Friedhelm Olfen, 1951-2016

Helga Diekhöfer | 12. Oktober 2016, 18:55 | 10 Kommentare
Friedhelm Olfen mit dem Lieblingsinstrument seiner späten Jahre, dem Bandoneon (Foto: Stadt Rees)

Friedhelm Olfen mit dem Lieblingsinstrument seiner späten Jahre, dem Bandoneon (Foto: Viktoria Hölter)

Er ging nicht leise von uns. Seinen Trauergottesdienst hatte er noch mit gestaltet und bestimmt, dass das „Introitus“ aus Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“ erklingen sollte.

Friedhelm Olfen widmete sein ganzes Leben der Musik. Schon im frühen Kindesalter erwachte seine große Musikalität und er fand Förderer, wie seinen Musiklehrer Prof. Walter Gieseler, der sein Talent schnell erkannte, und seine Organistin in der Kleinen Evangelischen Kirche an der Böllenstege, die ihm das Orgelspiel beibrachte.

Aber sein größter Förderer war er selber; durch seine unbedingte Liebe zur Musik, die ihm zur Lebensnahrung wurde, erschien ihm bis zuletzt das tägliche stundenlange Üben auf verschiedenen Instrumenten als ein Grundbedürfnis und Garant für einen erfüllten Tag. Perfektionieren wollte er sein Spiel, bis zum Schluss.

Als kleiner Junge kam Friedhelm Olfen zuerst zum Flötenspiel, es folgten Klavier und Orgel. Während der Schulzeit am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium spielte er zunächst Schlagzeug und brachte sich selber das Gitarrenspiel bei. Als er dreizehn war, gründete er mit drei Klassenkameraden die Beat-Band „Meditation“. Zusammen mit Günther Zins, Werner Koenen und Rochus Kuhn spielte er aus dem Repertoire von Jimi Hendrix, Frank Zappa/Mothers of Invention und vor allem – neben eigenen Kompositionen – Beatles-Cover-Nummern.

Nicht nur die Mädchen vom benachbarten Johanna-Sebus-Lyceum waren begeistert. Den größten Erfolg feierte die Band mit einem zweiten Platz auf einem bundesweiten Festival für Nachwuchsbands, den größten Skandal lieferten sie mit einem unfreiwilligen „Auftritt“ in der Bild-Zeitung wegen des Vorwurfs „blasphemischer Textpassagen“. Kein idealer Start für einen späteren Kirchenmusiker.

Nach seinem Studium der Musik war Friedhelm Olfen in der Zeit von 1978-2013 mit Leib und Seele Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde in Goch und Kreiskantor im Evangelischen Kirchenkreis Kleve. Aber nicht nur als virtuoser Organist wurde er in all den Jahren wahrgenommen und anerkannt, sondern auch als begnadeter Chorleiter und Orchesterdirigent, als Jazzpianist und Bach-Virtuose.

Seit 2001 widmete er sich mit viel Einsatz und großer Leidenschaft einem weiteren, völlig neuen und dazu sehr komplizierten Instrument, dem Bandonéon. Der lyrische Tango hatte es ihm angetan, und hier besonders die Kompositionen des Argentiniers Astor Piazzolla.

Unvergesslich eines seiner letzten größeren, öffentlichen Bandonéon-Konzerte im Februar dieses Jahres, das unter Mitwirkung seines Freundes Bert Thompson, Kontrabass, und Monika Lensing, Violine, in der Emmericher Christuskirche stattfand. Unter dem programmatischen Titel „Tristezza“ entfaltete sich hier in der Passionszeit noch einmal Friedhelm Olfens einfühlsames, allen zu Herzen gehendes Spiel auf seinem späten Lieblingsinstrument.

Im Programmheft unter anderem: „Agonia“ („Todeskampf“) von Aldo Junnissi und „Adios Nonino“ („Auf Wiedersehen, mein kleiner Junge“) von Astor Piazzolla.

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10 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 10. falk süsmann

    friedhelm u. ich haben bei mir in donsbrüggen mal zusammen gespielt. einen teil der aufnahmen hab ich noch auf band. schöne erinnerungen…, nicht nur an die musik, sondern auch an ihn selbst.

