Beitrag zum Klimaschutz

rd | 11. März 2007, 01:04 | keine Kommentare

It’s getting hot here… und nun gibt es auch in Kleve ernstzunehmende Bemühungen, die Aufheizung des Weltklimas zu verhindern. Allerdings bin ich wohl der erste Bürger dieser Stadt, der die entsprechenden Maßnahmen zu würdigen weiß. Doch als was sonst sollte der konsequente Versuch, durch immer neue ewige Straßenbaustellen und durch die konsequente Bestückung jeder Kreuzung mit Ampeln das Autofahren im Stadtgebiet dauerhaft zu verhindern, gewertet werden?

Auch ich werde die dringend nötige Rettung des Weltklimas (uns bleiben nur noch 13 Jahre!!) ab sofort in mein Repertoire der politisch korrekten Verhaltensweisen aufnehmen. Wenn ich die erlaubte Parkzeit mal wieder überschreite, oder wenn ich an der Stelle mit der unsäglichsten aller Verkehrsführungen (Opschlag) wie üblich einfach nicht links abbiege (wozu man gezwungen wird), sondern quer über die verwaiste Kreuzung fahre, um einen nervigen Umweg inklusive zweier Kreisverkehre zu sparen – dann mache ich das doch nur, um Kohlendioxidemmissionen zu minimieren. Ehrlich!



Kein Anschluss unter diesem Brötchen

rd | 08. März 2007, 13:25 | 4 Kommentare

Wer am Elsabrunnen startet und dann die Stadt hinunterläuft, findet auf ca. 200 Metern, von einigen Bäckereicafés unterbrochen, die folgenden Konsummöglichkeiten vor: O2-Shop, Mobilcom-Shop, No-Name-Handy-Shops (2), Vodafone-Shops (2), E-Plus-Shop und den notorischen T-Punkt, in den ich mich manchmal flüchte, wenn ich ganz verzweifelt bin (nach ein oder zwei abgelauschten Kundengesprächen weiß ich: Es geht immer noch etwas schlimmer). Da fügt es sich gut, dass jetzt ein Aushang in der ehemaligen Mexx-Filiale die Eröffnung eines weiteren Handy-Geschäfts ankündigt. Was habe ich doch kürzlich auf einem Kongress aufgeschnappt: Es ist hier ein bisschen wie in der DDR – nur in bunt. Und mit Latte macchiato.



Holländischer Abend

rd | 07. März 2007, 20:05 | 1 Kommentar

Skat im Kronprinzen, Null Hand gewonnen, obwohl in Vorhand 3 Siebenen saßen (die mein Gegenspieler aber aus unklaren Gründen nicht zu spielen wagte, was beinahe Handgreiflichkeiten auslöste). Die Spielbedingungen sind allerdings auch extrem und provozieren Fehler dieses Kalibers. Willi, der Wirt, spielt unablässig niederländische Schlager. Und mittendrin immer wieder einen beinahe schon psychedelisch wirkenden Song, der sich wie eine Zecke im Gehör festbeißt. Darin singt der Vortragskünstler mit sich steigernder Geschwindigkeit „ding-ding, ding-ding“, „klingeling, klingeling“ oder so ähnlich (werde es beim nächsten Mal aufnehmen und ins Netz einspeisen, zur Bewahrung der NL-Kultur). Ist wahrscheinlich eine Kombination aus Heineken, Bolero und der niederländischen Ausgabe einer Stimmungskanone vom Schlage eines Andy Borg.

Nun, in zwei Wochen soll es dort sogar einen „Holländischen Abend“ geben. Kurze Beratschlagung in der Runde, was sich dahinter denn nun wieder verbergen könnte. Erste Vermutung: Das sei der Tag, an dem das Fritierfett gewechselt werde.

Aber an dieser Stelle nur Gutes über den im Kronprinzen erhältlichen „Gemischten Teller“ nach NL-Art – eine imposante Ansammlung von Kleinstkroketten, -frikandeln, -kaassoufflees, Chicken Chips und irgendetwas Vegetarischem (!!), Spezialitäten, die allesamt im siedenden Fett der Kronprinzen-Friteuse einen krossen Panzer erhalten, den der Mensch kaum noch zerstören kann, was den Genuss erheblich verlängert. Wenn da nur nicht diese verflixten Transfette zu befürchten wären!


