Ein anderer Blick auf Kleve

rd | 12. Juli 2018, 16:06 | 5 Kommentare

Mut zur Lücke: Kleve ca. Anfang der 60-er Jahre (Foto: Westdeutsch. Luftfoto, Flughafen Bremen, der Senator f. Häfen, Schiffahrt u. Verkehr, Bremen)

Dieses Foto entstand nach 1956 und vor 1969. Das wissen wir, weil bis 1956 der Wiederaufbau der Stiftskirche erfolgte, zunächst allerdings noch ohne Türme, die wurden dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gotteshaus erst 1969 wieder hinzugefügt.

Eine genaue Datierung wäre der ideale Stoff für eines der beliebten kleveblog-Sommerrätsel, davor scheut die Redaktion allerdings zurück angesichts des Desasters, das ein vergleichbares Foto vor einiger Zeit ausgelöst hatte.

Interessant ist das Bild, das die Buchhandlung Hintzen dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, weil es der Fülle an alten Aufnahmen (man glaubt ja mittlerweile, wirklich schon jedes Schwarzweiß-Foto der Stadt gesehen zu haben) eine neue, deprimierende Nuance hinzufügt.

Rechts von der Stiftskirche sehen wir eine kleine Baustelle und darum eine Brache, die noch bis in die Achtzigerjahre als begehrter, innenstadtnaher Parkplatz diente. Heute steht dort ein monumentales Bürogebäude, in dem lange die Volksbank beheimatet war und wo nun unter anderem die Redaktion der Rheinischen Post sowie Teile der Justiz ihren Sitz haben.

Links der Stiftskirche erkennt man ein heiteres Ensemble von Mehrfamilienhäusern, die irgendwann dem trutzburgartigen Neubau der Sparkasse weichen mussten. Oberhalb der Stiftskirche verläuft schräg quer durchs Bild die Hagsche Straße mit reichlich Baulücken.

Noch interessanter ist der Blick zur Stechbahn, die in spitzem Winkel rechts am Bildrand von der Hagschen Straße abzweigt. Gut zu sehen sind zwei quer zur Straße gebaute Häuser – die ehemalige Hilfsschule. Diese Häuser sind heute ebenfalls verschwunden und durch eine geistlose Gruppe von überdimensionierten Bürogebäuden ersetzt worden, die heute weitestgehend leer stehen oder hastig zu einem Studentenwohnheim umfunktioniert wurden.

Am oberen Bildrand noch die kleine Kirche an der Böllenstege mit dem Park, der nach rechts fast bis ans Ende der Straße reicht. Den hat Saturn an der einen Seite angefressen, an der anderen Seite der Kindergarten Böllenstege.

Fazit: Man erblickt ein Foto, das etwas älter ist, und kann gleich einen Roman stadtplanerischer Fehlentscheidungen schreiben.



Sternbuschbad: Eröffnung verzögert sich

rd | 11. Juli 2018, 09:36 | 21 Kommentare

Dieser Anblick wird uns länger erhalten bleiben

Wird das Hallenbad unser Flughafen Tegel? In die Jahre gekommen, irgendwie trotzdem charming – und vermutlich weit länger in Betrieb als gedacht. Denn, so vermeldet es die Rheinische Post heute, die Eröffnung des Hallenbad-Bereiches im neuen Sternbuschbad verzögert sich abermals, angepeilt wird nun ein Termin Ende Oktober/Anfang November, was aber nur als vages Zeitfenster zu verstehen ist. Denn die gute Konjunktur – in unserem durch die so genannte Flüchtlingskrise zerrrütteten Land (musste jetzt mal raus) – führt dazu, dass Handwerksbetriebe mit freien Kapazitäten nur schwer zu finden sind, die Endreinigung des im Grunde fertig gestellten Bades ist noch nicht einmal ausgeschrieben. Auch im Außenbereich ist noch längst nicht alles in Butter: Dort schwelt nach wie vor der Stahlstreit, der dazu führte, dass wochenlang nichts voranging, wie Monteure erzählten. In dieser Woche soll das Gutachten der Bundesanstalt für Materialprüfung eintreffen, das besagt, ob der eingebaute Stahl den geforderten Qualitätskriterien entspricht – oder ob womöglich, im schlimmsten aller denkbaren Fälle, die ganzen Außenbecken wieder raus müssen.

