Hochschule Rhein-Waal: Tektonische Verwerfungen brechen bei Kanzlerwahl auf

rd | 10. Februar 2017, 13:21 | 7 Kommentare
Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich von außen betrachtet ein wenig so wie die Erde auf Satellitenaufnahmen – schillernd, bunt, vielfältig. Aber wie auf der Erde ist auch in der Hochschule die Oberfläche nur eine dünne Kruste. Darunter walten tektonische Kräfte, die Kontinentalplatten aneinander reiben lassen und sie unter Spannung setzen, bis die aufgestaute Energie sich in furchtbaren Beben entlädt.

Wer gestern Abend in der Hochschule war, wurde Zeuge einer solchen Erschütterung des akademischen Betriebs: Die geplante Kanzlerwahl, eigentlich eine Formsache, endete im einem Eklat und ließ den Hochschulratsvorsitzenden Prof. Dr. Gerard J.M. Meijer brüskiert zurück – was dem Ruf der Hochschule in der akademischen Welt, wenn man einmal über den Klever Tellerrand blickt, einmal mehr schweren Schaden zufügt.

Was aber ist geschehen?

Im vergangenen Jahr verließ die Kanzlerin der Hochschule, Bibiana Kemner, Kleve, um einen neuen Posten an der Hochschule Niederrhein in Krefeld anzutreten. Der Kanzler hat in einer Hochschule ein wichtiges Amt inne, weil er über die Finanzen wacht. Nach einem kurzen Interregnum bestimmte das Präsidium übergangsweise Karsten Koppetsch zum neuen Kanzler.

Koppetsch, Diplom-Verwaltungswirt, kann eine gewisse Nähe zu den Scientific-Freshers-Professoren Torsten Brandt und Dirk Untiedt nicht abgesprochen werden, denn er agierte eine Zeitlang zusätzlich zu seinen Aufgaben an der Hochschule als Geschäftsführer der Scientific Freshers Real Estate GmbH. Die Gesellschaft kümmert sich um die Verwaltung die von dem Institut angehäuften Immobilien (mehr zu den Scientific Freshers hier: Was erlauben Klotz und hier: Waffeln backen.

Doch diesen Posten, das sei der Fairness halber hinzugefügt, hat Koppetsch mittlerweile drangegeben; bei näherer Betrachtung hätte er womöglich auch zu einer Interessenkollision mit seinen Aufgaben als kommissarischer Kanzler geführt.

Mit der Suche eines endgültigen Nachfolgers wurde eine Findungskommission unter Vorsitz von Professor Meijer beauftragt. Meijer fungiert als Vorsitzender des Klever Hochschulrats und ist eine Koryphäe im Wissenschaftsbetrieb, was aber in Kleve nur wenige wissen (wollen).

Als der Professor aus Nimwegen mit der Suche beauftragt wurde, war er noch Präsident der renommierten Radboud-Universität. Mittlerweile arbeitet der 55-jährige Wissenschaftler als Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max Planck-Gesellschaft in Berlin, was in der Welt der Gelehrten einem Ritterschlag gleichkommt. Meijer ist also ganz oben unterwegs, was ihm vielleicht auch einen unbestechlichen Blick auf die Ränkespiele im Inneren einer kleinen, jungen Fachhochschule in der Provinz bewahrt hat.

Wie die Findungskommission zusammengesetzt war und wie sie arbeitete, lässt sich der Pressemitteilung entnehmen, die von der Hochschule unter der Überschrift „Hochschule Rhein-Waal sucht weiterhin neuen Kanzler“ noch gestern Abend versandt wurde.

Darin heißt es:

„Die Vorbereitung der Wahl lag demnach in den Händen einer vom Senat und Hochschulrat gemeinsam eingesetzten Findungskommission, die aus je drei Mitgliedern der beiden Gremien bestand. In einem zeitlich abgestimmten Verfahren hat die Findungskommission aus den eingegangenen Bewerbungen eine Liste mit sieben in Frage kommenden Kandidaten erarbeitet. Sie wurden zu Gesprächen mit der Findungskommission eingeladen, die sich danach und nach intensiven Gesprächen auf einen Wahlvorschlag als Empfehlung an die Hochschulwahlversammlung verständigte, der einen Kandidaten enthielt.“

Die Hochschulwahlversammlung wiederum ist ein Gremium, das zur Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Senats und zur anderen Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Hochschulrats besteht. Da die Personen aus Findungskommission und Hochschulwahlversammlung also teilweise identisch ist, sollte man davon ausgehen können, dass das Vorgehen abgestimmt ist.

