Bericht aus dem Schulausschuss: Marienangst und Mäkkesmensa

Claudia Philipp | 11. September 2014, 00:48 | 3 Kommentare

50 Sitzplätze für Zuhörer waren eingeplant, gut 500 wären besser gewesen: Volles Haus bei der Sitzung des Klever Schulausschusses. Die von CDU und Grünen in Aussicht gestellten Reformen (Spyckschule wird Montessori, Standorte Konrad Adenauer und Johanna Sebus sollen aufgegeben werden) stoßen nicht  überall auf Gegenliebe (Foto: Claudia Philipp)

Erwachsene machen Politik für Kinder. Eltern hören zu: Sitzung des Schulausschusses (Foto: Claudia Philipp)

Wenn die Sitzung des Schulausschlusses im Interimsrathaus an der Landwehr ein Exempel für den neuen schwarz-grünen Politikstil in unserer Stadt ist, dann, soviel steht fest, stehen uns spannende Jahre bevor. Geplant ist ein großer Wurf, die völlige Umkrempelung der Klever Schullandschaft, wodurch reichlich neues Bauland frei wird und Schulstandorte, dies ist wohl auch dem demographischen Wandel geschuldet, zusammengelegt werden sollen. Das alles kam für die betroffenen Eltern aber nun doch ein wenig plötzlich, so dass die Verwaltung für informationshungrige Eltern zwar eilends 50 Plätze schuf, aber die reichten bei weitem nicht aus. Die meisten Zuschauer waren Eltern aus dem Einzugsbereich der Spyckschule, die wissen wollten, wohin ihre Kinder möglicherweise gekarrt werden müssen, wenn ihre Vorbehalte gegenüber der Montessori-Pädagogik bestehen bleiben.

Als beim Aufzählen möglicher Alternativen für die Kinder die Karl-Leisner-Grundschule genannt wurde, applaudierten die betroffenen Eltern höhnisch. Da wurde die Ausschussvorsitzende Petra Tekath (SPD)streng, wies die Eltern auf die Wahrung des Gastrechts hin und verbat sich Zwischenrufe.
Als Monika Overkamp (SPD) um Vertagung bat, weil die Fraktion sich noch einmal beraten wolle, ging ein Seufzen und Stöhnen durch die Reihen der Fraktionsmitglieder der anderen Parteien. Die Abstimmung war somit nicht möglich; der Großteil der Elternschaft verließ murrend und frustriert den Raum 5 des Interims-Rathauses. Monika Overkamp zu kleveblog über die Hintergründe ihres Antrags: „Ich mag nicht urteilen mit heißer Nadel. Ich befürchte, dass sonst Griethausen trotz Erfolgmodells sterben muss.“

Aber muss Griethausen nicht ohnehin sterben? Für die Montessoris zu klein, für ein Dutzend zukünftige „eingeborene“ Griethausener und Düffelwarder zu groß. Warum dann keine Entscheidung?

Griethausens Schulleiterin, Alexandra Ziegler, möchte gerne in die Spyckschule, wo die Bedingungen nicht optimal, aber immerhin besser als in Griethausen sind. Bekanntermaßen steht das Schulamt diesen Überlegungen sehr aufgeschlossen gegenüber. Viele Eltern sind skeptisch. Weitere Informationen dazu hier: Klever Schulmonopoly und hier: Schulkonferenz Spyckschule, ein Aktenvermerk.

Dann ging es um die weiterführenden Schulen. Es sollte keine Diskussion geben über die Standortfrage des Konrad-Adenauer-Gymnasiums. Der Prüfantrag auf Neubau hinter der Realschule an der Lindenstraße verhinderte das. Fragt man allerdings Schüler, sehen sie einen praktischen Vorteil: Die McDonald’s-Filiale am Klever Ring, direkt gegenüber dem geplanten Standort gelegen, wäre als Alternativmensa deutlich besser zu erreichen als vom jetzigen Standort im hintersten Winkel Kellens.

Die Grundstücksfrage wird in eingeweihten Kreisen gelassen betrachtet. Natürlich werde ein wenig gepokert, aber man solle nicht vergessen, dass das Gelände im Familienbesitz der Cellina-Nachfahren ist – jenem Unternehmen, dass gerade erst den Zuschlag bekommen habe, den Klinker fürs Rathaus zu liefern. Da dürfe ein wenig Entgegenkommen zu erwarten sein.

