Meet the president: Im Klimahaus

rd | 20. Dezember 2018, 11:25 | 39 Kommentare

In der deutschen Hochschullandschaft dürfte diese Position einmalig sein – und ihr ein von Prof. Dr. Aloys Krieg beschertes Alleinstellungsmerkmal bescheren, das den ohnehin ramponierten Ruf der Hochschule weiter in Mitleidenschaft zieht: Prof. Dr. Eberhard Menzel, der vom Senat gerufene Interimspräsident der Hochschule, präsentierte auf der Veranstaltung „Meet the president“ seine persönliche Sicht auf den Klimawandel – die nahezu allen Erkenntnissen der Fachwelt entgegensteht. Wird nun auch das Gebäude 4 der Hochschule ein Klimahaus? Menzel, Mitglied im Fachbeirat des rechtskonservativen Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE), bot sogar an, seine Sicht der Dinge auch im Rahmen eines Vortrags im Studium Generale anzubieten. 

In der Passage, die in dem oben verlinkten Youtube-Video zu sehen ist, antwortete Menzel auf die Frage einer Studentin. Wörtlich sagte er:

„I know that climate is changing. I know that climate has always changed.“ („Ich weiß, dass das Klima sich verändert. Ich weiß, dass das Klima sich immer verändert hat.“)

„Go back 500 million years and you find CO2 concentrations of 7000 ppm rather than 400 ppm what we have right now.“ („Vor 500 Millionen Jahren gab es CO2-Konzentrationen von 7000 ppm im Gegensatz zu den 400 ppm, die wir jetzt haben.“)

„For me a relationship between CO2 and climate is not evident.“ („Für mich ist eine Beziehung zwischen CO2 und Klima nicht erwiesen.“)

„You have temperature and CO2 correlations where normally the CO2 follows the temperature. So if that is the case: Then how can CO2 influence the temperature.[…] The CO2 always follows the temperature. “ („Es gibt Korrelationen zwischen Temperatur und CO2, bei denen das CO2 normalerweise der Temperatur folgt. Wenn das aber der Fall ist: Wie kann dann CO2 die Temperatur beeinflussen. Das CO2 folgt immer der Temperatur.“)

„I doubt that CO2 has something to do with temperature.“ („Ich bezweifle, dass CO2 etwas mit der Temperatur zu tun hat.“)

„Everything that has been said about my involvement in climate change and CO2 and so on is simply my hobby.“ („Alles was zu meinem Engagament beim Klimawandel und CO2 und so weiter gesagt wurde, ist einfach nur mein Hobby.“)

kleveblog meint: Für die junge Hochschule, die sich gerade im Bereich Nachhaltigkeit engagiert und mehrere Studiengänge anbietet, die das Wort Sustainability im Namen tragen, dürften die Äußerungen des fachfremden Professors, die sich deutlich von dem abheben, was in der wissenschaftlichen Fachwelt als gesichert gilt, für erhebliche Verwerfungen sorgen. Der Plan, wenigstens etwas Ruhe in die Hochschule zu bringen, so wie es sich Prof. Krieg vermutlich mit der Entsendung Menzels erhofft hatte, kann als gescheitert gelten. Aloys Krieg, Mathematiker aus Aachen, kann es sich auf seine Fahnen schreiben, zum Abschluss seiner beruflichen Laufbahn die Reputation der Hochschule Rhein-Waal zerstört zu haben. Für die engagierten Mitarbeiter der Hochschule ist dies eine betrübliche Erkenntnis. 


Hier der erste kleveblog-Bericht zum Thema: Hochschule: Ist der Interimspräsident ein Klimatroll?



kleveblog-Supermarktkritik

rd | 19. Dezember 2018, 16:16 | 14 Kommentare
Rot und Gelb: Einst die Farben der DEG, heute die einer preiswerten Einkaufsadresse
Edle graue Fliesen, großzügige Gänge – der Kunde fühlt sich wie in einem mediterranen Palazzo
Leben wie Gott in Frankreich: Finger Food für die ersten Gäste – und 10 % auf alles!
Eine Chance für Chantré? Branntwein zu Schnapszahlpreisen
Ein Bild für die Ewigkeit: Drei Kassen – und alle besetzt!

