A-57-Impressionen

rd | 14. September 2007, 12:09 | keine Kommentare

Mein alter Erdkundelehrer Karl-Heinz Keßler, auch ein begnadeter Fußballtrainer und leider zu früh verstorben, wies mich schon vor gefühlten hundert Jahren auf die Zwiespältigkeit des damals allgegenwärtigen Wunsches von Kleinkäffern nach einem möglichst unmittelbaren Autobahnanschluss hin. Auf der einen Seite, so Keßler schon damals in unbestechlicher Dialektik, kommen die Menschen zwar leichter in den jeweiligen Ort. Auf der anderen Seite aber macht es der Autobahnanschluss den ab vom Schuss lebenden Menschen auch viel leichter, aus ihrem Heimatnest abzuhauen.

AutobahnWie aber komme ich nun darauf? Nun, nach ein paar Testfahrten auf der A 57 morgens zwischen Kleve und Moers bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass nahezu alle Handwerker aus Kleve und den umliegenden Dörfern zu dieser Zeit in grauenhaft und geschmacklos lackierten Kleinlastern grüppchenweise unterwegs sind zu irgendwelchen Arbeitsstätten fernab der Heimat. Ist es überhaupt noch möglich, morgens um halb zehn in Kleve einen Elektroinstallateur, Klempner, Tischler zu bekommen? Arbeitet hier überhaupt noch jemand? Wahrscheinlich dürfte es zuverlässiger als jede Art von gesamtwirtschaftlicher Rechnung oder Wirtschaftsauskunfteiwesen sein, morgens am Rastplatz Leucht die Zahl der vorbeituckernden Kleinbusse Klever Handwerksfirmen zu zählen: „Oh, 6.35 Uhr und schon fünfmal Horlemann, der Laden brummt ja richtig!“

Übrigens, falls einer der betroffenen Autobahnnomaden diese Zeilen hier liest: Auch wenn frühen Abend der Wunsch verständlich ist, möglichst schnell zum heimischen Kühlschrank vorzudringen – es ist durchaus möglich, mit seinem Kleinbus auf die rechte Spur zu ziehen, selbst wenn der Abstand zwischen zwei Lastwagen kleiner als 1,5 Kilometer ist.



Versagerbericht

rd | 12. September 2007, 20:22 | keine Kommentare

Vier Personen in der Nähe des Klever Werkstoffhofs festgenommen. Sie wollten mit Computerteilen das Weite suchen, als die Polizei eintraf +++ Aufbruchversuchen unbekannter Personen hat das Fenster einer Imbissstube in Kranenburg widerstanden +++ Lediglich einen Winkelschleifer erbeuteten Unbekannte bei einem Einbruch in ein Firmengebäude in Kalkar-Kehrum. Bei einem zweiten Einbruchversuch in der Nähe scheiterten sie +++ Unbekannte entwendeten aus einer Wohnung in der Kleinen Rembrandtstraße in Kleve einen DVD-Spieler, eine Playstation sowie diverse DVDs +++ Unbekannte hebelten die Tür eines Wohnwagens in Goch auf und entwendeten einen Gasofen und Campingartikel +++ Raub war keiner: Der Überfall auf ein Internet-Café an der Hagschen Straße in Kleve wurde vorgetäuscht: Ein junger Mann und seine Bekannte gestanden, Telefonkarten und 100 Euro aus der Kasse gestohlen zu haben.

Soweit der aktuelle Versagerbericht der Kreispolizeibehörde aus der 36. Kalenderwoche. Ein Winkelschleifer, ein paar DVDs und Campingartikel. Liebe Einbrecher, geht doch demnächst einfach bei Aldi einkaufen! Montags und donnerstags sind Aktionstage.



Schiffsmeldungen

rd | 12. September 2007, 19:57 | keine Kommentare

Immer lästere ich, dass in Brienen eine Brücke gebaut wird, die keiner braucht (zuletzt hier ) – und was muss ich da lesen: Zwei mit Holz beladene Schiffe haben den Klever Hafen verlassen! Kyrill sei Dank, und es folgen offenbar noch mehr. Wenn das so weitergeht, wird das Klever Arbeitsamt bald die üblichen Verdächtigen zu Hafenlotsen weiterbilden lassen. Nur ein bisschen Fantasie, und man sieht ein Binnenrotterdam entstehen – fast so wie das Niederrheinschiphol in Weeze. Die Hoffnung stirbt zuletzt.


Moyland (3): Schlossgespenster, nee, nee, nee

rd | 11. September 2007, 19:50 | keine Kommentare

Schloss Moyland

Immer wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt noch eine unfassbare Steigerung – diesmal durch das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung von heute, auf dessen erster Seite Stefan Koldehoff eine derart gründliche Abrechnung mit den absurden Vorkommnissen auf Schloss Moyland vornimmt, dass man als Verantwortlicher die nächsten Tage lieber nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten und statt dessen in weiter Entfernung Deckung beziehen sollte.

Wussten Sie zum Beispiel, dass…

  • in der Museumsstatistik von SM kein Unterschied zwischen den Besuchern der Beuys-Sammlung und denen des ach so beliebten Weihnachtsmarkts (mit „Kunsthandwerk“) gemacht wird?
  • die Entscheidung für das Museum von Landesvater Rau auch unter dem Eindruck des schlechten Gewissens gefällt wurde, in seiner Zeit als Wissenschaftsminister Beuys als Kunstprofessor gefeuert zu haben (als Reaktion von Beuys übrigens das legendäre „Ja Ja Ja Nee Nee Nee Nee Nee“, wenn ich mich recht entsinne)?
  • den Stifterbrüdern van der Grinten in der Satzung der Stiftung lebenslange Renten von 100.000 Mark pro Jahr sowie „anschließend 65.000 Mark für die Ehefrauen und 12.000 Mark für die leiblichen Kinder“ zugestanden wurden?
  • die 60.000 Werke umfassende Sammlung nach Auffassung der Witwe Eva Beuys den Brüdern nur „treuhänderisch“ überlassen wurden und nicht in deren Besitz übergegangen seien?
  • Eva Beuys nicht einmal eingeladen wurde, als das Museum 1997 eröffnet wurde?
  • nachdem die taz zwei Wochen nach der Eröffnung des Museums bericht hatte, das Beuys-Bild eines fliegenden Schwans hänge verkehrt herum, eine Museumssprecherin erklärte, ein niederländischer Förster habe versichert, dass Schwäne „nur so herum fliegen könnten“ (das ist fast schon wieder Kunst)?
  • die Witwe die angebliche (?) Freundschaft zwischen Beuys und Hans van der Grinten so beschreibt: „Dabei kam er doch nur zum Abholen“?
  • So viel ist sicher: Die andere Seite ist am Zug. Und sie wird nicht mit der Gelassenheit eines JB antworten: Ja ja ja nee nee nee nee nee.