Schließlich bat der Schulleiter des Gesamtschule, Jürgen Schmitz, noch um Eile beim Umbau seiner Schule – aber dieser muss europaweit ausgeschrieben werden, was den Prozess sicherlich nicht beschleunigen wird (siehe auch: Minoritenplatz).

Einen Kommentar schreiben





3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. Andreas

    Wow. vielleicht sollte man sich erstmal Gedanken machen, wie man den Transport der Sekundarschüler von und nach Bedburg-Hau und Kleve finanziert?
    Die Kinder haben nämlich Probleme dabei, zur Turnhalle, zum Sportplatz oder zur Schwimmhalle zu gelangen – weil die Klever Verwaltung wohl vergessen hat, die Buskosten einzubeziehen.
    Gleiches gilt auch für die Ausstattung der Klassenräume …
    Klever Schulpolitik, das ist einfach nur erbärmlich.
    Hoffentlich werden die Verantwortlichen zu Lebzeiten mit ähnlich engstirnigen und egomanischen Vollexperten konfrontiert, wenn es um deren persönliche Belange geht.
    Pfui!

     
  2. 2. MaHi

    Herr Foerster hat mal wieder recht, und das im positiven Sinne. Eine Gesamtschule in Rindern macht gar keinen Sinn! Das Gebäude und das Grundstück sind für eine Klever Schulverhältnisse in sehr gutem Zustand, aber was wird nach dem Umbau sein, wenn alle Freiflächen und Sportanlagen zugebaut sind? Ich kann Friedrich nur zustimmen, die GS ist in der Kleve Politik und Verwaltung unbeliebt und soll auf schnellstem Wege ins Abseits geschoben werden! In Kleve geht es nicht nach den Notwenigkeiten und Anforderungen an eine gute Schullandschaft oder um Konsens und Dialog mit den Eltern, sondern um Profilierung und Fründe der maßgeblichen Akteure. Bay und Cosar stellen ein Konzept vor und so wird es gemacht. Danke schön!

     
  3. 1. Friedrich Foerster

    Der tiefe Sinn des beschlossenen Prüfauftrages erschließt sich mir einfach nicht wirklich.
    Man prüft ja wohl nur etwas, wenn man mindestens mit dem Gedanken spielt,
    die denkbaren Ergebnisse gegebenenfalls auch in die Tat umzusetzen.

    Und da sind ja wohl Fragen und Zweifel angebracht!

    Stichwort: Neubau des Konrad-Adenauer-Gymnasiums am Klever Ring

    Zunächst einmal halte ich es für eher nebensächlich, wo genau der Neubau dort hinkommt.
    Neben der Karl-Kisters-Realschule ist er natürlich besonders sinnvoll,
    aber gegenüber oder irgendwo anders zwischen Bahnhof und Klever Ring im Bereich
    der Karl-Kisters-Realschule wären wohl alle Standorte auch ziemlich sinnvoll.

    Die grundsätzliche Frage, die eigentlich zuerst gestellt und beantwortet werden müsste, ist aber doch:
    Wird angesichts von zwei G-8-Gymnasien und der grundsätzlichen G-9-Alternative Gesamtschule einerseits
    und den aus Demographie-Gründen insgesamt zurückgehenden Jahrgangszahlen andererseits
    dauerhaft überhaupt noch die Nachfrage nach zwei G-8-Gymnasien vorhanden sein?

    Es wäre ja doch ein wenig peinlich, wenn bereits vor dem Fertigstellen des neuen Gymnasiums
    oder kurz danach die Anmelde-Zahlen für die beiden Klever G-8-Gymnasien so weit zurückgegangen sind,
    dass sie nur noch für ein einziges G-8-Gymnasium reichen …