Erst die Volksbank, dann das Rathaus – und jetzt, zur Vollendung eines Unterstadt-Triptychons, wie es nur in Kleve entstehen kann, die Eröffnung des neuen Netto-Markts an der Wiesenstraße. Kleve entwickelt sich! Und wie es der kunstsinnige Connaisseur von pittoresken Ensemblen der italienischen Renaissancestädte (Siena, Gubbio) gewohnt ist, erwartete den Besucher des „Marken-Discounts“ ein Feuerwerk der Sinne.

Mit elegantem, mit etwas Gespür für Emphase durchaus „spätromanisch, nur andersrum“ zu nennendem Schwung empfängt die Konsumflaneure eine rot-gelbe Luftballonwurst über dem großzügigen Eingang, in dem bis zu fünf Einkaufswagen nebeneinander passen. Eine Grandezza, von der der Frustpendler auf der A 57 nur träumen kann.  Das Interieur des  Ladenlokals präsentiert sich im Stile eines mediterranen Palazzo mit  Terrakottafliesen, die ein warmes, tranquillierendes Grau verströmen. Lange, weite Gänge vermittelten den Eindruck luftiger Weite, und es nähme einen nicht wunder, wenn am Ende des Einkaufs ein Balkon mit Meerblick stünde.

Die Waren präsentieren sich in einer Heiterkeit, die der Beschwernis der Güterbeschaffung für die Dinge des Alltags – Kartoffelchips, Zitronen, Limo – eine kapitalistische Beschwingtheit entgegensetzt, die ganze Lebensentwürfe durcheinanderwirbeln kann. Gewönne der Tag nicht einen ganz anderen Schwung, wenn man statt der Limo im nebenstehenden Regal, das einem Weinbrand der Marke Chantré für 5,55 Euro anbietet, mal so richtig zulangen würde? Immer wieder überrascht das Netto-Management den Kunden mit kleinen Störungen des gewohnten Kaufflusses. Warum nicht schnell noch einen USB-Ventilator kaufen, der nächste Sommer kommt bestimmt.

Brotprodukte werden in einer eigenen Backstube angeboten, leider immer noch ohne  Franzbrötchen, die vor zwei Jahren im Zuge einer eiskalten Managemententscheidung aus dem Sortiment genommen wurden. Dafür locken an einem nett drapierten Stehtisch jedoch Canapés zur sofortigen, unentgeltlichen Verköstigung. Würden auch noch Getränke gereicht, der Gedanke an eine Szenerie spätrömischer Dekadenz läge nicht fern. Doch weder Getränke noch Weintrauben waren in Sichtweite. Das erscheint ausbaufähig.

Das größte Wunder aber erwartete die Besucher des neuen Marktes gegen 14 Uhr, als alle drei Kassen besetzt waren. Dementsprechend kurz waren die Wartezeiten, mitgebrachte Bücher mussten gar nicht erst ausgepackt werden, die Wartezeit reichte nicht einmal für ein Handyspiel. Hoffentlich ist dafür nicht Personal aus anderen Filialen abgezogen worden.

Doch schon eine halbe Stunde später – ein vergessenes Produkt musste nachgekauft werden – war das Kassenparadies wieder verschwunden, und die Eröffnungsgäste standen in den gewohnten nettoesken Schlangen, die eine Ahnung von DDR aufscheinen ließen. Es waren zwar genug Kassiererinnen da, doch sie konnten nicht arbeiten, weil das Kassensystem von allen Kräften eine Neuregistrierung verlangte – bei der alle zehn Fingerabdrücke einzuscannen waren, so jedenfalls das Personal in Plauderlaune am Warenförderband. Wer denkt sich so was aus?

