Bald freie Sicht auf Wein Peters

rd | 28. September 2018, 19:20 | 9 Kommentare
Über allem Treiben wacht die Burg

Seit 85 Generationen verkauft die Familie Peters am Fuße der Schwanenburg Wein und Spirituosen, doch bisher konnten die Bürger das Ladenlokal kaum sehen, weil es hinter zwei Häusern verborgen lag. So viele leckere Getränke in den Auslagen, und niemand nahm sie wahr, außer den wenigen treuen Seelen, die zur Fuß zur Stadtbücherei gingen und aus Trauer darüber, dass das gewünschte Buch immer noch ausgeliehen war, Zuflucht bei einem Fläschchen Grauburgunder aus dem Baden suchten.

Man kann sich vorstellen, dass durch diese Konstellation über die Jahre vermutlich Millionen von Talern verloren gegangen sind. Doch nun beseitigte die Stadt diesen unhaltbaren Zustand im Zuge der Neugestaltung des gesamten Areals auf elegante Weise: Gestern Morgen begann ein Bagger der Firma Loock mit dem Abriss der beiden Wohnhäuser an der Ecke Lohstätte/Wasserstraße, um 13:20 Uhr war das erste Haus bereits in eine Ansammlung von Trümmern verwandelt, die sorgfältig getrennt wurden. Künftig hat der Kunde also freie Sicht auf die Schaufenster des Fachhändlers – Wirtschaftsförderung mit der Abrissbirne!



Auszeichnung für Unternehmen aus Bedburg-Hau: Planwerkstatt gewinnt Iconic-Award

rd | 26. September 2018, 18:47 | 1 Kommentar
Ein Raumschiff im Gewerbegebiet 

Große Auszeichnung für ein Unternehmen aus Bedburg-Hau: Die Planwerkstatt GmbH erhielt jetzt den renommierten Iconic-Award in der Kategorie „Innovative Architektur“ – für den Entwurf des neuen Firmensitzes der K3 Raumkonzept GmbH aus Bedburg-Hau. K3 ist ein holzverarbeitender Betrieb aus Hasselt, der sich auf exklusive Innenraumgestaltung spezialisiert hat. Der Preis wird von der Stiftung Rat für Formgebung verliehen und zeichnet besondere  Gestaltungsideen in Design und Architektur aus.

Hier ein Bericht über das Projekt, der in der ersten Ausgabe 2018 des Magazins Der KLEVER erschienen ist (die neue Ausgabe kommt in wenigen Tagen auf den Markt):

Gewerbegebiet Hasselt, das klingt nach Autohändlern koreanischer Fabrikate und Zweckbauten mit Sektionaltoren. Wer jedoch an der Kalkarer Straße in die Straße An der Molkerei abgelegt, stößt links hinter dem Teamsports-Komplex, das geradewegs einem James-Bond-Film entsprungen zu sein scheint. Es könnte sich auch um ein Raumschiff handeln, das auf einer Produktionshalle zwischengelandet ist.

Bei dem Gebäude handelt es sich um den Firmensitz der K3 Raumkonzept GmbH. Das Unternehmen hat sich auf anspruchsvolle Innenausstattung aus feinen Materialien spezialisiert, die Kunden sind in ganz Deutschland zu finden. Ein „hidden champion“, wie man heute sagt – weil kaum einer vor Ort das Unternehmen kennt.

Ulrich Küppers, Geschäftsführer des Unternehmens, gelangte zu der Erkenntnis, dass auch der architektonische Auftritt seiner Firma zu dem passen sollte, was er bei seinen Kunden abliefert. Bei der Suche nach einem Architekten wurde er in der Nachbarschaft fündig: David Wiederhold von der PlanWerkstatt Walter + Wiederhold aus Bedburg-Hau, ein Unternehmen, das eigentlich auf Event-Architektur spezialisiert ist, entwarf dem Handwerker einen exquisiten Firmensitz.