Doch es kam ganz anders.

Mitglieder aus dem Wahlgremium beschwerten sich in der Sitzung scheinbar aus heiterem Himmel darüber, dass nur ein Kandidat und nicht eine Liste mit Kandidaten präsentiert wurde. In der Pressemitteilung heißt es dazu etwas verkomplizierend: „In der Erwartung einer Vorschlagsliste mit mehreren Kandidaten ist eine Mehrheit der Senatsmitglieder in der Hochschulwahlversammlung der Empfehlung der Findungskommission nicht gefolgt, während sich die Mitglieder des Hochschulrats einstimmig für den Wahlvorschlag ausgesprochen haben.“ Eine Mehrheit in beiden Teilen des Gremiums wäre aber nötig gewesen – der Vorschlag wurde also abgeschmettert. Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer kommentierte den Vorgang lediglich mit zwei Sätzen: „Das ist Demokratie. Es ist, wie es ist.“

Aber was ist es?

Möglicherweise ein Eklat mit einem Bumerang-Effekt für die Hochschule. Wie ist es zu werten, wenn eine monatelange gemeinschaftliche Arbeit urplötzlich mit einem Hinweis auf Verfahrensfragen zunichte gemacht wird? Ein Beobachter führte das Wort „Intrige“ ins Feld – gegen einen der renommiertesten Wissenschaftler Europas? Warum? Meijer selbst soll vor der Abstimmung der Wahlversammlung den Mitgliedern des Gremiums geraten haben, eine Entscheidung zu fällen, die gut für die Hochschule ist.

Eine solche Entscheidung zu fällen, das ist offenbar in Kleve nicht so einfach – oder aber die Meinungen darüber, was gut für Hochschule ist, gehen auseinander. Das Verfahren muss jedenfalls mit einer Neuausschreibung der Kanzlerposition fortgesetzt werden.

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7 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 7. jean baptiste

    @5. ### —->meine eigene Antwort auf 6.
    weshalb bringen Sie so eine Behauptung eigentlich ?

    die WAZ https://www.waz.de/staedte/kleve-und-umland/kanzler-fuer-hochschule-wurde-nicht-auf-anhieb-gefunden-id209582885.html
    bringt ja die wahre Antwort.

    Prof. Meijer ist externes Mitglied .
    Nicht die (externen) Mitglieder in der Hochschulwahlversammlung, der sog. Hochschulrat, hat dagegen gestimmt, sondern eine Mehrheit im Senat .
    Bewerten kann ich das nicht, da mir dazu die Hintergründe fehlen, aber eine Vorschlgsliste aus 1 Kandidaten hat immer ein leichtes Gschmäckle.

     
  2. 6. jean baptiste

    @5. ###
    Haben Sie da mal konkrete Beispiele?
    Behaupten kann jeder … aber ich habe aus Nijmegen und Berlin nur Gutes über ihn gehört,
    Ud wenn man bedenkt, daß er bereits früher dem Fritz Haber Institut vorstand,
    und jetzt wieder dahin zurückkehrt, fällt er echt nicht vom Ross ….

     
  3. 5. ###

    Hr Meijer ist selbst der Meister der Ränkespiele, nur dieses mal von seinem hohen Ross gefallen.
    Selbst ein Blinder mit Krückstock hat bei der Präsentation des Kanzler Anwärters schon gemerkt das hier nicht nach Qualifikation entschieden wurde. Der Abgang von Hr Meijer nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses bestätigte endgültig das er mit dem Ergebnis seines Personalpockers nicht zufrieden war.

     
  4. 4. rd

    @Agitator Ein interessanter Hinweis!

     
  5. 3. rd

    @??? Nr. 2 (also nicht der Verfasser dieses Kommentars, sondern der des nicht veröffentlichten) Bitte anderes Pseudonym zulegen. Die drei Fragezeichen sind belegt.

     
  6. 2. Agitator

    Ich denke, dass sich ein Professor der HSRW, welcher auch politisch in vorderster Front einer kleinen unbedeutenden liberalen Partei kämpft, gerade in Stellung bringt..

     
  7. 1. ???

    Warum soll es in der HSRW anders sein, als in der Klever Politik und Verwaltung???