„Artefakt der Wendehammerkultur“: Klever Bürger wollen Bebauung am Bresserberg verhindern, fordern „grünes Tor zur Stadt“

rd | 22. Juni 2020, 11:59 | 14 Kommentare

Noch bis zum 31. Juli hat die Stadt Kleve den Plan zur Bebauung des Areals, auf dem sich früher Tennishalle und Tennisplätze befanden, zur Einsichtnahme ausliegen. Die Anwohner sind, mit einem Wort, entsetzt und befürchten, dass das Projekt der Einfamilienhausbebauung in bester (klimasicherer) Lage im Rat der Stadt „durchgewunken“ wird. Eine Initiative von Anwohnern nimmt dazu wie folgt Stellung:

Bebauungsplan Königsallee / Friedhof Merowinger Straße Dort befindet sich eine Wiese von ca. 1 ha, Größe, entstanden durch Nicht-Nutzung des Terrains ehemalig Tennishalle und der Tennisplätze. Der 2. Bebauungsplan zu diesem Thema ist jetzt vom 22.06. bis 31.07.2020 offen gelegt worden. Es steht zu befürchten, dass er demnächst im Rat Kleve durchgewinkt wird, wohl einzig gegen die Stimme der Offenen Klever, gewiss aber gegen die Meinung der Anwohner. Die Verwaltung will an dieser Stelle ca. 20 Einfamilienhäuser in einem neuerlichen Artefakt der Wendehammer-Kultur unterbringen.Von welcher Seite man sich auch nach Kleve hineinbewegt, sieht man Einzelhaus-Bebauung.. Kleve ist voll mit Einfamilienhäusern, wahrscheinlich mehr als 80 % der Grundfläche für Wohnbebauung im Klever Stadtgebiet. Daten hierzu fehlen. In den ,Vororten’ Bedburg-Hau, Donsbrüggen, Nütterden und Kranenburg wohl mehr als 90 %. In Kleve herrscht kein Mangel in diesem Segment, sondern im Bereich von Mietwohnungen bis 8 € /Quadratmeter. In dem Schreiben der Verwaltung zur Offenlegung steht zum Verfahrensstand – nach der Erwähnung eines Auftrags-Gutachtens und Stellungnahmen von anderen Behörden – unter Punkt ,Stellungnahmen und Eingaben aus der Öffentlichkeit’ nur folgendes: ,Wegnahme der einzigen frei zugänglichen Grünfläche in fußläufiger Umgebung, Bedeutung von Grünflächen in einer Stadt (Vögel ..Insekten .. Bienen).’ Es wird hiermit der Eindruck erweckt, als hätten die Anwohner lediglich allgemein-ökologische Bedenken, sozusagen zeitgemäß-harmlos. In der Tat wurden bereits vor Ausrufung des Klima-Notstands in Kleve in den Einwendungen der Anwohner zur Ablehnung der Bebauung Königsallee/Merowingerstr. die Biotop-Qualitäten dieses einzigen nicht eingezäunten Wiesenstreifens in der Umgegend hervorgehoben. Und es wurden Argumente ganz anderer Art vorgebracht: ungünstige Verkehrsanbindung, gefährliche Kurve im Anstieg zur Endmoräne, Notwendigkeit der Parkplätze für die Bringe- und Abholaktivitäten an der Marienschule. Vor allem sei aber daran erinnert, dass bereits in der Vor-Friday-for-Future-Ära, nämlich im Herbst 2018, die Anwohner mit ca. 250 Einwendungen und Unterschriften gefordert haben:1. Keine Bebauung zwischen Bresserbergstr., Wendehammer und Königsallee oberhalb des Friedhofs!2. Ausgestaltung der Grünfläche ab Jugendherberge bis Wendehammer Bresserbergstr. zu einem ,Grünen Tor zur Stadt’.“

Unterzeichnet haben das Schreiben die Anwohner Bernhard Fluck, Marlene und Klaus Müller, Inge und Ulrich Kiwus sowie Wolfgang Roesch.

