Reichswalder Katholiken ohne Gotteshaus: Herz-Jesu-Kirche wegen Einsturzgefahr gesperrt

rd | 14. Mai 2018, 15:41 | 12 Kommentare
Pittoresk, aber mürbe: Herz-Jesu-Kirche, Reichswalde

Pittoresk, aber mürbe: Herz-Jesu-Kirche, Reichswalde

Gott führt keine Statikberechnungen durch, er ist die Statik, sagt man. Aber genügt das den irdischen Vorschriften?

Wenn Gläubige den Blick nach oben richten, erwarten Sie in der Regel, dass ihnen göttlicher Beistand zuteil wird – und nicht, dass ihnen das Dach der Kirche entgegenkommt. Das aber wäre offenbar in der Herz-Jesu-Kirche in Reichswalde eine reale Gefahr geworden, weshalb die Pfarrgemeinde Zur Heiligen Familie sich nun entschieden hat, das 1956 errichtete Gotteshaus im Zentrum des Klever Ortsteils ab sofort zu schließen! Hier die Pressemitteilung der Gemeinde:

Herz-Jesu-Kirche Reichswalde: Statikproblem der Dachkonstruktion führt zur vorläufigen Sperrung

Ein aktuelles Gutachten eines unabhängigen Statikbüros sowie eine Ende der letzten Woche eingegangene Empfehlung des Generalvikariates, die der Kirchenvorstand erbeten hatte, hat die Verantwortlichen der Kirchengemeinde Zur Hl. Familie in Kleve Materborn/Reichwalde zu der schmerzlichen Entscheidung gedrängt, die Herz-Jesu-Kirche in Reichswalde bis auf Weiteres aufgrund eines Statikproblems der Holzdachkonstruktion für die Nutzung sperren zu lassen. Die Behebung des Problems wird laut Gutachten nur mit einem größeren Aufwand möglich sein. Zeitnah wird der Kirchenvorstand mit dem Generalvikariat die weiteren Schritte besprechen.

Die Gottesdienste in der Woche finden ab Montag, 14.5.2018, zunächst im Pfarrheim Reichswalde statt. Der Pfarreirat wird sich kurzfristig verständigen, ob die Gottesdienste am Sonntag und Sondergottesdienste ebenfalls im Pfarrheim stattfinden können oder eine andere Lösung sinnvoller ist. Die Gemeinde wird in den nächsten Tagen darüber informiert. Die Verantwortlichen bitten aufgrund der nun von den zuständigen Stellen bestätigten offensichtlichen Gefahr und des Risikos um Verständnis für diese Entscheidung.



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12 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 12. HP.Lecker

    Zum Thema mal ein Linke des BDA aus dem Jahre 2008:

    https://bda-bund.de/2008/08/kirchen-in-der-stadt-erben-erhalten-nutzen/

     
  2. 11. Benno

    https://rp-online.de/nrw/staedte/kleve/reichswalde-mitte-juni-entscheidung-zur-kirche_aid-23261115

    Wenn ich das lese, vor allen Dingen der letzte Satz, kann ich mir die Entscheidung schon aus Münster ableiten.: Sie bleibt geschlossen. Sollte es so sein, ist es einfach peinlich und traurig, wie Entscheidungen gegen den Willen der Gemeinden gefällt werden. Geld regiert nicht nur die Welt, sondern auch die Kirche.

    Benno

     
  3. 10. Löhengräm

    Das erinnert son bischen an die Stilllegung von Xanten-Kleve von einem auf den anderen Tag. 🙂

     
  4. 9. Chewgum

    Der Kölner Dom ist stabiler als manches moderne Bauwerk. Angeblich wurden auf heutige Verhältnisse umgerechnet rund 10 Milliarden Euro für das damit teuerste Gebäude der Welt ausgegeben … da würde heute jeder Investor Schnappatmung kriegen

     
  5. 8. Jens-Uwe Habedank

    @5. MF
    KVB – Kontinuierlicher VerbesserngsProzess…
    Wenn dagegen heute ein Plan (eines Investors) sich durchgesetzt hat, ist dieser i.d.R. unantastbar; auch wenn dieser Mängel hat: Augen zu und durch…

     
  6. 7. Elvira Rohra

    @5. Martin Fingerhut

    Der Kölner Dom (Hohe Domkirche Sankt Petrus), ist als UNESCO-Weltkulturerbe, der beste Beweis für Ihre Worte.

     
  7. 6. Martin Fingerhut

    @ 3. Jens-Uwe Habedank
    ### Wieso halten so „alte“ Dinger an die fast 900 Jahre und bei „Neu“bauten ist nach 60 Jahren Schluss..? ###

    Für einen Teil der Erklärung halte ich folgendes :
    Wenn vor 900 Jahren begonnen wurde, eine Kirche zu bauen,
    dann war sie nach 60 Jahren i.d.R. noch lange nicht fertig.
    Was sich bis dahin an SchwachStellen gezeigt hatte,
    konnte während des Baus verbessert werden,
    ohne daß es bis heute überliefert worden wäre.

    Und wenn nicht rechtZeitig eingegriffen wurde ?
    Na, wer erinnert sich heute noch daran,
    was vor 800 Jahren alles schiefGegangen ist ?

    Wenn ein Bau sich erst mal 100 oder 200 Jahre bewährt hat,
    hat er gute Chancen, selbst 1.000 Jahre zu überstehen,
    falls er in Schuß gehalten wird.

    Heute stehen wir bewundernd in den imposant alten Gemäuern
    – aber was an der Stelle oder andersWo so alles zusammenGebrochen ist,
    können wir dabei kaum ahnen.

    Die Trümmer sind längst fortGeräumt
    und in anderen Gebäuden vermauert worden.

     
  8. 5. Joseph Johann

    Es gibt auch in Kleve tüchtige und gewissenhafte Statiker. Man muss sie nur beauftragen.

     
  9. 4. Benno

    Naja, bei geschätzten 230 Milliarden Vermögen der deutschen, katholischen Kirche sollte es doch kein Problem sein, jemanden zu finden, der das Statikproblem lösen kann, oder? Fehlt nur noch der Wille, Geld ist genügend da!

    Benno

     
  10. 3. Jens-Uwe Habedank

    Knapp 60 Jahre nutzbar gewesen…
    War gestern zufällig in F und zufällig in einer täglich(!) geöffneten Kirche:
    Wieso halten so „alte“ Dinger an die fast 900 Jahre und bei „Neu“bauten ist nach 60 Jahren Schluss..?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_von_Laon

     
  11. 2. Niederrheinstier

    Mmuuuuh, die Hauptsache, der Gockel ist noch auf dem Turm und dreht sich mit dem Wind, mmuuhhh!

     
  12. 1. Wat mutt, dat mutt

    Ich sag nur Goch