Noch mehr heiße City-News

rd | 06. Februar 2018, 17:45 | 4 Kommentare
Gottheit als Massenware: Bei Xenos gibt es Buddhas für 22,99 Euro. Im Zuge der Übernahme der Kette durch den Non-Food-Discounter TeDi findet zwar ein Ausverkauf des bisherigen Sortiments statt, allerdings sind die Buddhas noch nicht im Preis herabgesetzt.

Gottheit als Massenware: Bei Xenos gibt es Buddhas für 22,99 Euro. Im Zuge der Übernahme der Kette durch den Non-Food-Discounter TeDi findet zwar ein Ausverkauf des bisherigen Sortiments statt, allerdings sind die Buddhas noch nicht im Preis herabgesetzt.

Kleves schönster Carport: ein ehemaliger Supermarkt

Kleves schönster Carport: ein ehemaliger Supermarkt

Wie immer gilt bei Sonderangeboten: Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen!

Wie immer gilt bei Sonderangeboten: Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen!

Kürzlich kam in den Kommentaren dieses Angebots der Vorschlag auf, zur Belebung der Innenstadt möge dort doch ein Geschäft für Intimwerkzeugbedarf eröffnen. Einen Handwerksbetrieb dieser Art gibt es bereits seit vielen Jahren an der Ecke Heldstraße/Kavarinerstraße, aber zentral geht anders. Doch, o staune, du Klever Fußgängerzonenbesucher!, heimlich, still und leise hat ein alteingesessener Händler dieser Lücke bereits erkannt – und Werkzeug zum Befüllen derselbigen ins Angebot aufgenommen: Bei DM gibt es Dildos! Unter diesem Aspekt gewinnt der alte Slogan des Drogisten („Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“) eine ganz neue Bedeutung. Eine Inspektion ergab: Es gibt vier Modelle, von 19,99 Euro bis 44,99 Euro teuer. Der Preisunterschied scheint sich in erster Linie nach der Größe zu richten – was aber sagt dir das, lieber museumsgeschädigter Mann?! Ist das fair? Welches Zerrbild der männlichen Sexualität wird damit bedient?

Unterdessen hält die Abwanderungsbewegung von der Hagschen Straße an: Unitymedia verlässt seinen Miniladen gegenüber der Neuen Mitte und bietet in Kürze sein immaterielles Sortiment im ehemaligen Weltbild-Ladenlokal in der Großen Straße an. Zum Glück für die Gegend oberhalb des Fischmarkts hat immerhin das Café Luna im Eingang der Neuen Mitte eröffnet, und der Friseur Hair Vision (Wasserstraße) hat ebenfalls seinen Umzug in die Neue Mitte/Stechbahn ins Auge gefasst.

Umgewöhnen muss sich der klassische Plunderkäufer in der Unterstadt: Xenos ist schon jetzt TeDi, noch aber werden von den Mitarbeiterinnen, die schon eine TeDi-ID haben, die alten Sachen aus Holland verhökert, zum Beispiel Buddhas, Kopfkissen und Kommoden. Bald aber wird die Filiale kurzzeitig geschlossen und danach im Glanze des TeDi-Corporate-Designs wiedereröffnet. Wie das aussieht, lässt sich schon eingangs der Hoffmannallee sehen: Die dortige TeDi-Filiale ist in eiliger Nachtarbeit renoviert worden – und sieht jetzt eigentlich aus wie immer. Sonderangebote in Grabbeltischen. Ende vergangenen Jahres hatte das Dortmunder Unternehmen TeDi bekannt gegeben, die 63 deutschen Filialen der Kette Xenos von der niederländischen Blokker Holding erworben zu haben. Nicht, um die Filialen fortzuführen, sondern um in den Besitz der Innenstadtlagen zu gelangen.

Neue Nutzung der Drunkemühle-Filiale: Das Vordach des Eingangs wird jetzt als Carport genutzt. Damit hat die Innenstadt ein Leerstands-Problem auf elegante Weise gelöst.

In Kürze: Griechische Eisdiele kurz vor der Eröffnung +++ Nichts Neues in Sachen Cafe Lust +++ Vero Moda schließt wegen Umbau +++ Yocarlo heißt jetzt tatsächlich Yoli, mit nur selten verwendeter Jugendstil-Schrifttype +++ Wäschehaus Ketelaer wieder mit dem sinnlichsten aller denkbaren Schaufenster – achten Sie auf Sonderangebote (Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen)!