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14 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. Joseph Johann

    Bebauung beseitigt ein Hundeklo. Besser ist eine parkähnliche Grünanlage, die von USK ordentlich gepflegt wird. Die Aussicht auf die Stadt ist nicht zu verachten.

     
  2. 2. Lohengräm

    >auf dem sich früher Tennishalle und Tennisplätze befanden

    ????

    Wo sind die denn hin?

    Von welchem Verein waren/sind die eigentlich?

     
  3. 3. Lohengräm

    >Von welcher Seite man sich auch nach Kleve hineinbewegt, sieht man Einzelhaus-Bebauung.. Kleve ist voll mit Einfamilienhäusern, wahrscheinlich mehr als 80 % der Grundfläche für Wohnbebauung im Klever Stadtgebiet.

    Seid doch froh dass Kleve so aussieht und keine Plattenbauten die Landschaft verschandeln. Ich kenne unschönere Städte.
    Grösstenteils sind die EFH’s wirklich nicht hässlich. (Ich wünschte mir würde eines der Villenhäsuer am Bresserberg gehören.)

    Und warum wollen ausgerechnet die Besitzer von bereits gebauten EHF’s (da war vorher auch Wiese!) jetzt verhindern, dass andere auch das Recht und die Möglichkeit haben, sich ein Haus zu bauen?

    Früher waren es “nur” Banhlinien, Strassen und Windräder die nach dem St. Floriansprinzip verhindert wurden.

    Jetzt sind es im “christlichen” Kleve die eigenen nächsten Brüder und Schwestern deren Glück und Zukunft es zu verhindern gilt.

    (Was sollte ausserdem sonst dahin auf die Wiese?)

     
  4. 4. Joseph Johann

    Wenn es denn unbedingt Bebauung sein muss, dann bitte kein Repco 08/15. Wie wäre es mit 2 oder 3 Villen im Bauhausstil mit entsprechendem Umfeld? Die restlichen qm gärtnerisch gestalten.

     
  5. 5. RKH

    @4:
    “Wenn es denn unbedingt Bebauung sein muss, dann bitte kein Repco 08/15. Wie wäre es mit 2 oder 3 Villen im Bauhausstil mit entsprechendem Umfeld? Die restlichen qm gärtnerisch gestalten.”
    Auch jenseits von “Villen”, gibt es ein Bedürfnis in der einfachen Bevölkerung ein Dach über dem Kopf zu haben. Wenn hier alle ein Einfamilienhaus hätten, gäb es weder Reichswald noch Düffel hier. Nur mit Kirschlorbeer eingehauste Terrassen mit ein bisschen Vielschnittrasen. Dat kann Bauhaus dann au nich mehr rausreissen

     
  6. 6. Lohengräm

    Wenn man so durch Kleve fährt und die schönen Häuser sieht (die ja oft schon in den 80ern errichtet wurden und kein stückweit alt aussehen, sondern modern und gebaut wie für die Ewigkeit), da kam und kommt bei mir immer die Frage auf:

    Wer kann und konnte sich diese Hütten eigentlich leisten bei dem angeblich so “strukturschwachen” Kleve ?

    So viele Richter, Staatsanwälte, Professoren, Notare, Steuerberater, Ärtze und Geschäftsführer kann es in Kleve gar nicht geben wie dort Prachtbauten auf dem Bresserberg und in Materborn stehen.

     
  7. 7. Joseph Johann

    5 u. 6 : Was spricht gegen ansehnliche Bauten. Sind Ihnen Repco Klotzbauten oder Plattenbauten lieber. Eine Stadt wie Kleve braucht ansehnliche Bereiche. Dazu gehören entsprechende Bauten.

     
  8. 8. Lohengräm

    @7: Absolute Zustimmung 🙂

    (wobei auch die “Schuhkarton”-Reihenhäuser der neuesten Generation durchaus schön gemacht sein können).

