Gelber Sackasmus

rd | 14. Januar 2019, 18:19 | 36 Kommentare
Rollkommando: „Das dürfen wir nicht!“ Wo kämen wir da auch hin?

Rathaus, Informationsschalter, eine ältere Dame erkundigt sich beim städtischen Mitarbeiter nach Plätzen für ein Konzert. Sie möchte eine Karte für die „Sinfonischen Tänze“ erstehen, in Reihe 14 soll es sein, welche Plätze denn da noch erhältlich seien. Es wird ein wenig hin und her überlegt, bis schließlich der beste Platz gefunden ist. Ach ja, und dann werden am 9. April in der Stadthalle die „Zigeunerweisen“ gegeben, ob denn für dieses Konzert auch noch ein Platz in Reihe 14 erhältlich sei. Der freundliche Mitarbeiter schaut im System nach, oh, das tue ihm aber leid, da seien in Reihe 14 alle Plätze belegt, ob nicht auch ein Platz in Reihe 13 möglich sei. Die Dame erwidert, dies würde sie nur sehr ungern machen, weil von Reihe 14 zu Reihe 13 eine Stufe sei, die sie zu überwinden sich nicht imstande sehe. Es wird angesichts dieser verzwickten Lage ein wenig hin und her überlegt, bis schließlich eine Lösung gefunden, der Kaufvorgang abgeschlossen und sodann der elektronische Bezahlvorgang mithilfe einer Bankkarte eingeleitet wird.

Zufrieden verlässt die Dame das Rathaus und blickt hinter sich auf eine Schlange, die mittlerweile auf sieben Personen angewachsen ist. Beschreiben kann ich das so genau, weil ich in der Reihe der wartenden Menschen der Zweite war und aus den grummelnden Gesprächen der Frauen und Männer hinter mir mitbekommen habe, dass die meisten von ihnen – wie ich auch – keine ausführliche kulturgeographische Beratung wünschten, sondern einfach nur eine Rolle der gelben Säcke abholen wollen.

Immer auf der Suche nach Lösungen, die das Leben der Menschen ein wenig erträglicher machen, wies ich, als ich nach einer gefühlten Ewigkeit an der Reihe war, den Mann am Informationsschalter darauf hin und machte den Vorschlag, den Karton mit den Gelben Säcken doch einfach vor den Schalter zu stellen. Dann könnte sich jeder eine Rolle oder auch zwei, oder meinethalben sogar drei nehmen (die Welt würde davon nicht untergehen, nicht einmal wenn der dritte Sack dann nicht bestimmungsgemäß verwendet werden würde), und die alte Dame müsste beim Anblick der durch ihre Beratung ausgelösten Schlange kein schlechtes Gewissen bekommen.

Doch eine solche Idee ist in Kleve schon der Beginn einer Revolution, die offenbar im Keim erstickt werden muss. „Das dürfen wir nicht“, sagt der Mann am Schalter im Rathaus, für dessen Errichtung die Bürger der Stadt einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt haben, damit sie für einen Gegenstand im Wert von wenigen Cent wie Deppen in der Schlange warten.



… and the winner is: Martin Fingerhut

rd | 10. Januar 2019, 12:23 | 12 Kommentare
Beckloppt!

Die Rätsel auf dieser Seite enden immer anders als gedacht, wahrscheinlich weil die Leser dieses kleinen Angebots noch mehr um die Ecke denken als der Herausgeber selbst.

Der jedenfalls war angesichts des Fotos oben auf die Idee gekommen, dass die Fotografin nicht mitten im Becken, sondern an dessen Ende stand. Die Position wäre mithin als Beckenendlage zu beschreiben, was laut dem medizinischen Wörterbuch Pschyrembel die intrauterine Lage des Kindes bezeichnet, bei welcher das Becken des Kindes führt. Zwischen drei und vier Prozent aller Geburten am Termin weisen eine solche Lage auf, teilweise gelingt eine Wendung des Kindes durch äußere Manipulation, häufig wird aber auch per Kaiserschnitt entbunden.

Dieser deutsche medizinische Fachbegriff (ICD 10: O 64.1) schwebte dem Verfasser als Lösung vor, doch die geneigte Leserschaft wartete mit zwei weiteren Antwortvarianten auf, die mindestens genauso passend sind, nämlich die synonym verwendeten Begriffe Beckentiefstand bzw. Beckenschiefstand, da die Fotografin sich  im 3,50 Meter tiefen Teil des abfallenden Beckens befand.

Alle Lösungen, auch die nicht weniger beeindruckenden falschen, sind in den Kommentaren nunmehr freigeschaltet. Die Anhänger der Becken-Fraktion (seien es nun Martin Fingerhut, der als einziger zu meiner Lösung fand, oder die tiefen und schiefen Antwortgeber) gelten als Gewinner. Die Magazine werden gerne überreicht, was bei den Pseudonymen nur möglich ist, sofern Namen und/oder Adressen nachgeliefert werden (werden nicht veröffentlicht). Wichtig ist der Redaktion außerdem noch der Hinweis, dass Messerjocke entgegen seiner Selbsteinschätzung nicht zu den Gewinnern zählt.



