Landgericht: 10 Einbrüche, 3 Lebensläufe, 7 Alibis

rd | 12. Oktober 2017, 14:51 | keine Kommentare
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Erst Türen hergestellt, dann aufgebohrt – Biographiearbeit im Einbruchsprozess

(Von unserem Gerichtsreporter) Die drei Angeklagten sind 24, 25 und 27 Jahre alt. Zehn Einbrüche sollen sie im Dezember 2016 begangen oder zumindest versucht haben, in Kellen, Bedburg-Hau und Kleve. Mal sollen sie einen Fernseher erbeutet haben, mal Bargeld, mal Schmuck. Die Handschrift der Täter war immer die gleiche: Es wurden Löcher in die Türen gebohrt, dann konnte mit einem Draht der Griff betätigt werden. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Kleve erzählten die drei Männer, wie ihr Leben verlief.

Der Vorsitzende Richter Ruby befragt den Angeklagten Albaner H., wie er aufgewachsen sei. H., gedolmetscht, antwortet: „Ich bin ohne Vater aufgewachsen.“. Der Angeklagte erzählt, dass er acht Jahre zur Schule gegangen sei, und dann fünf Jahre als Wächter in einer Zementfabrik gearbeitet habe. Mit dem Regierungswechsel in seiner Heimat sei er im Juli 2015 nach Deutschland gekommen. Er erzählt weiter, dass er in Deutschland einen Asylantrag gestellt habe, er aber leider nicht arbeiten durfte, was ihn dann dazu bewogen hätte, zurück nach Albanien zu gehen. Der Vorsitzende Richter fragt: „Wo haben Sie zuletzt gewohnt“. Der Angeklagte H. antwortet: „In Wuppertal, nachts habe ich in einem Heim übernachten können.“ Der Vorsitzende Richter fragt: „Haben sie Drogen konsumiert?“ Der Angeklagte H.: „Bis vor einem Monat vor der Haft habe ich Kokain und Haschisch konsumiert, aber nur in kleinen Mengen.“

Anschießend befragt der Vorsitzende Richter den zweiten Angeklagten B. Er erzählt, dass er eine Schwester und einen Bruder habe und dass er schon als Kind habe arbeiten müssen, weil sein Vater Invalide gewesen sei. Was er nach der Schulzeit gemacht habe, will das Gericht wissen. B. sagt: „Ich habe 4 bis 5 Jahre in einer Holzfabrik gearbeitet, die Fenster und Türen hergestellt hat.“ Als die Firma keine Arbeit mehr hatte, wechselte B. ins Baugewerbe. Erste Station von B. in Deutschland war Dortmund, dann ging es weiter nach Kleve, wo er in einem Heim übernachtet habe. Zu seinen finanziellen Verhältnissen befragt, antwortet B.: „Ich habe 5000 Euro Schulden bei verschiedenen Personen. Diese sind entstanden, weil ich für meinen invaliden Vater Medikamente kaufen musste.“ Der Angeklagte weist darauf hin, dass 5000 Euro in Albanien sehr viel Geld sei, weil die Leute ein kleineres Gehalt hätten als hier in Deutschland. Vorbestraft sei er nicht.

Der dritte Angeklagte, D., berichtet von einer achtjährigen Schulzeit sowie Jobs als Kellner, an einer Tankstelle sowie auf dem Bau. Dann sei es Anfang 2016 nach Deutschland gegangen, und zwar nach Hannover. Dort habe er einen Asylantrag gestellt, der jedoch abgelehnt worden wäre. Daraufhin sei er über Dortmund nach Kleve gozogen. D. erzählt: „In Kleve habe ich mich immer auf der Stadionstraße aufgehalten.“

Zur Sache möchte D. sich nicht äußern, B. hingegen gesteht eine Beteiligung an allen zehn Taten – H. wiederum nur die an den ersten beiden Delikten. Seine Rechtsanwältin erläutert, dass Ihr Mandant an den anderen Taten nicht beteiligt sein könne, weil er zu den Tatzeitpunkten bei Schwarzfahren ertappt worden sei – zweimal in Nieukerk und einmal in Düsseldorf. Die Nordwestbahn habe drei Strafanträge gegen ihren Mandanten gestellt.

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