Einen Versuch habt ihr noch

rd | 11. Februar 2008, 01:21 | 8 Kommentare

Ausriss

So, wie diese kurze Meldung in der Sonntagsausgabe vom Klever Wochenblatt beginnt, könnte fast der Eindruck entstehen, es wäre für die Redaktion einfacher gewesen, wenn Peter Brückner die Wahlen gewonnen hätte und nicht Michael Kumbrink. Es muss aber wohl – unter den Augen der Bundesschatzmeisterin Barbara Hendricks – hoch her gegangen sein, als das verbliebene Häuflein der Klever Sozialdemokraten bei der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins zu den Wahlen schritt. Da sind die paar vertauschten Buchstaben im Blättchen vermutlich das kleinste Problem.

„Ich habe regelmäßig versucht, Michael Kumbrink zu kontaktieren. Meine Telefonate und E-Mails wurden allerdings nie beantwortet“, lässt sich der Gegenkandidat in der Lokalpresse zitieren. Unendliche Weiten im Raum Kleve verhindern offenbar das persönliche Gespräch. Dazu erzählte mir ein alter Fahrensmann der hiesigen Sozialdemokratie, der sich aus den Widrigkeiten des Tagesgeschäfts zurückgezogen hat, dass die politische Vita des plötzlich – Überraschung! – aufgetauchten Gegenkandidaten, der – mirnichtsdirnichts – fast die Hälfte aller Stimmen erhält, im Grunde eine Ansammlung von Rück- und Austrittsdrohungen sei, wozu passt, dass der Mann als Fraktionsvorsitzender tatsächlich unlängst die Brocken hingeworfen hatte. Offenbar ein bisschen wie bei Schröder. Den Coup, auf einem Parteitag plötzlich als Gegenkandidat anzutreten, hat er sich dagegen wohl bei Lafontaine abgeschaut.

Die Frage ist: Kann ein (geschätzter) Achtelschröderlafontaine die SPD Kleve erlösen, wenn dies mit charismatischen Sätzen wie dem folgenden verknüpft ist: „Die SPD kann nur über die Sachpolitik Punkte sammeln, wenn man die Bevölkerung erreicht“? Versucht’s doch mal!



Man muss nicht alles wissen

rd | 08. Februar 2008, 16:10 | 4 Kommentare

In der ehemaligen Schülerzeitung Pegasus, die die Startbasis für meine Ausflüge in die weite Welt des J. war, gab es für die Schüler die Möglichkeit, solche Lehreraussprüche, die heute den direkten Weg in die 1live-O-Ton-Charts fänden, ganz old school aufzuschreiben und in den Redaktionsbriefkasten zu werden. Wir haben sie dann nach gewissenhafter Prüfung ganz einfach abgedruckt. Ein aktueller Dialog aus einer führenden weiterführenden Schule in Kleve zwingt mich, diese Tradition wieder aufzugreifen.

(Situation: Klassenzimmer. Schüler. Auf einem Tisch liegt ein Paar offenbar herrenloser Handschuhe. Der Lehrer entdeckt sie und bemüht sich um Aufklärung.)

Lehrer: Woher sind die Handschuhe?

Schüler: Von H & M.

Lehrer: Wer ist das?

Schüler: Hennes & Mauritz.

Lehrer: Sind die an unserer Schule?



Lattediagramm

rd | 08. Februar 2008, 15:46 | 7 Kommentare

Schaubild

Was will uns diese Grafik sagen? Unten in der Stadt ist der Latte macchiato derzeit recht teuer. Vielleicht, weil die vielen Holländer nach der strapaziösen Anreise über sieben bis zehn Kreisverkehre erst mal eine Stärkung brauchen und sie nicht mehr so genau auf den Preis achten. Dann – nach Café Wanders, das den Preisen am Düsseldorfer Flughafen schon recht nahe kommt (es fehlen nur noch 75 Cent) – sackt der Preis stadtaufwärts stark ab – bis auf 1,40 bei Tchibo, wobei zu vermuten ist, dass die ästhetischen Ansprüche von Back Werk und Tchibo dem klassischen Macchiatofreak nicht genügen.

Zum Fischmarkt hin wird’s wieder deutlich teurer, mit Kochlöffel als Ausreißer nach unten, aber auch dort gilt vermutlich, dass mangelnde Dunkelbraunholzlederästhetik plus caféstimmungstötender Grillhähnchenduft sich preismindernd bezahlt machen. Derks ganz oben macht’s noch mal richtig teuer, was von Branchenkennern mit der Sparkasse in unmittelbarer Nachbarschaft erklärt wird (Besucher mit gefüllten Geldbörsen, oder solche, denen nach dem letzten Kontoauszug ohnehin alles egal ist).

Gespannt darf man sein, wie das in Kürze eröffnende, vom der Haus Freudenberg GmbH in einem Haus des Vereins Lebenshilfe (siehe Kommentar!) betriebene Café Samocca (aus „Samariter“ & „Mocca“!) an der oberen Hagschen Straße (ehemals Zeitschriften Barozzi) sich in dieses Preisgefüge einordnet. Unser Wirtschaftskorrespondent wird weiter berichten.


Pixel des Grauens weg

rd | 06. Februar 2008, 18:21 | keine Kommentare

AusrissAschermittwoch ist alles vorbei – offenbar auch die sinnfreieste Bebilderungsaktion in der Geschichte des lokalen Online-Journalismus. Ob dies zugleich einen historischen Sieg des Journalismus über das Controlling dokumentiert, lassen wir mal dahingestellt (Zweifel sind erlaubt). Und ausgerechnet mir wurde das Ereignis in seiner ganzen Tragweite erst mit Verzögerung klar. Zuerst dachte ich, mein Browser ist kaputt und weigert sich aus unerfindlichen Gründen, Bilder von Polizeiautos zu laden. Doch dann traf mich der Blitzschlag der Erkenntnis: Die Klever Lokalseiten auf derwesten.de, der Internetpräsenz des WAZ-Konzerns, scheinen künftig auf Auswüchse sinnloser Illustration verzichten zu wollen (hier vor kurzem angeprangert).

Immer wieder schön, wenn engagierter Journalismus, so wie er hier mit den weiten Spendierhosen webbasierter Omnipotenz zelebriert wird, zu einer besseren Welt beitragen kann – selbst wenn in diesem Fall nur 10.800 Pixel des Grauens verschwinden.