damals noch nicht, aber jetzt interessant ist. Aber Sie haben recht, vielleicht sollte ich mir trotzdem mal ein Zeitungsabonnement (in Papierform) zulegen, denn solche Leute wie ich sind letztlich dafür verantwortlich, dass Zeitungen verschwinden.

     
  2. 15

    @willi winzig Es wird aber anders kommen, weil das Erlösmodell weggebrochen ist. Gedruckte Tageszeitungen werden über kurz oder lang (leider) verschwinden, die Ãœbertragung ins Netz funktioniert nicht, weil die Abgeschlossenheit des Produkts (das Alleinstellungsmerkmal) nicht mehr erkennbar ist und das Paywall-Reichweiten-Dilemma außer bei globalen Marken (NYT) nicht auflösbar ist. Also die hochbezahlte Redaktion schreibt für eine Kleinstgruppe von zahlenden Lesern und bietet im Großen und Ganzen Informationen, die hier und anderswo kostenlos zu haben sind – wie lange mag das noch gutgehen?

     
  3. 14

    Wenn man wirklich Interesse daran hat was in der Heimatstadt passiert, kommt man nachwievor um die Lokalberichterstattung in den Zeitungen nicht herum. Mir ist das dann auch ein Zeitungsabo wert.
    Kleveblog ist sicherlich eine sehr schöne Ergänzung für eine kleine Zielgruppe. Es ist aber kein Ersatz für die Arbeit ganzer Lokalredaktionen, deren Redakteure nunmal irgendwie bezahlt werden müssen.

    Sofern man ein gesteigertes Informationsbedürfnis hat, sind auf den Seiten der Stadt Kleve zudem alle Protokolle sämtlicher Rats- und Ausschusssitzungen kostenlos einsehbar.

     
  4. 13

    @12. Willi Winzig
    Mag sein, dass Sie als Leser von regionalen Printmedien bzw. als Abonnent eines entsprechenden digitalen Abos ab und zu mal einen Artikel lesen in dem die Ansichten von Herrn Gebing, Herrn Rütter oder Frau Northing zu kommunalpolitisch relevanten Themen zum besten gegeben werden. Das bisschen, was eine Suchmaschine anzeigt, reicht nicht, um einen Eindruck z.B. von Herrn Gebing zu bekommen. Für jeden zugänglich ist dagegen der Kleveblog ohne Registrierung/Einloggen. Und über die Kommentare kann sich eine Diskussion zu einem Thema entwickeln. Wenn sich auch mal unsere Kommunalpolitiker an solchen Diskussionen im Kleveblog sofern sie den kommunalpolitisch relevant sind beteiligen würden, bestünde die Möglichkeit von diesen Personen mehr als nur einen oberflächlichen Eindruck zu bekommen.

     
  5. 11

    @10. Willi Winzig

    Beispiel Ausbeute für Wolfgang Gebing bei Google:
    https://www.google.de/search?q=wolfgang+gebing&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari#ip=1

    Auswahl aus der Google-Suche:

    https://rp-online.de/nrw/staedte/kleve/kleve-wolfgang-gebing-cdu-will-buergermeister-werden_aid-45053809

    https://www.google.de/amp/s/www.nrz.de/staedte/kleve-und-umland/wolfgang-gebing-plant-in-kleve-buergermeister-zu-werden-id226769357.html%3fservice=amp

    https://www.nrz.de/staedte/kleve-und-umland/wolfgang-gebing-kandidiert-als-stadtchef-in-kleve-id227878713.html?service=amp

    https://www.google.de/amp/s/www.waz.de/staedte/kleve-und-umland/wolfgang-gebing-kandidiert-als-stadtchef-in-kleve-id227878713.html%3fservice=amp

    https://www.lokalkompass.de/tag/wolfgang-gebing

    https://www.google.de/amp/s/www.ikz-online.de/staedte/kleve-und-umland/wolfgang-gebing-plant-in-kleve-buergermeister-zu-werden-id226769357.html%3fservice=amp

    Beeindruckend

     
  6. 10

    @Politix
    Was hält sie davon ab?
    Sowohl von Herrn Gebing, aber auch von Herrn Rütter, konnte man in der Vergangenheit, aber auch jüngst wieder wie zB zum Thema Realschule, einiges zu deren Positionen und Meinungen lesen.

     
  7. 8

    @7. Politix

    Was ist besser? Paukenschlag-Zeilen, die nicht gut ankommen, oder wenige, aber leise ……….

     
  8. 7

    Scheint kein interessantes Thema zu sein. Da hat Frau Northing mit ihrer Weihnachtsbotschaft unbeabsichtigt mehr Klever erreicht.
    @Gebing, Rütter Pech gehabt

     
  9. 5

    Die Bewerber und die Bewerberin für das Bürgermeisteramt sind offensichtlich nicht bereit mit Wählerinnen und Wählern das Gespräch außerhalb herkömmlicher sozialer Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram oder ihrer eigenen Bürgersprechstunden zu suchen. Entweder muss ich Facebook und Co. nutzen, was ich aus guten Gründen nicht möchte oder ich muss zur Bürgersprechstunde der jeweiligen Partei (sofern vorhanden) gehen, was auch nicht jedermanns Sache ist. Eine Diskussion in einem Rahmen ohne Heimvorteil wie es der Kleveblog wäre ist für die nach dem Bürgermeisteramt strebenden Personen anscheinend außerhalb des Machbaren. Was fürchten Sie?

     
  10. 3

    Herr Gebing wird seinen Erfolg erringen, wenn er einige hochnäsige Parteikollegen einfängt und an die Sacharbeit bringt.

     
  11. 2

    Tendenziell für Gebing spricht der Umstand, dass bei der 2015 gleichzeitig stattfindenden Landratswahl CDU-Kandidat in Kleve 53% erreicht hat während der Kandidat für das Bürgermeisteramt am selben Tag nur 25% erreicht hat.

    Die vergrätzte Hälfte der potentiellen CDU-Wähler hat sich damals ganz klar gegen den Handstreichkandidiaten ausgesprochen. Das dürfte dieses Mal wohl nicht mehr passieren.

    Ich wage mal jetzt schon eine Prognose und behaupte, dass Gebing mindestens 84% von 53% also 44,5% erreichnen wird. Spannend wird noch die Entscheidung der Klever Grünen; vielleicht zaubern die ja noch eine Annalena oder einen Robert aus dem Hut. Damit würden sie der Bürgermeisterin aber vermutlich eher in die Karten spielen. Aber ob Sie das Risiko eingehen wollen?

     
  12. 1

    Es wäre interessant zu wissen, wie viele, wofür und in welcher finanziellen Höhe, Beraterverträge von der Stadtverwaltung Kleve, seit der letzten Wahl, abgeschlossen und erfüllt wurden.