Zwei bei der Arbeit von Küppers unverzichtbare Elemente, der Keil und die Klammer, chrakterisieren das Gebäude. Die Klammer umfasst die Büroetage, als Dach kragt sie weit aus, in Höhe des Fußbodens ebenfalls und öffnet sich zur umgebenden Landschaft hin. Zur rückwärtigen Seite hin wird sie enger, sodass das Gebäude optisch tiefer wirkt. Die Büroräume selbst – der Keil –  sind gekennzeichnet durch große Glasfronten, die sich ebenfalls verjüngen. Die Stimmung der Natur werde so zum wichtigen, raumprägenden Merkmal des Innenraums, sagt der Architekt.

Roland Walter, Geschäftsführer der Planwerkstatt, sieht in diesem Projekt den Anfang einer Entwicklung: „Wir werden in den kommenden Jahren erleben, dass sich die industrielle Produktion komplett verändern wird. Und dies wird zu einer Renaissance kleiner und wendiger Unternehmen führen.“ Unternehmen, die aber – um am Markt wahrgenommen zu werden – Elemente der Markenbildung, wie sie bisher nur von Großkonzernen bekannt sind, für sich einsetzen müssen. 
Küppers ist von dem Ansatz überzeugt: „Die Menschen haben nur fünf Sekunden Zeit, wenn sie hier vorbeifahren. Da möchte ich auf das Unternehmen aufmerksam machen.“



Hochschule: Holzpflock ins Herz gerammt

rd | 25. September 2018, 19:09 | 28 Kommentare
Joyful time in Kleve: Trifft nicht für alle zu

(Hier war ein Foto zu sehen, das die Mitglieder der Hochschulwahlversammlung sowie einige Gäste der Veranstaltung im Audimax der Hochschule zeigt. Die augenblickliche „Leitung“ der Hochschule beauftragte unter Berufung auf das Hausrecht eine Anwaltskanzlei, mich wegen eines angeblichen Verstoßes dagegen abzumahnen und forderte mich auf, dieses Foto nicht mehr zu zeigen. Bis zur endgültigen rechtlichen Klärung der Angelegenheit ist es deshalb nicht mehr zu sehen.)

(Hier war ein Foto zu sehen, das Prof. Dr. Aloys Krieg und Prof. Dr. Achim Kehrein bei der Leitung der Hochschulwahlversammlung im Audimax der Hochschule zeigt. Die augenblickliche „Leitung“ der Hochschule beauftragte unter Berufung auf das Hausrecht eine Anwaltskanzlei, mich wegen eines angeblichen Verstoßes dagegen abzumahnen und forderte mich auf, dieses Foto nicht mehr zu zeigen. Bis zur endgültigen rechtlichen Klärung der Angelegenheit ist es deshalb nicht mehr zu sehen.)

Man kennt das aus den Gruselfilmen: Der Feind liegt bereits besiegt am Boden, aber der Held geht auf Nummer sicher und rammt seinem Gegenspieler mit einem wuchtigen Hammerschlag noch den Holzpflock ins Herz. Das Böse ist besiegt.

Eine vergleichbare Prozedur führte gestern die Führung der Hochschule Rhein-Waal durch: Ein Gremium, das Hochschulwahlversammlung heißt, wählte auf Antrag des Hochschulrats die bereits zurückgetretene Präsidentin Dr. Heide Naderer gewissermaßen sicherheitshalber noch mal ab – nicht, dass sie womöglich morgen schon wieder an der Tür klopft! 

Wie um von der Würdelosigkeit des Vorgangs abzulenken, waren die Damen und Herren Professoren von Beginn an um eine heitere Grundstimmung bemüht, ganz so, als gelte es die Aufgaben für eine anstehende Kegeltour zu verteilen („Jens, du kaufst das Bier“). Prof. Krieg sagte, dass er als Mathematiker dafür bürge, dass die Stimmen richtig gezählt werden.

Die Fröhlichkeit passte aber deshalb ganz gut, weil draußen vor dem Audimax gerade die Erstsemester eingetroffen waren. Die neuen Studenten, ahnungslos, was drinnen ablief, brachen vom Hochschulgelände die zum traditionellen Pubcrawl auf und zogen singend und lachend durch die Klever Kneipen. 

