Prinz Johann-Moritz von Nassau-Siegen: „Preis für einen Neger zwischen 12 und 75 Gulden“

rd | 19. Januar 2018, 17:20 | 3 Kommentare
Johann-Moritz, wie Pieter Nason ihn malte – in Begleitung eines farbigen Dienstboten

Johann-Moritz, wie Pieter Nason ihn malte – in Begleitung eines farbigen Dienstboten(?)

(Aktualisiert) Wir wissen zwar immer noch nicht, was der polnische Colonel Christoff Artischowsky zu Johann-Moritz von Nassau-Siegen zu sagen hätte, der Rechercheauftrag, von Alfons A. Tönnissen an uns herangetragen, endete im digitalen Nirgendwo. Aber sobald man anderswo ein wenig im Netz stochert, welche Rolle der in Kleve und in den Niederlanden verehrte Fürst in seiner Zeit als Generalgouverneur von Niederländisch-Brasilien spielte, kommt man um seine Rolle als Förderer der Sklaverei nicht herum.

Von Brasilien aus startete der spätere Gartenbauer zwei Feldzüge an die afrikanische Küste, um den lukrativen Sklavenhandel unter seine Kontrolle zu bringen. An die Generalstaaten, das niederländische Parlament, schrieb er 1644 in einem Bericht, dass „der Preis für einen Neger in Guineau zwischen 12 und 75, in Angola zwischen 38 und 55 Gulden schwankt. Die [Westindische] Compagnie verkauft sie in Brasilien zwischen 200 und 300 Gulden pro Stück“.

Mauritsstad, einst ein entlegener Handelsposten der Niederländer, heute eine Millionenstadt

Mauritsstad, einst ein entlegener Handelsposten der Niederländer, heute eine Millionenstadt (Nl. Nationalarchiv)

Das Sklavenregime in Brasilien bestand schon zu Zeiten der Portugiesen, die damit in der Mitte des 16. Jahrhunderts begonnen hatten, abgeschafft wurde es übrigens erst 1888 – zu einem Zeitpunkt, als das Land schon ein halbes Jahrhundert unabhängig von Portugal war. Insgesamt wurden unter niederländischer Führung rund 25.000 Afrikaner als Sklaven nach Südamerika verschleppt, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Westindische Compagnie der größte Sklavenexporteur im Atlantikraum – „und dies ist der richtungweisenden Führung des ,Sklavenbarons‘ Moritz von Nassau in Neu-Holland zu verdanken“, wie Jeroen Junte in der Volkskrant schrieb (Recife hunkert naar Maurits, 17de eeuwse sklavenbaron).

Fort Elmina (Ghana) – von der wurden die Sklaven nach Brasilien verschifft

Fort Elmina (Ghana) – von der wurden die Sklaven nach Brasilien verschifft (Zeichnung:
van der Hem)

Ursprünglich ließ sich der Sklavenhandel aus niederländischer Sicht nicht mit dem protestantischen Glauben vereinbaren. Das aber änderte sich, als Johann-Moritz in Brasilien anlandete und den Handelposten Mauritsstad begründete, das heutige Recife. Der Prediger Godfried Udemans veröffentlichte ein Traktat unter dem Titel „’t Geestelijck Roer van’t Coopmans Schip“ (etwa: Geistlicher Führer für die Händlerschaft), in dem Sklaverei als ein Akt der Mission gerechtfertigt wurde.

Unter der Ägide der Niederländer veränderte sich der Umgang mit den Sklaven. „Unter portugiesischer Herrschaft durften die Sklaven sonntags nicht auf den Feldern arbeiten. Aber die Niederländer betrachteten die Sklaven als Heiden – und die mussten sieben Tage pro Woche arbeiten“, so der Historiker Hugo Cuelho.

Auf der Seite des Niederändischen Nationalarchivs heißt es zu der Epoche: „Trotz der Gewinne aus dem Zuckerhandel sind die Ausgaben von Johann-Moritz für den Unterhalt der Garnison, den Bau von Brücken, Deichen und Grachten, die Errichtung von Gebäuden sowie für seinen Lebensstil viel zu hoch. Er musste Kürzungen bei seinen Streitkräften hinnehmen und wurde von der WIC in die Republik zurückbeordert.“

Johann-Moritz war zwar kein Plantagenbesitzer und führte auch keine Zuckermühle, sondern war im Auftrag der Westindischen Compagnie (WIC) damit beschäftigt, die Logistik für den Menschennachschub aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Er verdiente also nicht direkt an der Sklavenhaltung und am Sklavenhandel, sondern bezog sein Salär von der WIC – die ihm zudem eine Provision an der Kriegsbeute zugestand.

Das sicherte Johann-Moritz auf jeden Fall ein Vermögen, sodass er schon von Brasilien aus den Bau seines Stadtpalais in Den Haag beim damaligen Stararchitekten van Campen in Auftrag geben konnte. Nach seiner Rückkehr bezog er die Villa und machte sie zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Heute ist das Mauritshuis ein Museum. Als es 2014 nach einem Umbau wiedereröffnete, kritisierte der Publizist und Historiker Zihni Özdil die beschönigende Darstellung der Biographie des Fürsten – insbesondere, dass das Thema Sklaverei mit keinem Wort erwähnt wurde. Darauf reagierte das Museum nun mit der Entfernung der Büste und ergänzenden Informationen, was die neuerliche Debatte auslöste.



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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. jean baptiste

    ja, und was kosteten 144 Negerinnen ?
    alles was DAESH (sog. ID) da propagiert, ist ja nichts neues ….

     
  2. 2. Elvira Rohra

    In der Zeit zwischen 1550 und 1888 kamen, nach identischen Berichten, ca. 3 Millionen!!! Sklaven nach Brasilien.

    Das waren 35% des gesamten transatlantischen Sklavenhandels.

     
  3. 1. Günter Hoffmann

    Da die Holländer scheinbar zZ historisch einnordet werden ,bietet sich als nächste Etappe mit der NSB Zeit ein dankbares Thema mit viel Sprengstoff. Nur mal so als Tipp. Allerdings denke ich das dazu der Mut fehlt.