Rolf Zacher, 1941-2018

rd | 05. Februar 2018, 12:09 | 19 Kommentare
Vereint im Getto-Gruß: Theo Brauer und Rolf Zacher (Foto: Olaf Plotke/Kurier am Sonntag)

Vereint im Getto-Gruß: Theo Brauer und Rolf Zacher (Foto: Olaf Plotke/Kurier am Sonntag)

Von allen Werbepartnerschaften, die je auf diesem Planeten ersonnen wurden, war die zwischen den Stadtwerken Kleve und dem Schauspieler Rolf Zacher die mit Abstand merkwürdigste. Auf der einen Seite ein biederer, seriöser Energieversorger aus der Region, auf der anderen Seite, in der Abenddämmerung einer hügelig verlaufenen Karriere, ein Mann, der sich auf die Darstellung von Ganoven spezialisiert hatte. Streng genommen: auf die Darstellung von gescheiterten Ganoven. Sah man Rolf Zacher im Fernsehen, wusste man automatisch: Der kriegt gleich eins auf die Fresse. Seine Rollen waren meist die des Verbrechers, der vom ganz großen Coup träumt, und am Ende bei einem versuchten Handtaschenraub von der Oma verprügelt wird.

Wie aber kommt ein solcher Mann zu den Stadtwerken Kleve? Eine offizielle Antwort darauf gibt es nicht. Aber, wer den Geschäftsführer der Stadtwerke Kleve, Rolf Hoffmann, kennt, hat eine Ahnung, dass der Betriebswirt eine tiefe Seelenverwandtschaft zum Mimen aus Berlin empfunden hat. Hoffmann, das darf vermutet werden, ist im Grunde seines Herzens ein Rocker, und diese im Beruf nicht auszulebende Facette seiner Persönlichkeit wurde projiziert in das langjährige Engagement von Rolf Zacher, der jeweils zur Vertragsverlängerung in seinem privaten Kleinbus nach Kleve fuhr, zu spät zu den Terminen kam und dann erst einmal einen mitgebrachten Joghurt auslöffelte, bevor er ein paar warme Worte für das Erfolgsprodukt der Stadtwerke Kleve, „Clever Strom“, erübrigen konnte.

Sein größter Satz in dieser Rolle war zweifellos dieser: „Und auch Katja Riemann hat mir gesagt, dass sie Strom von hier haben will.“

Es nimmt nicht wunder, dass auch ein weiterer Seelenverwandter von Zacher zu den Pressekonferenzen erschien. Der damalige Bürgermeister Theo Brauer, ebenfalls ein Freund der darstellenden Künste, der nur mühsam durch das Amt ausgebremst wurde, nun aber im Ruhestand als Karnevalist bei Germania Materborn seine Leidenschaft ausleben kann, war stets zu den Pressekonferenzen zugegen. Der Journalist Olaf Plotke hat anlässlich eines dieser Termine ein Foto geschossen, bei dem Brauer und Zacher sich begrüßen, indem sie die Fäuste gegeneinander stoßen. Der Gruß des Gettos! Nur empfindsame Menschen können verspüren, welch sublime Wahrheit in dieser Geste liegt.

Auch unter einem weiteren Aspekt verdient das Engagement des Schauspielers für den Stromversorger Respekt. George Clooney oder Yogi Löw kann jeder. Selbst wenn nur Budget-Gründe den Ausschlag gegeben haben mögen, Zacher zu engagieren (der dann sicherlich nur deshalb im eigenen Bus aus Berlin angereist kam, um wenigstens noch die Kilometer zusätzlich abrechnen zu können), zeugt es doch von einer gewissen Chuzpe, einen „Promi“ zu engagieren und unter anderem sein Konterfei auf der Fahrzeugflotte der Stadtwerke zu verewigen, bei dem mindestens jeder zweite Klever sich fragte: Wer ist das denn? (Die andere Hälfte aber dachte: Muss der Chef hier schon selber werben?)

Wie dem auch sei, weitere Engagements von Rolf Zacher für die Stadtwerke Kleve wird es nicht mehr geben. Der Schauspieler, der im vorvergangenen Jahr noch am RTL-Dschungelcamp teilnahm, ehe er die Veranstaltung nach acht Tagen aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, starb am vergangenen Samstag wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag in einem Pflegeheim in Hamburg. Um es mit dem Titel des Films auszudrücken, mit dem er 1980 bundesweit bekannt wurde: Endstation Freiheit.

Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Zacher, Schauspieler Rolf Hoffmann (oder umgekehrt?) und Marketing-Chef Jörg Schunkert weisen in bester Anpreisungsabsicht auf ein Angebot des Energieversorgers hin (Foto: Olaf Plotke/Kurier am Sonntag)

Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Zacher, Schauspieler Rolf Hoffmann (oder umgekehrt?) und Marketing-Chef Jörg Schunkert weisen in bester Anpreisungsabsicht auf ein Angebot des Energieversorgers hin (Foto: Olaf Plotke/Kurier am Sonntag)



Aktuelle Kultur-Trends: Manchester hängt Brüste ab, Moyland stellt sie auf

rd | 04. Februar 2018, 20:43 | 20 Kommentare
Zweifellos eine erotisch aufgeladene Szene. Wie mag es wohl weitergehen?