    Stichwort: Standort der Gesamtschule

    Wie kann man eigentlich ernsthaft darüber nachdenken, die Gesamtschule ins abseits gelegene Rindern
    zu verbannen?
    Späte Rache am immer noch ungeliebten Kind?
    In Rindern leben (Stand Jahreswechsel 2013 / 2014) genau 2686 Menschen.
    In die Gesamtschule kommen, wenn sie dereinst fertig ist und bis zum Abitur führt, einschließlich
    Lehrkräften und sonstigem Personal ungefähr 1500 Menschen, und das überwiegend zum genau gleichen Zeitpunkt morgens bis 8 Uhr, und sie wollen auch alle wieder ungefähr zum genau gleichen Zeitpunkt nachmittags gegen 16 Uhr weg.
    Wie soll das eigentlich sinnvoll organisiert werden, wenn diese Schule nach Rindern kommen sollte?
    Man kann deshalb durchaus auf den Gedanken kommen, dass hier mutwillig genau der Verkehr
    erst verursacht werden soll, dem man anschließend gerne mit der eigentlich vollkommen überflüssigen sogenannten „Querspange“ abhelfen möchte.
    Die Kreuzung Tiergartenstraße / Klever Ring / Gruftstraße würde aber in jedem Fall viel stärker belastet,
    und das genau zu den Spitzenzeiten bis 8 Uhr und gegen 16 Uhr und völlig unabhängig davon, ob die sogenannte „Querspange“ kommt oder nicht.
    Die vor Ort vorhandene Wilhelm-Frede-Schule müsste natürlich auf die dreifache bis vierfache Größe
    aufgeblasen werden.
    Wie sich ein solcher Riesenbau harmonisch in das historische Dorfbild von Rindern einfügen soll,
    ist mir ein großes Rätsel.
    Die Menschen, die jetzt in Rindern und den (aus Klever Sicht) „dahinter“ befindlichen Dörfern der Niederung leben, haben wohl noch nicht wirklich gründlich darüber nachgedacht, was eine so große Gesamtschule
    in Rindern für sie und ihr Dorf bedeuten könnte …

    Stichwort: Die bessere Alternative

    Kleve braucht gar nicht drei Schulzentren für weiterführende Schulen!

    Zwei sind genug!

    Ein einziges großes Schulzentrum in der Unterstadt im Bereich zwischen Bahnhof und Karl-Kisters-Realschule
    böte für alle denkbaren Wechselfälle in der absehbaren Zukunft ausgezeichnete Möglichkeiten,
    damit umgehen zu können, ohne gleich wieder kreuz und quer durch Kleve umziehen und neu bauen
    zu müssen.
    Am besten wäre natürlich, wenn auch das neue Hallenbad und das neue Freibad dorthin und nicht
    in den Sternbusch gebaut würden.

    Es ist zwar richtig, dass innerhalb der Stadt Kleve die meisten Kinder und Jugendlichen in der Oberstadt, Materborn und Reichswalde wohnen.
    Wenn man aber auch Bedburg-Hau und Kranenburg und damit den ganzen Einzugsbereich der weiterführenden Schulen in Kleve berücksichtigt, dann ist ein Schulzentrum im Bereich Bahnhof / Klever Ring
    für die von etwas außerhalb Kommenden mit allen in Frage kommenden Verkehrsmitteln natürlich
    besser erreichbar als das Schulzentrum in der Oberstadt.

    Für Kinder und Jugendliche, die auf ein G-8-Gymnasium gehen, gibt es eins in der Oberstadt und – noch –
    eins in der Unterstadt.
    Für Kinder und Jugendliche, die auf die Gesamtschule und damit auch auf ein G-9-Gymnasium gehen,
    gibt es in der Oberstadt die Sekundarschule bis zum 10. Schuljahr einschließlich und in der Unterstadt
    die Gesamtschule.
    Eine Realschule gibt es in der Tat nur in der Unterstadt.
    Auch die gymnasiale Oberstufe sowohl für die Sekundarschule wie auch für die Gesamtschule gäbe es
    in der Tat nur in der Unterstadt.
    Vielleicht hat es sich immer noch nicht überall herumgesprochen und sollte deshalb hier noch einmal ausdrücklich betont werden: Die Sekundarschule Kleve ist tatsächlich eine Gesamtschule ohne Oberstufe.
    Die Schulbücher von Sekundarschule und Gesamtschule sind die gleichen, die Schulfächer sind die gleichen (teilweise gemeinsamer Unterricht), die Lehrkräfte-Konferenzen finden gemeinsam statt.
    Und alle, die auf die Sekundarschule gehen, haben das verbriefte Recht, die gemeinsame Oberstufe von Sekundarschule und Gesamtschule besuchen zu dürfen, wenn sie sich dafür qualifizieren.
    Dabei sind die Hürden für Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule genau gleich hoch wie für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule.
    Kleve hat also de facto, wenn auch nicht de jure, eigentlich zwei Gesamtschulen.
    Das kann man anscheinend gar nicht oft genug erklären und wiederholen …