Eine interessante Frage

rd | 29. November 2007, 12:43 | keine Kommentare

Heute auf der ersten Seite der Grenzland Post ein Beitrag, der nachdenklich stimmt:

Tortengrafik

Es handelt sich um das Ergebnis einer Internet-Abstimmung, mit der RP online um Klicks kämpft und sich um crossmediale Vernetzung bemüht. Das Ergebnis, so es denn halbwegs verwertbar ist (es ist immerhin mindestens 300 Mal abgestimmt worden), würde in einem echten Verlagshaus eine schwere Sinnkrise auslösen. Sollte es etwa bedeuten, dass knapp die Hälfte der Leute, die das Ding unterm Weihnachtsbaum finden, gar nicht wissen wollen, welche preussische Vase im Moritzpark auf kurfürstliche Anweisung um 15 Grad nach links gedreht wurde, ein damals unerhörter Vorgang, über den das Stadtarchiv eine fünf Zentimeter dicke Akte besitzt, die bisher noch niemand ausgewertet hat? Sollte es etwa bedeuten, Krieg „geht gar nicht“? Sollte es in letzter Konsequenz etwa bedeuten, dass mein Vater immer nur so tut, als ob er sich über das Geschenk freut?

Ein Kauf & ein Elterngespräch werden hoffentlich Klarheit bringen. Bericht folgt.



Versuch’s mal mit Gemütlichkeit

rd | 29. November 2007, 01:49 | 7 Kommentare

Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie liegen mit einem Herzkasper im Bett und warten auf Hilfe. Und nun bitte auf „Play“ klicken und das kurze Werk eines unbekannten Filmemachers auf Youtube betrachten, das den Start eines Rettungswagens in der Klever Feuerwache zeigt:

Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Fahrt nicht um einen Notfall, und vermutlich ist auch davon auszugehen, dass unsereins durch die ganze Emergency-Room-Ästhetik mittlerweile so versaut ist, dass die Realität eines Einsatzes im Klever Rettungsdienst als etwas behäbig empfunden wird. Versuch’s mal mit Gemütlichkeit! Aber vielleicht hätte der Rettungssanitäter aus dem Filmchen einfach nicht erst noch die Türe schließen sollen. Das sieht ein bisschen aus wie „Wir sind hier auf der Arbeit – und nicht auf der Flucht“. Andererseits: Die ganze Szene dauert nur zwölf Sekunden. Die wiederum können sehr lange dauern, wenn man im Bett liegt und einem das Herz gerade um die Ohren fliegt.



5 Jahre für den „Cowboy“

rd | 25. November 2007, 14:49 | 4 Kommentare

CowboyDer stadtbekannte Szenegänger (59), der um sechs Uhr morgens in der Gaststätte Regenbogen mit 2,6 Promille Alkohol im Blut und auch noch Ritalin drin auf einen 34-jährigen, aus dem Libanon stammenden Textilhändler geschossen hatte, wurde übrigens zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zweifelsohne ein harter Urteilsspruch von Richter Ulrich Knickrehm, aber angesichts der Tatsache, dass die Kugel in 1,74 Meter Höhe in die Wand einschlug, hatte er wohl keine andere Wahl. Eine harte Entscheidung aber auch für die Klever Gastronomie, die den stillen und trinkfesten Trenchcoatträger seit vielen Jahren als verlässlichen Umsatzbestandteil schätzte. Schätzungsweise ein echter Fall für die Wirtschaftsförderung.


177:52

rd | 25. November 2007, 14:29 | keine Kommentare

Es tut so weh, aber der Job des Chronisten ist eben manchmal sehr, sehr hart. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende arbeiten, verfiel aber beim hastigen Frühstück in die lästige Gewohnheit, die Sonntagsblättchen zu durchforsten – und:

  • Herr Pofalla macht es sich bequem, im HeiBo-Möbelmarkt natürlich… Immerhin, 52 Quadratzentimeter für den Polsterdemokraten im Klever Wochenblatt.
  • SPD-Kreisvorstand schenkt Barbara Hendricks ein Plakat fürs neue Büro, was, ebenfalls im Klever Wochenblatt sogar satte 177 Quadratzentimeter Medienpräsenz einbringt. Die News kulminiert in folgendem Satz: „Als Geschenk hat der Vorstand der Kreis Klever SPD für das neue Berliner Büro von Barbara Hendricks im Willy-Brandt-Haus das druckfrische ‚Kreis-Kleve-Plakat‘ von Wilhelm Schlote erworben und ihr anlässlich der letzten (sic!) Vorstandssitzung im Gerd-Hölzel-Haus, der Geschäftsstelle der Kreis Klever SPD, überreicht.“ Vermutlich wird Hendricks mit einer Frachtmaschine voller Kartoffelfertigprodukte, Postern und Visionen von der finanziellen Zukunft der sozialen Demokratie zurück nach Berlin fliegen.

Das Plakat hätte übrigens auch eine eigene Würdigung verdient, wobei, glaube ich, der Künstler keine wirkliche Chance hatte. Es ist ein bisschen wie Holbein und Anna von Cleve, wo die vorteilhafte Darstellung der „flandrischen Mähre“ ja bekanntlich eine echte Ehekatastrophe nach sich zog. Später mehr. Jetzt arbeiten. Aber wirklich.