Volksbank-Arena

rd | 02. September 2007, 18:20 | keine Kommentare

So schnell schießen die Preußen nicht. Hier die aktuelle Pressemitteilung der Stadt Kleve zur Umbenennung der „Fußballsportanlage Welbershöhe“ in das fantastisch klingende „Volksbank-Arena“:

Wie der örtlichen Presse bereits zu entnehmen war, hat der 1. FC Kleve 63/03 e.V. der Volksbank Kleverland eG das Namensrecht an der Fußballsportanlage Welbershöhe eingeräumt. Hiernach soll die Sportanlage „Volksbank Arena“ genannt werden. Da vertraglich sichergestellt wird, dass die Flächen des Gustav-Hoffmann-Stadions von der neuen Namensgebung nicht betroffen sind und andere Sponsoren nicht unzumutbar beeinträchtigt werden, sind die Interessen der Stadt Kleve als Grundstückseigentümerin gewahrt.

Eine mögliche Deutung dieser rätselhaften Zeilen geht so: Die Führung des 1. FC Kleve beschließt unter dem verwirrenden Eindruck eines monetären Schwalls mehr oder minder eigenmächtig die Umbenennung städtischen Grundeigentums, irgendwie gelangt diese Meldung nach einigen Wochen bis in die Büros der Stadtverwaltung (möglicherweise, nachdem ein aufmerksamer Bürger das nagelneue Online-Beschwerdeformular genutzt hat). Dort will aber niemand Spielverderber sein. Deshalb wird einen Monat nach der Umbenennung eine Pressemitteilung veröffentlicht, die man nur als öffentliches Ausleben von Servilitätsfantasien interpretieren kann. Vor allem das „andere Sponsoren nicht unzumutbar beeinträchtigt“ deutet auf Ärger hinter den Kulissen hin. Denn wer könnte da „zumutbar beeinträchtigt“ sein? Wenn’s um Geld geht, hört der Spaß eben auf.





Pofalla in der Heimat

rd | 02. September 2007, 11:14 | 2 Kommentare

Dialogtour
Ein BMW mit Berliner Kennzeichen hält vor Strauss Innovation, und ein Daimler mit Schweizer Kennzeichen ist lässig im Parkverbot vor Möbel Craemer abgestellt (natürlich unbehelligt von den sonst sehr aufmerksamen Fachkräften zur Beobachtung des ruhenden Verkehrs), und aus einer üppig ausgelegten Beschallungsanlage dröhnt es näselnd die große Straße hinab: „Bildung ist unser neuer Rohstoff!“ Kein Zweifel, da ist mehr und Anderes im Gange als die Neueröffnung von Bijou Brigitte nach erfolgreichem Hauruckumbau. Es ist die Dialog-Tour der CDU! Zu Gast in Kleve, seiner Heimat, Ronald Pofalla, Merkels rechte Hand. Ein schicker Dialogbus parkt vor der Volksbank Kleverland, eine „CDU-Redaktion“ im eigenen Minivan sorgt für das mediale Hintergrundrauschen, das zu erzeugen die Lokalpresse allein offenbar nicht mehr gut genug ist. Dazu Bier-, Grill-, Kinderbemal- sowie ein Kleinstgeschenkestand (Frisbeescheiben, Straßenmalkreide, Sudoku für die Größeren), so wird heute im Sommer in den Fußgängerzonen von Kleinstädten Politik gemacht. Das CDU-eigene Video vermag nur mühsam zu vertuschen, wie anstrengend eine solche Veranstaltung nicht nur für das Publikum, sondern auch für das beteiligte Personal ist. Staatssekretär Manfred Palmen, nach „irgendeiner Gelenksgeschichte“, wie ein Fotograf berichtet, auf Krücken unterwegs, scheint von Schmerzen gezeichnet und träumt davon, wie ein Oberlehrer anno dunnemals irgendwelche Grundsätze einzubimsen. Ronald Pofalla umarmt alle Bürgermeister, die ihm zu nahe kommen und geht fernsehgerecht in die Hocke, um in den Dialog mit Kindern zu treten. Und er sagt: „Ich habe Klassenkameraden getroffen, die mit mir vor 31 Jahren aus der Schule entlassen worden sind – das ist wie ein Familientreffen.“ Offenbar mangels weiterer Nachrichten darf dann noch ein Eventmanager erzählen, dass diese Tour ein Jahr von zehn Mitarbeitern vorbereitet worden sei – wobei es angesichts dieses Aufwands doch verwundert, dass als Grillmeister ein SPD-Sympathisant durchrutschen kann.