Die neu gewonnene Lebenszeit konnte genutzt werden, einen näheren Blick auf ein Produkt zu werfen, das den Lauf der Welt verändern könnte – den Fugentorpedo. Was immer der Fugentorpedo in seinem Zielgebiet anrichtet – es scheint, dem Namen nach, mit Gründlichkeit vollzogen zu werden. Der ohnehin schon um 50 % reduzierte Preis von 9,99 Euro verringerte sich an der Kasse nochmals um 10 % „auf alles“. Ausgestattet mit einem solchen Wunderwerkzeug (fällt es womöglich unter das Kriegswaffenkontrollgesetz?) bietet sich eine Triumphpause im angrenzenden Café der Bäckereikette Heicks & Teutenberg an. Es lädt ein zu veträumten Blicken auf die angrenzende Piazza, die allerdings vorwiegend zum Parken von Kraftfahrzeugen genutzt wird. Noch ist nicht alles fertig, und so brummen manchmal kleine rote Bagger oder Radlader vorbei, oder sogar der Geschäftsführer des Bauunternehmens Loock, Ludger Janßen, im schicken Mercedes mit Lodenhut auf. Ludi incipiant!



Auflösungserscheinung

rd | 18. Dezember 2018, 18:34 | keine Kommentare
Die Ahnung einer Materialität hinter den Dächern


Hochschule: Ist der Interimspräsident ein Klimatroll?

rd | 16. Dezember 2018, 17:00 | 50 Kommentare
Klima ist offenbar sein Thema, ob betrieblich oder global: Prof. Dr. Eberhard Menzel

Oje, oje, welches Ei hat Prof.Dr. Aloys Krieg der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) denn da ins Nest gelegt? Bekanntlich hatte der Professor aus Aachen die Idee, den – zumindest aus seiner Sicht vakanten – Posten des HSRW-Präsidenten mit einer Interimslösung zu besetzen, und seine Wahl fiel auf einen Ruheständler, der dem achten Lebensjahrzehnt entgegenblickt und der sich eigentlich in eine „Bastelstube“ zurückziehen wollte, allerdings nach eigenem Bekunden schlecht Nein sagen kann: Prof. Dr. Eberhard Menzel.

Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt sorgte der pensionierte Gründungspräsident der Hochschule Ruhr-West für – gelinde gesagt – Stirnrunzeln, denn zu den ersten Dingen, die der Professor in Kleve ändern wollte, zählte er das Vorhaben, abgekürzte Grußformeln abzuschaffen. Das löste insofern Verwunderung aus, als dass zumindest in den gängigen Büroanwendungen seit mehreren Jahrzehnten das Kürzel mfg automatisch in eine Langfassung umgewandelt wird.

Ist der Mann womöglich aus der Zeit gefallen? Hat ein alter Mann des Wissenschaftsbetriebs einem anderen alten Mann noch mal schnell eben ein Pöstchen verschafft? Zu fragen wäre auch, inwieweit der Senat der Hochschule, der das Wissenschaftsministerium um die Entsendung Menzels bat, sich inhaltlich mit der Personalie des Pensionärs beschäftigt hat, immerhin geht es um das Spitzenamt der Hochschule.

Die Pressekonferenz in Kleve, in der die besagten Äußerungen fielen, stand ganz im Zeichen der Frage, wie Menzel das Klima an der Hochschule verbessern will, nicht zuletzt deshalb wurde auch ausdrücklich auf das Weckmannessen des Fördervereins Campus Cleve e.V. hingewiesen.

Doch Menzel hat offenbar nicht nur das Betriebsklima an der HSRW im Sinn. Der Elektrotechniker interessiert sich auch für das Weltklima – allerdings in einer Art und Weise, die dem Personal der Klever Hochschule so gar nicht behagen dürfte. Die Einrichtung hat sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben und bietet diverse Studiengänge an, die das Wort Sustainability im Namen tragen. Hingegen gehört Menzel, der Interimschef der Hochschule, zu den Unterstützern einer Organisation, die die menschlichen Ursachen des Klimawandels leugnet.

Weiter entfernt geht nicht. Und man hätte es ahnen können.

Schon seine Abschiedsvorlesung als Rektor der Fachhochschule Dortmund im Jahre 2009 irritierte die Anwesenden. In seinem Vortrag sagte Menzel eine neue Eiszeit voraus und behauptete, erdgeschichtlich betrachtet, gehe der Kohlendioxod-Anteil in der Atmosphäre seit zwei Millionen Jahren zurück. Aktuelle Schwankungen führte er einem Bericht der Westfälischen Rundschau zufolge auf ausbleibende Sonnenflecken, Veränderungen im Kippwinkel der Erde zur Sonne sowie auf Neutronenstrahlung aus dem All zurück. Die Zeitung selbst kommentierte: „Gewagte Thesen.

