Aldibesuch in Zeiten des Coronavirus: Rettet Feuerzauber Texas die Menschheit?

Es geht um die Wurst, die Bockwurst für 4,99 Euro, um genau zu sein
Daseinsvorsorge in Weißblech: Der Feuerzauber dürfte die schärfste Waffe im Sortiment sein
Und wenn alles überstanden ist, kärchern wir die Welt wieder schön (aber natürlich mit der preisgünstigen Aldi-Eigenmarke)

Nun gut, dann gehen wir mal hamstern! Für solche Borderlinenaturen wie mich, deren Küche immer nur just in time gefüllt ist, eine Herausforderung, denn Umdenken ist gefragt. Nicht: Worauf habe ich gerade jetzt Lust (Lachgummis, Storck, 1,29 €), sondern: Womit könnte ich in drei oder fünf Tagen, wenn ich womöglich zu schwach bin, den Zauberstab zu halten, den ewigen Hunger meines inneren Feuers stillen?

Erste Idee: Der Atomkriegsklassiker, Ravioli aus der Dose. Aber, ach!, alles weg bei Aldi am EOC. Gehackte Tomaten – weg! Weinsauerkraut, übrigens nur 0,45 € teuer – komplett ausgeräumt. Kidneybohnen, sehr reich an Proteinen – wie weggebeamt. Gulasch, nada. Immerhin noch Gulaschsuppe. Und bei den Wiener Würstchen zeigt sich, dass der verängstigte Konsument immer noch in der Lage ist, rationale Kaufentscheidungen zu treffen: Die Gläser für 5,99 € sind allesamt verschwunden, die Behältnisse für 4,99 € hingegen noch reichlich vorhanden (die sind aufs Gramm gerechnet teurer). Insgesamt ein eher frustrierender Eindruck an der Konservenecke, also sicherheitshalber erst einmal einen Karton Cremant de Loire (5,99 € je Flasche, vermutlich 95 Parker-Punkte, zartes Apfelaroma) in den Einkaufswagen gepackt. Wenn schon verhungern, dann wenigstens beschwipst!

Doch die kurze Phase der fröhlichen Untergangsergebenheit endet bereits wenig später (die Mittelgänge sind derzeit nicht überlebensrelevant) an der Ecke des Brotautomaten, wo zwei gerade triumphierend in den Gang ragende Paletten laut aufzuschreien scheinen: Wir kennen deine Nöte, du verängstigter Klever!

Konservendosen, so weit das Auge reicht, insbesondere Bohneneintöpfe, insbesondere der legendäre Feuerzauber Texas, ein gut sättigender Partyeintopf, in dessen Umgebung sich keinerlei virales Leben länger als zehn Sekunden halten kann. Das ist Virenschutz, der schmeckt!

Voller Optimismus erledigt der Katastrophenkonsument den Bezahlvorgang (natürlich per Kreditkarte, wer weiß schon, ob es in vier Wochen überhaupt noch Banken gibt), und erblickt an der Kasse den Spiegel für Schnäppchenjäger, das Magazin Meine Woche. Das Aufmacherthema: Ab Donnerstag, 5. März, gibt es einen Aldikärcher zum Aktionspreis von 89,99 €. Natürlich nicht das Original, sondern eine täuschend ähnliche Nachbildung namens „Ferrex“.

Als Kind war ich immer enttäuscht, wenn meine Eltern statt der Originalmarke das Aldifakeprodukt mitbrachten, aber heute weiß ich es zu schätzen, denn dieses Konsumverhalten lehrte mich Demut und Toleranz gegenüber dem Imperpekten. Drei Streifen Adidas, zwei Streifen Caritas, so hieß das damals.

Zurück von den Verletzungen einer Kinderseele zum Hochdruckreiniger: Das Gerät hat den „1. Platz bei Kundenzufriedenheit“ und darf sich außerdem „Preisführer“ nennen. Es spritzt bis zu 450 Liter pro Minute mit einem unglaublichen Druck von 150 bar aus seiner Düse, es gibt sogar eine rotierende Waschbürste dazu, und man ahnt, wie es eingesetzt werden wird, wenn das Aufräumen nach der Pandemie einmal eine Grundreinigung bis in die Ritzen erfordert. Wir kärchern uns das Leben wieder schön!