Spreen am Sonntag | kleveblog (02.11. 13:58): [...] Theo Brauer immer noch wohltuend dezent, dafür Barbara Hendricks im ...
Merkels Terminalerfahrung in Weeze | kleveblog (19.09. 21:51): [...] Mir würde das für einen Tag reichen, aber eine echte Regierungschef...


Kleves schönste Leerstände

rd | 25. August 2007, 17:48 | 2 Kommentare

Leerstände

700 Meter Spaziergang vom Fischmarkt bis zum EOC genügen, um einen Überblick über die eigentümliche Verfassung des Klever Immobilienmarktes zu gewinnen. Hier also die Top 3 der faszinierendsten Leerstände:

  • Platz 3: Ehemals „Elektro Schürmanns“, Hoffmannallee. War sozusagen der „Saturn“, bevor „Saturn“ in die Stadt einzog. Seit ca. fünf Jahren weg, Nachmieter seitdem nicht in Sicht. Und das, obwohl nur ca. hundert Meter vom boomenden „Elefanten Oberstadt Centrum“ (heißt das wirklich so?) entfernt. Vorschlag zur Verwendung: Erweiterung der gleich nebenan residierenden Agentur für Arbeit.
  • Platz 2: Ehemals „Post“. Doch seitdem die ihre Mitarbeiter lieber im EOC unterbringt (zunächst in einem Kellerverschlag, dann zwischen Zwieback und Aspirin – siehe vorigen Beitrag), ein Leerstand von einer innenstädtischen Größenordnung, die Astronomen von einem schwarzen Loch sprechen ließe. Vorschlag zur Nutzung: neues Rathaus. Wer nicht reinpasst, kann meinethalben das Heer den Knöllchenverteiler verstärken. Was dagegen spricht: Der Bürgermeister müsste fortan auf „italienisches Flair“ verzichten.
  • Platz 1: Ehemals „Marktschänke“. Früher das Stammlokal der Marktbeschicker, steht aber seit ca. zehn Jahren leer, mittlerweile hängt nicht mal mehr ein Plakat „Zu vermieten“ drin. Gardinen, für die das Wort Grauschleier definitiv zu mild ist, zerfetzte Fahnen und eine jede Realität verhöhnende Diebels-Alt-Reklame. Die Immobilie soll angeblich dem ehemaligen Klever Bürgermeister Gert Brock gehören. Deshalb der Vorschlag zur Nutzung: neues Rathaus. Wer nicht reinpasst, usw. Vorteil gegenüber Lösung „Post“: Faszinierender Ausblick auf die Großbaustelle Neue Evangelische Stiftung – das hat immerhin eine Form von Flair, da weiß man, wofür man’s macht. Und wenn diese Erkenntnis zu sehr drückt – einfach wieder die Zapfanlage in Betrieb nehmen.

Postangestellte aus Kellerverschlag befreit

rd | 24. August 2007, 16:29 | keine Kommentare

„DHL startet Hilfseinsatz für Erdbebenopfer in Peru“, so ist die neueste Meldung auf der Homepage von „Deutsche Post World Net“, der „weltweit führenden Logistikgruppe“ überschrieben. Und wer dieses Bild sieht, könnte auf die Idee kommen, hier habe der Konzern auf die Schnelle eine provsorische Filiale im zerstörten Lima aus dem Boden gestampft, um der Bevölkerung wenigstens eine rudimentäre Versorgung gewährleisten zu können.

Filiale

Doch weit gefehlt, hier gilt es einen epochaler Fortschritt aus Kleve zu vermelden. Die Postangestellten, die seit Beginn des 21. Jahrhunderts im Keller des ehemaligen Hoffmann-Verwaltungsgebäudes in einem Verschlag arbeiten mussten, der Normalwüchsigen nicht einmal erlaubte, aufrecht zu stehen, sind eine Etage nach oben befördert worden. Sie arbeiten jetzt im „Wellness-Shop“, und einen Meter weiter links werden besonders gesunde Zwiebacksorten verkauft, einen Meter weiter rechts Kopfschmerztabletten und Kräutertees. Es soll übrigens kein Provisorium, sondern eine Dauerlösung sein, wie die Angestellte der ungläubigen Kundschaft versichert. Allerdings: Wer das professionell aufgestellte Schild rechts an der Treppe sieht, weiß, dass der Weltkonzern da ganz flexibel ist – und vielleicht ist die Post morgen auch schon bei Ihnen – mit Campingstuhl und -tisch unter einem Sonnenschirm im Vorgarten.