     
  2. 9. Guido Rous

    Hundertwasser-Haus. – Inzwischen gibt es zwischen Österreich und Deutschland einige Hundertwasserhäuser, lustig verspielte Bauten, die von uns zunächst als Schock empfunden wurden. Der Schock ist allerdings gedämpft worden,
    nachdem so viele Städte Anleihen bei dem Original machten. Vielleicht in dem Gefühl, dass sie mit Hundertwasser
    aller Überlegungen für eine Entwicklung der Stadtlandschaft überhoben wurden. Das war doch mal was anderes! Inzwischen ist so viel „gehundertwassert“ worden, dass uns die Bauten des Wiener Künstlers so gemütlich daherkommen wie die Installationen in Disneyland, in denen man mit den Kindern krabbeln kann.
    Wer die Hundertwasserhäuser in anderen Städten gesehen hat, könnte sich an den Drachenfels im Siegengebirge
    erinnert fühlen: Von der Wagnerreminiszenz zum Kitsch:Nach hundert Jahren eine Erinnerung an den wilhelminischen Geschmack.
    Ich hoffe, das die Imitation von Hundertwasser den Klevern keinen ähnlichen Streich spielt.
    Guido Rous

     
  3. 8. Jens

    Ich habe bei ihm im Posaunenchor Goch gespielt. Ende der 80er, Anfang 90er. Immer nett und lustig. Leider habe sich unsere Wege später nicht mehr gekreuzt. Sehr bedauerlich!

     
  4. 7. Heinz

    Brahms: „ein deutsches Requiem“

    https://youtu.be/kwzjAL6tt-s

     
  5. 6. C. Merges

    Mit Trauer haben wir erfahren, dass Friedhelm Olfen verstorben ist. Einen Mann, den wir noch kurz vor unserer Trauung das erste mal so persönlich kennen gelernt haben und wunderschöne und beeindruckende Stunden mit ihm verbringen durften. Sein großes Talent uns seine Gabe, Musik fühlbar und erlebbar zu machen, haben uns sehr beeindruckt und diese Erinnerngen bleiben für eine lange Zeit. Wir haben es leider nicht ahnen können, dass wir auf unserer Hochzeit Anfang September Gäste seiner letzten musikalischen Begleitung während einer Messe gewesen sind. Wir gedenken voller Respekt und Dankbarkeit.

     
  6. 5. Heinz

    Friedhelm war mit Meditation 1968 bei den legendären Essener Songtagen dabei

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Internationale_Essener_Songtage

     
  7. 4. Elisabeth

    Ein schöner Artikel. Toll, dass Friedhelm hier auftaucht und ich sein Leben so noch mal vor Augen habe. Ich hab ein paar Mal was mit ihm zusammen machen können. Das war immer beglückend. Er konnte so viel und das hat’s die Arbeit leicht gemacht. Es gibt eine CD von ihm zu kaufen. Z.B. im Klever Buchhandel erhältlich….

     
  8. 3. Burkhard.Nierhaus

    Friedhelm Olfen: ein begeisternder, mitreißender Lehrer auch, versehen mit einem bemerkenswerten pädagogischen Eros. Mit ihm ein Stück Musik durchzuarbeiten bedeutete, dass man die nötige Akkuratesse als auch die Lässigkeit, gleichsam den Atem für das Musizieren nicht mehr aus den Augen verlieren konnte.
    Ein phantastischer Musiker.
    Eine Institution.
    Er wird fehlen.

     
  9. 2. Lohengräm

    Gehn zu viele tot in Kleve,… Olfen, Schittko, Leinung, Friedhoff, Schumacher, Seerden.

    etc. etc.

    Winfried Hönes ist dieses Jahr auch schon 20 Jahre nicht mehr unter uns. Walter Giseler ebenfalls schon fast so lange verstorben. Pfarrer Gerhard Hendricks (früher Christus-König) ebenfalls bereits 10 Jahre.

     
  10. 1. R k h

    Möge er in Frieden ruhen. Ähh, nachdem hier Zappa erwähnt wurde, hier mein Plattentip für trübe Herbsttage „We’re Only in It for the Money“ aus dem Jahr 1968. Ein wenig hyperaktiv aber hörenswert