WoW: Ein schöner Dreiklang aus Tanz, Trödel und Traußen (Kulturmeile)

rd | 30. Juni 2017, 15:42 | keine Kommentare
Spielen zum Tanz: Choochoopanini

Spielen zum Tanz: Choochoopanini

Heute Blister, früher Tinkturen: Apothekerflaschen sind etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch sehr dekorativ

Heute Blister, früher Tinkturen: Apothekerflaschen sind etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch sehr dekorativ

Man muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Aber wer an diesem Wochenende einen Fuß vor die Tür setzen möchte, hat zumindest zweimal die Gelegenheit zu tanzen, er kann in alten Schätzen stöbern und am Sonntag auf der Festwiese am Spiegelzelt des Kleinkunstvereins cinque unter freiem Himmel erleben, was der freien Klever Kulturszene zum Thema Stadtjubiläum so alles eingefallen ist. Es gibt noch vieles mehr, aber dieser Dreiklang spiegelt etwa wider, welche Vorlieben der Autor hat – von einer nicht ganz einfachen Schiedsrichterprüfung in Xanten am Sonntag einmal abgesehen. Der Reihe nach:

Freitag, 20:30 Uhr: Tanzen mit den Jazzfreunden (Casa Kleve)

In vielen deutschen Großstädten sorgen die „Roaring Twenties“ wieder für Furore. Damals war Jazz genau die passende Musik für die angesagten rauchigen und verruchten Bars. Damals entwickelte sich der Swing-Tanzstil „Lindy Hop“, ein Vorläufer des Jive und des Boogie-Woogie. Tanzveranstaltungen im Stil der wilden exzessiven Zeit, die bis heute als legendär gelten, erleben heute eine Renaissance.

Auch die Klever Jazzfreunde möchten den tanzbaren Jazz nach Kleve holen und verlegen ihr nächstes Konzert dazu ausnahmsweise ins Tanzhaus Kleve, das die gleiche Adresse hat wie das Casa Cleve. Hier kann das Publikum beides: zuhören und/oder dazu tanzen.

Und auch für die richtige Musik ist gesorgt. Choo Choo Panini ist eine Tanzband der goldenen Ära des Swing, in der sich Entertainment und Kunst am meisten einander annäherten. Die Sängerin Nelly Köster und der polnische Gitarrist und Trompeter Radek Fedyk und Band graben nach alten und neuen Schätzen aus dem Swing, in jedem Fall extrem tanzbarem Jazz.

Nach ihrem Debütalbum „Moonray“, welches 2011 in Österreich, der Schweiz und Japan erschienen ist, folgte im Frühjahr 2017 ihr zweites Album, „Hotel Mirage“. Die Suche geht weiter und endet in neuen Klängen und Genres, ohne ihren wiedererkennbaren, warmen Sound zu verlieren. Feine Eigenkompositionen erzählen verträumte Geschichten vom Leben mit „einer Träne im Knopfloch“.

Bei Titeln wie Ella Fitzgeralds Ohrwurm „A Tisket A Tasket“ oder Nat King Coles „Straighten Up and Fly Right“ stellt sich rasch eine beschwingte Leichtigkeit ein. Munter und locker swingt diese erfreulich frisch klingende Nostalgie, die von Nelly Köster mit viel Nonchalance gesungen wird. Musikalisch virtuos begleitet wird sie dabei neben Gitarrist Radek Fedyk von Bassist Benjamin Garcia und Mickey Neher am Schlagzeug.

(Eintrittspreise: 12 Euro Abendkasse; 10 Euro Vorverkauf; 6 Euro Schüler ab 13 J., Studenten; 0 Euro Mitglieder inkl. einer Begleitperson, Einlass ab 19:30 Uhr)

Samstag, Sonntag: Trödelmarkt (Herzogstraße)

Wer trödelt, gewährt der Zeit Raum. Wer trödelt, dessen Herz schlägt nicht im Takt der modernen Welt. Dafür erfreut sich die Seele an Dingen, die der Verstand in ihrem besonderen Wert nicht zu erfassen vermag. So gesehen, ist der Trödelmarkt am Samstag und Sonntag in der Herzogstraße mehr als nur der Verkauf gebrauchter und abgenutzter Gegenstände. Die Veranstaltung ist, philosophisch betrachtet, eine Huldigung an das Leben, das bei uns allen ebenfalls Gebrauchsspuren hinterlässt. Insbesondere am Samstagvormittag trifft sich dort halb Kleve, und, wer ausnahmsweise nichts kaufen sollte, wird zumindest einen Gesprächspartner finden. Und das ist unbezahlbar. Da dieser Trödelmarkt mit der Schließung des Geschäfts Surium zusammenfällt, das überdies mit einem erhöhten Angebot an pittoresken Kleinteilen gerechnet werden.

Sonntag: Kulturmeile (Festwiese am Forstgarten)

Hoffentlich spielt das Wetter mit! Die Klever Kulturmeile ist deutlich kürzer als die Seemeile (1852,216 m), die angloamerikanische Meile (1609,344 m) und auch als die heute nur noch selten verwendete deutsche Landmeile (7532,5 m, was exakt 2000 preußischen Ruten entspricht). Die Klever Kulturmeile, noch nicht in der Wikipedia-Meilenrubrik verewigt, misst 775 Meter, ein Meter entspricht also exakt einem Jahr Stadtgeschichte. Darin haben die Veranstalter, die Mitglieder der freien Kulturszene Kleverland, ein Programm untergebracht, das meiner Einschätzung nach auch den Raum einer deutschen Landmeile hätte für sich beanspruchen können. Hier der Überblick, von Bruno Schmitz zusammengefasst:

  • 12.00 Begrüßung Freie Kulturszene und Bügermeisterin Sonja Northing, Konga Quings
  • 12.30 Führung durch das Freiluftmuseum – Portraits von Klever Persönlichkeiten, gemalt von Schülern der Gesamtschule Unterstadt u. der Gesamtschule Oberstadt
  • Lamatrip – Tierische Spaziergänge
  • 13.00 Theater im Fluss – Melange
  • 13.30 Poetry Slam
  • 14.00 Theater im Fluss – Alice Teegesellschaft
  • 14.30 Artoll Klanglabor Ensemble – Performance 775 Klatscher für Kleve
  • 14.30 Performance „Weg“ aus dem Projekt Weg – Way – Zwarib
  • 15.00 ELLE – Tanz
  • 15.30 VHS Blue Band – Jazz
  • 16.00 Theater im Fluss – „Stern­stunden und Schwanengesänge“ Ausschnitte
  • 16.30 Jazzyness – Jazz-Chor
  • 17.15 Jan Schumacher – Sitzbänkelsänger
  • 17.30 Lizzy’s Cocktail – Irisch-Klevische Musik
  • 18.00 KLEFOR – Klever Freundschaftsorchester
  • 18.30 Tangomusik – Tanzen
  • 19.00 Duo Domenico – Gitarrenkonzert
  • 19.30 Stefan Quinkertz & Marc v. Bebber
  • 20.00 Klangfabrik Allstars & Friends
  • Ganztägiges Begleitprogramm: Nicole Peters & Daniel M. Ziegler – Doku MKK Live-Malerei & Improvisierte Musik
    Musiker wandern – Theater – Walk Acts
  • Bewirtung: Nils Roth Kaffee und Kuchen, Getränketheken, verschiedene Imbißstände

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