Folgen hat die Verzögerung auch für die Organisatoren der Kulturwelle, die zum Abschied vom Hallenbad am Kermisdahl eine Abrissparty mit einer Vielzahl von Kulturveranstaltungen plant. Da das alte Hallenbad solange in Betrieb bleiben soll, bis das neue eröffnet ist, verschiebt sich auch der Termin für das geplante Fest.

Hier der Link zum Artikel der Rheinischen Post: Hallenbad eröffnet frühestens im Herbst



Schleuse: Master-Desasterplan

rd | 10. Juli 2018, 17:23 | 49 Kommentare

Blick von Brienen in Richtung Kleve: Der Kanal ist noch voll, und die Schleuse hält dicht. Aber weitere Öffnungen sind nicht mehr vorgesehen – sondern der Abriss

Schöne Planung für 21,4 bis 22,9 Mio. Euro, je nach Breite: Sportbootschleuse an der neuen Deichtrasse

Das erstaunlichste Thema der vergangenen Wochen war das Hickhack um die Briener Schleuse. Hier die kleveblog-Zusammenfassung der Spoyposse:

Im Lied „Polonaise Blankenese“ singt Gottlieb Wendehals irgendwann den in seinem Irrwitz bestechenden Satz:

„Herr Wirt, bringen Sie mal ’n bisschen Geld, ich möcht‘ zahlen!“

Die Stadtverordneten werden sich vermutlich nicht an diese Zeile konkret erinnern, aber deren Folgerichtigkeit beherzigten sie in überzeugender Manier, als sie Ende Juni einstimmig beschlossen, der Bund möge bitte entweder die bisherige Schleuse funktionstüchtig übergeben oder aber eine neue vollständig finanzieren.

Ein Brief wanderte nach Berlin ins Verkehrsministerium, wo vermutlich Andreas Scheuer die Augen aus dem Kopf gefallen sein werden. Oder dem Staatssekretär unter ihm. Oder dessen Dezernatsleiter für Schifffahrtsangelegenheiten. Oder dessen Sekretärin. Oder deren Praktikant. Viel weiter dürfte der Brief nämlich ob seines offensichtlichen Wahnwitzes nicht gekommen sein.

Für eine Bundeswasserstraße, die ihren Sinn längst verloren hat, noch mal 20 Millionen bezahlen? Für die Zufahrt zu einem Hafen, den es nicht mehr gibt? (Für Ortsunkundige: Dort steht mittlerweile die Hochschule – aber das ist ein anderes Kapitel.) Zu Anlieferung von was auch immer zu einer Industrie, die vor zwanzig oder dreißig Jahren abgewickelt wurde?

Wenn diese Investition tatsächlich beschlossen würde, wäre der Stadt Kleve ein Ehrenplatz in einem Steuerverschwendungsbericht des Bundesrechnungshofs sicher – gleich neben den Autobahnbrücken, denen links und rechts der Anschluss fehlt. Oder der Tiefgarage in einem Rathaus, auf deren Zufahrt verzichtet wurde.

Logischerweise kam die Antwort aus dem Verkehrsministerium postwendend: Maximal 50 Prozent werde der Bund bezahlen, also höchstens ca. zehn Millionen Euro. „Der Finanzierungsbeitrag darf maximal die Hälfte der Gesamtinvestitionssumme betragen. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten aus Sicht des BMVI sind nicht möglich“, zitierte die NRZ einen Sprecher des Ministeriums.

Kämmerer Haas hatte zuvor den Stadtverordneten vorgerechnet, dass bei einem 50-prozentigen Zuschuss zu den Baukosten einer Schleuse (den der Bund aus nicht verständlichen Gründen zu tragen bereit ist), die Stadt Kleve jährlich 770.000 Euro zuschießen müsste, um das Schleusenbauwerk zu finanzieren. Viel zu viel. Es ist die Situation: Realität trifft Wolkenkuckucksheim.

Doch wer ist eigentlich für das Wolkenkuckucksheim verantwortlich? Da muss man ganz weit zurückblicken, und man landet irgendwann bei der Vision „Stadt am Wasser“, die sich durch die gesamte Neuplanung der Unterstadt zog. Wir erinnern uns: Eine Marina vor dem Hotel, Yachten an den Spundwänden des Spoykanals, so etwas zeigten die schönen Bilder. St. Tropez am Niederrhein. Soweit der Masterplan.

Die desaströse Realität aber: Der städtische Pleustophytenkreuzer HMS Theodora sowie so ca. alle 14 Tage einmal ein Partyboot der Flussfeuer GmbH, das ist alles an Schiffen, was sich auf dem Spoykanal bewegt.