Mein erster Kulturpreis

rd | 05. März 2007, 11:37 | keine Kommentare

Nein, ich habe ihn nicht erhalten, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Mir war nur die Einladung zur Verleihung desselben an den Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus e.V. in den Briefkasten geflattert. Also nichts wie hin! Wein, Weib, Gesang!! Dafür ließ ich sogar ein Basketballtraining sausen. Doch der schlauchartige Saal im Museum Kurshaus dämpfte meine Euphorie sogleich. So viele alte Männer mit verkniffenen Gesichtern. So, als ob die meisten von ihnen mit Prostataproblemen zu kämpfen hätten. Aber genau das muss wohl Kultur sein, dachte ich mir noch, und dann ging’s auch schon los – mit Bürgermeister Theo Brauer, der eine gefühlte Stunde lang „sehr geehrte“ Gäste begrüßte (am Ende war wohl nur ich noch nicht angesprochen worden).
EinladungMittlerweile war ich, obwohl erst eine halbe Stunde dort, schon recht müde. Da kam der Festvortrag von Prof. Speck gerade recht, zumal die erste Viertelstunde seiner Ausführungen von dem vermutlich heiklen Thema beansprucht wurde, ob sein Vortrag nun „Bildnis des Sammlers als Kurshausschatten“ (wie in der Einladung gedruckt) oder „Bildnis des Sammlers im Kurshausschatten“ (wie im Programmzettel zu lesen) genannt werden sollte.

Aus mir nicht klaren Gründen entschied er sich für die zweite Variante, um anschließend ganze Güterzüge voller Zitate über das Wesen des Kunstsammlers heranzukarren. Vermutlich ist nicht einmal Google imstande, eine solche Menge von Treffern anzuliefern. Zum Glück war im Hintergrund das stete Klimpern von Gläsern zu hören – das gehörte sicherlich zur Vorbereitung der großen Party!


Während immer neue Zitate heranbrandeten, begann ich – leicht schläfrig – eine Liste der Dinge, die ich am folgenden Tag im Haushalt erledigen wollte, zusammenzustellen: Küche, Wäsche, Fensterbänke. Fast lautlos murmelte der Professor, zeitweise fiel auch noch das Mikrophon aus, was aber nicht alle Gäste als unbedingtes Manko der Veranstaltung empfanden.

Feingeistige Ausführungen verhallten ungehört

Plötzlich wurde es laut. Theo Brauer hatte sich offenbar das Mikrophon zurückerkämpft, weil er auch mal wieder etwas sagen wollte. Schon mit seinem ersten Satz bewies er eindrucksvoll, dass er die feinsinnigen Ausführungen des Professors zu den Variationen seines Titels komplett ignoriert hatte. Das wiederum hätte der Beweis für eine gewisse anarchistische Größe sein können, es war aber vermutlich einfach nur Bolderigkeit. Dann gab’s eine schicke Urkunde und 5000 Euro von der Stadt für den Verein, der damit Bilder (oder Teile von Bildern) kaufen kann, die dann wiederum in einem Museum der Stadt hängen. Klever sind clever!, hieß es früher immer.

Als Irene Kurka (Sopran) und Ruthilde Holzenkamp (Akkordeon) den offiziellen Teil mit „Someone to watch over me“ von Gershwin beschlossen, wurde das zarttönende Duo im Hintergrund begleitet vom Ploppen der Sektflaschen, die für die große Party entkorkt wurden. Ein letzter Akt unfreiwilliger Komik, den nicht einmal die versammelte Riege der Sauertopfmienen ignorieren konnte. Ich genehmigte mir zwei Gläser Sekt und entschwand in das Dunkel der Nacht, nicht ohne noch irgendwo am Rande aufgeschnappt zu haben, dass der Professor mit dem tollen Vortrag (eigentlich Mediziner) ganz doll viel Kunst sammelt, die man natürlich gerne auch mal außerhalb seines Wohnzimmers sehen würde, zum Beispiel im Museum Kurhaus, und deshalb hätte der Mann seinen angestaubten Zitatenschatz ausbreiten dürfen. Keine Ahnung ob’s stimmt, aber warum eigentlich nicht? Als Hochkulturfreak muss man vermutllich solche strategischen Dimensionen der Ereignisse im Auge behalten. It’s only a game, und so gesehen war die 5. Verleihung des Johann-Moritz-Kulturpreises der Stadt Kleve ein ganz starker Abend.