Zweifellos eine erotisch aufgeladene Szene. Wie mag es wohl weitergehen? (Foto: Manchester Art Gallery)

Ist der weibliche Körper hier nicht nur ein Objekt? Eine Projektionsfläche für was eigentlich? Für eine ganz merkwürdige Frisur eines Mannes? Die moderne Kunst wirft viele Fragen auf (Foto: Udo Kleinendonk)

Ist der weibliche Körper hier nicht nur ein Objekt? Eine Projektionsfläche für was eigentlich? Für eine ganz merkwürdige Frisur eines Mannes? Die moderne Kunst wirft viele Fragen auf (Foto: Udo Kleinendonk)

Seit Jahrtausenden versuchen Künstler, die Schönheit des menschlichen Körpers zu erfassen und ihr in ihren Werken eine bescheidene Huldigung zukommen zu lassen, zumindest, wenn sie sich nicht gerade wie Mondrian auf farbige Rechtecke spezialisiert haben oder wie Beuys auf tote Hasen, Berge von Fett und Honig.

Umso schockierter musste der gelegentliche Museumsbesucher zur Kenntnis nehmen, dass in der vergangenen Woche in der Manchester Art Gallery das Gemälde „Hylas und die Nymphen“ des englischen Malers Jon William Waterhouse aus dem Jahre 1896 aus der ständigen Ausstellung entfernt wurde, weil die darin dargestellte Szene – ein Jüngling erwählt sich aus einer Gruppe unbekleidet badender Frauen eine Dame – dazu angetan sei, ein zu eng gefasstes Frauenbild zu transportieren. „Dieses Museum präsentiert den weiblichen Körper als entweder ,passiv-dekorativ‘ oder ,femme fatale‘. Lasst uns diese viktorianische Fantasie hinterfragen!“, so Museumskuratorin Clare Gannaway.

Die berechtigte Frage taucht auf: Warum soll MANN dann überhaupt noch ins Museum gehen?

Diese Grundschwingungen eines archaischen männlichen Selbstverständnisses sind offenbar über ein sehr feines Netzwerk bis zum Museum Schloss Moyland durchgedrungen, wo gestern unter großer öffentlicher Anteilnahme die Ausstellung „Die zweite Haut“ eröffnet wurde – und sicherlich spielte es bei dem großen Andrang der Kunstinteressierten überhaupt keine Rolle, dass im Vorfeld bekannt wurde, dass die international bekannte Bodypainterin Corinna Lenzen dort zur Tat schritt. Sie nutzte die Haut eines Modells, um darauf an den Museumswänden hängende Bilder gewissermaßen fortzusetzen – nur eine von vielen Ideen, mit denen das Wesen der Haut „hinterfragt“ wird.

Das muss ja auch nicht immer hormongesteuert passieren: „Die Ausstellung untersucht anhand von zwanzig künstlerischen Positionen im Medium der Fotografie, Skulptur und Installation, was es bedeuten kann, sich eine ‚zweite Haut‘ überzustreifen, um sich von der Natur abzugrenzen oder mit ihr zu verbinden. Welche Geschichten lassen sich mit Kleidungsstücken erzählen? Können wir unsere Vergangenheit wie ein Stück Kleidung ablegen und wie ist es, die eigene Haut als Kleidung zu tragen?“ so das Museum in einem Begleittext. Interessant! Und einen toten Hasen gibt es auch!


Heimatverbundenheit post mortem

rd | 04. Februar 2018, 18:57 | 8 Kommentare
Ideales Ewigkeitsbehältnis für Heimatverbundene

Ideales Ewigkeitsbehältnis für Heimatverbundene

Was aber, wenn die Stunden gezählt sind? Wenn man dem irdischen Streben entsagt und die Verheißungen der ewigen Jagdgründe locken, wenn man dorthin übergeht, wo die Gesetze der Ewigkeit gelten und Sekundenzeiger nur noch dafür benötigt werden, den Engeln das Gefieder zu kitzeln? Wie aber tritt ein wahrer Klever stilvollendet die Reise ins Reich der Dechronifizierung an? Vielleicht doch mit ein paar Zeigern im Gepäck, abgebildet auf einer formschönen Urne, zu erwerben bei einem Klever Bestatter? Soviel ist sicher: Gott wird Augen machen!