Konzern adé: Astrid Vogell wechselte vom Kaufhof zum Theodor-Brauer-Haus

rd | 09. Januar 2019, 20:23 | 4 Kommentare
An neuer Wirkungsstätte: Astrid Vogell

(Dieser Artikel entstammt der neuen Ausgabe des Magazins Der KLEVER, die im Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich ist.) Die Zeit, sagt Astrid Vogell, sei reif gewesen für eine neue Aufgabe. Seit 1996 war sie im Kaufhof-Konzern beschäftigt, und auch da habe sie stets mit den Hufen gescharrt, wenn sie das Gefühl hatte, dass etwas Neues her musste. So stieg sie innerhalb des Unternehmens auf, arbeitete als Filialleiterin in Wesel und zuletzt seit 2015 in Kleve. „Es war eine tolle Zeit“, so Vogell, „in der ich viel bewegen konnte.“

Doch im Oktober verkündete die Managerin – für Außenstehende überraschend – ihren Ausstieg. Sie werde eine neue Aufgabe übernehmen, und sie werde Kleve verbunden bleiben, schrieb sie in ihrer Abschiedsmail an die Mitstreiter aus dem Handel. Welche Aufgabe, das aber blieb offen. Und so reich bestückt ist der Arbeitsmarkt in Kleve nun mal nicht für hoch qualifizierte Kräfte.

Eine Stelle gab es allerdings, die niemand auf der Rechnung hatte: Das Berufsbildungszentrum Theodor-Brauer-Haus, das sich um die Qualifizierung junger Menschen bemüht, hatte eine Vakanz: Bernd Pastoors, der langjährige Geschäftsführer, geht auf den Ruhestand zu und wollte den Übergang geordnet bewerkstelligen. Davon hatte Pastoors der Kaufhof-Filialleiterin berichtet, und die erkannte die Chance, in ihrem beruflichen Leben den nächsten spannenden Schritt zu gehen.

Kontakte zu Berufsbildungszentren gab es schon früher, allerdings war Astrid Vogell da noch auf der anderen Seite. Die Mitarbeiter dieser Einrichtungen traten an sie heran, wenn es darum ging, Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen zu suchen, deren Leben nicht so geradlinig verlaufen war, wie Eltern und Lehrer dies gerne gehabt hätten. „Schon bei diesen Begegnungen habe ich gemerkt, wie sehr ich für diese Themen gebrannt habe“, sagt Astrid Vogell.

Nun sitzt sie nicht mehr in der Großen Straße mit Blick vom Büro auf die Schwanenburg, sondern an der Briener Straße. Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie die Überreste des alten Industriestandorts Kleve. Statt glitzernder Konsumwelt Besinnung auf die grundlegenden Werte: „Wir verstehen Arbeit und soziale Handlungsfähigkeit als unabdingbare Bestandteile eines sinnvollen Lebens“, so lautet eine der Leitlinien der Einrichtung.

Vorgaben eines auf einem anderen Kontinent agierenden Managements, das war einmal. Jetzt ist Vogell gewissermaßen ihr eigener Chef. Sie führt 110 Mitarbeiter und ist verantwortlich für rund 330 junge Menschen, die in Werkstätten und Einrichtungen wie dem Stadthallen-Restaurant ans Berufsleben herangeführt werden. „Ich freue mich sehr, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe“, sagt Astrid Vogell.

Und Kleve kann sich freuen, einen Menschen mit Elan, Energie und Ideen für diese Aufgabe gewonnen zu haben. Gutes Gelingen!


Rheinbrücke: Wann kommt die Notfähre?

rd | 09. Januar 2019, 15:35 | 18 Kommentare
Früher war alles besser – zumindest jeder Autofahrer würde das heute sofort unterschreiben und beim Anblick dieser Fotografie aus den fünfziger Jahren in Tränen ausbrechen (Foto: Facebook)

Desaster mit Ansage: Wer heute Vormittag mit dem Auto von Kleve nach Emmerich fahren wollte, tat gut daran, Nerven wie Tragseile zu haben. Ab Warbeyen ging, wie schon in den letzten Wochen des vergangenen Jahres, nichts mehr!

Die Instandhaltungsarbeiten an der Rheinbrücke – die Hängeseile werden ausgetauscht – sorgten für das angekündigte Chaos. „Das hat doch alles keinen Sinn mehr“, entfuhr es einem genervten Busfahrer der Schnellbuslinie 58. Er öffnete auf offener Strecke die Türen und ließ die Fahrgäste aussteigen, die es eiliger hatten. Laufend gelangten sie schneller an ihr Ziel im Bus. Auf dem Weg waren mehrere Busse im Stillstand zu besichtigen. 

Die Fahrzeit von Emmerich nach Kleve betrug zwei Stunden. Das heißt, die nur zehn Kilometer entfernte Nachbarstadt ist im Augenblick verkehrstechnisch weiter entfernt als Bonn oder Amsterdam!

Die Behörde Straßen.NRW rechnet offenbar mit der unbegrenzten Leidensfähigkeit der hiesigen Kraftfahrer, die noch bis Ende des kommenden Jahres mit Beeinträchtigungen aufgrund der Bauarbeiten zu rechnen haben. 17.000 Autos passieren pro Tag die Brücke.

Wer jetzt eine Fähre übrig hätte, könnte vermutlich aus der Not der Pendler ein gutes Geschäft machen. Verkehrstechnisch wäre der Niederrhein dann zwar wieder in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelangt, aber es ginge immerhin voran. Also: Reedereien, die im Besitz von derzeit nicht genutzten Fähren sind, oder Bundeswehrpioniere mit zu viel Tagesfreizeit, bitte schnell melden – es winkt Instanterlöserstatus!