Hochschule: Grenzen des Wachstums erreicht, sogar Klausuren im Karnevalszelt wurden bereits erwogen

rd | 15. November 2017, 18:57 | 3 Kommentare
Gute Laune beim Betrachten der aktuellen Zahlen: Dr. Heide Naderer

Gute Laune beim Betrachten der aktuellen Zahlen: Dr. Heide Naderer

Läuft.

Läuft sogar so gut an der Hochschule Rhein-Waal (HSRW), dass Präsidentin Dr. Heide Naderer nach der Bekanntgabe der neuen Rekordzahlen sagte, die Grenzen des Wachstums seien erreicht. Exakt 7222 eingeschriebene Studenten verzeichnete die Hochschule gestern, eine neue Höchstzahl und 45 Prozent mehr als die ursprünglich angepeilten 5000 Studenten. Jeder zweite Student kommt aus dem Ausland – die HSRW ist Deutschlands internationalste Hochschule.

Der Raumbedarf ist immens, viertausend Quadratmeter hat die Hochschule an den Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort bereits angemietet, und als Notlösung für die Klausurphase im Februar trugen Professoren bereits die Idee an den kommissarischen Kanzler Dr. Oliver Hermann heran, das Warsteiner-Karnevals-Festzelt anzumieten, damit die Studenten ihre Arbeiten schreiben können. Dazu wird es aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen, obwohl die Vorstellung, eine wichtige Prüfung in einer von Narretei geprägten Umgebung zu absolvieren, ja durchaus ihren Reiz hätte. Wer aber eine andere Idee für einen geeigneten und zur Verfügung stehenden Saal hat, darf sich gerne an die Hochschule wenden.

Doch zurück zu den Rekordzahlen. „Der Wachstumskurs der Hochschule Rhein-Waal scheint ungebrochen“, schreibt die Hochschule. „Derzeit studieren 7222 junge Menschen in 25 Bachelor- und elf Masterstudiengängen. Im vergangenen Jahr lag im gleichen Zeitraum die Zahl der Studierenden bei 6757. Das entspricht einer Steigerung um von ungefähr sieben Prozent. Ursprünglich war die Hochschule auf 5000 Studierende ausgelegt.“

„Wir stoßen damit an unsere Kapazitätsgrenzen, die wir mittel- und langfristig abfedern müssen. Es gilt, darauf zu achten, dass wir die hohe Qualität der Hochschule auch auf Dauer halten können“, sagte Naderer zu den Zahlen. Herrmann ergänzte: „Aus diesem Grund werden wir uns zukünftig stärker auf die Konsolidierung konzentrieren müssen. Ein derartiges Wachstum wird es in den kommenden Jahren so nicht mehr geben können.“

Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Hochschule: „Die Zahlen stellen aber unter Beweis, wie beliebt und anerkannt die Hochschule mittlerweile ist. Gut ausgestattet und finanziell abgesichert kann die Hochschule darüber hinaus mit ihrem internationalen Charakter punkten. Fast 46 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland. Der Anteil der Studierenden aus dem EU-Ausland beträgt etwas mehr als fünf Prozent. Insgesamt hat die internationale Community um mehr als zwölf Prozent zugelegt. ,Darüber freuen wir uns ganz besonders. Zeigt es uns wieder einmal mehr, dass wir mit unserem Angebot zu Recht in Deutschland als internationalste Hochschule gelten‘, so Dr. Naderer. Diese Internationalität spiegelt sich auch in den Einschreibungen für das Wintersemester 2017/2018 wider. In diesem Jahr schrieben sich 27 Prozent mehr Studierende aus dem Ausland ein als im Wintersemester 2016/2017. Das Wintersemester startete mit insgesamt 1747 Einschreibungen.“

Einen Kommentar schreiben





3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. Nasenbär

    Das ist aber kein reines Problem der Hochschule Rhein-Waal, sondern war und ist seit Jahrzehnten Problem aller Hochschulen. Die Zahl der Studierenden wird bei Neubauten und Neugründungen immer zu gering angesetzt, ebenso geht man fehlerhaft und meist vorsätzlich, damit die Zahlen stimmen, davon aus, dass alle immer in den Regelstudienzeiten fertig werden und dann wieder Studienplätze frei geben bzw. heute nur den B.A. machen und keine Masterphase. Außerdem werden immer mehr Berufe akademisiert, einerseits gut, andereseits eine reine Sparmaßnahme von Unternehmen, öffentlichen wie privaten um keine Ausbildungsvergütungen zahlen zu müssen.

    Warum ist das so? Es liegt einerseits daran, dass Politik nur in Wahlperioden plant, Dinge, die in Wahlperiode A viel Geld kosten, sich aber erst in B oder C auszahlen macht man nur ungerne, es sei denn man kann heute Dinge planen, die andere dann viele Jahre später erst bezahlen müssen.
    Zweitens liegt es daran, dass viele Projekte und dazu zähe ich auch diese sinnvolle !!! Hochschule, nie angepackt worden wären, hätte man von Anfang an mit realistischen Zahlen und entsprechendem Bauvolumen und Personalbedarf geplant. Das ist übrigens häufig so, erst baut man einen kurzen zweispurigen Autobahnabsschnitt und in Salamitaktik werden über Jahrzehnte drei- oder vierspurige längere Strecken draus.
    Bei Schulen, Kitas (die Eltern sollen, wollen und müssen u.a. für Kita-Beiträge ja beide arbeiten) ist das genauso.
    In der Politik fehlt aber meistens der Mut, vielleicht auch das intelektuelle Format bei der Vorausschau, sich vor den Steuerzahler zu stellen und von Anfang an auf die Kosten für die “Endgrößen” hinzuweisen, vielleicht möchte mancher Politiker auch an seine eigenen Märchen glauben, bei denen es darum geht mit gleichem Aufwand immer mehr haben und sein zu wollen. Bei der Hochschule ist das mit Verlaub aber ein Landesproblem, auch wenn die Auswirkungen an den jeweiligen Standortstädten/Hochschulen auftreten.

     
  2. 2. rd

    @Michael Bay Ist bei der Pressekonferenz alles angesprochen worden. Aber die Landesregierung hat ja noch nicht mal eine Entscheidung zu den Studiengebühren gefällt. Kann ja theoretisch auch sein, dass der Hochschule der Hahn abgedreht wird. Planungssicherheit wäre also wichtig. So weit ich das beurteilen kann, mangelt es der HSRW jedenfalls nicht an Selbstbewusstsein.

     
  3. 1. Michael Bay

    Es ist schwer nachvollziehbar, wenn so ein Erfolg wie die Hochschule Rhein-Waal nun konsolidiert werden soll. Was heißt das denn? Den Status quo verwalten? Wäre es nicht jetzt die Aufgabe der Präsidentin, mit stolz geschwellter Brust nach Düsseldorf zu fahren, um zu zeigen, dass die damalige Entscheidung der Neugründung einer Hochschule in Kleve völlig richtig war und nun die Bedingungen des weiteren Wachstums, die Unterstützung beim weiteren Wachstum auszuhandeln sind: Mehr Gebäude, mehr Lehrende, mehr Infrastruktur. Es gibt genug Baugelände in Kleve und Umgebung; warum sollten Lehrende nicht an eine Hochschule kommen wollen, die erfolgreich ist. Konsolidieren? Sich zufrieden geben mit dem, was man hat? Das ist Bürokratenmentalität und riecht nach Kleinmut, nach Furcht davor, den Überblick und die Kontrolle zu verlieren. Konsolidieren, das wäre bedauernswert. Inakzeptabel.