Arno Neukirchen, Leiter der Staatsanwaltschaft, in den Ruhestand verabschiedet

rd | 01. Dezember 2017, 16:16 | 3 Kommentare
Kehrt der Schwanenburg den Rücken: Arno Neukirchen

Kehrt der Schwanenburg den Rücken: Arno Neukirchen

Zum Abschied hatte Arno Neukirchen ins Goli-Theater geladen. In der Nachbarstadt zeigte der Leiter der Staatsanwaltschaft Kleve seinen Gästen den schwedischen Spielfilm „Ein Mann namens Ove“, eine Tragikomödie um einen verbitterten Witwer, der sich umbringen möchte, mit diesem Vorhaben scheitert und so nach und nach wieder in die Gesellschaft zurückfindet. So gesehen, passt der Film zum Wirken der Behörde, die Übeltäter zu überführen versucht und auf diese Weise dazu beizutragen möchte, dass die Welt eine bessere wird. Eine Welt, in der sich weniger Menschen zu Straftaten hinreißen lassen, und in der idealerweise auch die Straftäter am Ende des Tages geläuterte Menschen sind.

Doch für Arno Neukirchen hat diese Tätigkeit seit gestern ein Ende, vom heutigen Tag an ist der Chef der Klever Anklagebehörde im Ruhestand. Vor 30 Jahren, zu Beginn seiner Laufbahn, wurde er in einem Vorstellungsgespräch gefragt, ob er sich vorstellen könne, als Staatsanwalt in Kleve zu arbeiten. Die Nennung des abgelegenen Ortes sollte testen, ob der Kandidat von seinem Berufswunsch wirklich so überzeugt ist. War er.

Neukirchen sagte ja, doch erst Jahrzehnte später, nach Stationen in Duisburg, Düsseldorf und Wuppertal, fand der Jurist tatsächlich den Weg in den Ort, der einst als fiktives Schicksal ausgesprochen worden war. Kleve! Fünf Jahre arbeitete er in im Schatten der Schwanenburg, seinen Lebensmittelpunkt behielt der verheiratete dreifache Vater allerdings in seiner Heimatstadt Dormagen, wovon auch sein sanfter rheinischer Akzent zeugt.

Das halbe Jahrzehnt am unteren Niederrhein erlebte Neukirchen als eine Zeit, die geprägt war durch ein sich hochtourig drehendes Personalkarussell. „Es war nicht immer einfach, das zu steuern“, so Neukirchen. Der aus seiner Sicht spektakulärste Fall im Laufe seiner Amtszeit war der so genannte Baseballschläger-Mord aus Wissel, der mit der Aussage eines Patienten aus den Rheinischen Kliniken in Bedburg-Hau seinen Anfang nahm und bei dem plötzlich größte Eile geboten war, weil ein drohendes Hochwasser sonst möglicherweise alle Beweise (inkl. des vergrabenen Opfers) für immer fort gespült hätte. Die drei Täter erhielten lebenslange Haftstrafen.

Neukirchen war in Kleve an verantwortlicher Stelle für einen Justizbetrieb zuständig, der aufgrund der Grenznähe von der Verfolgung von Drogendelikten geprägt war. Es handele sich, so Neukirchen, um ein „reines Kontrolldelikt“. Das heißt, wenn viel kontrolliert wird, wird auch viel gefunden. Beschäftigt man die Polizisten mit anderen Aufgaben, sinkt auch die (verfolgte) Drogenkriminalität. Als vor zwei Jahren wegen der Flüchtlingskrise viele Beamte der Bundespolizei nach Bayern abgeordnet worden waren, nahm die Zahl der Drogendelikte in der Grenzregion deutlich ab – was aber eben nicht darauf schließen lässt, dass weniger Rauschgift über die Grenze geschafft wurde.

Kleve erlebte Neukirchen als „angenehme Stadt“, in der er gerne durchs Zentrum oder am Kermisdahl entlang spazierte. „Ich werde Kleve vermissen“, sagt er, nun, da es ihn zurück nach Dormagen zieht. Dort, so der aller erste Plan für den Einstieg in die neue Lebensphase, werde er sich zunächst einmal allen Dingen widmen, die in der Vergangenheit liegen geblieben sind – zum Beispiel der Renovierung des Badezimmers. kleveblog wünscht viel Erfolg dabei – und auch bei allen anderen Projekten!

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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. Dietmar Shields

    Herrn Neulkirchen sei sein Ruhestand gegönnt.

    Man sagt ja neue Besen kehren besser, also alles auf Anfang.
    Vielleicht werden dann in Zukunft viele kleinere Verfahren nicht mehr wegen Geringfügigkeit oder fehlender Aussicht auf einen weiteren erzieherischen Erfolg des Straftäters, seitens der Staatsanwaltschaft in Kleve nicht mehr wegen Arbeitsüberlastung der Einfachheit eingestellt.
    So das auch Straftäter kleiner Delikte oder wegen Betruges, letztlich in Kleve nicht mehr ungeschoren davon kommen, dem gestörtem Rechtsiempfinden des Bürgers sei es zu gönnen.

     
  2. 2. Günter Hoffmann

    Respekt…für 67 hat sich der Herr Leiter der Staatsanwaltschaft sehr gut gehalten.

     
  3. 1. Chewgum

    Ein Delikt ist eine strafbare Handlung, nicht nur eine bestrafte