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6 Kommentare

  1. 6

    Das Angstzentrum (Amygdala – dort entsteht die Angst) funktioniert sehr primitiv, unabhängig vom sonstigen technischen Fortschritt der Menschheit. Es muss primitiv funktionieren, weil es im Falle einer Gefahr den Menschen sofort zum Handeln bringen und gleichzeitig ein Reflektieren über die Situation verhindern muss, denn dafür ist in einer echten Gefahrenlage keine Zeit. Daher sagen viele auch nachher ‚ich fühlte mich wie in einem Film‘ oder ‚irgendwie ferngesteuert‘.

    Nun gibt es direkte Gefahren und indirekte Bedrohungen. Die Gefährdung durch das Coronavirus ist indirekt, aber je näher die Infektionen räumlich kommen, desto mehr geht die Einschätzung durch das Angstzentrum Richtung direkte Bedrohung, obwohl eigentlich noch nichts passiert ist und keiner weiß, was passiert. Jede Angst erreicht aber grundsätzlich einen Peak und geht danach auf ein mittleres bis niedriges Maß zurück. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Leute sich an die Existenz des Corona-Virus gewöhnen werden, was Vor- und Nachteile hat (bei weniger Angst wird man nachlässiger bei den Vorkehrungen, aber man fühlt sich besser).

    Und jeder Mensch ist anders. Das ist von genetischen Faktoren abhängig und von Vorerfahrungen.

    Mein Tipp: Wenn jemand viel Angst hat, sich einmal auf dem heimischen Sofa das Schlimmste vorstellen, es an sich ranlassen und dann aufstehen und irgendwas Normales tun. Ggf. mehrmals so verfahren. Die Angst zu akzeptieren (bei einer nicht direkten Bedrohung) schwächt die Angst zunehmend ab. Hilft meiner Erfahrung nach auch in Bezug auf andere Befürchtungen. Aber eben nicht immer und nicht bei allen.

     
  2. 5

    Es ist faszinierend zu erleben wie schnell sich der mit allen Feinheiten der Technik beglückte zivilisierte Mensch sich in kollektive Panik jagen lässt, und seine noch vorhandenen Gene aus der Steinzeit Vergangenheit ihn schnell wieder dominieren 😁

     
  3. 4

    @2 Niederrheinstier Sie warfen die Frage auf, was mit all den Hamstern passieren soll. Zippert (Zipperts Wort zum Sonntag) gab heute in der WamS einen Hinweis:
    „Wenn jemand aber über 200 Hamster kauft, liegt der Verdacht nahe, dass er sich im Notfall davon ernähren will.“

    Der Hamsterverkäufer solle laut Z. dringend auf Corona getestet werden.

     
  4. 3

    Normalerweise vermeide ich, Butterkekse zu kaufen, die fast 500 kcal pro 100 g haben bei 12 g Fett und 20 g Zucker. Heute bei dm fand ich plötzlich Dinkel-Butterkekse mit genau diesen Nährwertanteilen im Einkaufskorb vor, als ich den Korb an der Kasse leerte (nicht mal einen Einkaufskorb nehme ich sonst). Eigentlich kaufe ich so gut wie nie Butterkekse.

     
  5. 2

    Mmuuubuuuh, mmuuubuuuh! Ich finde Hamsterkäufe im großen Stil ethisch nicht in Ordnung, mmuuubuuuh!
    Lebewesen sind keine Massenware, mmuuubuuuh!
    Was soll denn mit all den Hamstern passieren, wenn die Corona-Aeppidemi wieder abaeppt, mmuuuuh?
    Kommen die Hamster dann alle ins Hamsterrad, mmuuuh? Zur Erzeugung regenerativer Energie oder so, mmuuuuh?