„Regionalfughäfen sind keine Wachstumsmotoren“

rd | 31. August 2015, 15:11 | 5 Kommentare

Airport auf Bauzaun der HRW (2011, Foto Kleinendonk)

Airport auf Bauzaun der HRW (2011, Foto Kleinendonk)

Gerade erst überraschte der Flughafen Niederrhein mit der Ankündigung, erstmals „Zinsen“ für die öffentlichen Kredite, die er seit seiner Gründung erhalten hat, zurückzahlen zu wollen. Und die Politiker, allen voran die Wahlkämpfer, werden nicht müde, die Einrichtung wahlweise als „Wachstumsmotor“ oder „Jobmaschine“ darzustellen. Da passt es gut, dass sich das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen einmal wissenschaftlich mit den Regionalflughäfen insgesamt auseinandergesetzt hat. Das Ergebnis ist niederschmetternd: „Alle Regionalfughäfen sind keine Wachstumsmotoren für das Umland“, schreibt Philipp Breidenbach, Autor der Studie. Hier die Zusammenfassung:

Alle Regionalflughäfen in Deutschland sind defizitär und werden jährlich durch öffentliche Gelder unterstützt. Befürworter dieser Subventionen argumentieren mit Wachstumsimpulsen, durch welche die umliegende Wirtschaft von den Investitionen ebenfalls profitiere. Eine RWI-Analyse, welche die Möglichkeit einer entgegengesetzten Wirkungskette ausschließt, zeigt jedoch: Solche positiven Wachstumseffekte für die Region lassen sich nicht feststellen.

Warum gibt es Uneinigkeit bei der Frage, ob und welche Wachstumsimpulse von einem Regionalflughafen ausgehen?
Alle Regionalflughäfen in Deutschland schreiben rote Zahlen und werden Jahr für Jahr mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Befürworter solcher Subventionen argumentieren, dass die Region in der Summe dennoch profitiere, da von dem Flughafen Wachstumsimpulse für die umliegende Wirtschaft ausgingen. Naturgemäß kann man nicht ermitteln, wie sich eine Flughafenregion entwickelt hätte, wenn nicht in den Ausbau des Flughafens investiert worden wäre. Somit bleibt die Frage offen: Entwickelt sich eine Region wirtschaftlich gut, weil sie in ihren Flughafen investiert, oder investiert eine Region in einen Flughafen, weil die wirtschaftlichen Bedingungen es erlauben?

Wie misst man die tatsächlichen Wachstumseffekte?
Um die entgegengesetzte Wirkungskette zwischen Investitionen in einen Regionalflughafen und regionalem Wirtschaftswachstum ausschließen zu können, muss man Situationen betrachten, in denen Flughäfen unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung der umgebenden Region ausgebaut wurden. Eine solche Situation ergab sich im Jahr 1997, als die EU die Regulierung der europäischen Luftfahrt reformierte: Ab diesem Datum wurden die nationalen Beschränkungen für Airlines aufgehoben, was zu einer erhöhten Nachfrage nach An- und Abflugkapazitäten führte. Regionalflughäfen hatten somit gute Gründe weiter auszubauen. Diese Investitionen, die nicht durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen vor Ort, sondern durch die extern gesetzten Anreize getrieben waren, nutzt die RWI-Analyse zur Identifikation des tatsächlichen Ausbau-Effekts auf das Wirtschaftswachstum.

Stimmt es, dass Subventionen für Regionalflughäfen positive Wachstumsimpulse für das Umland mit sich bringen?
Nein, solche Wachstumsimpulse lassen sich im Durchschnitt nicht feststellen. Wählt man für den Vergleich einen Analyseweg, der sich genau auf diese unterstellten positiven externen Effekte des Flughafens für die Region konzentriert, zeigt sich, dass Regionen mit Investitionen in einen Regionalflughafen durchschnittlich genauso stark wachsen wie Regionen ohne Flughafen. Das Ergebnis der RWI-Analyse steht dabei im Einklang mit einer aktuellen Studie des Europäischen Rechnungshofs, welche den EU-finanzierten Flughäfen in Förderregionen ein enttäuschendes Kosten-Nutzen-Verhältnis bescheinigt.

Kontakt: Philipp Breidenbach



Einen Kommentar schreiben





5 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 5. pd

    Januar 2015

    „„Die RWE-Aktien sind für den Kreis Kleve nach wie vor eine äußerst attraktive Finanzanlage“ beteuert Landrat Wolfgang Spreen…

    Würde der Kreis Kleve das Aktienpaket verkaufen und den Erlös von etwa 56 Millionen Euro anlegen, so Spreen, läge der jährliche Zinserlös mit Blick auf die aktuelle Niedrigzinsphase bei maximal 600 000 Euro…“

    Wert der Aktien heute: 21 Millionen Euro

    Verbrannt von Januar bis heute: 35 Millionen Euro

    Konsequenzen?

    Aber wehe die Kindergärtnerinnen der Lebenshilfe wollen zweifuffzich mehr….

     
  2. 4. rd

    @Mr. Heinrich Danke für den Hinweis.

     
  3. 3. Mr. Heinrich

    Ich denke nicht das man dem Flughafen, dem Geschäftsführer oder dem niederländischen Investor einen Vorwurf machen kann. Macht hier ja auch niemand. Die verstehen das Geschäft.

    Herr Daute, berichten Sie doch stattdessen mal vom Kurssturz des historischen Aktienpaketes, das der Kreis Kleve, drei Buchstaben, hällt.. Blicken Sie auf Aussagen des Herrn Spreen gegenüber der NRZ aus Januar 2015 und dem, was ein FDP Vertreter heute zur Rendite laut RP wohl mitgeteilt hat. Da kommen Mann und Frau nicht mehr als dem Staunen heraus!?

    Vorschlag für die Überschrift: ‚Wie man, anders als andere Kreis, über 70 Mio EUR in weniger als 10 Jahren verbrennt.‘

    Aber sicher bleibt, glaube ich, folgender Punkt: Die, die noch ‚cleverer‘ als die Politik sind, wählen bestimmt wieder die CDU.

    Christian Heinrich

     
  4. 2. Husky

    Ab 2024 sind staatliche Förderungen von solchen Flughäfen wie Weeze einer ist verboten, danng eht da wohl ganz schnell das Licht aus

     
  5. 1. Lohengräm

    Ach, das ist alles unwahr. Erstunken und erlogen.
    Der Airport Weeze ist die beste Investition für den Kreis Kleve seit Erfindung des Rades.

    Und alle, die die Reaktivierung dieser doofen Bahnstrecke nach Holland fordern, sind spinnerte Träumer. Niemals wäre das finanzierbar.

    Schliesslich sind enorme Wachstumsimpulse vom Airport Weeze ausgegangen.

    … allerdings Schuldenwachstum……