
Das aktuelle Politbarometer mit weihnachtlicher Einfärbung, was aber auch nicht überdecken kann, dass – mit Ausnahme des Landrats dL Wolfgang Spreen, der mehrmals ein neues Buch über den Kreis Kleve in die Kameras halten wollte – die restlichen Akteure der hiesigen Politszene nach anstrengenden Wochen, in denen kaum ein Möbelhaus und kaum ein Kindergarten ohne Besuch davonkamen, wohl dringend eine Atempause benötigten.
Das Buch, das fast noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erschienen ist, heißt Kreis Kleve, ist erschienen in der Reihe Deutsche Landkreise im Portrait des Oldenburger Verlags Kommunikation und Wirtschaft, kostet 19,80 Euro und spiegelt das “unverwechselbare Profil des dynamischen Landkreises am Niederrhein wider” (Kurier am Sonntag). Da kann man wohl nicht dran vorbeilesen.
Der im Klever Wochenblatt erschienene Leserbrief von Mathilde Vervoorst aus Kranenburg vermittelt nicht nur einen Eindruck von der Wucht des niederrheinischen Idioms (es klingt doch wie Deutsch mit zu hohem Cholesterinspiegel, oder?), sondern bringt dazu noch ein fast schon Tabuthema ans Licht der Öffentlichkeit: Sind unsere schönen Innenstädte überhaupt noch geeignet für die Menschen, die darin leben?
Immerhin zeigt dieses Dokument, dass die Geranienoffensive der Kranenburger CDU, für die sich sogar Kleveblog-Leser aus den Vereinigten Staaten interessierten (vermutlich Exil-Kranenburger), bei der Kernzielgruppe (Kranenburger Jahrgang 1940 und älter) wirklich gut ankommt: “Kroanenbörg es doch soo schöön!”
Leichte sprachliche Probleme bei der Übertragung ins Hochdeutsche bereitet übrigens das Wort “Gemier”: Schlamassel? Dilemma? Gefrett? Molesten? Gemöhre? Oder was?

Kleve ist…
… eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern, 20 Parkscheinautomaten, 9 Brücken, 64117 Medien in der Stadtbücherei, 20 Schulen, einem Datenschutzbeauftragten, 18 Fußballanlagen, 5395 Straßenbeleuchtungsmasten, einem Klärwerk, ganz vielen Parkanlagen, deren Beschreibung Stoff für ca. 200 Heimatkalender abgibt, und natürlich mit einem Bürgermeister, der nicht müde wird, die wunderbaren Seiten dieser Stadt zu betonen (aber hat er eine andere Wahl?). So viele schöne Dinge, und nun lernen wir dank des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF), was unsere schöne, stolze Schwanenstadt controllermäßig wert ist. Ergebnis: 550 Millionen Euro, “aber der ideelle Wert ist weit höher” (T. Brauer).
Rumms! 550 Millionen Euro!! Klingt erst mal nach einer Menge Geld – aber bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus:
- Die Deutsche Bank könnte sich von einem Jahresgewinn 14 Kleves kaufen.
- Das Vermögen der Brüder Karl und Theo Albrecht reicht für 43 Kleves.
- Und der unvermeidliche Bill Gates hat in wenigen Jahren mittelmäßiger Softwareproduktion einen Geldberg angehäuft, der für 70-mal Kleve reicht.
Wie heißt das noch mal: Die wichtigste Komponente von Mut ist – Demut. Gerade, wenn man in einer 550-Millionen-Euro-Metropole wohnt.
p.s. Eine anderer Vergleich ist auch nicht schlecht: Kleve = 73 % Diamonda (bei der angekündigten Investitionssumme von 750 Millionen Euro)
Gute Nachrichten vom Flughafen Niederrhein! Ryanair, die einzige Fluglinie, bei der die Preise sich im Verlaufe einer Buchung entwickeln wie die für eine Inanspruchnahme gewerblicher Liebesdienste, steuert demnächst von Weeze aus die beiden polnischen Destinationen Breslau und Bromberg an. Der Sinn erschließt sich erst, wenn man weiß, dass in den ehemals von der britischen Armee benutzten Baracken künftig eine niederländische Zeitarbeitsfirma ihre polnischen Vertragsarbeiter unterbringen will. Die Perspektive lautet also: Weeze, Luftdrehkreuz für Monteure. Sicher, das hat nicht direkt Business-Class-Glamour, aber was soll’s? Klempner, die zu Rohrbrüchen nach ganz Europa ausschweben, könnten einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der A57 leisten. Weiter so!
Kleine Pretiose aus dem Fakten-Focus, der eigentlich Anlass gäbe zu einer kleinen Meditation zum Sinn und Unsinn von Journalismus. Jedenfalls könnte sich der Hardcoreklever entrüstet auflehnen und sagen, da macht man und da tut man, und was bleibt hängen – 41.000 Milchkühe. Kein Freizeitpark, kein Technologiezentrum, kein italienisches Flair vorm Klever Rathaus, nein, nur “AgroBusiness” in seiner anmutigsten Form. Muh. Aber zum Trost sei gesagt: Laut dieser Veröffentlichung in einem 32-seitigen “Sonderteil NRW”, erschienen zur Bambi-Verleihung in Düsseldorf, ist ausgerechnet die Landeshauptstadt die kriminellste Stadt, in Meinerzhagen fällt der meiste Regen, in Coesfeld leben die wenigsten Menschen mit “Migrationshintergrund”, in Köln fahren die meisten Cabrios und in Steinfurt leben 900.000 Schweine. Dann schon lieber Milchkühe, und die anderen Daten, die einen wirklich staunen machen, liefert natürlich der Klassiker: Das statistische Jahrbuch der Stadt Kleve.
Das Studium der Lokalpresse setzt die Leser nicht nur über die umfassende Missionierungstätigkeit der lokalpolitischen Prominenz in Grundschulen, bei Kleingewerbetreibenden und in Altenpflegestuben in Kenntnis, sondern liefert auch verblüffende Einblicke in mentale Verfassung der Klever Zahnärzte.
Am Niederrhein reicht es offenbar nicht mehr aus, virtuos mit dem Bohrer zu hantieren. Heute offeriert ein Klever Zahnarzt seinen Patienten nicht nur einen gut ausgeleuchteten Platz auf einem Behandlungsstuhl, sondern Zahnwelten, offenbar also so eine Art Paralleluniversum, was durch den Einsatz von Narkotika ja in der Tat auch näherungsweise erreicht werden kann, der nächste Dentist verkündet seine epochale Zusammenarbeit mit der Filialkette McZahn, irgendwo unten im Ortsteil Kellen übernimmt ein Zahnarzt großzügig Patenschaften für Kopfweiden, und noch ein Fachmann lädt sogar die Lokalpresse ein, wenn das Gesundheitsamt zu einer Prüfung der hygienischen Verhältnisse vorbeischaut und alles für o.k. befunden wird (man stelle sich vor, demnächst kommt jeder Metzger und Gastwirt auf die gleiche Idee).
Noch zu vergeben sind folgende grandiose Geschäftsideen:
- Schraub & Bohr: Zahnschmerzen? Auspuff kaputt? Lassen Sie doch beides in der Kooperationspraxis Dr. XY/Turmgarage in einem Aufwasch machen!
- Latte dentistico: Warum die Praxis nicht gleich zu einem Café ausbauen? Die meisten Praxen sind ohnehin schon fast so eingerichtet. Schön: Der Umsatz steigt proportional zur Süße der angebotenen Waren.
- Dentomobil: Viele Menschen haben bekanntlich Angst, zum Zahnarzt zu gehen. Aber nur wenige Zahnärzte hätten vermutlich ein Problem damit, ihre Kunden zu Hause aufzusuchen. Akkubohrer in die Kitteltasche und los geht’s! Zur Beleuchtung reicht die Schreibtischlampe, zur Speichelabsaugung der Tischstaubsauger…
Nur einer hatte übrigens Pech: Der hier war mit seinen Geschäftsideen der Zeit offenbar etwas voraus.