Guter Laune war auch Prof. Eberhard Menzel als Zuschauer in Reihe 4 – der pensionierte Wissenschaftler, ehemals Präsident der Hochschule Ruhr-West, wird bekanntlich als Interimspräsident gehandelt. Dr. Naderer, zum Zeitpunkt der denkwürdigen Veranstaltung zumindest de jure noch Präsidentin der Hochschule, hatte es vorgezogen, dem Schauspiel fernzubleiben. Wer, wie die ca. 15 interessierten Klever Bürger, der Versammlung beiwohnte, wird sagen, dass dies eine kluge Entscheidung war.

Nach der Abwahl, für die als Grund die aus dem Hut gezauberte „Zerrüttung“ herhalten musste, votierten die Mitglieder der Hochschulwahlversammlung auch dafür, Naderer zu bitten, von der weiteren Amtsführung abzusehen. Wobei Bitte wohl eher als Befehl verstanden wird, denn der Pressemitteilung der Hochschule – siehe unten – ist zu entnehmen, dass der (ebenfalls zurückgetretene) Prof. Georg Hauck ab sofort bis auf weiteres die Geschäfte der Hochschule führen soll.

Hier die Pressemitteilung der Hochschule im Wortlaut:

Hochschulwahlversammlung entscheidet über Abwahl der Präsidentin

Kleve/Kamp-Lintfort, 24. September 2018: Die Hochschulwahlversammlung der Hochschule Rhein-Waal hat am 24. September 2018 im Audimax auf dem Campus Kleve Dr. Heide Naderer als Präsidentin abgewählt. Darüber hinaus bat das Gremium die Präsidentin, von der Weiterführung ihres Amtes abzusehen. Grund für die Abwahl war das nachhaltig gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Dr. Naderer und den Entscheidungsgremien der Hochschule. Die Bitte, von der Weiterführung des Amtes abzusehen, ergibt sich aus § 20 Abs. 4 Hochschulgesetz NRW.

Die Absage der Hochschulwahlversammlung vom 29. August 2018 resultierte aus der kurzfristigen Erklärung des Rücktritts, der zunächst die Prüfung der rechtlichen Folgen und deren Besprechung notwendig machte.

Die Hochschulwahlversammlung hat sich mit dem Antrag des Hochschulrats auf Abwahl befasst, obwohl Dr. Naderer am 28. August 2018 ihren Rücktritt erklärt hat. Eine Abwahl beendet auch das Beamtenverhältnis auf Zeit der Präsidentin.

Die Amtsgeschäfte werden zunächst von Vizepräsident Professor Dr. Georg Hauck kommissarisch weitergeführt. Die Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers wird zu gegebener Zeit gemäß den Vorgaben des Hochschulgesetzes und der Grundordnung der Hochschule durchgeführt.

(Hier war ein Foto zu sehen, das Prof. Dr. Eberhard Menzel und kleveblog-Leser Bernd Derksen zeigt. Die augenblickliche „Leitung“ der Hochschule beauftragte unter Berufung auf das Hausrecht eine Anwaltskanzlei, mich wegen eines angeblichen Verstoßes dagegen abzumahnen und forderte mich auf, dieses Foto nicht mehr zu zeigen. Bis zur endgültigen rechtlichen Klärung der Angelegenheit ist es deshalb nicht mehr zu sehen.)


Das schnelle Internet, handgewebt am Fischmarkt

rd | 25. September 2018, 17:01 | 4 Kommentare
Jedes Bit wird sorgfältig geklebt

Passanten rieben sich gestern Mittag verwundert die Augen, als sie am Fischmarkt zwei Techniker der Telekom erblickten. Einer der beiden Männer saß an einer mobilen Werkbank, vor sich die Enden von zwei roten Kabeln, die aus dem Schlund der Stadt kamen. Mit ruhiger Hand, assistiert von seinem Kollegen, widmete er sich dem Innenleben der Leitungen – feinsten Glasfasern, so dünn wie ein menschliches Haar. Sorgfältig führte er die Ende zusammen und verklebte sie, auf dass auch in der Klever Innenstadt bald ruckelfreie 4K-Videos gestreamt werden können. Wir technikversessene Menschen aber lernen: Das schnelle Internet, am Ende ist selbst das biederes Handwerk.