Offenbar hatten die Visionäre nur bis zum Wendehafen, nicht aber bis zur Schleuse gedacht. Die sollte offenbar einfach immer so weiter vom Bund betrieben werden, obwohl die Zahl der Passagen – selbst als die Schleuse noch betrieben wurde – Jahr für Jahr weiter zurückging.

Hat sich eigentlich irgendjemand mal, als – vermutlich in den 80-er oder 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – die Zahl der kommerziellen Schiffe im Klever Hafen gegen Null ging, Gedanken darüber gemacht, wie die maritime Zukunft der Stadt aussehen soll? Immerhin ist Daseinsvorsorge ja das, wofür Politik und Verwaltung zuständig sind.

Es ist Kleve, wie es leibt und lebt: 30 Jahre fährt man sehenden Auges auf ein geschlossenes Schleusentor zu – und beschwert sich dann, dass niemand mehr da ist, der es öffnet. Politik als Schleusentheater.


6 unter 60: Der neue Vorstand des Klevischen Vereins

rd | 09. Juli 2018, 23:13 | 2 Kommentare

Deutlich unter 360 Jahren: Wiltrud Schnütgen, Helga Ullrich-Scheyda, Reinhard Berens, Margo Bromont-Koken, Rainer Hoymann und Katrin Roeloffs, der neue Vorstand des Klevischen Vereins (Foto: Klevischer Verein)

Die Mitglieder werden immer älter, der Vorstand immer jünger! Im vergangenen Jahr konnte 30 Mitgliedern des Klevischen Vereins zum 80., 85., 90. oder sogar 95. Geburtstag gratuliert werden – doch bei den jüngsten Vorstandswahlen übernahm eine relativ dazu deutlich jüngere Mannschaft das Ruder im Verein. Sechs Vorstandsmitglieder hat die neue Führungsspitze, keines davon ist über 60 Jahre alt.

Hier die Pressemitteilung des Vereins:

Der Klevische Verein hat bei seiner jüngsten Mitgliederversammlung die Weichen für die Zukunft gestellt. Nachdem die Vorsitzende Alwine Strohmenger-Pickmann, ihr Stellvertreter Werner van Ackeren und die Schatzmeisterin Ingrid de Lange ihre Ämter in jüngere Hände legen wollten, ist nun eine Mannschaft am Ruder, die komplett unter 60 Jahre alt ist. Neuer Vorsitzender ist der langjährige Stellvertreter Rainer Hoymann, der nun mit Margo Bromont-Koken und Reinhard Berens zwei Stellvertreter hat. Zur Schatzmeisterin gewählt wurde Katrin Roeloffs, Schriftführerin bleibt Wiltrud Schnütgen. Durch die beschlossene Satzungsänderung gibt es nun mit Helga Ullrich-Scheyda auch eine Beisitzerin.

Der Klevische Verein hat zurzeit 644 Mitglieder, mehr als 70 Personen besuchten die Versammlung, die zunächst noch von Alwine Strohmenger-Pickmann geleitet wurde. Sie erklärte den Verein zu einem Jungbrunnen, schließlich habe man mehr als 30 Personen im vergangenen Jahr zum 80., 85., 90. oder 95. Geburtstag gratulieren können. Während der Sitzung wurden einige Mitglieder für ihre 30jährige Mitgliedschaft im Verein geehrt.

Die Vorsitzende stellte in ihrem Rechenschaftsbericht die zahlreichen Veranstaltungen vor, die der Klevische Verein im Jahr zuvor durchgeführt hat. Besondere Ereignisse waren das 775. Jubiläum der Stadt, zu dem der Verein mit Hilfe des Integrierten Handlungskonzeptes neue Fahnen für den Schwanenturm anschaffen konnte, die Feier zur 600-jährigen Herzogswürde, die nunmehr 7. Verleihung der Johanna-Sebus-Medaille, diesmal an die Klosterpforte, und die Anschaffung des Stadtmodells in Bronze. Der Verein gab mehrere Broschüren heraus, organisierte Exkursionen, auch Veranstaltungen wie den antiquarischen Büchermarkt, den Klevischen Klaviersommer und weitere. Eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal brachte frischen Schwung in Form eines neuen Flyers, einer Facebookseite und ganz aktuell dem Relaunch der website (www.klevischer-verein.de).