55 Wörter? Pah! Dieser prototypische, optimierte Einstieg für einen einzigartigen Artikel für den Kalender für das Klever Land hat alles, was des klassischen Heimatkalenderfans Herz begehrt (Kultur, Kirche, Krieg, Kartoffeln), geht über mehrere Jahrhunderte, bringt sogar etwas Weltläufigkeit plus eine kleine Portion Selbstbeweihräucherung ins Spiel und geht über satte 213 Wörter. Ach ja, zur absoluten Verfeinerung hätte noch das Thema Garten reingemusst. Der Offizier aus der Provinz Ottawa könnte die Statue beispielsweise auch in den Beeten der barocken Gartenanlagen der Stadt versteckt haben, wo sie ein aus Portugal stammender Baggerführer der Fa. Schneider & Klippel bei unhistorischen Ausschachtungsarbeiten – die übrigens erst Monate später vom damaligen Stadtarchivar Dr. Böhnke nach einer dramatischen Intervention bei der Denkmalschutzstelle des Landes NRW in Hamm-Uentrop gestoppt werden konnten – durch Zufall entdeckte, leider aber auch mit seinem Zweischalengreifer schwer beschädigte.

Nachdem B. Hendrix in der vergangenen Woche beinahe im Alleingang einen finnischen Birkenwald ihrem Drang nach Medienpräsenz geopfert hat, nun eine schwarze Siegessäule fast phallischen Ausmaßes – 8 Mal Theo Brauer, viermal davon zur Eröffnung des neuen Altenheims “Seniorenresidenz zum Tiergarten”. CDU-MdL Manfred Palmen, noch vor zwei Wochen deutlich unterm Radar, diesmal mit drei Treffern, darunter auch ein hübscher Firmenbesuch. Und Wolfgang Spreen, LdL, verdankt seine drei Treffer der Tatsache, dass ihm der neue Heimatkalender überbracht wurde. Diese persönliche Aufmerksamkeit ist vermutlich der verblüffenden Tatsache geschuldet, dass der Kreis die Herstellung dieses beliebten und kommerziell sehr erfolgreichen Weihnachtsgeschenks seit Jahren großzügig unterstützt.
“Das ist Blödsinn. Für uns Züchter haben die Tauben nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen hohen ideellen Wert. Meine Tauben sind besser gepflegt als manche Männer ihre Frauen und Kinder pflegen.”
So ein “empörter” Heinz-Theo Zevens in der NRZ zu Vorwürfen von Tierschützern, dass bei Wettflügen viele Tiere sterben. Die Tiere werden Zevens zufolge in “komfortablen Schlägen” gehalten, “mit einer ausgeklügelten Be- und Entlüftung, Fußbodenheizung und Kotabsauganlagen”. Mit dem Dachboden-Vergnügen aus der Zechensiedlung von einst habe das nichts mehr zu tun.