    Es ist wirklich eine Verständnisfrage: Die teilweise sehr aufwendigen und nicht aus dem Katalog stammenden EFH-Beispiele kosten ja eine ziemliche Stange Geld, das nach meiner Einschätzung ein Durchschnittsakademiker nicht ohne weiteres aufbringen kann.

    Wo also kommt diese vergleichsweise betuchte Klientel her und wie kann/konnte man in Kleve dieses Geld verdienen?

     
  9. 9. HP.Lecker

    Was versteht man den landläufig unter bzw hinter dem Begriff der “ansehnlichen Bauten”?

    Gut gemachter internationaler Stil kann ebenso ansehnlich sein wie Dessauer Bauhaus.

    Ich habe mich da anders entschieden, als ich mich in Kleve niedergelassen habe. Es entstand ein Holzhaus in Massivbauweise (!) und einer Fassade aus Holzdämmplatten und Riemchen. Soviel kurz zu Konstruktion (weil in Kleve ja auch derzeit über Holz als Baustoff zukünftiger öffentlicher Bauten im Gespräch ist). Es wurde eine kleine Baulücke geschlossen – Das Grundstück ist 11.00 Meter schmal. Die Nachbarbebauung besteht aus großformatigen zweigeschossigen 2-3-Familienhäusern aus den endenden Sechszigern. Entstanden ist ein zweigeschossiges giebelständiges Wohnhaus, dass eklektisch die alten Baustile der Region in sich vereint. Eine Vielzahl an passierenden Leuten haben mir erklärt, dass das Haus schön sei und sich von dem, was so gebaut wird, abhebe. Dass es sich im Kern um ein Holzmassivhaus handelt, war für keinen erkennbar, nur diejenigen, die die Bauzeit beobachtet haben. Ich nenne hier jetzt öffentlich nicht den Standort. Ach ja, Martin Fingerhut gehörte auch zu einen dieser Passanten.

    Ich finde eine Bebauung auf dem hier diskutierten Areal sollte sehr sensibel geplant werden. Es sollte ein Musterstück werden, das auch Raum für Grünflächen lässt und bestenfalls auch Gründächer bekommt.

    Ich war neulich ganz in der Nähe zu Besuch und man erzählte mir, dass all diese Häuser, die ich in der Nachbarschaft sehen würde, zu Zeiten, als die Besuchten noch Kinder waren, noch nicht da waren. Das Haus, dass ich dort besuchte war also eins der ältesten dort. Alle diese Leute, die später dort nach und nach ihre Häuser dort gebaut haben, versiegelten Natur- und landwirtschaftliche Fläche. Ich bin nicht gegen eine Bebauung, aber sollte die Messlatte hoch angelegt werden. Vielleicht gibt es dann später auch dort Passanten, die es dort schön und ansehnlich finden.

     
  10. 10. jean-baptiste

    @6. und 8. Lohengräm “nach meiner Einschätzung ein Durchschnittsakademiker”
    Ich glaube, Sie gehen von völlig falschen Voraussetzungenaus.
    In den 1960er Jahren war es für jeden Lehrer, selbst Volksschullehre r(die erheblich weniger verdienten als ein Gymnasial-oder Realschul- Lehrer) selbstverständlich, sein eigenes EFH zu bauen.
    Ausserdem, auf ein ganzes Leben gerechnet, machte sich das auch durch die ersparten Mietzahlungen, Bau- Kindergeld und staatliche Leistungen bezahlt.
    Eigenleistung, Familien- Freundes- und Nachbarschaftshilfe und ein angesparter Bausparvertrag machten es möglich.
    Gleiches gilt auch für viele Angestellte- Handwerker und Arbeiter aus den vielfältig vorhandenen Gewerbebetrieben (Schuhfabriken, Union- und XOX etc pp) und auch die Baugrundstücke waren ja noch bezahlbar.

     
  11. 11. Lohengräm

    @10 Da ist sicherlich was dran. Aber auch in den 80ern waren die Prachtvillen schon recht teuer. Reihenhäuser, das kann ich mir schon vorstellen, dass die in Kleve vglweise günstig waren.