In dem Artikel heißt es weiter: „Für Menzel ist klar, dass auch der Planeten-Zyklus in unserem Sonnensystem Einfluss auf das Erdklima besitzt. Selbst intergalaktische Phänomene sind bestimmend: eine hohe Neutronenstrahlung aus dem All könne hier Wolken auslösen. ,Die Neutronendichte ist derzeit extrem hoch’, berichtet der Hobby-Klimaforscher.“

Die Klimaforscher, die anderes behaupten, bekamen eine Breitseite des Elektrotechnikers ab. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten: „Da passiert Schmuh. […] Alle Messstationen in Amerika sind fehlerhaft.“ Der Berichterstatter, der offenbar selbst nicht ganz fassen konnte, was er da hörte, fügte diplomatisch begütigend hinzu, dass der Professor da wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen sei.

Nun könnte man vermuten, die Anwesenden seien Ohrenzeuge eines erratischen Einzelvortrags geworden. Die Vorgänge liegen nun ja auch schon neun Jahre zurück und womöglich hat Menzel mittlerweile eine etwas differenziertere Sicht der Dinge. Dann aber müsste Prof. Dr. Eberhard Menzel erklären, weshalb sein Name im Fachbeirat des Europäischen Instituts für Klimawandel & Energie (EIKE) gelistet ist. Bei dieser Organisation handelt es sich um eine rechtskonservative Denkfabrik mit einigen Überschneidungen zur AfD, wie das ARD-Magazin Monitor am 6. Dezember berichtete.

Die Positionen des „Instituts“ dürften zumindest für Menschen, die sich einem ordentlichen Wissenschaftsbetrieb verpflichtet sehen, gewöhnungsbedürftig sein. Die Website empfängt Besucher mit dem kämpferischen Banner: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit.“

Zum Thema Energie propagiert EIKE: „EIKE sieht keine Gefahren für die künftige Energieversorgung der Menschheit durch einen Mangel an Primärenergieträgern, da die schon heute bekannten fossilen und nuklearen Energieressourcen für überschaubare Zeiträume reichen werden.“ In logischer Konsequenz können alle Anstrengungen, erneuerbare Energien zu fördern, fallen gelassen werden. Das Institut befürchtet eine „De-Industrialisierung“ und wendet sich schlussendlich gegen die „Diskriminierung der Kernenergie“.

Noch sektiererischer ist die EIKE-Haltung in Sachen Klimawandel. In einem Positionspapier des Instituts heißt es dazu: „CO2 ist Grundbaustein der Photosynthese und damit Voraussetzung allen Lebens unserer Erde. Mit zunehmender CO2-Konzentration wachsen Pflanzen besser: Die Getreide-Erträge im Freiland steigen. Gewächshauskulturen werden zur Ertragssteigerung mit CO2 begast.“

Grundsätzlich wird konstatiert: „Ein anthropogener Klimaeinfluss des beschriebenen Ausmaßes kann in Wirklichkeit nirgendwo festgestellt werden.“ Das heißt, die 2007 gegründete Initiative stellt den generellen wissenschaftlichen Konsens, dass der durch die Menschen verursachte Kohlendioxidausstoß zur Erderwärmung beiträgt, infrage. Und mittendrin, als Mitglied des Fachbeirats, der aus dem Ruhestand zurückgeholte Elektrotechniker, der derzeit die Hochschule Rhein-Waal führt.

Aber vielleicht bringt Menzel der Aufenthalt an der Hochschule Rhein-Waal ja auf seine alten Tage noch einen überraschenden Erkenntnisgewinn. Dazu müsste er nur am 24. Januar um 18 Uhr in die Restauration zum Aussichtsturm gehen, wohin die HSRW zu einer so genannten „DenkWerkStatt“ lädt. Vortragender ist Dipl.-Ing. Rolf Rheinschmidt von der Hochschule Rhein-Waal. Sein Thema lautet: „Hitze, Dürre, Starkregen – Was macht das Klima mit unserer Stadt?

(Mit Dank an den Hinweisgeber.)