    Heute ist das aber anders. Da muss man schon gut betucht sien um ein Reihenhaus zu erwerben. Mag als Doppelverdiener schon gehen, jedoch fällt eben auf, dass in Kleve viele EFH’s stehen und weniger zur Miete gewohnt wird. Das liesse doch eigentlich auf eine relativ vermögende Bürgerschaft schliessen. Aber wo verdient die in Kleve ihr Geld?

     
  12. 12. Martin Fingerhut persönlich

    @ 9. HP.Lecker :
    Ja, Herr Plecker, Ihr Haus gefällt mir ausgesprochen gut.
    ( auf jeden Fall von außen, denn von innen kenne ich es ja nicht. )
    Neulich, als wir uns dort begegneten, war ich nicht “nur” ein Passant,
    dem es so “passiert”, dort entlang zu kommen.
    Eine meiner Schwestern ist nach mehreren JahrZehnten des beruflichen Einsatzes in anderen Teilen der BRD
    nun wieder an den NiederRijn zurückGekehrt
    und ich zeige ihr nach und nach, wie sich Kleve in dieser Zeit entwickelt hat.
    Dabei habe ich sie ganz gezielt zu Ihrem Haus geführt, weil ich es so gut finde.

    Für die Fläche, um die es hier geht,
    ist es allerdings völlig danebenSächlich,
    welche Häuser mir gefallen.
    HIER geht es NICHT um BauHaus, HolzHaus oder NochAndersHaus !
    Für mich kommt hier allein KEIN Haus in Frage.

    Wer die Stadt ausschließlich per Blick auf die B-Pläne erlebt,
    der kann meinen, für die Gegend gebe es doch reichlich GrünFlächen.
    Schließlich liege diese Wiese direkt neben einem gut 10mal so großen FriedHof.

    Doch wer den FriedHof durchWandert und schließlich auf der Wiese steht,
    der erlebt den Unterschied :
    Der FriedHof mag noch so schön, noch so grün, noch so vielSeitig sein,
    er bleibt doch in sich sehr eng eingeteilt.
    Die Wiese dagegen bietet endlich mal Platz !
    Platz, den BlickWinkel zu weiten.
    Platz, etwas in die Weite zu blicken.
    Platz, frei durchAtmen zu können.
    Platz zum AufAtmen.

     
  13. 13. HP.Lecker

    @12 Martin Fingerhut persönlich
    Zunächst vorweg ein Danke an Sie für die Erläuterungen anlässlich unserer Begegnung.

    Nun, ich selbst freue mich natürlich über jede Grünfläche, die sich mir für den Genuss hergibt. Diese Fläche, über die wir hier schreiben, hat es bislang nicht getan (ausser die Tatsache, dass dort zu bestimmten Zeit Schnittlauch wild wöchst). Die Fläche empfinde ich sogar hin und wieder als Angstraum. Denn der Parkplatz oder asphaltierte Wendehammer wird nach Einbruch der Dämmerung von scheinbar zwielichtigen Gestalten besucht.

    Die landesplanerischen Ziele “verweigern” den Flächenverbrauch nach aussen. Vielmehr soll die Innenverdichtung gefördert. Wo also soll eine Kommune zusätzlichen Wohnraum entwickeln, wenn nicht auf brachliegenden Flächen?

     
  14. 14. jean-baptiste

    @11. Lohengräm “in den 80ern waren die Prachtvillen ”
    Sie reden von den 80ern , ich von den 60ern, Ich will jetzt nicht gegen Datenschutz verstossen, aber schauen Sie sich doch mal um, wo das ganze Pädagogentum in den 60ern gebaut hat, keine Reihenhäusern sondern respektable EFH bzw. DFH,wenn auch keine Prachtvillen,aber immerhin, sei es bei den Amseln, Drosseln, Finken…Krähen,den anderen Vögeln, oder schauen Sie ins Land der Blumen, bei den schweizer Kastanien am Wasser, oder …